Hospital Rush (Laursen, Storgaard, Thomsen, 2014)

für 3 bis 5 Spieler, ab 10 Jahren
Autoren: Thomas Kjølby Laursen, Kåre Storgaard und Steen Thomsen
Grafik: Olaf Hänsel
Redaktion: Eggertspiele
Verlag: Pegasus
Spieldauer: 30-60 Minuten


Verlags-Beschreibung:

Kaum wird im Krankenhaus der Chefarzt-Posten frei, ist es unter den Assistenz-Ärzten mit der Harmonie vorbei: Jeder will die Stelle. Da muss man zwischen Patientenfürsorge und Studium schon mal zu schmutzigen Tricks greifen, um vor der Klinikleitung zu glänzen. Dumm nur, wenn man die lieben Kollegen damit auf Ideen bringt. Und dann gibt es natürlich noch die ganz linken Mitarbeiter, die einen eiskalt für alles auffliegen lassen…

Politisch korrekt ist anders: In Hospital Rush setzen die Spieler alles daran, ihr Ansehen in einem ausgeflippten Krankenhaus zu mehren. Dazu stehen ihnen neben individuellen Spielerfähigkeiten in jeder Runde zwei Spielfiguren und eine große Auswahl an Aktionsfeldern zur Verfügung. Sie können etwa Nachtschichten schieben, sich fleißig fortbilden, die Abschlussprüfung ablegen und skurrile Patienten therapieren – von Leonardo DiAbetico bis Quentin Quarantino. Doch die werdenden Halbgötter in Weiß können auch anders: Da wechseln Geld und Medikamente schon mal den Besitzer und wer einen dicken Geldbeutel hat, kann sich seinen guten Ruf auch einfach erkaufen. Aber wehe, wenn einer der Kollegen das spitz kriegt und auf der Führungsebene auspackt! In dieser Klinik muss man also gleichermaßen Leben retten und über Leichen gehen, um sich einen Ruf und damit den Chefarzt-Posten zu verdienen.


Quelle: PM Pegasus, 2014


Unser Spielgefühl:

Am besten hat uns Hospital Rush zu viert gefallen, deshalb beschränken wir uns hier auf die Partie zu viert. Allerdings möchten wir gleich klarstellen, dass Hospital Rush in allen Besetzungen sehr gut funktioniert.

Bisher brachten wir Worker-Placement-Games – Pardon, Arbeiter-Einsetz-Spiele – immer mit Strategie, Taktik und Ernsthaftigkeit in Verbindung. Doch hier ist’s mal ganz anders. Es reicht auf keinen Fall zum Spielsieg, wenn man sich nur auf die schönen, legalen Aktionen beschränkt. Beim braven spielen kommt nicht wirklich etwas dabei raus, beziehungsweise es dauert sehr, sehr lange. Man ist deshalb schon fast gezwungen, die „bösen“ interaktiven Aktionen zu nützen, um schneller zu den Siegbringenden zehn Prestigepunkten zu gelangen. Das bringt letztendlich auch das Tempo ins Spiel. Denn wenn ein Spieler einmal kurzzeitig zwei oder drei Punkte in Führung liegt, werden sich die Mitspieler nicht mehr all zu sehr an freundliche Aktionen halten und ebenfalls, mit allen Mitteln versuchen zu Punkten. Apropos punkten, das geht am besten und schnellsten tatsächlich auf Kosten anderer. Hierzu stehen auf dem Spielplan interaktive und „unsaubere“ Aktionen zur Verfügung, die von jedem Spieler genutzt werden können. Hinzu kommen aber noch für jeden Spieler zwei individuelle, interaktive Aktionsmöglichkeiten, die genutzt werden können. Speziell diese individuellen Aktionen bringen meist, sofern man nicht erwischt oder verpetzt wird, wertvolle Prestigepunkte im Kampf um den Posten als Chefarzt.

Es kommt einem schon so vor, als wäre man inmitten einer Hollywood-Krankenhaus-Soap, bei der jeder versucht, seinem Konkurrenten Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Was an Ende zählt, ist der Erfolg, den man am Ende bloß nicht teilen möchte. Verstärkt wird die Stimmung und Spiellaune in erster Linie durch die Illustrationen des Spielmaterials, und ganz besonders durch die Patienten, die es zu behandeln gilt. Hier hat man sich bei deren Namen, vielleicht auch etwas unter dem Einfluss bewusstseinserweiternden Substanzen, richtig Mühe gegeben, um die Krankheit gleich mit im Patienten-Namen zu verschmelzen. Entstanden sind dabei Persönlichkeiten, wie „Malaria Croft“, „Bruise Wayne“ oder „Woddy Allergy“, um nur drei der 23 Charaktere zu nennen. Eine nette, sehr lustige Idee.

Zu Ernst sollte man die Thematik von „Hospital Rush“ allerdings nicht nehmen, es ist und bleibt ein Spiel. Die Story trägt aber maßgeblich zum Spielspaß bei und wirkt dabei keinesfalls aufgesetzt.

Kurz noch ein Wort zur Komplexität und zu den Spielregeln. Die Regeln sind sehr übersichtlich gehalten, und mit ausreichend Beispielen versehen. Einem schnellen Einstieg ins Spiel steht rein gar nichts im Wege. Den grundsätzlichen Ablauf hat man ebenfalls sehr schnell intus.

Was bleibt, ist die Frage des Anspruchs. Wer ein anspruchsvolles Vielspieler-Strategie-Spiel sucht, ist hier komplett fehl am Platze. Wer hingegen ein lockeres, unterhaltsames Spiel sucht, bei dem auch ein bisschen mit den Ellenbogen gerangelt werden kann, der ist hingegen genau richtig. Hospital Rush ist witzig, kurz & knackig. Mehr nicht – aber auch nicht weniger.

In diesem Sinne: Schwester, bitte Tupfer, Zange, Flachmann …. Der Nächste bitte!


Wertung:

Spielspaß 2,0
Material 1,5
Regeln 1,5

Über unseren Wertungsschlüssel


© 23.01.15 Oliver Sack
Du bist anderer Meinung? - oder möchtest etwas hinzufügen, ergänzen oder kritisieren?
Dann schreib uns, wir veröffentlichen deinen Kommentar und freuen uns über jedes Feedback.


Vielen Dank an Pegasus, für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.
Abbildungen der Spiele und Regelauszüge © Eggertspiele/Pegasus / Foto unten: Oliver Sack