Onitama (Shimpei Sato, 2017)

für 2 Spieler, ab 10 Jahren
Autor: Shimpei Sato
Grafik: Jens Wiese
Verlag: Pegasusspiele
Spieldauer: 15 bis 30 Minuten
Platzbedarf: ca. 70x40 cm


Verlags-Beschreibung

Hoch in den nebelverhangenen Bergen Japans liegt der Schrein von Onitama, einem Ort der Erleuchtung und Meditation. Hier versammeln sich regelmäßig die Meister der Kampfkünste mit ihren begabtesten Schülern, um ihre Überlegenheit im Kampf zu beweisen. Zwei Spieler schlüpfen in die Rollen dieser Meister und versuchen, die gegnerischen Schüler inklusive Meister zu schlagen. Dazu sind in jeder Partie fünf von 16 Bewegungskarten im Spiel, die unterschiedliche Manöver erlauben. Eine benutzte Bewegungskarte wandert anschließend an den Gegner, daher ist Wachsamkeit und gute Vorausplanung gefragt.
 
Onitama ist durch das außergewöhnliche Spielmaterial und die aufwendige Verpackung schon optisch ein absolutes Highlight. Die Regeln ermöglichen zudem einen einfachen Einstieg und sorgen mit stimmungsvollen Texten und Zeichnungen für das perfekte Kung-Fu-Feeling, das im aufregenden Taktikkampf untermauert wird.


Quelle: PM Pegasus, 2017


Was der Pragmatiker wissen möchte

Taktischer Leckerbissen für 2 Spieler


Das Spiel:

Das Spielfeld von Onitama erinnert mit seinen 5x5 Feldern recht schnell an die Klassiker Schach und Dame. Im Gegensatz zu den Klassikern hat Onitama aber nicht nur weniger Felder, sondern auch weniger Figuren. Ganze fünf Figuren stehen jedem Spieler zu Verfügung, von denen eine als „Meister“ und die anderen als „Schüler“ bezeichnet werden. Andres als beim Schach, haben die Figuren bei Onitama allerdings keine feste Bewegungsart. Die Zugmöglichkeiten jeder Figur ändern sich von Runde zu Runde. Wie genau man mit seinen Figuren ziehen darf, bestimmen zwei Zugkarten, die jeder Spieler vor sich ausliegen hat. Eine weitere Zugkarte liegt offen neben dem Spielplan bereit. Insgesamt gibt es im Spiel 16 verschiedene Zugkarten, von denen aber pro Partie nur fünf verwendet werden. Das bringt schon mal Abwechslung, spielt man gleich mehrere Partien hintereinander. Und da auf den Karten ganz genau angegeben ist, wie sich eine Figur bewegen darf, ist eine ausführliche Erklärung der Zugmöglichkeiten vollkommen überflüssig.
 
Doch wie läuft ein Spielzug ab. Um das zu erklären, sollten wir uns zunächst einmal das Spielziel anschauen. Um das Spiel zu gewinnen, versuchen die Spieler entweder, den gegnerischen Meister (große Spielfigur) zu schlagen oder mit dem eigenen Meister das gegnerische Tempelfeld (letzte Reihe, Mitte) zu erreichen. Dabei gilt, jede Figur kann jede beliebige gegnerische Figur schlagen. Nur die eigene Figur kann nicht geschlagen werden, auch wenn dieser Wunsch in unseren Probepartien nicht selten war. Denn manchmal steht man sich und seinem Erfolg selbst im Weg.
 
Möchte ich also eine meiner Figuren bewegen, so wähle ich dafür eine der beiden vor mir liegenden Bewegungskarten aus. Nachdem ich dann eine Figur gemäß der gewählten Karte bewegt habe, wird die verwendete Karte links neben dem Spielplan ausgelegt. Die zu diesem Zeitpunkt auf der rechten Seite liegende Karte darf ich dann zu mir nehmen, sodass ich wieder zwei Bewegungskarten offen vor mir liegen habe. Der Gegenspieler macht dann genau das Selbe. Auf diese Art rotieren die Bewegungskarten permanent, was auch dazu führt, dass ich ganz genau sehe, was mein Gegner tun kann. Darüber hinaus sehe und beeinflusse ich auch, was er in seinem übernächsten Zug für Möglichkeiten hat. Denn ich gebe ja eine meiner Karten nach deren Verwendung weiter.
 
Sobald ein Spieler eine der beiden Siegbedingungen erfüllt hat, endet die Partie sofort.


Unser Spielgefühl:

Was auf den ersten Blick recht einfach ausschaut, entpuppt sich nach den ersten paar Kennenlernpartien zu einem taktischen Leckerbissen für zwei Spieler. Wie groß die taktischen Möglichkeiten sind, erkennt man auch daran, dass die Spieldauer von Partie zu Partie länger wird. Sind es zu Beginn noch rund 10 Minuten, kann eine Partie mit zunehmender Erfahrung der Spieler auch schnell mal 30 Minuten und mehr dauern.
 
Der anfängliche Eindruck, manche Karten seien extrem stark gegenüber anderen, hat sich im Verlauf der ersten Partien nicht bestätigt. Durch das Rotieren der Bewegungskarten haben beide Spieler eigentlich immer die selben Karten zur Auswahl.
 
Entscheidend ist viel mehr, was man mit seinen Karten macht. Im richtigen Moment die vielleicht weniger attraktive Karte ausspielen, um zu verhindern das der Gegner eine bestimmte Karte zu früh in die Hände bekommt, hat sich als sehr wirkungsvolle Strategie herausgestellt. So kann man im richtigen Moment mit einer starken Karte dem Gegner empfindliche Stöße beibringen.
 
Ohnehin ist es extrem wichtig, nicht nur die eigenen Karten im Blick zu haben, sondern jederzeit auch die des Gegners. Ein kurzer Blick auf dessen Karten und Figuren auf dem Spielfeld, offenbart durchaus interessante Zugoptionen auf Felder, auf die der Gegner aktuell nicht ziehen kann. Somit kann er auch nicht schlagen, und die eigene Figur wird so in eine Ausgangssituation gebracht, aus der heraus ein Angriff im nächsten Zug möglich sein kann. Doch Vorsicht! Die wichtigste Karte im Spiel ist immer die, die man seinem Gegner zur Verfügung stellt.


Fazit:

Onitama ist ein einfaches, spannendes und kurzweiliges Spiel. Durch die relativ kurze Spielzeit und die Variabilität bei den Bewegungskarten, bleibt es meist nicht nur bei einer Partie. Fünf Partien hintereinander werden es meistens. Es hat allen Spielern und Mitspielern in unseren Gruppen gut gefallen. Auch mir und meinem Sohn (19) gefällt es richtig gut, genau unser Geschmack. Denn, Partien gegen meinen Junior schätze ich bei Spielen dieser Art sehr, auch wenn ich dabei meist den Kürzeren ziehe. Obwohl, gelegentlich hab auch ich mal gewonnen.
 
Das Paradoxe dabei ist, dass ich ein Spiel gut finde, bei dem ich von vorne herein weiss, dass ich verlieren werde. Das zeigt aber auch, dass hier etwas besonderes auf dem Tisch liegen muss. Ich werde jederzeit wieder die Herausforderungen meines Sohnes annehmen und der Tag wird kommen, dann verbuche ich ein 5:0 für mich. Denn wie sagte schon „Hägar der Schreckliche“: Es geht darum den Gegner zu demütigen! Und auf dieses Ziel arbeite ich hin. Unermüdlich. Die vielen anderen Partien gegen andere Spieler, die ich meist gewonnen habe, sind dabei völlig unwichtig. Es ist eine Familienangelegenheit.


Materialkritik:

Die Spielmatte (Spielfeld) und die Karten bieten, wie auch die Verpackung, keinen Grund zu Kritik. Aber die Spielfiguren! Zumindest in unserem Exemplar des Spiels waren die Spritzgußteile nicht sonderlich schön. Reste vom „Anspritzen“ und eine unschöne Naht bilden den einzigen Schönheitsfehler von Onitama. Spielbar ist es damit aber uneingeschränkt.



© 09.08.17 Oliver Sack
Du bist anderer Meinung? - oder möchtest etwas hinzufügen, ergänzen oder kritisieren?
Dann schreib uns, wir veröffentlichen deinen Kommentar und freuen uns über jedes Feedback.


Abbildungen der Spiele und Regelauszüge © Pegasus / Fotos: Oliver Sack


Sollten in diesem Beitrag Rechtschreibfehler oder falschgesetzte Satzzeichen sein, so ist unbedingt drauf zu achten, diese zu dokumentieren (Foto) und dann per Post in doppelter Ausführung an uns zu senden. Danke.