il Vecchio (Rüdiger Dorn, 2012)

Für 2-5 Spieler ab 12 Jahren
Autor: Rüdiger Dorn
Verlag: Pegasus / hall games
Spieldauer: 70 Minuten


Verlags-Beschreibung:

Italien im 15. Jahrhundert. Die Medici steigen von einer wohlhabenden, aber unbedeutenden Familie zu einer der einflussreichsten italienischen Dynastien ihrer Zeit auf. Cosimo de’ Medici, genannt „il Vecchio“ („der Alte“), erlangt höchsten Einfluss auf Kirche, Politik, Handel und Kultur. Doch Boten berichten, dass andere Familien aufbegehren und ehemals Getreue sich abwenden. Mitregent Giuliano I. de’ Medici fällt einer Verschwörung zum Opfer – wer trachtet nach der Vorherrschaft in Florenz? Die Spieler schlüpfen in die Rollen von Oberhäuptern der verfeindeten Adelsfamilien Strozzi, Albizzi, Sforza und Visconti. Heimtückischer Meuchelmord, eingefädelte Fehden und böswillige Intrigen stehen auf der Tagesordnung, um das Imperium der Medicis zu unterwandern mit dem Ziel, sie mit Schimpf und Schande aus der Stadt zu jagen ….

Quelle: www.pegasus.de © Pegasus Verlag


Fazit:

Während unserer ersten Partie waren wir anfangs relativ planlos, und wir wurden den Eindruck nicht los, dass sich das so schnell auch nicht ändern wird. Jeder machte irgendeine Aktion (fünf sind ja möglich) und schaute was passiert.

„Hmmm,…  war glaub nix! – Also, dann eben eine andere Aktion, wenn ich wieder am Zug bin!“

OK, es galt also die Mitspieler zu beobachten, ob sich dann etwas mehr erschließen lässt. Wieder Fehlanzeige! – Doch dann, nach ca. 5-10 Runden war einiges klarer. Wir begannen das angefangene, bis dahin eher chaotische Spiel in hoffentlich taktisch kluge Bahnen zu lenken. Und siehe da, alles ergab plötzlich einen Sinn. Aber, wir wurden auch den Eindruck nicht los, dass uns das Spiel im (Würge-)Griff hatte. Nur eine von fünf Aktionen!? Eigentlich wollten wir zwei oder gar drei Aktionen pro Runde wählen. Und Geld!? Hatten wir meist auch zu wenig! Und das Spielende, das Spielende war absehbar und es hing wie ein Damoklesschwert über uns. Das Spiel beschleunigte und uns gingen neben der Zeit auch Ressourcen und Ideen aus. „il Vecchio“ hatte uns im Griff, „il Vecchio“ fesselte.

Die erste Partie also einmal mehr unter „K“ wie „Kennenlern-Partie“ abgelegt, und ran an weitere. Denn jetzt wo der Ablauf und die Aktionsmöglichkeiten klar schienen, konnte von Anfang an auf das Spielziel hingearbeitet werden.

Worker Placement – sich für Aktionen entscheiden – kurzfristig wieder umentscheiden – auch mal zurückstecken müssen.

Alles das ist es, was ein gutes Spiel dieser Art ausmacht. Und all das bietet auch „il Vecchio“! Ein würdiger Vertreter seines Genres.

Hervorzuheben sind die sog. „Mittelsmänner“. Diese Spielfiguren bringen Vorteile bei der Beschaffung dringend notwendiger Ressourcen, aber Sie sind selten da, wo man sie braucht. Denn, die Mittelsmänner rotieren während des Spiels auf dem Spielplan, und jedes Mal wenn ein Spieler die Dienste eines Mittelsmanns in Anspruch nimmt, zieht dieser weiter. In diesem, nicht uninteressanten Punkt, weicht „il Vecchio“ von anderen Worker-Placement-Spielen ab. Und gerade das macht dieses Spiel so interessant.

Zu den Regeln und dem Spielmaterial bleibt ebenfalls nicht viel zu sagen. Die Regeln sind sehr gut strukturiert und mit ausreichen Beispielen versehen. Das Material ist ebenfalls in gewohnter Qualität (Holz und Pappmarker). Der Spielplan … Ja, beim Spielplan hat sich einmal einer etwas einfallen lassen. Der Spielplan ist zweiseitig. Vorder- und Rückseite. Unterscheiden tun sich diese jedoch nur in der Grafik. Während die offizielle Vorderseite farblich getrennte Gebiete zeigt (zur besseren Orientierung während der ersten Partien), ist die Rückseite eher monochrom. Dies soll aber nicht abwertend sein, nein, im Gegenteil. Die Vorderseite hilft wie gesagt in den ersten Partien durch bessere Übersicht, die Rückseite ist, finde ich, schlichtweg „schöner“.

Abschließend blieb in all unseren Testrunden nur eine Frage offen: Warum soll ich für die Zählleiste eine Figur u.U. sogar vom Spielplan auf die Zählleiste setzen? Ist der Produktion das Holz ausgegangen? Oder wäre das Spiel mit vier zusätzlichen Spiegpunktmarkern zu teuer geworden? – Beides wohl eher nicht. Es bleibt also ein Rätsel, aber das nur am Rande.

Kurzum: spielenswert!


Anmerkung:

Das Spielgefühl erinnerte mich zwar anfangs stark an „Stone Age“, denn ich hatte das Gefühl, das es sinnvoll ist, schnell weitere Familienmitglieder (Spielfiguren) aufs Spielfeld zu bringen. Allerdings versäumte ich, einen Teil meiner Familienmitglieder vor Spielende wieder vom Spielplan zu nehmen. Denn, Familienmitglieder, die sich bei Spielende im Vorrat befinden, bringen zusätzlich Punkte. In der ersten und mittleren Spielphase hingegen sind sie auf dem Plan nützlicher.
 


Wertung:

Spielspaß 2
Material 1,5
Regeln 2

Über unseren Wertungsschlüssel


© 15.05.13 Oliver Sack
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Vielen Dank an den Pegasus-Verlag, für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.
Abbildungen der Spiele und Regelauszüge © Pegasus Verlag