Mombasa (Alexander Pfister, 2015)

für 2-4, ab 12 Jahren
Autor: Alexander Pfister
Grafik: Klemens Franz, Andreas Resch
Verlag: Eggertspiele
Vertrieb: Pegasus
Dauer: 75-150 Minuten


Verlags-Beschreibung

 Zu Zeiten der großen Handelskompanien machen sich die Spieler auf, um auf dem afrikanischen Kontinent Ruhm und Reichtum zu finden. Sie haben erkannt, dass Investitionen in den vier Kompanien Mombasa, Kairo, Saint-Louis und Kapstadt überaus lukrativ sind. Mit Waren wie Kaffee, Bananen und Baumwolle erwerben sie allmählich Anteile an den Kompanien. Doch der Wert einer Kompanie ist vor allem von der Ausbreitung ihrer Handelsposten in Afrika abhängig. Und um diese geschickt voranzutreiben, bedarf es so manch taktischer Raffinesse. Schnell ist klar, dass hier mehr Verstand als Glück gefragt ist, wenn man seinen Mitstreitern überlegen bleiben möchte.

Mombasa entfaltet mit fein verwobenen Mechanismen ein komplexes Netzwerk strategischer Möglichkeiten und führt dabei in außergewöhnliche spielerische Tiefen. Mit innovativem Kartenmechanismus, einem ausgefallenen Setting und ebenso atemberaubenden wie klar organisierten Illustrationen ist es ein besonderes Highlight für Vielspieler und Experten.


Quelle: Pegasus/Eggertspiele 2015


Was der Pragmatiker wissen möchte

Mein persönliches Highlight unter den Expertenspielen 2015


Am Rande ...

Das Spiel gewann 2011 den 1. Platz beim Hippodice Autorenwettberwerb. Damals noch unter dem Arbeitstitel „Afrika 1830“. 2015 erschien es dann unter dem Namen „Mombasa“ bei Eggertspiele und Partner Pegasus.

Die Tatsache, das die größte kenianische Hafenstadt vom 17. Jahrhundert, bis in die Mitte des 19. Jahrhundert, ein wichtiges Zentrum des Sklavenhandels war, ist zwar geschichtlich belegt, fand aber kein Einzug ins Spiel und dessen Hintergrundgeschichte. Vielmehr konzentriert sich das gesamte Spielgeschehen auf die Zeit der großen Handelskolonien. Mann kann es deshalb getrost als Wirtschafts-Strategie-Spiel bezeichnen.

(Quelle: eigene Recherchen)


Spielmaterial

Schauen wir uns zunächst das Spiel und seine Komponenten einmal grob an. Der Spielplan zeigt die Karte Afrikas. Jede der vier Spielplanseiten repräsentiert eine Handelskolonie (Kapstadt im Süden, Kairo im Norden, Saint Louis im Westen und Mombasa im Osten). Ausgehend von diesen Kompanien können Handelsposten im Land verteilt werden. Angelegt an die einzelnen Spielplanseiten werden die jeweiligen Kompanieleisten, auf denen die Spieler ihre jeweiligen Anteile an den Kompanien zählen und dadurch Privilegien freischalten. Auf dem Spielplan sind weiter noch Rundenleiste und eine Leiste für Buchmacher-Bücher (dazu gleich mehr) platziert, sowie mitten im Atlantik die Auslage für Aktionskarten. Abgerundet wird der Spielplan dann noch mit diversen Bonus-Aktionsfeldern. All dies ist allgemeines Spielmaterial und keinem Spieler zugeordnet.

Um das eigene Spiel zu planen und spielen, bekommt jeder (s)ein Spielertableau. An diesem Tableau werden Warenkarten für die aktuelle und spätere Runde(n) angelegt. Außerdem befinden sich noch 2 weitere Punkteleisten auf dem Tableau. Eine, um Punkte für Diamanten zu sammeln, eine weitere dient als Ablage für Buchhalter-Bücher und zum Zählen der damit verbundenen Punkte.

Wer jetzt denkt, dass es ganz schön viel Material ist, was die Sache sicher auch sehr kompliziert macht, der darf beruhigt sein. Auch wenn es nach viel aussieht, das meiste erklärt sich von selbst und geht einem sehr schnell in Fleisch und Blut über. Grund dafür ist aber auch nicht zuletzt die Auswahl und Gestaltung der Piktogramme auf dem Spielmaterial.


Das Spiel

Zunächst möchte ich einen groben Überblick über das Spiel bieten. Ich möchte nicht auf alle Details eingehen, das würde zu weit führen. Aber ich hoffe, der Einblick ist tief genug um ein bisschen ein Gefühl für ‚Mombasa‘ zu bekommen. Dazu auch gleich eines vorweg: Ja, es hört sich vieles kompliziert an, aber das täuscht. Sehr schnell hat man den Dreh raus. Zumindest was die Regularien betrifft. Die gute Taktik sucht man länger, viel länger.

Doch jetzt geht’s erst einmal los mit den Vorbereitungen. Jeder Spieler startet mit einem Satz Aktionskarten, 2 Aktionssteinen und einem Spielertableau sowie etwas Startkapital.

Das Spiel geht über 7 Runden, jede Runde besteht aus 3 Phasen. Nach der siebten Runde ist Schluss und es erfolgt eine Schlusswertung.
 

  • Phase 1, die Planungsphase

Jeder Spieler sucht sich aus seinen Handkarten drei heraus, und legt diese verdeckt an die dafür vorgesehenen Plätze an seinem Spielertableau. Welche Karten dafür gewählt werden erschließt sich spätestens nach den ersten drei Runden der ersten Partie. Wer ‚Mombasa‘ also zum ersten Mal spielt, wird sich hier noch etwas schwertun.
Haben alle Spieler ihre ersten Karten ausgewählt, decken alle Spieler gleichzeitig ihre Karten auf. Jetzt beginnt die nächste, die zentrale Phase des Spiels.
 

  • Phase 2, die allgemeine Aktionsphase

Diese Phase ist wiederum in 6 verschiedene Aktionsmöglichkeiten unterteilt, und jeder, beginnend beim Startspieler führt genau eine dieser Aktionen aus. Haben alle Spieler je eine Aktion ausgeführt, darf der Startspieler seine zweite Aktion ausführen, und so weiter.
 

Aktion „Warenkarte(n) nutzen“

Mit diese Aktion können beliebig viele Karten einer Warensorte benutzt werden, um weitere Aktionskarten zu kaufen, oder um sich Anteile an einer Handelskompanie zu sichern. Benutzte Karten werden dort wo sie liegen umgedreht.
 

Aktion „alle Ausbreitungskarten nutzen“

Mit Hilfe der Ausbreitungskarten, können Handelsposten einer Kompanie bewegt werden, um Gebiete/Regionen einzunehmen. Dadurch wird meist ein Bonus in Form von Geld, Anteilen, Diamanten oder Buchhalterpunkten aktiviert. Außerdem wird so der Wert der Gesellschaftsaktien erhöht, was bei Spielende wertvolle Punkte bringt. Auch Ausbreitungskarten werden nach der Nutzung umgedreht.
 

Aktion „Buchhalter“

Mit der Buchhalter-Aktion kann die Tintenfass-Figur auf dem Spielertableau vorwärts bewegt werden. Dazu müssen auf dem Tableau allerdings Bücher ausliegen und die darauf abgebildeten Symbole zur offenen Auslage der Aktionskarten passen. Nur dann darf die Figur bewegt werden. Es empfiehlt sich folglich, einen Buchhalter immer erst auszuspielen, bevor man Aktionskarten umdreht. Je nachdem wo bei Spielende der Tintenfass-Marker steht, gibt es zusätzlich Punkte. Im Spiel können mit den Tintenfass-Marker auch wieder zusätzliche Boni ausgelöst werden. Hat der Marker dabei ein bestimmtes Feld erreicht, wird ein zusätzlicher Karten-Slot für die folgenden Runden Aktiviert, sodass dann 1 Karte mehr ausgewählt werden darf in der Planungsphase.
 

Aktion „Diamantenhändler“

Durch das Ausspielen eines Diamantenhändlers gibt es Geld und der Diamantenmarker auf dem Spielertableau wird vorwärts bewegt. Auch hier gibt es je nach erreichtem Feld wieder Punkte bei Spielende und während des Spiels einen zusätzlichen Karten-Slot, wie auch beim Buchhalter.
 

Aktion „Bonusmarker setzen“

Der Spieler kann einen seiner Bonusmarker auf ein Bonusfeld setzen, wenn dieses frei ist und er die Bedingungen dafür erfüllen kann. Auch hier warten wieder unterschiedliche Belohnungen von Geld über Zusatzaktionen, bis hin zu Anteilen.
 

Aktion „Aktionsphase beenden“

Die Aktionsphase wird beendet, wenn der Spieler keine Karten mehr spielen möchte, und/oder keine Bonusmarker mehr einsetzen will oder kann. Zum Zeichen dazu gibt er deutlich bekannt, „passe!“

Jetzt dreht der Spieler alle seine Karten unterhalb seines Spielertableaus auf die Rückseite, und sucht sich soweit vorhanden eine Reihe Karten oberhalb des Tableaus aus. Die Karten dieser Reihe nimmt er dann zu seinen verbliebenen Handkarten, um damit die nächste Runde zu beginnen. Die Karten unterhalb des Tableaus werden dann wieder offen gelegt und nach oben an das Ende der einzelnen Kartenreihen gelegt. Dabei muss beachtet werden, das jede Karte immer vertikal vom unteren in den jeweils oberen Slot wandert. Während zu Beginn eines Spiels oben noch keine oder wenig Karten liegen, so muss ab Mitte einer Partie genau geschaut werden, was man wie ausspielt und welche Karte wohin wandert. Nur so können nachfolgende Runden gut geplant werden.
 

  • Phase 3, neue Rund vorbereiten

Bevor eine neue Runde mit Phase 1 beginnen kann, werden Bonusmarker zu ihren Besitzern zurückgegeben und die Kartenauslage aufgefüllt.
 

  • Spielende

Das Spiel endet nach der siebenten Runde. Dann wird mit Hilfe des Wertungsblocks (oder einer Mombasa-App, wenn es dann mal eine gibt) die Schlusswertung durchgeführt. Gewonnen hat…? Genau, wer die meisten Punkte hat.


Unser Spielgefühl und Erfahrungen

Persönlich hat mir Mombasa von Anfang an sehr gut gefallen. Das liegt aber hauptsächlich daran, das mir Spiele dieser Art grundsätzlich gefallen. Aber, ich muss auch gestehen, Mombasa hat etwas ganz Besonderes! Hier bei Mombasa läuft alles rund und alle Elemente und Mechanismen erinnern an ein Schwarzwälder Uhrwerk, bei dem ganz filigran und präzise ein Zahnrad ins andere greift. Das Spiel bietet verschiedene Strategien und Wege zum Ziel, die allesamt sehr ausgeglichen sind. Es ist mir bisher nicht gelungen, die eine, nahezu perfekte Taktik zu finden. Einmal läuft es gut über die Handelsposten und die Anteile, ein anderes Mal kommt der Diamantenhändler wieder ausergewöhnlich gut voran. Und wenn beides hängt, dann hilft der Buchhalter.

Hinzu kommen bei Mombasa die kurze Dauer eines Spielzuges und die Tatsache, das man pro Runde immer mehrere kurze Spielzüge machen kann. Da jeder Spieler seine Aktionen sprich Spielzüge einzeln und der Reihe nach abarbeitet, ist auch die sogenannte ‚Downtime‘ sehr kurz. Gefühlt allerdings hat man gar keine Zeit zum Nachdenken, denn wenn ich nicht am Zug bin, ich zwar meinen nächsten Zug planen kann, aber dabei immer die Züge der Mitspieler beobachten muss um gegebenenfalls meinen geplanten Zug wieder zu überdenken und zu ändern. Und schon bin ich wieder dran, aber hab meine Gedanken noch gar nicht zu Ende bringen können, da sich die Situation schlagartig geändert hat. Herrlich, so mag ich es.

Ehe man sich richtig im Spiel wähnt, ist auch schon ein Großteil der sieben Runden gespielt. Jetzt kommt auch langsam die Gewissheit, das man sein ursprüngliches Vorhaben gar nicht mehr erreichen kann. Alle gesteckten Primär-Ziele sind unerreichbar – es gilt also für den Rest des Spiels Plan B oder C, oder doch D? Was ich damit deutlich machen will, möchte ich gerne anhand eines Zitates eines Mitspielers zeigen. Ein guter Freund, der auch sehr gerne solche Spiele spielt, meinte bei einer Partie Mombasa: „Mist, nur noch 5 Runden und der Rest von dieser!“ Solch ein Spruch in Runde zwei (von sieben) lässt doch sicher erahnen wie kurzweilig und spannen Mombasa sein kann. Da ist es auch weiter nicht verwunderlich, das die gefühlte Spieldauer rund 30-40% geringer eingeschätzt wird, als sie tatsächlich ist. Apropos Spielzeit, der geübte Vielspieler und Expertenspiel-Fan sollte für die erste Partie gut 3 Stunden einplanen. Auch wenn später eine Partie zu viert in gut zwei Stunden durch ist, so ist doch am Anfang noch einiges nachzuschlagen in den Regeln, bis man dieses komplexe Spiel im Griff hat. Die Grundmechanismen hat man dabei allerdings schon in Runde zwei verstanden.

Noch ein Wort zur Strategie. Es gibt Spiele, wie zum Beispiel 'Marco Polo' oder 'ZhanGuo' (um nur zwei zu nennen), bei denen man sich recht früh eine Strategie zurechtlegen kann. Zwar lassen diese Spiele eine kurzfristige Strategieänderung bedingt zu, aber sicher fährt man, wenn man den eingeschlagenen Weg durchzieht. Und das um jeden Preis. Bei MOMBASA ist es anders. Hier wird das eigene Spiel bestimmt von eigener Aktion und Reaktion auf Züge der Mitspieler. Dieses stetige Wechselspiel lässt eigentlich keine strikte Linie bei der Strategie zu. Am Besten fährt man, wenn man in den ersten drei, vier Runden seine Finger überall ein bisschen im Spiel hat, und sich dann konsequent von nicht lukrativen Dingen trennt. Dabei ist es aber wichtig, permanent die Aktionen der Mitspieler im Blick zu haben. Im richtigen Moment, den Wert einer Kolonie durch verdrängen von Handelsposten zu drücken, ist nur eines von vielen taktischen Mitteln. Ist zwar nicht die feine englische Art, aber was soll's, jeder spielt schließlich für seinen Erfolg und nicht für den der Mitspieler.


Fazit

Das Schwergewicht Mombasa wird von Eggertspiele und Pegasusspiele als „Experten Spiel“ eingestuft, und damit höher als ein „Kennerspiel“. Und genau so ist es auch. Mombasa ist, so finde ich, ein außerordentliches Spiel, das sicher auch für die eine oder andere Auszeichnung 2016 in Frage kommt.

Persönlich hat mich Mombasa voll überzeugt und ich kann es für Vielspieler uneingeschränkt empfehlen. Sollte ich mich entscheiden, nach 2014 (mit Russian Railroads) auch 2016 wieder meinen Preis „Spielevater Hit“ zu verleihen, hätte Mombasa sicher sehr gute Chancen auf den Titel.


Spielevater bei Insertmoin - Podcast

Wir haben am 7.4.2016 mit Manu von InsertMoin über Mombasa geplaudert. hier geht's zum Podcast. .


© 15.03.16 Oliver Sack
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Vielen Dank an Pegasus, für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.
Abbildungen der Spiele und Regelauszüge © Pegasus/Eggert / Fotos: Oliver Sack