Carcassonne Südsee (Klaus-Jürgen Wrede, 2013)

Für 2-5 Spieler ab 8 Jahren
Autor: Klaus-Jürgen Wrede
Verlag: Hans im Glück
Spieldauer: ca. 45-60 Minuten


Verlags-Beschreibung:

Mit kleinen Landschaftskarten errichten die Spieler Zug um Zug "Carcassonne Südsee". So entstehen in azurblauen Meeresflächen kleine Inseln, auf deren Märkten reger Handel betrieben wird. Dies ist der Zeitpunkt, in dem die berühmten "Carcassonne"-Meeples ins Spiel kommen. Bei "Carcassonne Südsee" heißen sie Insulaner und können als Bananenpflücker, Muschelsammler, Fischer oder Händler eingesetzt werden. Wortwörtlich. Denn nachdem ein Spieler eine Landschaftskarte gelegt hat, darf er darauf einen seiner vier Insulaner setzen. Als Muschelsammler auf einen Stegabschnitt, als Bananenpflücker auf eine Insel, als Händler auf einen Markt oder als Fischer auf einen Meeresteil. Durch geschicktes Legen und Platzieren – wobei man natürlich von den Bauvorhaben seiner Mitspieler profitieren kann – kommt man bei "Carcassonne Südsee" voran.

Punkte erhält man dafür erst einmal nicht, dafür aber Muscheln, Bananen oder Fische. Und für einen fertig gelegten und daher von acht Landschaftskarten umgebenen Markt gibt es ein Schiff, auf das alle warten und das großen Reichtum verspricht. Zusätzlich bietet sich für alle Spieler am Ende jedes Zuges die Möglichkeit, ein Schiff zu beliefern. Vorausgesetzt, man kann auch genau das liefern, was gefragt ist. Spätestens dann zeigt sich, ob das vermeintlich trickreiche Anlegen von Landschaftskarten und Setzen seiner Insulaner die richtige Taktik war. Kann ja sein, dass einer der Mitspieler ebenso scharf auf Bananen aus war wie man selbst und man bei der Ernte – sprich Wertung – den Ertrag teilen muss. Pech, wenn man dann bei der Belieferung des Schiffes mangels Vorrat nicht mithalten kann. Denn auch bei "Carcassonne Südsee" ist’s, wie überall auf der Welt: So richtig "Kohle" – sprich Punkte – gibt es nur bei richtiger Belieferung mehrerer Schiffe.
 
Quelle: Schmidtspiele / www.hans-im-glueck.de © Hans im Glück Verlag


Fazit:

Gut, jetzt geht’s also in die Südsee, wer von uns träumt nicht davon? Weiße endlose Strände, blaues Meer, Palmen und hübsche Insulaner … Was kann da noch Schöneres kommen? Und was wird noch kommen? Fliegt Klaus-Jürgen Wrede demnächst mit uns und Carcassonne zum Mars? Lassen wir uns überraschen, denn solange das Konzept Carcassonne funktioniert, sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Doch wie viel Carcassonne brauchen wir? Und damit frage ich nicht die Fans und Freaks, die brauchen es auf jeden Fall. Wir werden sehen …

Zurück zur vorliegenden Südsee-Edition/Variante: Hübsch sieht sie schon einmal aus, und erinnert ein wenig an das Cover von Hawaii und Maori (beide Hans im Glück). Also Folie ab und aufgepackt, und noch vor dem "Auspöppeln" glatt und unverzüglich zu meiner Frau gesagt:" äh, Schatz, da fehlt was! - Das CCS-Punkte-Zähl-Tableau ist nicht drin!?" "Na sowas!" - doch nach einem schnellen Blick in die Regeln war auch mir klar, da unterscheidet sich etwas ganz gewaltig vom großen Bruder aus dem Jahr 2000 - die Neugier war geweckt, doch vor der ersten Partie stand wie immer das "Auspöppeln" und der Blick aufs Spielmaterial. Hmm, die Spielfiguren, die „Meeples“ sehen etwas komisch aus, was sollen die kleinen Ausbeulungen an den Beinen? „Pluderhosen“? Keine Ahnung! Und, es sind nur 4 pro Spieler! Neu und ungewohnt für Carcassonne-Kenner ist auch das: Es gibt keine „direkten“ Punkte beim Vollenden eines Gebietes, sondern es gibt Waren, Bananen, Muscheln und Fische in 2 Größen, welche später in Punkte eingetauscht werden können. Bei den Holzteilen fällt zuerst ihre Größe an sich auf, die „kleinen“ sind schon recht klein! Dasselbe gilt für die Fischerplättchen (Karton), auch diese sind etwas fummelig. Die Waren bekommen wir hier anstelle von Punkten bei der Wertung von Stegen (Wege), Inseln (Städte) oder Meeresteile (Wälder). Mit den Fischerplättchen werden Fische im Meer nach einer „Fischerwertung“ abgedeckt. Alles in allem ist das Spielmaterial stimmig und sauber verarbeitet.

Die Spielregeln sind sehr verständlich und dank vieler Beispiele bleiben (fast) keine Regelfragen offen. Für Carcassonne-Experten ist sogar extra ein Teil der Regeln markiert, den man mit gutem Gewissen überlesen kann. Denn die Legeregeln die kennen wir, oder? Hingegen müssen wir uns mit einem ganz neuen Aspekt befassen, es ist jetzt erlaubt „Gefolgsleute“, Pardon „Insulaner“ vom Spielfeld zurückzunehmen. Das gab’s bisher noch nie, stellt aber eine taktisch interessante Alternative dar.

CCS Südsee „flutscht“ locker durch, wenn man die Grundregeln von Carcassonne kennt. Das urtümliche Carcassonne-Spielgefühl bleibt: Kärtchen ziehen – Kärtchen anschauen – ärgern, nicht wissen wo anlegen! – Carcassonne eben.
Aber auch für Neueinsteiger ist der Einstieg schnell und geht locker von der Hand. Das Spiel(-chen) ist ideal für zwischendurch, und sehr kurzweilig.
Ein weiterer Pluspunkt ist die recht einfache Punktewertung, die ohne großes Rechnen, ohne Haken und Ösen auskommt.

Im Spiel zu zweit ist CCS-Südsee ebenfalls recht kurzweilig und, spielt man interaktiv, auch recht spannend. Spielt jedoch jeder der beiden Kontrahenten vor sich hin und geht seinem Partner (Gegner) immer schön brav aus dem Weg, so wird’s schnell langweilig. Ein kleines bisschen Aggressivität muss hier schon sein. (und macht auch mehr Spaß)

 

19.11.2013 (c) Oliver Sack


Unsere Wertung:

Spielspaß 2,5
Material 1,5
Regeln 1,5


Die Meinung anderer:

Daniel schrieb uns am 2.1.2014:
Die Möglichkeit, Gefolgsleute aus unfertigen Gebieten zurück zu nehmen, gab es schon bei Carcassonne Neues Land. Einer Variante, die von Leo Colovini stammt und sich schon damals ganz anders als das klassische Carcassonne gespielt hat. Wie sagte im Spieleladen ein Herr neben mir am Regal? "Das ist ein echter Colovini, eben verkopft!" Mir gefällt Neues Land sehr gut.
Ciao Daniel


Über unseren Wertungsschlüssel


© 19.11.2013 Oliver Sack
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Vielen Dank an den Schmidtspiele/Hans-Im-Glück-Verlag, für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.
Abbildungen der Spiele und Regelauszüge © Schmidtspiele/Hans im Glück - Fotos mitte/unten
© Oliver Sack