Helios (M. Prinz / M. Kallenborn, 2014)

Für 2 – 4 Spieler, ab 10 Jahren
Autoren: Matthias Prinz, Martin Kallenborn
Verlag: Hans im Glück
Vertrieb: Schmidt Spiele
Dauer: ca. 45-60 Minuten


Verlags-Beschreibung:

Nach dem griechischen Sonnengott "Helios" benennt der Hans im Glück-Verlag sein neues Familienspiel, bei dem sich die Taktierer und Strategen unter den Spielern die Finger verbrennen sollen. Um die Sonne kreist fast alles bei "Helios"! Sie ist die alles antreibende Kraft, die auf eine weit entfernte Hochebene scheint, auf der bis zu vier Spieler ihre eigene Welt errichten. Sie schlüpfen in die Rolle von Hohepriestern und machen nach und nach ihr Land nutzbar, sie erweitern ihre Stadt, errichten Tempel – lassen ihre Zivilisation gedeihen; besser als ihre Konkurrenten natürlich. Verständlich, dass sie darum beten, dass ihnen der Sonnengott noch lange gnädig sei. Denn wo es Licht gibt, gibt es auch Schatten… Gerade bei "Helios"!
 

Den komplexen Spielablauf bei "Helios" steuern die beiden Autoren Matthias Prinz und Martin Kallenborn über je ein Spieler- und Stadttableau und viel Spielmaterial. Da gibt es u. a. 92 Plättchen, mit denen man Land erkunden und erschaffen sowie Tempel und Gebäude errichten kann. Es gibt 35 kleine Holzhäuser, verschiedene Sonder- und Personenplättchen. Und um alles kreist die Sonne, die jeder für sich bewegt, auf dass sie ihm Kraft verleiht, um "Helios" erfolgreich weiterzuentwickeln ...
 
Das gelingt jedoch nur, wenn man sich bei der Erkundung des Landes den wichtigen Nachschub von Rohstoffen gesichert hat, die nur begrenzt vorrätig sind. Tempel und Häuser können nämlich nur errichtet werden, wenn dafür ausreichend Rohstoffe – 70 entsprechende Klötzchen sind im Spiel – vorhanden sind. Doch Vorsicht: Der Preis steigt! Je mehr Tempel ein Spieler bereits errichtet hat, umso teurer kommt das nächste Heiligtum – der Fluch des Erfolgs ... Aber "Helios" belohnt natürlich auch den Einsatz: mit Manasteinen aus Kunststoff, der offiziellen Währung in diesem komplexen Strategiespiel. Für sie kann man auch Personen erwerben, die die Punktezahl für die Schlussabrechnung erhöhen.

So richtig Punkte bringt bei "Helios" natürlich die Sonne. Wenn sie auf der Sonnenleiste des Spielers geschickt entlang der bereits gelegten Land- und Sonderplättchen bewegt wird, kann dieser die Erträge seiner Kultur ernten. Pech hat er allerdings, wenn die Sonne bei ihrem Lauf etwa auf ein Landplättchen strahlt, das mit Rohstoff belegt ist – dafür gibt's nichts! Bleibt die Sonne dagegen an einem Landplättchen stehen, auf dem ein Tempel errichtet wurde, kann dies bis zu sechs Punkte einbringen. Man muss also immer gut bei der Sache sein und strategisch vorausdenken, um bei "Helios" die wichtigen Punkte zu ergattern, die das Spielerherz erwärmen.
 

Quelle: Schmidtspiele / www.hans-im-glueck.de © Hans im Glück Verlag


Unsere Eindrücke:

„Alles kreist um die Sonne“? – Nein! – „Hier kreist die Sonne um Alles!“

Mag auch der Astrophysiker hier entsetzt aufschreien, so bleibt es doch der Fantasie des Betrachters (Spielers) überlassen, ob er sich daran anstößt oder nicht. Denn der eigentliche Spielmechanismus mit der Sonne, die um unser „Erbautes“ wandert, ist raffiniert. Klar, dieser Mechanismus hätte auch in eine thematisch ganz andere Welt gepasst, aber stört dies hier wirklich den Spielablauf, die Spielatmosphäre? Hätten wir lieber - das ist jetzt nur so ein Beispiel - ein kleines Männchen, welches um unsere Blumen- und Gemüsebeete im Garten hüpft, und diese mit dem Zauberstab zu neuer Pracht zaubert? – Nein, denn das wäre doch Kitsch pur, oder? Also haken wir die Sache hier ab und stellen fest, die Sonne kreist um Alles und das ist gut so.

Die ersten Partien haben wir zu zweit gespielt. Bis auf die Tatsache, dass es mir mal wieder nicht gelungen ist, in den ersten 5 Partien meinen Sohn zu schlagen, hat es Spaß gemacht und es war sehr kurzweilig. Während die erste Partie noch gut über eine Stunde dauerte (immer wieder Kleinigkeiten in der Regel gesucht), blieb ungefähr ab der dritten Partie das Regelheft zu und die Spieldauer unter 50 Minuten. „Helios“ spielt sich zu zweit angenehm flüssig, ohne lange Wartezeit.

Das Spielgefühl an sich, ist so wie wir es von ähnlichen Spielen kennen. Die Zeit ist zu knapp, nur vier Runden! Das Kapital (hier Rohstoffe und Mana) ist zu knapp, und überhaupt hätte man es anders machen sollen. Egal, mit welcher Strategie man es anpackt, es scheint die Falsche zu sein. Ein typisches „Hätte-Hätte-Spiel“ – aber das macht Spaß – uns zumindest. Immer mit dem Vorsatz „jetzt hab ich eine gute Strategie“ ging es in eine neue Partie. Doch hätte ich es bloß anders gemacht, hätte es nur mehr Runden gegeben, hätte ich nur mehr Rohstoffe, ….. dann hätte ich nicht schon wieder verloren.

In Sachen Komplexität, teilen wir nicht ganz die Ansicht des Verlags. Vergleichen wir „Helios“ mit anderen Spielen aus dem Hause „Hans im Glück“, so sind wir der Meinung das z. B. „Stone Age“ wesentlich, und „Russian Railroads“ gar deutlich komplexer ist. Aber zu viel mit anderen Spielen wollen wir hier gar nicht vergleichen. Das hier vorgestellte „Helios“ hat auf jeden Fall seinen Reiz, und nicht jeder mag mega-komplexe Spiele, vielen reicht ein normal-komplexes Spiel.

Was bei „Helios“ gar nicht funktioniert, ist ein Strategie-Wechsel während des Spiels. Dafür ist schlicht die Zeit zu knapp! Das hat der Eine oder Andere auch bei uns schmerzlich erfahren müssen. Es ist also wichtig, sich von Anfang an eine Spieltaktik zu überlegen und diese dann konsequent durchzuziehen. Egal was kommt! OK, bei den ersten Partien kann man noch experimentieren, um das Spiel kennenzulernen, aber wer auf Sieg spielen möchte, sollte diesen Tipp beherzigen.

Auffällig im Spiel zu viert war, das die Personen spätestens nach der dritten Runde alle verteilt waren. Zwar waren Sie nicht aktiviert, aber sie waren verteilt. Als uns dies das erste Mal passierte, waren wir etwas verwirrt, denn es fällt automatisch fast eine ganze Spielphase aus.

Werfen wir nun noch den obligatorischen Blick auf das Spielmaterial. Es ist von A bis Z in gewohnter HiG-Qualität, was auch und im Besonderen Maße für die Spielregeln gilt. Mehr kann man dazu nicht sagen.

Oder doch? Ja klar, hätte ich fast vergessen: Die schönen Leinen-Säckchen zum Sammeln der Siegpunkte sind eine nette Idee und sorgen dafür, das bis zum Schluss unklar ist, wer führt. Die Tatsache, das bei unserer Ausgabe ein Säckchen kleiner ist als die drei anderen, fällt übrigens gar nicht ins Gewicht.

Bleibt abschließend noch die Frage, ob sich der Kauf lohnt. Das jedoch muss jeder für sich entscheiden. Einen Blick ist „Helios“ allemal wert.

In diesem Sinne: „Laßt den Sonnenschein herein…“


Unsere Wertung:

Spielspaß 1,7
Material 1,1
Regeln 1,1

Über unseren Wertungsschlüssel


© 09.08.2014 Oliver Sack
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Vielen Dank an den Schmidtspiele/Hans-Im-Glück-Verlag, für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.
Abbildungen der Spiele und Regelauszüge © Schmidtspiele/Hans im Glück - Fotos mitte/unten
© Oliver Sack