Glück Auf (Kramer/Kiesling, 2013)

Für 2-4 Spieler, ab 10 Jahren
Autoren: Wolfgang Kramer / Michael Kiesling
Verlag: Eggertspiele
Vertrieb: Pegasusspiele
Spieldauer: ca. 60-75 Minuten


Verlags-Beschreibung:

ESSEN, Ende des 19. Jahrhunderts: Solarenergie und Ökostrom sind noch reine Zukunftsmusik. Stattdessen gibt es „unendliche“ Kohlevorkommen.
Ihr seid Besitzer von Kohleminen und müsst zusehen, dass ihr Loren produziert, in eure Bergwerke schafft und euren Stollen so viel Kohle wie nur möglich entreißt. Mit der geförderten Kohle bestückt ihr Aufträge, und sobald ihr diese ausliefert, erhaltet ihr Siegpunkte. Allerdings benötigen die Aufträge immer ganz bestimmte Kohlesorten. Da jede Sorte in einer eigenen Stollenetage schlummert, müsst ihr manchmal tief runter ... und das ist teuer.

GLÜCK AUF ist ein „tiefschürfendes“ und dennoch leicht zugängliches Brettspiel, das für Familien ebenso geeignet ist wie für erfahrene Spieler. Insbesondere die eigenen Bergwerke, mit ihren beweglichen Förderkörben, garantieren Spielspaß auf jedem „Niveau“. Glück Auf!

Quelle: www.pegasus.de © Pegasus Verlag / Eggertspiele


Das Spiel:

Bei „Glück Auf“ geht es eigentlich nur um Eins: um Kohle! – Wer genug Kohle auftreibt, und diese geschickt unter die Leute bringt, der bekommt Siegpunkte. Wer die meisten Siegpunkte am Ende des Spiels vorweisen kann, der gewinnt.

Aber ganz so einfach machen es uns Wolfgang Kramer und Michael Kiesling nicht. Denn die Sieg-Punkte muss man sich im Schweiße seines Angesichts erst einmal mühsam verdienen. Eine Aufgabe, die uns die beiden Erfolgsautoren unlängst bei „Nauticus“ (Kosmos-Verlag) gestellt haben.

Das Grundprinzip bei „Glück Auf“ ist seit langen bestens bekannt. Es ist ein Worker-Placement-Spiel mit Optimierungscharakter. Darüber hinaus folgt es einer Geschichte, die sich wie ein roter Faden durch das Spiel zieht. Unsere Aufgabe ist es, Kohle abzubauen und zu liefern, denn wir Besitzer einer Kohlemiene und wollen, das ist marktwirtschaftlich auch sinnvoll, damit Geld verdienen. Hierzu müssen wir eine bestimmte und logische Reihenfolge einhalten. Diese Reihenfolge bestimmt auch unsere Planung, unsere Taktik und unser spielerisches Schicksal. Einfach nur ein Loch im Boden reicht nämlich bei weitem nicht aus. So ist also eine unserer Aufgaben, Die Kohle-Mine und die dazugehörigen Stollen immer weiter ins Erdreich zu treiben um immer wieder aufs Neue den begehrten Rohstoff abbauen zu können. Dazu müssen wir u.a. Loren kaufen, die uns die Kohle in den Stollen bis zum Förderschacht transportieren können. Nur, je tiefer unser Stollen liegt, desto teurer sind die Loren und das ausbauen bzw. vorantreiben der Stollen. Doch, Kapitalismus sei Dank, bekommen wir bei der Bank jederzeit finanziellen Nachschub, um unsere Vorhaben weiter finanzieren zu können. So, nun haben wir Kohle in den Stollen, am Förderschacht. Was dann folgt ist logisch. Die Kohle muss raus! Dazu dient ein Förderkorb, mit dem bis zu 5 Ladungen Kohle über Tage gebracht werden können. Dort angekommen, kann die Kohle entweder eingelagert, oder es können vorhandene Aufträge beliefert werden. Letzteres bring uns schlussendlich die ersehnten Siegpunkte.

Um die einzelnen Aktionen durchführen zu können, müssen wir wie im echten Gruben-Leben, Arbeiter anweisen, ihre Aufgaben zu erfüllen.

Bei Spielbeginn bekommt jeder Spieler ein Startkapital, seine ersten drei Aufträge sowie Arbeiter, in Abhängigkeit von der Anzahl der Mitspieler. (bei 2 Spieler 10 Mark und 18 Arbeiter, 3 Spieler 9 und 15, 4 Spieler 8 und 13). Bezogen auf die Anzahl der zur Verfügung stehenden Arbeiter und im Vergleich zu anderen Worker-Placement-Spielen, wie z.B. „Stone Age“ (Hans im Glück), hört sich das richtig viel an. Aber, der Schein trügt.

Um sein Bergwerk auszubauen und um Aufträge erfüllen zu können, müssen jetzt die Arbeiter auf dem Zentralen Spielplan eingesetzt werden. Dazu stehen verschiedene Felder zur Verfügung. Es können Loren gekauft werden, um seine eigene Mine weiter auszubauen oder Förderaktionen mit bereits abgebauter Kohle durchgeführt werden. Es besteht auch die Möglichkeit, sich auf der Bank Geld zu beschaffen, oder sich neue und lukrative Aufträge abzuholen. Zu guter Letzt können natürlich noch die Vorhandenen Aufträge beliefert werden, was unmittelbar Siegpunkte einbringt.

Möchte ich also zum Beispiel eine neue Tunnel-Plättchen mit Lore kaufen, setze ich eine meiner Arbeiterfiguren auf dem Spielplan in ein freies Feld bei der Loren-Fabrik, nehme das zugehörige Plättchen, bezahle den Preis dafür und lege es in mein Bergwerk. Die neu angelegte Lore wird dann sofort mit der passenden Kohle bestückt und wartet fortan auf ihren Abtransport. Der freie Platz wird dann sofort wieder mit einem neuen Plättchen bestückt. Auf dieselbe Art und Weise setzte ich im späteren Rundenverlauf meine Arbeiter dann an den anderen Orten ein, um Geld zu kassieren, neue Aufträge zu bekommen oder diese auszuliefern.

Die Krux ist, das ich für ein freies Feld zwar nur 1 meiner Arbeiterfiguren einsetzen muss, aber meist ist es so, dass das von mir präferierte Feld besetzt ist! Und nun? Entweder ich weiche auf ein anderes, freies Feld aus, oder ich muss genau 1 Figur mehr dort platzieren, und kann so den bisherigen Spieler vertreiben und mir das Feld sichern. Stehen dort bereits 2 Figuren, muss ich entsprechend eben 3 Figuren aus meinem Vorrat „opfern“. Dadurch nimmt natürlich die Anzahl der mir zur Verfügung stehenden Figuren rapide ab, und was anfangs nach „viel Material“ aussah, geht schneller zur Neige als das es einem lieb sein kann. Hektik und Zugzwang kommen auf.

Sobald alle Spieler ihre Figuren auf dem Spielplan eingesetzt haben und die dazugehörigen Aktionen durchgeführt haben, endet die erste Runde (erste Schicht). Es kommt zu einer Zwischenwertung, bei der es Punkte gibt. Anschließend nehmen alle Spieler ihre Figuren zurück und es beginnt die zweite Runde, die zweite Schicht, in der wir wieder unsere Aktionen durchführen können. Nach dieser zweiten Runde erfolgt nochmals eine Zwischenwertung, und es folgt die dritte und Letzte Runde, an deren Ende es zusätzlich zur Zwischenwertung eine Schlusswertung gibt. Bei dieser Schlusswertung wird dann noch überprüft, ob ich mein Bergwerk im Gleichgewicht habe. Die bedeutet, habe ich links und rechts vom Schacht die gleiche Anzahl Tunnelplättchen liegen? Wenn nein, gibt es pro Plättchen „Ungleichgewicht“ zwei Punkte Abzug! Ein Punkt mehr, auf den man während des Spiels achten sollte.


Spielgefühl:

„Glück Auf“ bietet dank sehr gutem Regelwerk nicht nur einen schnellen Einstieg, es spielt sich auch schon ab der ersten Partie schön flüssig. Wie wir es bei einem guten Worker-Placement-Spiel erwarten, so lastet auch hier ein permanenter Druck auf den Spielern, und das Rundenende bzw. Spielende kommt von der ersten Minute an unaufhaltsam und bedrohlich näher. Dies hat den positiven Nebeneffekt, dass das Spiel recht kurzweilig wirkt.

Durch Anpassungen beim Spielmaterial spielt sich „Glück Auf“ in jeder Besetzung ohne Haken und Ösen.


Was uns gut gefallen hat:

Gute Spielregeln, mit vielen Beispielen, die absolut keine Fragen offen lassen. Ein klares Spielkonzept sorg dafür, dass sich vieles von alleine erklärt.


Was uns nicht gefallen hat:

Schade ist, dass bei der Gestaltung des Materials offensichtlich etwas zu viel gespart wurde. Die Geldscheine haben zwar unterschiedliche Werte und Bildchen drauf, sind aber allesamt grün. Die Arbeiterfiguren werden uns als profane Oktaeder präsentiert und die Spielertableaus liegen nicht besonders plan auf dem Tisch. Selbiges gilt für die Tunnelplättchen. Bleibt zu hoffen, das dieses Manko in weiteren Auflagen behoben wird.


Schlussbemerkung:

Da die Herren Kramer und Kiesling 2013 zwei ähnliche Spiele bei zwei verschiedenen Verlagen veröffentlicht haben, so drängt sich der Wunsch nach einem groben Vergleich. „Glück Auf“ ist ein Tick weniger komplex als „Nauticus“ (Kosmos), somit für Wenigspieler etwas attraktiver. Vielspieler werden jedoch bei beiden Spielen auf ihre Kosten kommen, da beide ein hohes Maß an Optimierungs-Potential besitzen. Glück ist bei beiden Spielen jedoch nicht der Schlüssel zum Erfolg, auch wenn’s hier im Spieltitel steht.


Wertung:

Spielspaß 1,3
Material 3,0
Regeln 1,1

Über unseren Wertungsschlüssel


© 13.01.14 Oliver Sack
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Vielen Dank an Pegasus, für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.
Abbildungen der Spiele und Regelauszüge © Pegasus / Foto: Oliver Sack