Marco Polo (D.Tascini / S.Luciani, 2015)

für 2 – 4 Spieler,  ab 12 Jahren
Autoren: Daniele Tascini und Simone Luciani
Illustration: Dennis Lohausen
Verlag: Hans im Glück
Vertrieb: Schmidt Spiele
Spieldauer: ca. 20-25 Minuten pro Spieler


Verlags-Beschreibung

Wir schreiben das Ende des 13. Jahrhunderts, als die Händler Niccolo und Matteo Polo zu Ihrer zweiten Reise gen Osten aufbrechen. Mit dabei ist der junge Marco, Sohn von Niccolo Polo. Diese Reise geschieht im Auftrag des großen Herrschers Kubilai Khan, der mehr über das Christentum erfahren will. Die drei Polos reisen kreuz und quer, über Land, zur See, durch Wüsten und Gebirge, auf Kamelen und sogar Elefanten. Kurz, sie erfahren die aufregendsten Routen ihrer Zeit. Fast 25 Jahre ist Marco Polo unterwegs, bevor er Venedig wiedersieht. Seine wundersamen Berichte sollten zu den bekanntesten Abenteuern der Weltgeschichte werden.


Quelle: Hans im Glück, 2015


Wer nur den Spuren der anderen folgt, kann diese nicht überholen: Diese Metapher gilt auch für jeden der bis zu vier Mitspieler des neuen Worker-Placement-Abenteuers von Hans im Glück, der "Auf den Spuren von Marco Polo" den anderen immer eine Nasenlänge voraus sein muss, um am Ende zu reüssieren. Die beiden Autoren Daniele Tascini und Simone Luciani haben für ihr von cleverer Taktik und vorausschauender Planung bestimmtes Spiel die Kulissen eines der größten Wagnisse der Menschheit aufgebaut: Die Reise des jungen Marco Polo, der als Siebzehnjähriger 1271 mit seinem Vater und Onkel von Venedig ins Reich des mächtigen Kublai Khan aufbrach. Eine Reise, die über 20 Jahre dauern sollte und den Venezianern sagenhaften Ruhm und Reichtum bescherte.

Mit all dem können auch die wagemutigen Reisenden rechnen, die als Spieler "Auf den Spuren von Marco Polo" trostlose Wüsten durchqueren, furchterregende Gebirgszüge erklimmen und tobende Gewässer bewältigen müssen, um auf den berühmten Handelsplätzen der sagenhaften Seidenstraße ihr Glück zu machen. Und natürlich ist auch bei diesem komplexen Strategiespiel jeder seines Glückes eigener Schmied: Jeder muss für sich allein die beste Route zum Hof des Großkhans finden und bei jedem Zug abwägen, welcher Weg den meisten Erfolg verspricht… Direkt nach Peking oder doch lieber den teuren Seeweg über Sumatra wählen? Die Entscheidung für den optimalen Zug fällt nicht immer leicht, da die Konkurrenz nicht schläft und einem die Mitspieler in die Quere kommen können. Da sind allemal gute Planung und die richtige Strategie gefragt!

"Auf den Spuren von Marco Polo" wird unabhängig von der Spielerzahl über sechs Runden gespielt, in denen Aufträge erledigt und Orte angesteuert werden müssen. Als "Worker" dienen bei diesem mit ungemein viel Material – darunter auch jede Menge aus Holz – ausgestatteten Worker-Placement-Spiel Würfel, die als Setzfiguren fungieren, was auch das bunte und vielfältige Geschehen auf und um den großen, detailreich illustrierten Spielplan sehr erleichtert. Meist geben die Würfelaugen an, wie oft etwa eine Aktion durchgeführt werden kann oder bestimmen die Mengen der Waren, die der Spieler erhält (und mit denen er anschließend auf den Bazaren fleißig Handel treiben kann). Wer Aufträge gut erledigt, kann so nicht nur sein Punktekonto erhöhen, sondern erhält auch noch weitere Vergünstigungen und Privilegien wie etwa kostenlose Reisemöglichkeiten oder extra Aktionswürfel.

Klar, dass alle, die sich auf die Spuren von Marco Polo begeben, erst einmal mit wenig Ressourcen starten und ihren Reichtum erst im Laufe der spannenden Reise Runde um Runde mehren können. Das allerdings ist für die Spieler, die dabei in die Rollen von Marco Polo, Vater Niccolò, Onkel Maffeo & Co. schlüpfen nur mit geschicktem Spiel und einer gehörigen Portion Strategie möglich.


Quelle: PM Schmidtspiele
 


Was der Pragmatiker wissen möchte

ein sehr gutes Spiel, allerdings mit Gefahr zum Langzeitgrübeln.


Unser Spielgefühl

Spielaufbau wirkt lang und kompliziert, wenn aber alle mithelfen, geht’s recht flott und es kann zügig losgehen. Viele Spielelemente erweisen sich als logisch und dank der ausgeklügelten Symbolik vergisst man schnell den ersten Eindruck und kommt zum Schluss, das es gar nicht so kompliziert ist. Dies betrifft aber nur die Spielregeln! Denn das wirkliche Problem ist die Taktik die man spielen möchte um am Ende als Sieger den Tisch zu verlassen. Welche Taktik die Beste ist, lässt sich schlecht sagen, denn sie ist zum großen Teil vom gewählten Charakter abhängig. Was wir allerdings mehrfach beobachtet haben, ist die Tatsache, dass ein Taktik-Wechsel während des Spiels die Siegchancen massiv verschlechtern. Heißt, die anfangs gewählte Taktik sollte auf Gedeih und Verderb durchgezogen werden. Als besonders erfolgsversprechend hat sich jedoch das Erledigen von Aufträgen erwiesen. Diese Taktik schein etwas punkteträchtiger zu sein, als der Versuch, alle Handelsposten zu verbauen.

Gut gefallen hat uns auch, das jede Partie anders verläuft. Dank der vielen Karten, von denen nur wenige beim Spielaufbau verwendet werden, ist „Marco Polo“ sehr abwechslungsreich und reizt bei jeder Partie auf’s Neue. Außerdem lassen sich so auch immer wieder neue Strategien ausprobieren. Was heute nicht funktioniert, könnte morgen den Sieg bringen! Allerdings sollte man sich für die ersten zwei, drei Partien an die „Einsteiger-Variante“ halten, um den gesamten Ablauf und die Zusammenhänge im Spielablauf zu verinnerlichen. Dann wird „Marco Polo“ nach den ersten drei, vier Partien auch richtig interessant. Denn, haben alle Mitspieler bereits Erfahrungen gesammelt, lässt sich das Spiel nicht nur recht zügig spielen, sondern auch interaktiv und strategisch. Einzige Ausnahme: Hat man einen notorischen Grübler am Tisch (oder gar zwei!) kann sich „Marco Polo“ sehr hässlich in die Länge ziehen. Aber diese Grübel-Problematik hat man auch anderswo. Daher mein Tipp: „Aus dem Bauch spielen! – klappt prima.“

Negative Erfahrungen haben wir in allen Testrunden keine gesammelt. „Marco Polo“ hat allen unseren Testspielern viel Spaß bereitet und wir hörten nur Positives. Aber der Vollständigkeit halber muss erwähnt werden, das wir „Marco Polo“ ausschließlich mit Taktik-Spiele-Fans gespielt haben. Wenn einem diese Art Spiele nämlich grundsätzlich gar nicht gefällt, wird man auch an „Marco Polo“ keinen Gefallen finden. Das ist sicher.

Persönlich ist mir noch aufgefallen, dass es immer wieder Situationen gibt, in denen einem genau 1 Rohstoff, 1 Kamel oder 1 Geld fehlt. Dann heißt es abwarten und versuchen, dies in der nächsten Runde wieder wettzumachen. Wenn in der Folgerunde nicht neue Probleme durch einen schlechten Würfelwurf auf einen zukommen. „Marco Polo“ ist in diesem Punkt einfach unberechenbar. Aber es ist genau das, was „Marco Polo“ so interessant und abwechslungsreich macht.


Partie zu zweit

Auch hier läuft „Marco Polo“ ohne größere Probleme, mit den selben Zwickmühlen, die man im Spiel zu dritt und zu viert bewältigen muss. Allerdings ist meine Frau der Meinung, dass sie, wenn sie die Wahl hat zwischen Marco Polo und einem anderen Hans-im-Glück-Spiel, eher zu „Stone Age“ tendieren würde für eine Zweierpartie. Hier sieht man einmal mehr, Geschmäcker können verschieden sein. Persönlich finde ich die Partie zu zweit zwar auch etwas statisch, aber durchaus interessant.


Fazit

Mit „Marco Polo“ hat der Verlag „Hans im Glück“ die Messlatte für Worker-Placement-Spiele 2015 sehr hoch gesetzt. Ich bin sogar geneigt, das Spiel als „Jahres-Bestleistung“ in dieser Disziplin zu bezeichnen, wenn ich beim Sportlerjargon bleiben darf. Obwohl der eigentliche Spielmechanismus aus anderen Spielen (z. B.: Bora Bora / Alea) bereits in der Spielewelt bekannt ist, so kommt er hier recht erfrischend daher und sorgt zusammen mit den Bewegungen und dem variablen Aufbau für eine gute Mischung, die viel Spielfreude bereitet.

Einziger Wermutstropfen sind die Spielregeln. Besonders bei der ersten und zweiten Partie wird die Regel noch sehr oft benötigt, und immer wieder drängte sich der Eindruck auf, diese sei etwas unstrukturiert. Bisweilen sucht man recht lang nach Antworten auf Fragen, die es am Anfang noch hier und da gibt. Das kann der Verlag eigentlich besser. Nach der vierten, fünften Partie ist dies dann aber egal, weil dann kennt sowieso jeder Mitspieler die Regeln und die gut durchdachte Symbolik auf Spielplan und Material.

Unterm Strich bleibt ein herausragendes Strategiespiel aus der Strategiespielschmiede „Hans im Glück“. Gefällt uns … sehr!


Zum Schluß

Manch einer im WWW hat sich extrem erregt über die fehlende Zahl "48" bei der Zählleiste auf dem Spielplan. Wir sagen dazu nur: "na und? fehlt sie halt!" - den es ist absolut irrelevant für das Spiel.


Wertung

Spielspaß 1,3
Material 1,5
Regeln 2,5

Über unseren Wertungsschlüssel


© 25.05.15 Oliver Sack
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Vielen Dank an Schmidtspiele/Hans im Glück, für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.
Abbildungen der Spiele und Regelauszüge © Schmidtspiele/Hans im Glück / Fotos: Oliver Sack