Meduris (S. Dorra, R. zur Linde, 2016)

für 2-4 Spieler, ab 10 Jahren
Autoren: Stefan Dorra, Ralf zur Linde
Illustratoren: Miguel Coimbra
Verlag: HABA
Spieldauer: ca. 75 Minuten
Platzbedarf: ca. 100x120cm


Verlags-Beschreibung

Dem Ruf der Götter folgend, machen sich die Spieler auf, um den Fuß des Berges Meduris zu besiedeln. Dafür müssen sie wertvolle Güter erwirtschaften, um Hütten und Tempel zu errichten. Aber je größer die Siedlung wird, desto teurer wird auch das Bauen. Und dem Druiden muss man auch noch Opfergaben darbringen. Nur wer seine Hütten und Tempel geschickt platziert und für das große Finale ausreichend Opfergaben bereithält, kann dieses faszinierende Spiel gewinnen.

Meduris – Der Ruf der Götter von HABA ist eine abwechslungsreiche Herausforderung für alle Strategen, magisch in Szene gesetzt vom Erfolgsillustrator Miguel Coimbra. Mit seinen durchdachten Regeln bietet es Spannung bis zum großen Finale.


Quelle: PM HABA, 2016


Was der Pragmatiker wissen möchte

Schönes Familienspiel mit haptischem Material


Unsere Eindrücke

Gleich zu Beginn sind wir über das Regelwerk förmlich gestolpert. Dieses wirkt sehr unübersichtlich und nicht besonders gut strukturiert. Dazu noch dieser unpraktische 4-fach-A4-Einleger mittendrin mit den gepunkteten Linien – grausam. Hier könnte man sicherlich nachbessern. Was allerdings wiederum sehr gut gefällt, sind die integrierten FAQ, wobei ich mich frage, warum werden diese Detail-Dinge nicht gleich in der Regel berücksichtigt, wenn diese offensichtlich häufig gefragt werden. Ebenfalls hilfreich, die Kurzregeln am Ende der Anleitung. Hier gibt es nichts auszusetzen, diese sind sehr praktisch und hilfreich.

Ein weiterer Punkt, der uns gleich auffiel, bezieht sich auf die Sichtschirme. Diese sind angenehm groß und zeigen auf der Innenseite die Zugübersicht und Wertungen bildlich dargestellt. Nur warum muss die Beschriftung in englischer Sprache erfolgen? Oder haben wir in unserem Exemplar versehentlich „falsche“ Sichtschirme? Aber das ist wirklich nur ein Detail, welches das Spiel absolut nicht beeinflusst.

Zu Beginn unserer ersten Partie wirkte ‚Meduris‘ allerdings sehr schwerfällig und leicht öde. Uns fehlte ein gewisser „Spannungsbogen“. Ab Mitte der ersten Partie kam allerdings langsam die Befürchtung auf, dass es im Spiel sehr teuer werden kann und man nicht genügend Rohstoffe gesammelt hat. Gegen Ende unserer aller ersten Partie kam dann das Aha-Erlebnis! „Es wird eng!“ Da waren wir uns einig. Was zu Beginn nach einem unspektakulären Sammelspiel aussah, entwickelte sich zu einem taktischen Spiel mit viel Planungsbedarf. Ich beispielsweise abzuwägen, ob ich die letzte Hütte teuer bauen solle, mit dem Risiko, am Ende die Opferrunde nicht mehr bedienen zu können. Dafür würde ich allerdings erhebliche Punktabzüge bekommen bei der Schlusswertung. Allerdings musste ich auch meine Mitspieler immer im Auge behalten, ob diese nicht das Spiel beenden und mich ausstechen. Der Eindruck vom Spiel wurde immer besser.

Mit der Erfahrung aus der ersten Partie waren nachfolgende Partien deutlich spannender. Man wusste, auf was es ankommt und auf was man alles achten sollte, will man am Ende keine bösen Überraschungen in Form von massiven Punktabzügen erleben.

Interessant ist zum einen der Mechanismus zum Erwirtschaften der Güter. Er bietet viel Raum für strategische Überlegungen und Abwägungen. Zum anderen der Druide. Er kommt nicht sofort ins Spiel, sondern er „wartet“ ein wenig. Aber, ist der Druide erst einmal auf dem Rundkurs unterwegs, bewegt er sich schneller als einem lieb ist. Man ist gezwungen, einen ausreichenden Vorrat an Güter hinter seinem Sichtschirm bereitzuhalten, um die Opferrunden schadlos zu überstehen. Und am Ende des Spiels dreht der Druide nochmals seine Runde. Und zwar eine Komplette! Während dieser letzten Opferrunde können dann die Platzierungen auch richtig durcheinandergewirbelt werden.

Wer bei 'Meduris' ein Glückselement sucht, wird wenig Erfolg bei dieser Suche haben. Alles ist sehr „programmiert“ und „kalkulierbar“. In Phase 1 bekommt man zu rund 50% mindestens 1 Ware, wo hingegen die Gefahr keine Ware zu bekommen nur bei etwa 16% liegt. Die Wahrscheinlichkeit, ganz leer auszugehen, hingegen bei nur 33%. Phase 2 ist dann die strategische Phase. Hier steht und fällt alles mit der persönlichen Planung. Kleiner Tipp am Rande: Achtet auf die Runensteine. Diese bringen bei den Zwischenwertungen zwar nur je ein Punkt, aber bei Spielende steigt deren Wert mit der Anzahl der Runensteine, die man besitzt. Eine nicht zu unterschätzende Punktequelle.


Fazit

‚Meduris‘ wird vom Verlag zwar als Familienspiel geführt, aber wir waren und sind der Meinung, dass es eigentlich schon mehr ist. Familien, die nur gelegentlich spielen, werden ihre Mühen haben. Deshalb würden wir es, aufgrund seiner taktischen Tiefe, eher als ein „gehobenes Familienspiel“ bezeichnen. Ein Level, das bisher bei HABA nicht zu finden war. Weiter so.

Wie gut uns ‚Meduris‘ nach der ersten Partie gefallen hat, zeigt auch die Tatsache, dass wir ungefähr eine ganze Stunde lang auf der Rückreise von einem Spieletreff noch über ‚Meduris‘ geredet haben. Das machen wir eigentlich nur dann, wenn uns ein Spiel wirklich gut gefallen hat.

Wer die Gelegenheit hat, ‚Meduris‘ zu spielen, sollte das auf jeden Fall tun. Es lohnt sich. Aber nicht nur eine Partie. Ab der Zweiten wird’s erst interessant.


Nachbemerkung

„Spieleabend approved“ bleibt für mich immer noch ein eher suspektes Siegel, mit dem ich absolut gar nichts anfangen kann. Aus Marketingsicht sicher wertvoll, aussagefähig ist es aber sicher nicht.

 

© 26.03.17 Oliver Sack
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Abbildungen der Spiele und Regelauszüge © HABA / Foto unten: Oliver Sack