Cacao (Phil Walker-Harding, 2015)

für 2 - 4 Spieler, ab 8 Jahren
Autor: Phil Walker-Harding
Grafik: Claus Stephan
Verlag: Abacusspiele
Spieldauer: 30-45 Minuten


Verlags-Beschreibung:

CACAO entführt die Spieler in die exotische Welt der „Frucht der Götter“. Als Stammeshäuptlinge versuchen sie ihre Völker durch den Handel mit Cacao zu Ruhm und Wohlstand zu führen. Nur wer seine Arbeiter geschickt einsetzt und die Macht der Götter für sich zu nutzen weiß, wird reich belohnt werden. Einfache Regeln und kurze Spieldauer machen CACAO zu einem spannenden Legespiel für die ganze Familie.


Quelle: PM Abacusspiele, 2015


Was der Pragmatiker wissen möchte:

Spiele-Einkaufsliste raus und „Cacao“ schön leserlich draufschreiben!


Das Spiel in Kürze:

Der Spielablauf ist denkbar einfach. Jeder Spieler bekommt (s)ein Spieltableau. Auf diesem Tableau legt er während des Spiels seine Kakaobohnen (maximal 5) und Seine Sonnenscheiben (maximal 3) ab. Außerdem markiert jeder Spieler auf seinem Tableau den Stand seiner Wasserversorgung.

Um eine Partie Cacao zu bestreiten, bekommt noch jeder Spieler (je nach Anzahl der Mitspieler) 9 bis 11 Arbeiterplättchen, mit denen die eigentlichen Spielaktionen durchgeführt werden. Diese Plättchen haben eine Art „Worker-Placement-Funktion“, bedeutet, die Anzahl der Arbeiter, mit denen Aktionen durchgeführt werden können, sind bereits auf die vier Kanten der Plättchen verteilt (aufgedruckt).

Das eigentliche Spielfeld besteht zu beginn aus zwei Landschaftsplättchen, die diagonal benachbart ausgelegt werden. Im weiteren Spielverlauf wächst die Spielfläche aus Landschaftsplättchen und Arbeiterplättchen stetig. Zu beachten ist dabei, das die beiden unterschiedlichen Plättchen-Arten (Arbeiter- und Landschaftsplättchen) ein Schachbrettmuster ergeben müssen.

Jedes Mal, wenn ein Arbeiterplättchen an eine oder zwei Landschaftsplättchen angelegt wird, lösen die auf dem Arbeiterplättchen aufgedruckten Männchen eine Aktion der angrenzenden Karte aus. Aktionen können sein: Wasser oder Goldmünzen erhalten, Kakao-Bohnen ernten oder verkaufen und einsammeln von sogenannten Sonnensteinen. Letztere bringen am Spielende entweder 1 Gold = 1 Punkt, oder können benutzt werden, um bereits liegende, eigene Kärtchen zu überbauen, um erneut die entsprechenden Aktionen durchzuführen.

Das Besondere an Cacao ist, das jeder Mitspieler von den Aktionen der anderen profitieren kann. Und zwar genau dann, wenn nach dem Anlegen eines Arbeiterkärtchens ein rechter Winkel zu benachbarten Landschaftskärtchen entsteht. Ist dies der Fall, so dürfen ein oder zwei der offen ausliegenden Landschaftskärtchen genommen und neben das Arbeiterplättchen gelegt werden. Werden diese Landschaftskärtchen dann an die Kante eines Arbeiterkärtchens unserer Mitspieler gelegt, so bekommt dieser, abhängig von der Anzahl Arbeiter auf seinem Kärtchen, ebenfalls den Ertrag dieses Landschaftskärtchen. So ist man eigentlich immer ins Spielgeschehen eingebunden, auch wenn man selbst nicht am Zug ist. (Kennen wir so auch vom Klassiker „Catan“)

Sind alle Landschaftskärtchen und Arbeiterplättchen gelegt, erfolgt eine Schlusswertung. Wer die meisten Punkte hat, gewinnt.


Erste Eindrücke:

Anfang Februar, hatte ich das Glück (besser das Vergnügen) das Spiel Cacao direkt vom Verleger Joe Nikisch erklärt und präsentiert zu bekommen. Nach dieser Einführung war sofort klar, das ich mir das Spiel genauer anschauen muss. Beeindruckt hatten mich nicht nur das Material und die grafische Umsetzung, sondern ganz besonders die einfachen Regeln und die daraus resultierende, mögliche Spieltiefe. Zwar hatte ich Anfangs den Eindruck, das Spieler, die nicht am Zug sind, unter Umständen lange auf ihren nächsten Zug warten müssen, aber da lag ich falsch. Egal wer am Zug ist, er bindet automatisch seine Mitspieler ein. So werden Wartezeiten enorm reduziert, was dazu führt, das man selbst permanent beobachtet und taktiert. Das „Abstauben“ von Punkten, Früchten o.ä. ist bei Cacao nicht nur zufällig, es ist Spielbestandteil. Jeder Spieler, der eine Aktion ausführt, sprich ein Plättchen legt, beschert automatisch seinen Mitspielern ebenfalls Aktionen, die unter Umständen sogar dem Mitspieler mehr einbringen als einem lieb ist. Ebenfalls positiv aufgefallen ist mir bei dieser ersten Kennenlernpartie die Spieldauer. Trotz Erklärungen dauerte die Partie zu viert keine 45 Minuten. Zeit genug also, für eine sofortige Revanche.

Wenn ich Cacao nach dieser Kennenlernpartie einstufen müsste, so würde ich es als taktisches Legespiel für Familien, Gelegenheits- und Vielspieler bezeichnen. Frischer und innovativer Spielmechanismus, der zwar auf den aller ersten Blick an Carcassonne erinnert, aber außer den Spielfiguren rein gar nichts damit zu tun hat. Ich bin gespannt wie es in meiner Testgruppe und bei unseren Spieleabenden ankommt.


Unser Spielgefühl:

Jedes Spiel verlief bei mir anders, und jedes Mal war es auf’s Neue spannend. Dadurch das man über die Aktionen seiner Mitspieler ebenfalls etwas bekommt, ist man auch permanent ins Spielgeschehen eingebunden. Ich möchte schließlich genau sehen, was ein Anderer macht, und ob und was ich dabei abbekomme. Das nimmt anschließend eventuell auch Einfluss auf meinen Spielzug, den ich so schon in Gedanken vorbereiten kann. Ganz ohne denken geht es also nicht. Nervig ist eigentlich nur, wenn ein Perfektionist mit am Tisch sitzt, der sich nicht drängen lässt, und der alles richtig durchdenken will. Haarklein alle Möglichkeiten im Voraus zu berechnen, das macht das Spiel –gääähhhn- langweilig. Aus dem Bauch und intuitiv spielen ist angesagt, denn dann lädt die Spieldauer von angenehmen 30 (zu zweit) beziehungsweise circa 45 Minuten (zu viert) zu einer sofortigen Revanche ein.


Was uns nicht gefallen hat:

Bei all dem Lob muss ich ein bisschen mit dem Zeigefinger „schimpfen“. So toll der Tiefzieheinsatz auch ist, bei dem das ganze Material seinen Platz findet, so unpraktisch ist dieser. Wenn man sein Spiel schön aufräumt, und dann jemand die Rückseite (Schachtelboden) anschauen will, weil dort die Spielbeschreibung steht, fliegt alles durcheinander. Das Tiefziehteil liegt zu tief in der Schachtel! Klar, wer das Spiel immer schön ins Regal legt, der hat keine Probleme. Wer hingegen, so wie wir, die Spiele auch bei Veranstaltungen dabei hat, der wird schnell merken, dass das ordentliche einräumen des Spielmaterials eine vergebene Mühe ist. Da wir dies nicht ändern können, und der Verlag den Platz braucht um die Stanzbögen unterzubringen, hilft nur ein wenig Bastelei um das Material an Ort und Stelle zu halten.

Das ist aber auch schon alles, was uns negativ aufgefallen ist. Ob’s schlimm ist? Nein! Maximal ärgerlich, und wenn man es weiß, kann man vorbeugen.


Frank J. von LUDO FACT schreibt uns dazu:

"Die Teile fliegen nicht durcheinander, wenn man die Stanztableaus nach dem Ausbrechen nicht wegwirft, sondern wieder ins Tiefziehteil hineinlegt. Dann hält das alles bombensicher. Ich bin vielleicht durch meine Profession voreingenommen, aber ich hebe die Tableaus meistens auf, also stellte sich mir das Problem gar nicht."


Vielen Dank für diese Stellungnahme.


Fazit:

Mein erster Eindruck von Cacao hat sich auch nach allen Testpartien zu zwei, dritt und zu viert bestätigt. Cacao ist ein gutes, wenn nicht sogar sehr gutes Spiel. Allerdings ist es schwer, in den Spielejahrgang 2015 einzuordnen, denn das Jahr ist noch jung. Ich denke aber, Cacao wird noch viel Aufmerksamkeit bekommen und sicher noch viele positive Kritiken.

Auffällig im Spiel zu zweit war, dass es bei Spielende meist nur zu ein oder maximal zwei „Überbau-Aktionen“ kam. Im Spiel zu dritt oder zu viert wurde viel mehr überbaut.

Bei all dem Spielspaß, den ich beim Testen von Cacao hatte, stellten sich zwei Dinge deutlich heraus. Erstens, ich mag Cacao gerne öfters spielen, und zweitens, Cacao hat mir in den Partien zu viert mit Abstand am besten gefallen.

Sollte Cacao 2015 auf irgendeiner Jury-Liste auftauchen, würde mich dies nicht wundern. Cacao ist ein schönes Spiel mit viel Potenzial.

Cacao – ein Spiel, nicht nur für die Familie. Mir hat’s sehr gut gefallen.


Wertung:

Spielspaß 1,5
Material 1,7
Regeln 1,2

Über unseren Wertungsschlüssel


© 11.02.15 Oliver Sack
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Vielen Dank an Abacusspiele, für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.
Abbildungen der Spiele und Regelauszüge © Abacusspiele / Fotos mitte/unten: Oliver Sack