El Gaucho (Arve D. Fühler, 2014)

für 2 bis 4 Spieler, ab 10 Jahren
Autor: Arve D. Fühler
Grafik: Dennis Lohausen
Verlag: Argentum
Dauer: ca. 60 min


Verlags-Beschreibung:

In El Gaucho bist du ein Rinderbaron, der seine Gauchos in die Weiten der Pampa schickt, um möglichst viele und stattliche Rinder einzufangen. Deine Gauchos trainieren ihre Fähigkeiten beim Würfelrodeo. Je erfolgreicher sie dabei sind, desto besser gelingt ihnen der Rinderfang. Versuche, clever zu sein und ärgere deine Konkurrenten kräftig mit fiesen Tricks, indem du ihnen die wertvollsten Rinder vor der Nase wegschnappst, ihre Gauchos aus der Pampa vertreibst oder einen Viehdieb anheuerst, um ein Tier eines Mitspielers zu stehlen. Zu Hause sortierst du die Rinder nach Rasse und stellst sie zu Herden zusammen, die du dann für möglichst viele Pesos verkaufst.


Quelle: www.argentum-verlag.de © ARGENTUM


Der grobe Spielablauf:

Kern des Spiels sind 5 verschiedene Rinderrassen, à 12 Rinder, jeweils mit einem Wert von 1 bis 12. Diese Rinder gilt es, zu sammeln, um möglichst große Herden der einzelnen Rassen werten zu können. Dabei ist jedes Rind (Rasse und Wert) einmalig, und in einer Herde dürfen nur Rinder einer Rasse mit auf- oder absteigender Wertigkeit liegen. Um Rinder einsammeln zu können, wird wie bei einem klassischen Worker-Placement-Spiel (Arbeitereinsetzspiel) verfahren. Um sich ein Rind zu sichern, wird entweder eine eigene Spielfigur auf das entsprechende Kärtchen gestellt, oder gelegt. Letztere Möglichkeit ist günstiger, aber dafür nicht sicher vor Viehdieben. Um überhaupt eine Figur einsetzen zu dürfen, wird zu Beginn einer Spielrunde vom Startspieler eine ganze Reihe von Würfeln in das Gehege (Würfelrodeo) geworfen. Die Anzahl der Würfel beträgt immer: Anzahl Spieler x 2 plus 1 Würfel. Der Spieler, der dann an der Reihe ist, sucht sich von den Würfeln genau zwei aus, nimmt diese und legt sie vor sich ab. Mit den Augen kann er nun „einkaufen“. Es ist möglich, sich entweder pro Würfel und Augenzahl je ein Rind zu sichern, oder für die Summe beider Würfel nur 1 Rind zu sichern. Außerdem gibt es die Möglichkeit, zur späteren Anwendung, Felder für Sonderaktionen zu besetzen. Unter anderem gibt es dort Felder für Viehdiebstahl, Verkaufsbonus, geheime Rinder, fiktiver dritter Würfel, usw. Auch diese Felder können mit passender Augenzahl besetzt werden, um im späteren Spielverlauf die entsprechende Aktion durchzuführen.
 
Hat jeder Spieler zwei Würfel genommen, und seine Gauchos eingesetzt, wird geschaut, ob eventuell eine oder mehrere der vier Reihen mit Rinderkärtchen vollständig belegt sind. Ist dies der Fall, bekommt jeder Spieler das Rinderkärtchen mit seiner darauf stehenden (!) Figur zurück, und kann nun diese Rinder vor sich auslegen, oder bereits liegende Herden damit erweitern. Kärtchen mit darauf liegenden (!) Figuren bleiben an Ort und Stelle liegen, bis sie im weiteren Spielverlauf durch Sonderaktionen oder durch Bezahlung aufgerichtet werden. Erst dann können diese Kärtchen genommen werden. Das legen von Spielfiguren auf Rinderkärtchen ist möglich, wenn nur die Hälfte der erforderlichen Würfelaugen „gezahlt“ wird. Jedoch besteht dann die Gefahr, das jemand dieses Kärtchen klaut, bevor die andere Hälfte bezahlt werden kann.
 
Bevor nun die Auslage der Rinderkärtchen wieder ergänzt wird, darf jeder Spieler noch Rinderherden nach Wahl verkaufen, um Siegpunkte zu erhalten. Wer am Ende die meisten Punkte hat, gewinnt.
 
Klingt alles ein wenig verwirrend? Ist es aber nicht. Es soll ja auch nur ein grober Überblick sein.


Unsere Eindrücke:

Zunächst haben wir, um die Regeln zu lernen, das Spiel zu zweit ausprobiert. Recht schnell war uns dabei klar wie der Hase, Pardon die Kuh, läuft. EL GAUCHO spielt sich flüssig, und das Regelheft konnte schnell beiseitegelegt werden. Von der Spielspannung her hatten wir allerdings etwas mehr erwartet, aber es war noch im grünen Bereich, ohne Frust-Alarm.
 
Im Spiel zu viert waren wir dann begeistert. Schnell stellte sich auch heraus, dass es so wie es in den Regeln als Tipp steht, wichtig ist, die Sonderaktionen immer in den eigenen Spielzug mit einzuplanen. Ohne Sonderaktionen geht es nicht. Jedenfalls ist man ohne Sonderaktionen chancenlos. Zu dieser Erkenntnis kamen wir wie schon erwähnt, sehr schnell.
 
Ein flüssiger Spielablauf mit kurzen Runden sorgt dabei nicht nur für Spannung, sondern auch für eine sehr geringe „Downtime“. Wer nicht an der Reihe ist, beobachtet ständig und akribisch die Aktionen des aktiven Spielers, denn die sind entscheidend für das eigene Vorankommen. Den eigenen Zug planen kann man ohnehin erst, wenn man wieder am Zug ist. Denn nicht selten werden die persönlichen Pläne torpediert, und man ist gezwungen, sich ständig neue Wege zum Ziel zu suchen. Als Spieler ist man so immer in Aktion und immer „mittendrin statt nur dabei“. Das führt unter anderem dazu, das man als Gastgeber beim Spieleabend gar nicht merkt, wenn die Gäste länger auf dem Trockenen sitzen, oder der Kachelofen aus geht. (An dieser Stelle nochmals ein „Sorry“ an unsere Mittester vom 29.11.2014). Anderseits ist das der beste Indikator für ein kurzweiliges und fesselndes Spiel.
 
EL GAUCHO bietet eine gute Mischung aus Glück, Planung, Taktik, Risiko und Interaktion. Der noch durchschnittliche Anspruch macht es so für Familien und Wenigspieler interessant, aber auch Vielspieler kommen voll auf Ihre Kosten, denn keine Partie läuft wie die vorige.
 
Was das Material angeht, so ist es wie bei einem guten Steak – das Auge isst mit! Wunderschöne Grafiken, Holzfiguren und ein Weidezaun, der einfach aufgebaut, so fest auf dem Spielplan steht, das die Würfel darin liegen bleiben, und nicht über das Spielfeld rollen und alles „umtrampeln“, wie eine Herde Rind(viech)er.
 
EL GAUCHO ist für uns ein schönes, solides Strategiespiel, das gerade wegen seiner einfachen Regeln und taktischer Tiefe gerne wieder auf den Tisch kommt.
 
Ach ja, für’s Protokoll: Ich hab meist nicht verloren!
 
Ähnliche Spiele: z.B. Stone Age


Wertung:

Spielspaß 2,0
Material 1,5
Regeln 1,5

Über unseren Wertungsschlüssel


© 03.12.14 Oliver & Petra Sack
Du bist anderer Meinung? - oder möchtest etwas hinzufügen, ergänzen oder kritisieren?
Dann schreib uns, wir veröffentlichen deinen Kommentar und freuen uns über jedes Feedback.


Vielen Dank an Argentum, für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.
Abbildungen der Spiele und Regelauszüge © Argentum / Foto unten: Oliver Sack