Die Quacksalber von Quedlinburg (Wolfgang Warsch, 2018)

für 2-4 Spieler, ab 10 Jahren
Autor: Wolfgang Warsch
Grafik: Dennis Lohausen
Verlag: Schmidtspiele
Spieldauer: ca. 30-45 Minuten
Platzbedarf: ca. 100x80 cm
 

Verlags-Beschreibung

Ob gegen Käsefüße, Männergrippe oder Schmetterlinge im Bauch, als Quacksalber braut jeder sein eigenes Süppchen und stellt seine Heilkunst auf dem Basar von Quedlinburg gegen andere Kurpfuscher unter Beweis. Je vielfältiger die Zusammensetzung des Gebräus und je voller der Kessel, desto effizienter der Gewinn. Daher ist vor allem aktives Erwirtschaften neuer Zutaten gefragt. Doch aufgepasst: Zu viel Gier verdirbt den Trank und lässt den Kessel explodieren!
 
„Die Quacksalber von Quedlinburg“ ist ein Bag-Building Spiel für zwei bis vier Personen, bei dem das Gespür für die richtige Zusammensetzung der verschiedenen Zutaten im Beutel (bag) und ein gutes Gefühl zur rechten Zeit aufzuhören einen Spieler schnell an sein Ziel bringen. Kessel, Wahrsagekarten, über 200 Zutatenchips, Stoffbeutel und diverse Zutatenbücher sorgen für das Salz in der Suppe. Am Ende zählt jedoch nur eins: Wer braut den perfekten Trank und holt seinen Kessel zur rechten Zeit vom Feuer bevor dieser explodiert?
 
Der Trank wird zubereitet indem die Zutatenchips blind aus dem Beutel gezogen und in den Kessel gelegt werden. Es gibt Chips mit unterschiedlichen Wertigkeiten. Chips mit hohen Zahlen sind zwar teurer, machen den Kessel aber auch schneller voll, was wiederum mehr Geld bedeutet. Aber Achtung: Ergibt die Summe aller weißen Chips sieben, so kommt es zu einer Explosion und der Spielzug ist bei diesem Spieler beendet. Sobald alle Spieler mit dem Ziehen ihrer Chips fertig sind, kommt es zur Wertung. Ein vollerer Topf bringt dabei mehr Geld um neue Zutaten zu kaufen als ein Kessel mit wenigen Zutaten. Allerdings gilt es bei der Mischung des Topfes auch darauf zu achten, welche Zutaten man erwirbt. Denn jede Zutat kann noch für zusätzliche Aktionen sorgen. Durch die unterschiedlichen Zutatenbücher ist das Leben als Quacksalber sehr variantenreich. So kann man, selbst wenn man es 2000 Mal spielen sollte, immer wieder unterschiedlichen Zutatenkombinationen wählen. Auch wenn den Spielern die im Spielverlauf auf der Siegpunktleiste weiter hinten stehen die Ratten beim Befüllen des Kessels helfen, so gewinnt am Spielende doch der Spieler, dessen Spielpunktmarker am weitesten vorne auf der Leiste liegt.
 

Quelle: PM Schmidtspiele / www.schmidtspiele.de
 

Unsere Eindrücke

An dieser Stelle gleich eines vorweg, ja, das Spiel ist glückslastig. Im Grundspiel sogar sehr glückslastig. Aber es ist gerade dieser Glücksanteil, der die Quacksalber so interessant macht. Besonders die, die gerne zocken und etwas riskieren wollen im Spiel, kommen voll auf ihre Kosten.
 
Allerdings sind die Quacksalber zunächst eher eine Herausforderung in Sachen Mitrechnen und Wahrscheinlichkeiten. Erst wenn eine gewisse Anzahl Chips aus dem Beutel gezogen sind, wird die Angelegenheit zu einem Glücksspiel. Dann nämlich, wenn bereits 5 Knallerbsen im Kessel liegen. Jetzt steht man vor der Wahl, auf Nummer Sicher zu gehen oder zu zocken. Die sichere Nummer ist, an dieser Stelle aufzuhören um die sicheren Punkte und das sichere Kapital einzufahren. Die riskante Variante bringt wieder die Wahrscheinlichkeit in die Überlegung mit rein. Man fragt sich, was hab ich noch im Beutel? Ist die 3-er-Knallerbse noch drin? Wie sind die Chancen diese zu ziehen? 50:50 oder 1:10? „Egal“ sagt der Zocker, „Ohne mich“ der Vorsichtige. Manchmal ist es aber auch das eigene Spieltableau, der eigene Kessel, der die Entscheidung mit beeinflussen kann. Ziehe ich noch einen Chip, bekomme ich mehr Geld, mehr Punkte und sogar noch einen Edelstein. Das motiviert, das macht mutig. Und Schwupps, der Glückspilz zieht keine Knallerbse, wo hingegen Spieler wie ich verkünden dürfen: „Mist, Kessel verrissen!“ Oder wie ein (immer mutiger) Mitspieler sagte: „Da riskiert man 1x etwas, und prompt geht‘s schief“ - Jammern auf hohem Niveau eines meist Führenden.
 
Für jede Menge Abwechslung sorgen die unterschiedlichen Sets die gespielt werden können. Während die möglichen Aktionen im Grundspiel (Grundset) recht überschaubar sind, was den Spieleinstieg für Anfänger sehr erleichtert, werden die Aktionen bei den übrigen 3 Sets deutlich interessanter und verzwickter. Wem das dann aber immer noch nicht genug ist, für den halten Autor und Verlag eine zusätzliche Variante bereit, die das Spiel noch einmal anders macht. Diese Variante sollte man allerdings erst spielen, wenn man den Grundmechanismus intus hat und zumindest das zweite und dritte Set gespielt hat.
 
Die Sets und die Variante sind auch ein Diskussionspunkt unter Kennern der Szene und Spielebloggern. Während die einen, ausgehend vom Grundspiel, die Quacksalber als Familienspiel einstufen, sehen es andere eben auf Grund der Variationen und der Variante, schon als gehobenes Familienspiel oder gar als „Kennerspiel“.
 
Mir persönlich gefällt es bereits in der Grundvariante sehr gut. Ich mag es, wenn ein Spiel locker von der Hand läuft und einen gewissen Risikofaktor mitbringt. Obwohl ich auch sehr gerne komplexeres auf dem Tisch habe. Aber gerade als Einstieg oder Absacker beim Spieleabend gefällt mir das Spiel echt gut. Oder es liegt daran, dass für mich die Gruppe, die Mitspieler wichtiger sind als das Spiel. Denn gemeinsam bei einem Spiel Spaß zu haben, ist immerfort wichtiger als jeder Mechanismus.
 
Anders, meine Frau. Sie findet die Grundvariante witzlos und maximal zum Kennenlernen brauchbar. Reine Glückssache und völlige Willkür sind hier ihre Hauptargumente. Bei den alternativen Sets relativiert sich aber ihre Meinung und sie sieht in den Quacksalber von Quedlinburg ein kurzweiliges Familienspiel, bei dem auch Nicht-Spielaffine Mitmenschen sehr schnell zurechtkommen können.
 

Was nervt, was gefällt uns nicht?

Zu Beginn des Spiels wählt jeder Spieler einen Kessel. Diese haben unterschiedliche Farbränder (rot, blau, gelb, grün). Dazu bekommt jeder noch nicht passende Spielsteine mit Tropfen- und Ratten-Symbol, sowie einen ebenfalls nicht zur Kesselfarbe passenden Zählstein für die Punkteleiste. Nicht passend bedeutet, man hat die Wahl zwischen Spielsteinen in gold, silber, gelb und braun (!). Gelingt es einem Spiele die 50 Punkte-Marke zu knacken, bekommt er als Erinnerung einen 50-Punkte-Marker in seiner Kesselfarbe, also rot, blau, gelb oder grün! Ich frage mich jetzt WARUM? Warum sind die Spielsteine nicht passend zur Kesselfarbe? Hat sich da wirklich jemand etwas dabei gedacht? Wohl eher weniger. Erstens sind die goldenen und gelben je nach Licht sehr schwer zu unterscheiden, was gerade auf der Kramer-Leiste zu Verwechslungen kommen kann. (Das gilt übrigens auch für die Grundfarbe im Kessel-Rondell und den Knallerbsen-Chips.) Zweitens gibt es gar keinen Grund, die Spielsteine NICHT rot, grün, gelb oder blau zu machen. Die Verwechslungsgefahr mit Zutatenchips ist verschwindend gering. Also, liebe Redaktion, bei der nächsten Auflage nochmals drüber nachdenken. Ich kann mir vorstellen, dass nicht nur ich das so sehe. Nicht das wegen so einer Kleinigkeit eine eventuelle (durchaus verdiente) Nominierung gefährdet ist. Es sind schließlich meistens die kleinen Dinge, die den Unterschied machen.
 

Schummelpotenzial

In letzter Zeit war im Netz immer wieder zu lesen, das man bei Quacksalber sehr gut schummeln könne. Es wurde bemängelt, das schummeln hier ohne weiteres möglich sei. Nun, dazu möchte ich nur 3 Dinge sagen und nicht weiter auf diesen Punkt eingehen:

  1. Wer schummeln will, darf dies gerne tun, aber nicht mehr mit mir an einem Tisch.
  2. Schummeln kann man bei jedem Spiel, wenn man es darauf anlegt. Warum soll das gerade bei den Quacksalbern von Quedlinburg etwas negatives, erwähnenswertes sein? 
  3. Unter Spielern ist nicht-schummeln Ehrensache (Ausnahme: „Schummel-Hummel“ und „Mogel-Motte“.

 

Gastkommentar

„Die Quacksalber von Quedlinburg haben mir gut gefallen; es ist eine schöne Mischung aus Zockerei und „Maschinen- bzw. Beutelbau“. Nach unserem gemeinsamen Spieleabend habe ich es mir gleich gekauft und zwei Partien mit dem Grundset spielen können. Auf die anderen Sets bin ich gespannt, habe sie aber noch nicht gespielt. Insgesamt ist QvQ für mich ein Top10-Spiel des Jahrgangs, aber kein Top3-Spiel. Ich bin gespannt, wie es sich über die Jahre hält und ob es zu Port Royal (mein liebstes anspruchsvolles Zocker-Spiel) aufschließen kann.“

Philip G., Stuttgart (erfahrener Vielspieler, er mag u.a. Spiele wie Dominion, Zug um Zug oder auch Terra Mystica. Was er nicht mag, sind Spiele wie Time Stories, Exit, Unlock & Co.)
 

Fazit

Auch mit dem kleinen Farb-Schönheitsfehler sind die Quacksalber von Quedlinburg ein gelungenes, unterhaltsames Werk mit Wiederspielreiz. Mir hat es sehr gut gefallen und kam auch in all meinen Runden mit unterschiedlichen Spielertypen gut an. Das Familienspiel bietet alles, was diese Art von Spielen haben muss. Optik, Haptik, Spielspaß für Groß und Klein sowie eben auch Wiederspielreiz. Die unterschiedlichen Sets der „Rezeptbücher“, die sich auch frei kombinieren lassen, machen es zusammen mit der Variante auch nach mehreren Partien immer wieder von neuem interessant und herausfordernd. Ein Expertenspiel ist es aber nicht. Dafür ist es dann doch zu glückslastig.
 

 

© 07.05.18 Oliver Sack
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Abbildungen der Spiele und Regelauszüge © Schmidt Spiele / Fotos: Oliver Sack


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