Targi - Die Erweiterung (Andreas Steiger, 2016)

für 2 Spieler, ab 12 Jahren
Autor: Andreas Steiger
Grafik: Imelda und Franz Vohwinkel
Verlag: Kosmos
Spieldauer ca. 60 Minuten
Platzbedarf: ca. 100x100cm


Verlags-Beschreibung

Der Stammesbau geht weiter. Mit wenigen neuen Regeln und einigen neuen Elementen sorgt „Targi – Die Erweiterung“ für überraschend viel Abwechslung. Als Anführer eines Tuareg-Stamms wollen die Spieler auch dieses Mal ihren Stamm vergrößern und stehen vor einer Vielzahl an Entscheidungen.
 
Nur wer seine Figuren clever platziert, dem Mitspieler im richtigen Moment das Leben schwer macht und die passenden Ausbauten erwirbt, kann gewinnen. Das bekannte Spielprinzip des Klassikers für Zwei erhält durch die Erweiterung nun noch weitere spannende Spielmöglichkeiten. Die Regeln von „Targi – Die Erweiterung“ sind weitgehend dieselben wie im Grundspiel. Völlig neu sind dagegen die 45 Stammeskarten. Mit dem neuen Element "Wasser" kann flexibler gebaut werden und die „Wanderdünen", die neben der Auslage bereitliegen, bieten ebenfalls zusätzliche Möglichkeiten. Und wer die Nähe zur Tuareg-Frau, der Targia sucht, wird belohnt.

Achtung: Die Targi Erweiterung ist nur in Verbindung mit dem Grundspiel spielbar.


Quelle: PM Kosmos, 2016


Was der Pragmatiker wissen möchte

Ein Must-have. Nie wieder ohne!

Unsere Rezension zum Targi-Grundspiel gibt’s übrigens hier…


Unsere Eindrücke und unser Spielgefühl

‚Targi‘ spielt sich ja schon in der Grundvariante sehr gut und bietet allerlei taktische Finessen. Da sind sich die Fans des Spiels absolut einig. Daher ist es auch wenig verwunderlich, dass schon früh die Rufe nach einer Erweiterung laut wurden. Aber nicht immer sind Erweiterungen ein Segen für das jeweilige Grundspiel und Kosmos ist nicht gerade ein Verlag, der ständig irgendwelche Erweiterungen heraus bringt. Doch wenn sich der Verlag dazu entscheidet, dann kommt meist etwas sehr interessantes und gutes dabei heraus. Wir waren aber dennoch skeptisch, was uns da erwartet. Zur Skepsis kam aber auch eine gute Portion Neugier. Schließlich hat uns Autor Andreas Steiger bereits in einem Interview vor Veröffentlichung Appetit auf die Erweiterung gemacht. Und was jetzt nach vier Jahren Wartezeit mit dieser Erweiterung kam, hat uns positiv überrascht. Es macht die ganze Sache tatsächlich noch interessanter und noch spannender. Drei neue Elemente sorgen für ein neues und verzwickteres Spielgefühl, und das ist noch nicht genug. Es ergeben sich noch mehr Möglichkeiten bei der Jagd nach den begehrten Siegpunkten.
 
Das neue Spielelement „Wasser“ bringt, zusammen mit den teilweise neuen Randkärtchen, schon einige sehr interessante und neue Möglichkeiten ins Spiel. Zwar wird „Wasser“ genau so behandelt wie „Gold“, also ebenfalls nicht als Ware gehandhabt, dafür hat man aber eher mal ein paar „Wasser“ mehr im Vorrat als „Gold“. Denn „Gold“ bleibt auch mit der Erweiterung ein sehr knappes und begehrtes Gut.
 
Auch neben dem Spielfeld ändert sich etwas, was uns neues Kopfzerbrechen bei der Planung macht. Jetzt liegen drei Karten „Wanderdünen“ aus. Diese Karten verfügen zum Teil über sehr starke Funktionen, müssen für ihren Einsatz aber teuer bezahlt werden. Stellt man eine seiner Spielfiguren auf eine „Wanderdüne“, so kann man zwar die Aktion einmalig nutzen, verliert aber logischerweise einen Kreuzungspunkt auf dem Spielfeld, da dort nur noch 2 Spielfiguren auf einem der Randfelder stehen. Will man gar mehrere „Wanderdünen“ nutzen, fallen die Kreuzungspunkte in der Auslage komplett weg und man kann nur noch „Wanderdünen“ und ein Randfeld nutzen. Man muss sich also sehr gut überlegen, ob man die starke Funktion einer Wanderdüne auf Kosten eines Kreuzungspunktes nutzen möchte. Darüber hinaus sollte man auch auf das Timing achten, denn ewig liegen die „Wanderdünen“ nicht aus. Sollten vor einem „Überfall“ schon alle „Wanderdünen“ weg sein, kommt eine neue „Wanderdüne“ zu Beginn einer Runde ins Spiel. Erst bei einem Überfall werden alle noch ausliegende „Wanderdünen“ abgeräumt und durch drei neue ersetzt.
 
Das dritte neue Element im Spiel ist die Spielfigur „Targia“. Diese Spielfigur bewegt sich beginnend bei Feld 15 wie die Räuber-Figur von Randfeld zu Randfeld. Allerdings gegen den Uhrzeigersinn, also in entgegengesetzter Richtung. Die „Targia“ blockiert dabei aber nicht das Randfeld auf dem sie steht, sondern bringt dem, der seine Spielfigur dazu stellt einen weiteren Rohstoff nach Wahl.
 
Damit die neuen Elemente sich gut ins Spiel einpassen, werden die Stammeskarten des Grundspiels komplett ersetzt. Die neuen Stammeskarten der Erweiterungen sind sehr gut auf die neuen Elemente abgestimmt, können je nach Geschmack aber auch mit den Stammeskarten des Grundspiels gemischt werden. Zusätzlich werden jetzt aber die Stammeskarten noch in vier Kategorien unterteilt. Es gibt Stammeskarten, welche keine Funktionen besitzen, also nur Rohstoffe kosten und Siegpunkte einbringen. Dazu kommen jetzt Stammeskarten, die extra gekennzeichnet sind und bei Spielende extra Punkte bringen, oder sofort beim Auslegen in der eigenen Auslage einen sofortigen oder dauerhaften Vorteil bescheren. Einige Karten haben auch Vorteile, die nur einmal in der Partie genutzt werden können. Auch diese Karten sind eindeutig gekennzeichnet und werden mit einem Marker versehen, der entfernt wird, sobald man die Funktion der Karte nutzt.
 
Ähnlich wie beim Grundspiel verzeiht die Erweiterung keine Fehler im Spiel. (Das ist fast so wie bei einem Handballspiel gegen Frankreich. Dort wird auch jeder noch so kleine Fehler, den man macht, sofort vom Gegner bestraft.) Die einzige Chance einen Fehler wieder wett manchen zu können ist, zu hoffen, dass der Gegenspieler seinerseits auch mal einen Fehler macht. Nur so lässt sich eine kleine Unaufmerksamkeit ausgleichen. Was allerdings in Sachen Spielgefühl unverändert bleibt, ist die Diskussion bei und nach Spielende. Immer wieder in unseren Runden waren es Rechtfertigungen wie: „Hätte ich hier… oder hätte ich da …. und da konnte ich nicht, weil du mich blockiert hast … da hätte ich besser …“. Dialoge dieser Art könnte man wahrscheinlich hier endlos wiedergeben. Jeder der schon einmal ‚Targi‘ gespielt hat, wird mir sicher zustimmen. Aber das zeigt, das es eben nicht vorbei ist das Spiel, wenn die Schlusswertung gemacht wurde, im Gegenteil. Für uns auch immer ein gutes Zeichen, wenn lange noch über den Spielverlauf gesprochen wird. Das kommt nur bei den ganz guten Spielen vor.


Fazit:

Die Erweiterung ist eine echte Bereicherung für das Grundspiel. Aber auch ohne, hat ‚Targi‘ seinen Reiz. Außer, ich erkläre ‚Targi‘ jemandem, der es nicht kennt. Denn für ‚Targi‘-Neueinsteiger ist die Erweiterung wegen ihrer Komplexität nicht empfehlenswert. Wer allerdings ‚Targi‘ kennt, und die Erweiterung irgendwo einmal kennenlernen kann, der wird sich diese danach sicher auch zulegen wollen. Eine sehr gute Erweiterung für ein sehr gutes Zweier-Spiel.
 
Danke an Autor und Verlag für diese tolle Erweiterung. Apropos Danke, wir haben vor der Veröffentlichung der Erweiterung mit dem Autor Andreas Steiger darüber gesprochen. Hier der Link zum Interview….

 

© 29.01.17 Oliver Sack
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Abbildungen der Spiele und Regelauszüge © Kosmos / Fotos: Oliver Sack