Russian Railroads (H. Ohley / L. Orgler, 2013)

Deutscher Spiele Preis 2014
Spielevater Hit 2014


Für 2 – 4 Spieler, ab 12 Jahren
Autoren: Helmut Ohley und Leonhard Orgler
Verlag: Hans im Glück
Vertrieb: Schmidt Spiele
Dauer: ca. 120 Minuten


Verlags-Beschreibung:

Russland am Ende des 19. Jahrhunderts: Zar Alexander III. entscheidet sich für den Bau der Transsibirischen Eisenbahn, um das rohstoffreiche Sibirien zu erschließen und einen Zugang des Riesenreiches zum chinesischen Markt zu erreichen. Um Russland in Zeiten der aufkeimenden Industrialisierung in die Moderne zu führen, sollen jedoch nicht nur die Schwellen für 9.288 Schienenkilometer bis nach Wladiwostok an den Pazifik gelegt werden, sondern gleich auch in den Süden bis nach Kiew, der ꞌMutter aller russischen Städteꞌ, und nach Norden bis Sankt Petersburg an den Finnischen Meerbusen. Schließlich sollte der russische Doppeladler nicht nur über Asien, sondern auch über Europa kreisen. Ein gewaltiges Vorhaben, das ebensolche Investitionen verlangte wie ganze Kerle für deren Umsetzung. Letzteres fordert jetzt auch ein neues Strategiespiel des Hans im Glück Verlags, das ein echtes Schwergewicht ist und auch Vielspielern jede Menge Spielreiz bietet
 

"Russian Railroads" heißt dieses komplexe 'Worker-Placement'-Spiel für alle findigen Planer, Strategen und Optimierer, das sich das Autorenduo Helmut Ohley und Leonhard Orgler hat einfallen lassen. Im Mittelpunkt des spannenden Wettstreits zwischen bis zu vier Spielern (ab zwölf Jahren) steht der strategische Ausbau und Unterhalt der drei Eisenbahnstrecken und die Industrialisierung. Alles und alle, die dabei helfen können, liegen bei "Russian Railroads" in riesigen Depots oder sind bereit, die Ärmel aufzukrempeln: U. a. jede Menge Gleise, natürlich auch unterschiedliche Lokomotiven und ein wenig Geld; dazu natürlich geschickte Ingenieure und eine große Schar von Arbeitern, ohne die nichts geht. Nicht nur das Projekt ist gewaltig, sondern auch das Spielmaterial, das die Erbauer von "Russian Railraods" vor sich um und auf dem großen Spielplan ausbreiten.
 

Quelle: Schmidtspiele / www.hans-im-glueck.de © Hans im Glück Verlag


Spielablauf:

Es gibt verschiedene Strategien, um möglichst gewinnbringend die Transsib und die Strecken nach Kiew und an die Newa auszubauen, neue Lokomotiven zu erwerben, die Industrialisierung kontinuierlich voranzutreiben. Für all das gibt's nämlich Punkte – und die möchte jeder Mitspieler möglichst erfolgreich sammeln. Dabei gilt es, die Möglichkeiten im Blick zu behalten, Ingenieure anzuwerben und diese in jeder Situation sinnvoll und taktisch klug einzusetzen. Mit einfachen Gleisen erreicht man schnell wichtige Orte, während man mit der Modernisierung des Streckennetzes die Maschinerie erst so richtig in Fahrt bringen kann. Neue Loks legen größere Entfernungen zurück und Fabriken schaffen Fortschritt. Um an der Konkurrenz vorbeizuziehen, stehen spezielle Ingenieure bereit, die extra "Dampf" machen. Es gibt viele Möglichkeiten, um bei "Russian Railroads" die Weichen auf Sieg zu stellen. Doch wer hat die meiste Power im Kessel – wer bleibt auf der Strecke?

Die besten Siegchancen bei "Russian Railroads" hat derjenige, der nicht nur eine Strategie verfolgt, sondern in diesem stark vernetzten Spiel eine gute Mischung hinbekommt. Da gilt es, geschickt mit seinen Ressourcen zu haushalten, denn wer sich überall beteiligt, wird am Ende alles verlieren. Doch die Entscheidung fällt mitunter schwer: Die Strecke der legendären Transsib nach Wladiwostok sorgt für die Modernisierung der Gleise und kann am weitesten ausgebaut werden. Die Streckenführung nach Sankt Petersburg ist lukrativ und wichtig, um während des Spiels voranzukommen. Wer die Gleise nach Kiew favorisiert, kann u.a. mit schnellen Punkten rechnen. Was also tun?! Vielleicht doch noch mehr Fabriken errichten und gekonnt nutzen, um den Bahnbau voranzutreiben? Wo die Arbeiter am besten einsetzen? Welcher Mitspieler schwächelt (was bei einer Spieldauer von bis zu zwei Stunden durchaus mal vorkommen kann)? Welche Chancen ergeben sich, welche muss man zuerst ergreifen?

Wie immer auch: Wer bei "Russian Railroads" am besten Dampf ablassen kann, muss gut managen und noch besser optimieren können. Wer dabei im spannenden Wettstreit mit den anderen Streckenbauern trotzdem "an die Wand fährt", mag sich damit trösten, dass Zar Alexander III. bei einem Zugunglück in Borki mit dem Schrecken davon kam. "Russian Railroads" führt an dem russischen 500 Seelen-Dorf allerdings nicht vorbei…

Quelle: Schmidtspiele / www.hans-im-glueck.de © Hans im Glück Verlag


Die Kritik für Pragmatiker:

Spiel ist sehr gut, kann/muss man kaufen!


… und für Adepten:

Hier passt einfach alles! „Russian Railroads“ (RRR) läuft sowas von rund, dass es einfach nur Spaß macht. Exzellente Brettspielunterhaltung, was will man mehr.

Der Verlag „Hans im Glück“ beschreibt RRR als, Zitat „Worker Placement-Spiel für Planer, Strategen und Optimierer“, und trifft damit exakt das was wir erlebt und zum Teil auch erwartet haben. Selten hatten wir ein Spiel, das uns von der Ersten Runde an, in der ersten Testpartie, so gefesselt hat. Wie spannend und fesselnd eine Partie RRR verlaufen kann, zeigt auch die Reaktion eines Mittesters, der bereits nach der ersten von sechs Runden (zu dritt) anmerkte: „Oh-je, nur noch 5 Runden“. Aber genau so ist das Spielgefühl bei RRR.

Bereits in der ersten Runde stellt man sich, im wahrsten Sinne des Wortes, die Weichen in Sachen Strategie, und stellt kurz darauf hektisch fest, das wird eng! Und hier birgt RRR gleich die nächste Gefahr, denn die nächste Entscheidung will sofort getroffen werden. Und so stolpert man geradewegs in die nächste Zwickmühle, und man fragt sich, Taktik ändern, oder beibehalten? Wie man’s macht scheint’s falsch zu sein, doch wo ist der beste Weg? Antwort: den gibt es nicht! Einmal gewinnt man mit der Gleisbau-Strategie, einmal verliert man damit. Doch woran liegt das? Diese Frage zu beantworten ist sehr schwer. Ich denke, es ist die Vielzahl der möglichen Strategien, und deren Kombination, gepaart mit einem kleinen Zufalls-Element. Und genau das eröffnet den besonderen Reiz bei RRR. Es beim nächsten Mal besser und anders zu machen, das ist was man sich nach Ende einer Partie vornimmt. Dies wiederum treibt den Wiederspielreiz stetig vor sich her. Aber auch eine vermeintlich gute Strategie ist immer abhängig vom Glück und der Strategie der anderen Mitspieler. Sobald zwei dieselbe Idee verfolgen kann es eng werden, während man sich in einer Zweierpartie mit unterschiedlicher Taktik eher weniger ins Gehege kommt. Kurz, jede Partie ist andres, jede Partie ist spannend bis zum Schluss.

Neben einem sehr guten Spiel bekommen wir mit Russian Railsroads aber auch sehr gutes Material, was das Spiel richtig wertig macht. Denn hier gibt es absolut gar nichts auszusetzen. Alles passt, alles ist gut verarbeitet. Die Spielregeln sind mehr als vorbildlich. Zwar schreckt die Anzahl der Seiten (immerhin 24 DIN-4 Seiten) zunächst ab, aber wenn man erst einmal erkennt, das es sich um sehr viele Beispiele und Details handelt, ist’s gar nicht so schlimm – im Gegenteil. Die Spielregeln bieten eine ausführliche Aufbau-Anleitung (wie man sie von Hans-im-Glück kennt) und eine sehr ausführliche Einführung in die einzelnen Spielelemente. Abgerundet wird das Ganze noch durch 3 Seiten Plättchen, Karten, und Symbolerklärungen am Ende des Regelheftes. Alles ist klar, verständlich geschrieben und leicht zu finden, wenn sich dann doch einmal Regelfragen ergeben. Dies wird jedoch nach 3-4 Partien nicht mehr so häufig vorkommt. Vieles erklärt sich im Kontext von selbst, bzw. ist durch eine klare Symbolik logisch.

Ebenfalls positiv ist, dass sich Russian Railsroads in jeder Besetzung richtig klasse spielen lässt. Zu Zweit ist Russian Railsroads mit etwas Übung sogar in knapp 35-45 Minuten zu bewältigen, ohne das der Eindruck von Eile oder Hetze entsteht.

Die Einstiegshürde für Gelegenheitsspieler ist auf Grund der Komplexität von Russian Railroads allerdings sehr hoch. Hat man aber erfahrene RRR-Spieler, die einem das Spiel erklären, so fällt es auch dem Gelegenheitsspieler leichter.

Uns hat Russian Railsroads absolut und vollständig überzeugt, und wir sind gespannt, ob und welche Preise das Spiel 2014 bekommen wird. Verdient hätte es Russian Railsroads allemal.

In diesem Sinne: „Bitte zurücktreten, Türen schließen … weiterspielen“


Stimmen aus der Testgruppe:

Oliver (45) gibt 10 von 10 Punkten
„Guter Streckenbau ist wichtig, um damit Punkte zu bekommen. Ingenieure reichen 1-2, und von den ?-Plättchen 2 oder 3 clever eingesetzt, gibt bei der Transsib.-Strecke einen guten Vorsprung“

Yannick (16) gibt 9 von 10 Punkten

Robert (45,9) gibt 10 von 10 Punkten
„hier gibt’s wirklich viele Wege zum Erfolg. Industrialisierung, Ingenieure und Geld halte ich dabei für unverzichtbar.“

Jutta (46) gibt 9 von 10 Punkten
„Der zweite Industriemarker hat mir zusätzlich wichtige Punkte gebracht“


Unsere Wertung:

Spielspaß 1,0*
Material 1,1
Regeln 1,1

Über unseren Wertungsschlüssel


© 22.01.2014 Oliver Sack
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Vielen Dank an den Schmidtspiele/Hans-Im-Glück-Verlag, für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.
Abbildungen der Spiele und Regelauszüge © Schmidtspiele/Hans im Glück - Fotos mitte/unten
© Oliver Sack