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Gedanken zu Erweiterungen, bereichernd oder unnötig?

 gepostet von Spielevater um 21:00:30 15.01.2017

Oft hat man in der heutigen Spiele-Zeit den Eindruck, dass es zu jedem Spiel, welches nur ein bisschen erfolgreich ist, eine Erweiterung gibt (geben muss). Aber ist das wirklich so? Gibt es Erweiterungen gefühlt erst seit ein paar Jahren? Nein! Erweiterungen gab es schon viel früher. Und nicht nur, damit Verlage damit extra Geld verdienen. Manche Erweiterung macht ein gutes Spiel erst zu dem, was es ist. Das ist heute so, das war früher nicht anders. Ich möchte meine Fans auf eine kleine Zeitreise einladen, und ein paar Erweiterungen vorstellen, die vielleicht nicht jeder erwartet hätte. Außerdem möchte ich ein paar, meiner Meinung nach, epochale Erweiterungen vorstellen, die richtig gut sind und ordentlich Pfeffer ins jeweilige Grundspiel bringen. Aber ich möchte auch kritisch auf ein paar Erweiterungen blicken.

Die Frage ob Erweiterungen dabei grundsätzlich bereichernd oder unnötig sind, hängt immer vom Betrachter ab. Der Fan eines Spiels wird eine Erweiterung dazu immer als bereichernd beschreiben. Spieler, die ein bestimmtes Spiel grundsätzlich schon nicht mögen, werden hingegen Erweiterungen dazu wohl gar nicht erst beachten. Es ist also schwer, über Sinn und Unsinn von Erweiterungen zu sprechen. Darum möchte ich wie Eingangs erwähnt, einen kurzen Überblick über Erweiterungen aus 50 Jahren Brettspiele geben. Meinen Fokus lege ich dabei auf die Jahrgänge 1995-2016.

Los geht’s 1967 – ja, genau vor 50 Jahren. Damals kam ein ‚Expansion Kit‘ zum Kriegsspiel ‚Confrontation‘ auf den Markt. Eine der ältesten Erweiterungen, die ich bei meinen Recherchen gefunden habe. 10 Jahre später, 1977, kam ganze 7 Jahre nach seiner Erfindung, ‚Cosmic Encounter‘ in den USA auf den Markt. Ein komplexes Brettspiel mit einfachen Grundregeln und einer Spieldauer von rund 60 Minuten. Die Spieler repräsentieren jeweils eine kosmische Macht, die ausgehend von fünf Heimatplaneten versucht, fünf Basen auf fremden Planeten zu errichten. Das erste von insgesamt 10 Erweiterungs-Sets für das heute noch erhältliche Spiel erschien ebenfalls im Jahr 1977.

Bleiben wir beim 10-Jahres-Sprung, kommen wir unvermeidlich zum Spiel des Jahres 1987 ‚Auf Achse‘. (Im selben Jahr erschienen übrigens auch ‚Bausack‘ und ‚Abalone‘) Die einzige Erweiterung aus diesem Jahr, die ich finden konnte, war zu ‚Romance of the Three Kingdoms‘ (dt.: Die Geschichte der Drei Reiche), einem japanischen Kriegsspiel nach einem Roman des chinesischen Autors Luo Guanzhong über die turbulente Zeit der Drei Reiche (ca. 208 – 280 n.Chr.).

Bei vielen Spielern zählt das Jahr 1995 als Beginn der „Spiele-Neuzeit“. In diesem Jahr gewann Klaus Teubers ‚Die Siedler von Catan‘ den begehrten Preis „Spiel des Jahres“ (nach ‚Barbarossa‘, ‚Adel verpflichtet‘ und ‚Drunter & drüber‘, bereits zum 5. Mal). 1997 kam mit der Erweiterung ‚Seefahrer‘ ein völlig neues Spielgefühl auf die Fans der Insel ‚Catan‘ zu, was nur noch durch die Erweiterung ‚Städte & Ritter‘, 1998 getoppt wurde. Letztere Erweiterung gilt für mich bis heute als die Beste zum Grundspiel. Aber nicht nur für das Brettspiel gab es Erweiterungen, sondern auch zu dem ‚Catan – Kartenspiel‘ (heute: ‚Fürsten von Catan‘) von 1996 gab es in den Folgejahren einige sehr interessante Erweiterungen. Das „catanische“ Kartenspiel ist bis heute eines der besten 2-er-Spiele überhaupt.

Ebenfalls 1995 erschien ‚El Grande‘ (Autor: Wolfgang Kramer), welches ein Jahr später (1996) Spiel-des-Jahres wurde. Auch hierzu kam 1997 die Erweiterung ‚König & Intrigant‘, von dem Kenner sagen, es sei das Beste, was zu ‚El Grande‘ veröffentlicht wurde.

2000 erblickte dann ‚Carcassonne‘ (von Klaus-Jürgen Wrede) das Licht über den Spieltischen und wurde 2001 zum „Spiel des Jahres“ gekürt. Bis heute sind dazu fast unzählige große und kleine Erweiterungen erschienen. Die meiner Meinung nach schlechteste ist ‚Das Katapult‘. Hier wird Spielmaterial unkontrolliert über das Spielfeld verteilt. Nein danke!
Bleiben wir jetzt bei den Gewinnern von „Spiel des Jahres“, kommen wir zum nächsten Spiel, für das einige Erweiterungen veröffentlicht wurden. 2003 lernten wir ‚Alhambra‘ kennen, das durch seine Erweiterungen einiges an Spieltiefe dazugewann. Vier Jahre später, 2007, entführte uns Michael Schacht in den Zoo. Auch zu ‚Zooloretto‘ gab es viele, hauptsächlich kleine Erweiterungen. Mein persönlicher Favorit ist dabei bis heute der ‚Eisbär‘, ein Give-Away auf der SPIEL’07.

Mit ‚Dominion‘ (Spiel des Jahres 2009) begann für mich eine Zeit der Über-Erweiterung. Der Erfolg von ‚Dominion‘ ist unbestreitbar, aber es wurden meiner Meinung zu viele Erweiterungen in zu kurzer Zeit veröffentlicht. Das tat dem Erfolg auf Dauer sicher nicht gut. Hätte man zwischen den Erweiterungen 12 Monate gewartet, hätte das dem Erfolg des Spiels keinen Abbruch getan. Das selbe Schicksal wird wohl auch den Preisträger von 2010 ‚Dixit‘ ereilen. Auch hier kamen die Erweiterungen einfach zu schnell.

Eine der coolsten Erweiterungen wie ich finde, gab es anlässlich des Preises 2015. Als Dankeschön an die Fans von ‚Colt Express‘ gab es einen „DeLorean“ – dem berühmte Zeitreise-Sport-Coupé aus dem Film „Zurück in die Zukunft I“.

Was habe ich vergessen? Welche Spiele sind bezüglich Erweiterungen noch erwähnenswert? Diese Fragen habe ich meinen Spielgruppen gestellt und bekam (teils mehrfach) folgende Vorschläge:

  • ‚Agricola‘ und ‚Bohnanza‘, zwei Spiele von Uwe Rosenberg können mit ähnlich vielen Erweiterungen aufwarten, die ihre Fans haben und auch noch weitere Erweiterungen bekommen werden.
  • ‚Catan‘ und ‚El Grande‘, beide habe ich ja bereits erwähnt.
  • ‚Las Vegas'-Erweiterung, auch eine schöne Erweiterung, die das Grundspiel bereichert.
  • 'Die Legenden von Andor', wer kooperative Spiele mag, kommt an Grundspiel und Erweiterungen auch hier nicht vorbei. Ein absolutes Highlight der vergangenen Jahre.
  • 'Machi Koro' und 'Stone Age' sind ebenfalls zwei Spiele mit je einer sehr interessanten und spielenswerter Erweiterung.

 

Fehlt zum Abschluss nur noch mein aktueller Erweiterungs-Tipp. Hier muss ich ganz klar ‚Targi‘ von Andreas Steiger (Kosmos) nennen. Die Erweiterung zum 2-Personen-Hammer von 2012 kam 2016 heraus und verleiht dem Spiel noch mehr Tiefe und taktische Möglichkeiten. Ich kann nur sagen: Targi spiel ich nie wieder ohne die Erweiterung! (Link-Tipp: Mein Interview mit Targi-Autor Andreas Steiger)

Bei den „All-Time-Erweiterungen“ stehe ich voll und ganz hinter ‚Catan – Städte & Ritter‘ (am liebsten in der 3D-Version). Für mich ein Vorbild aller Erweiterungen seit 1995. Bis heute kann man mich jederzeit zu einer Runde überreden.

Ich hoffe der kleine Rundum-Blick hat euch gefallen. Es gibt unzählige weitere Spiele mit guten und schlechten Erweiterungen, das ist mir klar. Ich konnte und wollte auch nur einen kleinen Blick auf das Thema werfen.
Auf BEEPLE.DE findet ihr weitere Beiträge zum Thema „Erweiterungen“. Dort sind „Erweiterungen“ Thema des Monats im Januar 2017.

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