Strasbourg (Pegasus, 2011)

Für 3-5 Spieler ab 12 Jahren
Autor: Stefan Feld
Spieldauer: ca. 90-120 Minuten


Verlags-Beschreibung:

Straßburg im 15. Jahrhundert. Die politischen Geschicke der Stadt werden stark beeinflusst von den Handwerkszünften, die zeitweilig sogar zwei Drittel des Rates stellen.

In dieser Zeit schlüpft ihr in die Rollen aufstrebender Familien der Stadt. Euer Ziel ist es, die eigenen Familienmitglieder in den Zünften unterzubringen. Nur ein geschickter Einsatz von Einflusspunkten ermöglicht es, als Lehrling, Geselle oder gar als Meister aufgenommen zu werden – vorausgesetzt, ihr habt auch das Geld für die fällige Aufnahmegebühr parat. Aber unterschätzt nicht die Macht des Adels und der Kirche!

Strasbourg ist ein leicht erlernbares Strategiespiel mit originellen Mechanismen, die den Spielern viel Entscheidungsfreiheit geben. Doch nur wer auch die Pläne der Mitspieler nicht aus dem Auge verliert, wird am Ende das höchste Ansehen ernten.

Quelle: www.pegasus.de © Pegasus Spiele Verlag, 61169 Friedberg



Der grobe Spielablauf:
Strasbourg wird in 5 Runden zu je 3 Phasen gespielt und endet mit einer Schlusswertung.

Bevor es aber losgeht, wählt jeder Spieler geheim aus 5 Aufgabenkarten mindestens eine aus, die er während des Spiels erfüllen möchte. - Dies ist ein Spielelement, das wir aus Spielen wie z.B. „Zug um Zug“ bereits kennen. - Erfüllte Aufgabenkärtchen bringen am Ende des Spiels noch einmal zwischen 2 und 12 Punkten, je nach Karte. Alle nicht erfüllten Aufgaben schlagen hingegen mit -3 Punkten zu Buche. Es will also gut überlegt sein bei der Auswahl der Aufgabenkärtchen.

Haben sich alle Spieler für ihre Aufgaben entschieden, beginnt das Spiel.
In der ersten Phase wählt jeder Spieler aus seinen 24 Einflusskarten eine beliebige Anzahl aus, die er in der laufenden Runde einsetzen möchte. Die ausgewählten Karten werden nun auf beliebig viele verdeckte Stapel aufgeteilt. Diese Phase wird von allen Spielern gleichzeitig ausgeführt und bestimmt den weiteren Spielablauf einer Runde erheblich. Aber Achtung! Die 24 Karten müssen für das gesamte Spiel ausreichen.

In der zweiten Phase, der Aktionsphase, werden jetzt nacheinander 9 Aktionen (A-I) abgearbeitet. Am Anfang einer Aktionsphase kann der Adel und die Kirche beeinflusst werden. Dies wird dann am Ende der Aktionsphase ausgewertet. Es folgt, immer abwechselnd, jetzt das Beeinflussen einer Zunft und eines Kaufmanns. Insgesamt können bis zu 3 Zünfte und/oder 3 Kaufleute beeinflusst werden. Ob und wie stark beeinflusst wird, hängt von der Anzahl und dem Wert der in Phase 1 gewählten Karten ab. Jeder Spieler hat grundsätzlich das Recht auf das Beeinflussen zu verzichten. Dies ist auch notwendig, da gar nicht genügend Einflusskarten zur Verfügung stehen, um immer und überall mitbieten zu können. Hier heißt es also wohl bedacht bei der Auswahl seiner persönlichen Ziele/Strategie vorzugehen. Spieler die in einem der Schritte nicht passen, sondern Karten ausspielen möchten, decken diese auf und wenn alle Spieler geboten bzw. gepasst haben wird verglichen. Der Spieler mit dem höchsten Gesamtwert seiner ausgelegten Karten wird sofort Startspieler und darf als erster seine Beeinflussung der jeweiligen Zunft vornehmen. Als „Meister“ darf dieser Spieler dann eine seiner Figuren (Familien-Mitglieder) in den Rat der Stadt stellen, eine weitere in das entsprechende Stadtgebiet und er bekommt zusätzlich noch 1 Ware der entsprechenden Zunft, welche er später wieder zu Geld machen kann. Wer nach dem Aufdecken die zweithöchste Anzahl an Einflusspunkten ausgespielt hat, wird „Geselle“ d.h. bis auf das Recht ein Familienmitglied in den Rat zu stellen, hat dieser Spieler dieselben Rechte wie der Meister. Nur als drittplazierter, als „Lehrling“, ist man gezwungen, sich zwischen Warenplättchen und dem Setzen eines Familienmitgliedes auf dem Spielplan zu entscheiden. Je nach Anzahl der Mitspieler kann es vorkommen, dass ein oder mehr Spieler bei diesen Aktionen leer ausgehen. Zum Trost dürfen diese jedoch einen Teil der bereits gewählten Handkarten wieder zurücknehmen.
Bei dem Beeinflussen der Kaufleute hat nur der Spieler mit dem höchsten Gebot das Recht, Waren zu verkaufen. Bei der dritten Beeinflussung (Schritt G) wird jedoch zusätzlich ein Platz im Rat ausgelobt.
In den nun folgenden abschließenden Schritten werden noch eine Kapelle und ein Gebäude im Stadtgebiet errichtet. Wer zu Beginn der Runde eine seiner Figuren auf das Ratsfeld des Adels oder der Kirche setzen durfte, baut entsprechend Gebäude bzw. Kapelle.

Es folgt dann die dritte Phase, die Ratsphase. In welcher jeder Spieler entsprechend der Anzahl eigener Familienmitglieder im Rat der Stadt Siegpunkte erhält. Wer die meisten Familienmitglieder im Rat stellt, erhält zusätzlich noch ein sog. „Privileg“, welches er in den folgenden Aktionen einsetzen kann um auszusetzen, ohne passen zu müssen bzw. ohne Karten aufdecken zu müssen. Dieses Privileg kann helfen, seine Mitspieler zu zwingen sich zuerst entscheiden zu müssen, während man selbst durch das Aussetzen, unabhängig von der Spielreihenfolge, als letzter entscheiden kann. Dies kann manchmal sehr hilfreich sein, und beschert einem einen kleinen, nicht zu unterschätzenden Vorteil.

Ist diese dritte Phase abgeschlossen, beginnt die nächste der 5 Runden, bis nach Ende der fünften Runde noch eine Schlusswertung ansteht. Gewonnen hat, wer nach diesen fünf Runden die meisten Punkte hat.


unser Fazit:
Strasbourg ist ein wirklich gutes, rundum gelungenes Strategiespiel, das vor Allem durch seine klaren und unkomplizierten Regeln besticht. Gute Planung und eine gute Strategie sind für den Erfolg essentiell.
Wie bei anderen Spielen dieser Art, möchte man gerne an 10 von 10 Orten gleichzeitig etwas unternehmen, kann dies aber nur an 6-7 Orten tun oder hat nur geringe Mittel und muss sich auf 1-2 Orte beschränken. Aber auf welche?! – permanent ist man am Schauen, ob und wie man seinem Ziel näher kommt und was die Mitspieler vorhaben könnten. Der Mechanismus des Spiels ist so ausgetüftelt, das man selbst eigentlich immer irgendwie am Zug ist, also keine Wartezeit zwischen seinen Zügen hat.

Strasbourg ist in unseren Testrunden ausnahmslos gut angekommen. Als Indizien für ein sehr gutes Spiel sind auch die lang anhaltenden Diskussionen nach der Schlusswertung, noch bevor das Spiel weggeräumt wird, zu sehen. Denn nur bei einem wirklich guten Spiel wird noch lange diskutiert – durchschnittliche Spiele werden eigentlich meist nach der Endabrechnung schnell aufgeräumt. Stimmt‘s? – Ja!

Deshalb „Daumen hoch“ für Strasbourg.
Ein Spiel für alle die es gerne kniffelig mögen und gerne aus vielen Entscheidungsmöglichkeiten heraus taktieren.
Die Qualität des Spielmaterials, die grafische Umsetzung und die gute, ausführliche Regel runden das positive Spielgefühl ab.


Wertung:


Spielspaß
2
Material
1,5
Regeln
1,5





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Noch zwei Tipps für Einsteiger:
Bei der Ersten Partie einfach „nur“ zwei Runden spielen, dann wieder alles neu aufbauen. So macht’s dann richtig Spaß und man hat nach diesen zwei Runden wichtige Elemente kennengelernt, die anfänglich noch etwas kompliziert erscheinen. Strategisch/Taktische Zusammenhänge werden dann klarer und es kommt nicht schon bei der ersten Partie Frust auf.

Die Summe der Punkte auf den ausgewählten Aufgabenkärtchen sollte zwischen 10 und 15 liegen. Mehr Aufgabenkärtchen sollten nicht gewählt werden. Dies ist dann ein realistisch zu erreichendes Ziel.




© 01.11.11 Oliver Sack


Vielen Dank an den Pegasus-Verlag, für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.
Abbildungen der Spiele und Regelauszüge © Pegesus Verlag