Imhotep (Phil Walker-Harding, 2016)

für 2-4 Spieler, ab 10 Jahren
Autor: Phil Walker-Harding
Grafik: Michaela Kienle
Verlag: Kosmos
Spieldauer ca. 40 Minuten


Verlags-Beschreibung

Die Spieler verwandeln sich in Baumeister Ägyptens und eifern dem ersten und bekanntesten dieser Baumeister – nämlich Imhotep – nach. In sechs Runden versuchen sie, ihre Holzsteine per Schiff zu fünf punkteträchtigen Monumenten zu fahren. Das klingt einfach. Wären da nur nicht die fiesen Mitspieler, die ständig die Pläne der anderen Baumeister durchkreuzen wollen!
 
Pro Zug wählen die Spieler eine der vier verschiedenen Möglichkeiten: „Neue Steine besorgen“, „Einen Stein auf ein Schiff laden“, „Ein Schiff zu einem Monument fahren“ oder „Eine 1x-Aktion-Marktkarte ausspielen“. Das bringt unterschiedlich viele Punkte und führt immer wieder zu der Frage, ob man mit einer Aktion vielleicht noch warten kann – oder ob die Mitspieler dann die eigene Strategie vereiteln. Nur wer das beste Timing hat und seine Steine am cleversten liefert, wird Ägyptens bester Baumeister. Phil Walker-Harding demonstriert mit „Imhotep“ eindrucksvoll, dass Spiele trotz einfacher Regeln erstaunlich viel Spieltiefe haben können.


Quelle: PM Kosmos, 2016


Was der Pragmatiker wissen möchte

Einfache Regel, schönes Material, fesselnd.


Das Spiel

Thematisch sind wir im alten Ägypten um 2700 v. Chr. Unsere Aufgabe ist es, die Bauwerke des legendären Baumeisters Imhotep zu erschaffen und zu vollenden. Genauer gesagt sind es eine Pyramide, eine Grabkammer, Obelisken und einen Tempel. Das Baumaterial dazu liegt im Steinbruch bereit und muss per Schiff an die einzelnen Baustellen geliefert werden. Um bei den Bauvorhaben besser und schneller voranzukommen, steht uns außerdem ein Markt zur Verfügung, bei dem wir uns Zusatz-Aktionen und Bonuspunkte im Tausch gegen Steine aus dem Steinbruch ergattern können.

Doch der Reihe nach. Jeder Spieler hat ein kleines Spieltableau. Das ist das persönliche Lager, in dem exakt 5 Bausteine Platz finden. Um diese Bausteine an die vier Baustellen und den Markt zu liefern, stehen uns gemeinsam vier Schiffe zur Verfügung. Jedes Schiff kann dabei zwischen ein und vier Steinen transportieren. Dabei spielt es keine Rolle, auf welches Schiff ein Spieler seine Steine verlädt. Meistens sind die Schiffe mit Steinen verschiedener Spieler beladen (außer natürlich dem 1-er Schiff).

Wird dann ein Schiff zu einer Baustelle bewegt, wird es dort, ausgehend vom Bug, bis hin zum Heck der Reihe nach entladen. Die Bausteine werden dabei direkt auf die freien Felder gesetzt. Die Reihenfolge, in der die Steine abgesetzt werden dürfen ist meist von links nach rechts und von oben nach unten. Da heißt es gut planen, um auf lukrative Felder zu kommen, sollte das Schiff an der gewünschten Baustelle anlegen.

Punkte gibt es je nach Baustelle/Bauplatz entweder sofort, am Rundenende oder bei Spielende in der Schlusswertung. Nach sechs Runden gewinnt dann der Spieler mit den meisten Punkten.


Unser Spielgefühl

Auf den ersten Blick hat uns das Material gefallen. Tolle, thematisch stimmige Illustrationen und die ungewohnt großen Holzklötze. Diese sind echt klasse und lassen sich gut händeln und stapeln. Der zweite positive Aspekt, der uns aufgefallen ist, ist das Regelwerk. Übersichtlich und ausführlich sind die Regeln, obwohl man bei 12 Seiten zuerst ein bisschen zusammenzuckt. Dabei sind es doch nur 2 Seiten, auf denen die Regeln erklärt werden. Der Rest sind Erläuterungen und Beispiele, sodass wirklich keine Frage offenbleibt. Das ist vorbildlich.

Überrascht haben uns auch die schnellen und kurzen Aktionsmöglichkeiten, die eine geringe „downtime“ zur Folge haben. Dazu kommt der Mechanismus, der das Spiel sehr interaktiv macht. Egal ob zu zweit, zu dritt oder zu viert, immer muss ich schauen, was mit mir (meinen Steinen) gemacht wird. Und ständig muss ich schauen ob mein Plan, den ich sowieso eben erst geändert habe, immer noch realisierbar ist, oder ob ich wieder neu planen muss. Das alles macht Imhotep zu einem tollen Spiel für Wenigspieler, Vielspieler und vor allem Familien.

Interessant an Kernmechanismus des Spiels sind auch die Interaktionsmöglichkeiten beziehungsweise die Möglichkeiten der Aktion und Reaktion. Da hat man einen Plan, bestückt ein Schiff mit System und Plan im Hinterkopf, da kommt der Mitspieler und fährt das Schiff an eine Baustelle, an die man eigentlich gar nicht wollte. Bei Imhotep ist das jedoch kein Beinbruch. OK, man verliert zwar seine vermeintlich beste Punktausbeute, aber es ist egal, an welcher Baustelle man zwangsweise vor Anker geht, Punkte gibt’s früher oder später immer. Mal mehr, mal weniger, das gleicht sich relativ aus. Selbst wenn man gegen sein Vorhaben an den Markt gefahren wird, auch das ist nicht wirklich ein Nachteil. Am Markt kann man auch mal eine Aktionskarte ergattern, die einem im späteren Verlauf, bei Bedarf, eine Doppel-Aktion erlaubt. Möglich ist auch das direkte Verbauen eines Steins an einem Monument, direkt mit einem Stein vom Steinbruch, ohne dabei über Lager und Schiff gehen zu müssen. Sprich, wenn die erstbeste Aktion nicht klappt, macht man eben das Beste aus der zweitbesten Alternative. Imhotep verzeiht kleine Fehler ohne das der mögliche Sieg in weite Ferne rückt.

A oder B-Seite? Das wurden wir in vielen Proberunden gefragt. Und immer gaben wir die selbe Antwort: Erste Partie mit der A-Seite, zweite Partie im Anschluss mit der B-Seite. So bekommt man schnell das Spiel in den Griff und braucht sich nicht mehr um Regelfragen kümmern. Abe der dritten Partei empfehlen wir dann das zufällige Auslegen der Baustellen, egal ob A oder B-Seite. Diese Variabilität des „Spielplans“ sorgt auch dafür, das keine Partie wie die andere ist. Jedes mal ergeben sich neue Konstellationen, neue Problemstellungen und neue Strategien. Doch spätestens wenn das erste Schiff an einer Baustelle angelegt hat, ist alles wieder anders. Klasse!

Mich würde es nicht überraschen, Imhotep dieses Jahr auf einer Nominierungsliste zu finden. Verdient hätte es das Spiel (Autor und Verlag) auf jeden Fall.


Stimmen zum Spiel

Jutta S.: „sehr schönes Spielmaterial, netter Mitspieler-Ärgerfaktor dabei. Angenehme Spieldauer und spannend bis zum Schluss“
 

© 26.04.16 Oliver Sack
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Vielen Dank an Kosmos, für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.
Abbildungen der Spiele und Regelauszüge © Kosmos / Fotos mitte/unten: Oliver Sack


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