Sanssouci (Michael Kiesling, 2013)

Für 2-4 Spieler, ab 8 Jahren
Autor: Michael Kiesling
Verlag: Ravensburger
Spieldauer: ca. 60-80 Minuten


Verlags-Beschreibung:

Sanssouci im Jahr 1745. Zwei bis vier Landschaftsgärtner sollen für das weltberühmte Schloss einen Ziergarten anlegen. Schlau und vorausschauend müssen sie bauen und gleichzeitig Adlige durch den Garten führen, um den Wettbewerb zu gewinnen.


So spielt man Sanssouci:

Jeder Spieler errichtet in seinem eigenen Park farbenprächtige Rosenbögen, imposante Statuen, wohlriechende Kräuterbeete oder verflochtene Labyrinthe, jeweils in Form kleiner quadratischer Plättchen. Natürlich nicht nach Belieben, denn das Sagen hatte damals nicht der Gärtner allein. Die Parks im barocken Stil sind streng eingeteilt und so ist genau vorgegeben, was wohin gehört. Auf einem zentralen Spielplan liegen die zu verbauenden Plättchen offen aus. Doch die Spieler dürfen sich nicht einfach daran bedienen. Zwei Spielkarten vom Stapel geben ihnen vor, mit welchem Gartenelement sie ihre Anlage als nächstes verschönern dürfen. Da ist es mitunter recht herausfordernd, den Park so auszubauen, dass er auch das Wohlwollen der Adligen findet. Denn diese warten schon auf der Schlossterrasse und wollen hindurch geführt werden. Je weiter sie im Park eines Spielers lustwandeln können, desto mehr Siegpunkte gibt es. Eine zusätzliche Belohnung winkt am Ende für vollständig bebaute Parkreihen. Wer schließlich die meisten Siegpunkte besitzt, gewinnt den Wettbewerb als bester Landschaftsgärtner.
 

Quelle: PM Ravensburger, 2013


Spielgefühl:

„Sanssouci“ war jüngst auf dem Titel der Spiele-Fachzeitschrift Spielbox (5/2013) wir waren deshalb natürlich sehr gespannt was wir da auf den Tisch bekommen werden. Außerdem versprachen Autor und Verlag ein solides Gesellschaftsspiel für die ganze Familie. Doch selten waren wie so gespalten wie bei Sanssouci! – Meine Frau hat das Spiel schon nach der ersten Partie abgeurteilt, Zitat. „Nee, da spielt ich doch lieber Alham…..!“

Da ich nach der Premieren-Partie ganz anderer Meinung war, lass ich ihre Aussage einfach mal so stehen. Warum sie zu diesem ernüchternden Urteil kam, konnte sie mir nicht sagen. Es sei eben so ein „Gefühl“, ein „Bauchgefühl“. (Und sie hat trotzdem weitere Testrunden mitgespielt.)

Ich fand‘s persönlich ganz nett und könnte mir „Sanssouci“ als regelmäßigen Begleiter bei Spieleabenden, oder für eine schöne Partie mit Gelegenheitsspielern durchaus vorstellen. Die Spielregeln sind sehr verständlich geschrieben und mit vielen Beispielen bereichert, dies gewährleistet einen schnellen und unkomplizierten Einstieg ins Spiel. Und genau das ist es was „Sanssouci“ für Familien und Gelegenheitsspieler interessant macht. Hinzu kommt noch eine ansprechende, dem Thema entsprechende Gestaltung des Spielmaterials.

Apropos Thema, der Verlag verzichtet hier auf lange Einführungen und Einführungstexte in der Spielanleitung und legt stattdessen einen schönen bunten Flyer über die Parks und Schlösser Brandenburgs bei. Auch mal eine Idee, Werbung für unser Land zu machen, und vielleicht den Einen oder Anderen einmal zu einem Besuch barocker Gärten und/oder Schlösser zu animieren, denn die gibt es nicht nur in Brandenburg bei den Preußen.

Zurück zu „Sanssouci“ – Es spielt sich, dank Spielerzahlabhängigen Anpassungen beim Spielmaterial, im direkten Duell zu Zweit ebenso flüssig wie zu Dritt oder zu Viert. Allerdings sind die Interaktionsmöglichkeiten bei Weitem nicht so ausgeprägt wie man es sich während einer Partie mehrfach wünschen würde. Im Gegenteil, eigentlich spielt hier jeder für sich, und mehr als einmal ein Blick „in Nachbars Garten“ kommt selten vor. Dies wirkt sich dann zwangsläufig auch auf die Spannung im Spiel aus. Die Spannungskurve steigt zwar zu Beginn kurz an, bleibt aber im weiteren Verlauf bis kurz vor Spielende nahezu flach. Erst kurz vor Schluss ist eine Spannungssteigerung spürbar, die jedoch eher einer Art „Torschlusspanik“ gleichkommt. Dennoch, der gefürchtete Spielfrust, kommt gar nicht bis selten auf, und das macht „Sanssouci“ wiederum sehr interessant für die eigentliche Zielgruppe, die Familie.

Weitere Garanten für die Familientauglichkeit sind, der einfache Zugang, die klaren Abläufe und eine unkomplizierte Wertung während des Spiels beziehungsweise bei Spielende.

Wem „Sanssouci“ nach einigen Partien zu „langweilig“ wird, dem bietet das Spiel auch direkt Abhilfe, denn eine Erweiterung ist direkt mit dabei. Sie bringt etwas mehr Taktik ins Spiel und zieht, punktemäßig, das Feld auseinander. Dramatisch gesprochen, die Kluft zwischen Sieger und Verlierer wird größer. Einfacher wird es mit der Erweiterung zwar nicht, aber auch nicht sonderlich komplizierter. Es wird aber um einiges interessanter und taktischer. Deshalb unser Rat, nutzt diese Erweiterungsmöglichkeit recht früh, und zwar prinzipiell gleich nachdem man den grundsätzlichen Spielablauf verstanden hat. Dies wäre nach ungefähr 3-4 Partien, in einer Erwachsenen-Runde der Fall. Mit Kindern sollte man allerdings länger warten und es einfach einmal ausprobieren.

Was bleibt? Sanssouci ist ein thematisch wie optisch, schönes Spiel, das typisch ist für Ravensburger. 60 Minuten kurzweilige Brettspielunterhaltung für die ganze Familie und für Gelegenheitsspieler, die leichte Strategie-Kost suchen, und nicht von überfrachteten Spielen mit 1 kg Material, 20 Seiten Spielregeln und vielen „Hätte-Wäre-Wenns“ knapp 120 Minuten lang geprügelt werden wollen.

An dieser Stelle passt auch ein Kommentar aus unserer Testgruppe, O-Ton: „Sanssouci hat mir auch gefallen. Ist ein eher unspektakuläres Spiel ohne Action. Man muss halt seine Züge gut durchdenken. Was aber erst wirklich gut geht, wenn der Vordermann mit seinem Zug fertig ist.“

In diesem Sinne: „Wer mischt, wer gibt, wer fängt an?“


Zum Abschluss noch das:

Auf dem Pressebild oben, ist dem Fotografen ein kleiner Fehler unterlaufen, habt ihr ihn gefunden?
(Wer’s noch nicht gespielt hat, der wird’s nicht finden) ⇒ hier ist die Lösung :-)


Wertung:

Spielspaß 2
Material 1,5
Regeln 1,5

Über unseren Wertungsschlüssel


© 02.01.14 Oliver Sack
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Vielen Dank an Ravensburger, für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.
Abbildungen der Spiele und Regelauszüge © Ravensburger / Foto unten: Oliver Sack