GRAF LUDO 2011 ist vergeben!

30.09.2011 12:28:42 | geschrieben von Oliver

heute wurde im Rahmen der modell-hobby-spiel der Deutsche Spielegrafikpreis GRAF LUDO 2011 vergeben. Die Gewinner sind:

GRAF LUDO "Beste Kinderspielgrafik" 2011: "Voll in Fahrt" (Amigo), Grafik: Alexander Jung
GRAF LUDO "Beste Familienspielgrafik" 2011: "Eselsbrücke" (Schmidt-Spiele), Grafik: Michael Menzel
Der Preis wurde vom Felsenweginstitut der Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie und der Leipziger Messe ins Leben gerufen und ist mit 1000 Euro dotiert.




Leipzig, 30. September 2011

Gewinner des Deutschen Spielgrafikpreises GRAF LUDO 2011 stehen fest

"Eselsbrücke" von Schmidt Spiele und "Voll in Fahrt" von Amigo sind die Preisträger des Deutschen Spielegrafikpreises 2011. Im Rahmen der modell-hobby-spiel wurde heute der Spielegrafikpreis GRAF LUDO verliehen. Über die Auszeichnung in der Kategorie "Beste Kinderspielgrafik" darf sich Alexander Jung mit "Voll in Fahrt" freuen, Gewinner der Kategorie "Beste Familienspielgrafik" ist der dreifach nominierte Michael Menzel mit "Eselsbrücke".
Im Rahmen einer Festveranstaltung im Congress Center Leipzig (CCL) überreichten Bürgermeister Andreas Müller und Katja Demut, Deutsche Meisterin beim Dreispringen, André Lange, Olympiasieger im Bobfahren, und Kevin Kuske, ebenfalls Olympiasieger im Bobfahren, die beiden Preise an die Grafiker.

Der GRAF LUDO wird in diesem Jahr zum dritten Mal verliehen. Der Preis würdigt die gelungene grafische Umsetzung einer Spielidee und ehrt damit die Arbeit von Spielegrafikern und Illustratoren. Die Auszeichnung wurde von FamilyGames, dem Spielbereich des Felsenweg-Instituts der Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie und der Leipziger Messe modell-hobby-spiel ins Leben gerufen und ist mit 1.000 Euro Preisgeld dotiert.

Beste Familienspielgrafik "Eselsbrücke" (Schmidt-Spiele)

Zur Begründung der Jury
Wir leben in einer verrückten Zeit; in einer modernen Zeit, in der wir dank der vielen technischen Fortschritte jeden Tag ein bisschen mehr verlernen. Navigationssysteme führen uns zu unseren Zielen, Rechtschreibhilfen begleiten uns täglich, Adressbücher speichern Namen, Adressen und Telefonnummern. Wir werden denk- und merkfaul. In so einer Zeit gewinnt ein Spiel wie "Eselsbrücke".

Natürlich liegt der Gedanke nahe, dass es sich hier um einen Anachronismus handelt. Um eine Idee, einem Zeitgeisttrend entgegenzuwirken - getragen vom edlen Wunsch, das Vergessen der Menschheit aufzuhalten. Dass das Spiel ¿Eselsbrücke¿ diesen Verdacht, es handele sich um eine Art Anti-Vergessens-Therapie-Spiel - weit von sich weisen kann: Das ist der Verdienst seiner grafischen Gestaltung.

Viele Kärtchen fügen sich zu Geschichten - an die sich die Spieler im Laufe des Spieles erinnern müssen. Soweit so einfach. Und nun kommt die Gestaltung ins Spiel.
Das Spiel wirkt wie ein Spiel und nicht wie ein Gedächtnistraining, weil die vielen Kärtchen die wundervolle Balance zwischen Klarheit und  Verspieltheit wahren. Gerade einfach genug gehalten, um den Spieler nicht zu überfordern, aber liebevoll genug, um den Spieler in den Kärtchen beim mehrmaligen Hinschauen immer wieder neue Feinheiten entdecken zu lassen. Seien es die Raffzähne beim Rotkäppchen, der ängstliche Autofahrer, den man hinter der Scheibe kaum erkennt, oder die drei Ballermann-Besucher, die für den Begriff "Mallorca" stehen. Überhaupt überzeugt der Grafiker nicht nur mit seinem zeichnerischen Geschick, auch der versteckte Witz, das "um die Ecke denken müssen", tragen zur Magie des Spiels bei. Wer sich drauf einlässt, auf diese Welt der kleinen symbolischen Kärtchen, der wird belohnt.

Beim Spiel entfaltet sich plötzlich einen Zauber, dem selbst hoffnungslos verloren geglaubte Dauer-Handy-, Computer-, und Navi-Nutzer erliegen dürften, nämlich dann, wenn sie merken: Ja, ich kann es noch. Ich kann mir noch Bilder merken und Zusammenhänge herstellen. Dieses Erfolgserlebnis auf die sprichwörtlich spielerische Weise erlangt zu haben, ist der Verdienst des Grafikers.

Verlag:         Schmidt Spiele
Autoren:        Stefan Dorra und Ralf zur Linde
Grafik:         Michael Menzel

Beste Kinderspielgrafik "Voll in Fahrt" (Amigo)

Zur Begründung der Jury
Schon das Cover ist eindeutig. Hier geht die Schienenpost ab! Man sieht sofort worum es geht. Ein Wettrennen von Lokomotiven. Knuffige Lokomotiven suchen sich ihren Weg kreuz und quer durch die Landschaft. Dabei müssen sie sich auf unerwartete Gleisbauarbeiten und Rangiermanöver einstellen. Bei "Voll in Fahrt" versuchen die Spieler, ihre Loks möglichst schnell ins Ziel zu bekommen. Doch plötzlich ist alles anders, wenn ein Mitspieler eine oder auch mehrere Loks aufs Abstellgleis schiebt.  

Der Grafiker von "Voll in Fahrt" hat es geschafft, unterschiedliche Anforderungen unter einen Hut zu bringen, ohne dass die Spieler den Überblick verlieren. Klar strukturiert und auch sehr liebevoll hat der Grafiker den Spielplan gestaltet und der Zielgruppe 6+ angepasst. Inmitten einer grünen Wiesenlandschaft befindet sich ein kleiner Rangierbahnhof. Rund um das muntere Rangiertreiben grasen friedlich noch einige Kühe, blühen Blumen und einige ausrangierte alte Loks scheinen sich zur letzten Ruhe schon halb in die Erde eingegraben zu haben. All diese netten kleinen Randerscheinungen des Spielplans lenken jedoch keineswegs vom Wesentlichen ab. Kleine, aber auch größere Lokomotivführer werden von der ersten Minute an mitgerissen.

Neben der gelungenen Grafik des Spiels überzeugen auch die ausgesprochen schönen und originellen 3D-Lokomotiven, 16 an der Zahl, die der Amigo-Verlag diesem Spiel spendiert hat. Zusammen mit der Grafik bzw. den Illustrationen von Alexander Jung bildet das Spielmaterial ein überzeugendes und preiswürdiges Ganzes.

Verlag:         AMIGO
Autoren:        Bob Lindner
Grafik:         Alexander Jung

Hintergrund: Warum wird ein Spielegrafikpreis vergeben?

Deutschland ist seit fast zwei Jahrzehnten weltweit führend in Sachen spielerischer Innovation und Kreativität. Auf keinem anderen Markt der Welt erscheinen jährlich so viele neue und qualitativ hochwertige, traditionelle Gesellschaftsspiele. Spielen ist Kulturgut, daher gibt es auch hier wichtige Preise zu gewinnen, die für Verlage von größter ideeller und wirtschaftlicher Bedeutung sind. Beim Prozess der Spieleentwicklung wird jedoch häufig unterschätzt, welche wichtige Rolle Illustration und grafische Gestaltung bei der Freude am Spiel zukommt. Illustratoren und Grafiker sind es, die die Atmosphäre eines Spieles prägen. Sie sind es, die uns spielerisch in fremde, exotische oder historische Welten eintauchen lassen. Die Grafik eines Spieles darf sich dabei aber nicht nur an rein ästhetischen Kriterien orientieren. Vielmehr trägt der grafische Gestalter eines Spieles auch hohe Verantwortung dafür, dass Übersichtlichkeit auf dem Spielbrett herrscht, klare Zuordnungen der einz
elnen Spielmaterialien gewährleistet sind, Schriften, Zahlen, Zeichen und Symbole leicht lesbar sind, dass Spielerfarben sich deutlich voneinander unterscheiden und dass, so profan es klingen mag, auch bei schummrigem Licht immer noch alles klar zu erkennen ist. Die Gestaltung eines Spieles ist ganz zweifellos eine Kunst für sich, die mit dem Spielegrafikpreis GRAF LUDO gewürdigt wird.


Quelle: Pressemitteilung : modell-hobby-spiel