Carcassonne - Über Stock und Stein (K.-J. Wrede, 2015)

Für 2 – 5 Spieler, ab 7 Jahren
Autor: Klaus-Jürgen Wrede
Illustration: Doris Matthäus
Verlag: Hans im Glück
Vertrieb: Schmidt Spiele
Dauer: ca. 30 Minuten


Verlags-Beschreibung

Ein sanfter Wind streift über die Bäume, die flirrende Hitze liegt über den Feldern und im Hintergrund hört man ein fröhliches Wanderlied. Im Sonnenblumen-Meer haben sich Raben auf der Vogelscheuche niedergelassen. Auf den Weiden genießen Pferde, Schafe, Schweine und Hühner die frische Sommerluft. Wer Carcassonne kennt, kann auch bei CARCASSONNE ÜBER STOCK UND STEIN sofort losspielen. Und doch gibt es hier wieder einige trickreiche Neuerungen, die alles ganz anders machen. So dürfen die Figuren der Spieler erstmals über die Wege der bunten Landschaft wandern und Punkte einsammeln. Außerdem gibt er Belohnungen für das Anbauen verschiedener Früchte auf den Äckern. Und wer seine Bauernhöfe am geschicktesten setzt, darf die niedlichen Tiere sein Eigen nennen.

Quelle: www.schmidtspiele.de


Für Pragmatiker:

Carcassonne light, oder Carcassonne Einstiegsdroge


Über das Spiel:

Bei „Carcassonne – Über Stock und Stein“ geht es für zwei bis fünf Naturliebhaber ab sieben Jahren um taktisch kluges Legen, um Figuren setzen, Werten und Punkten. Mit den liebevoll illustrierten, Carcassonne-typischen Kärtchen entstehen Wege durch blühende Landschaften mit saftig grünen Wiesen. Die Meeple können dabei als Wanderer oder aber als Bauern – die Äcker mit Obst und Gemüse anlegen und auf Wiesen neue Ställe für die Tiere bauen – eingesetzt werden. All dies bringt während des Spiels, aber auch noch am Ende Punkte.

Das Besondere an dieser Carcassonne-Variante: Meeple können ihre Wanderschuhe schnüren und sich über Stock und Stein zu neuen Zielen aufmachen… und das bringt Punkte. Sobald einer der Wanderer (Spieler) nicht mehr ziehen und anlegen kann, endet „Carcassonne – Über Stock und Stein“. Wege, Äcker, Ställe und die eingefahrene Ernte (Chips) werden gewertet. Wer auf seinem Weg dabei am erfolgreichsten war und die meisten Punkte gesammelt hat, gewinnt die Runde. Reizvoll sind, wie bei allen Carcassonne-Ausgaben, die vielen Möglichkeiten zum Anlegen der Landschaftskärtchen. Gemeinsam schaffen die Spieler eine ländliche Welt, in der sie mit Weitblick und taktischem Geschick agieren und versuchen, den Absichten der Mitspieler ein bisschen zuvorzukommen.

Quelle: PM Schmidtspiele, 10/2015


Unser Spielgefühl:

Obwohl wir Carcassonne (und einige Varianten/Erweiterungen) gut kennen, haben wir uns „Über Stock und Stein“ angeschaut. Nicht nur wegen der ansprechenden Gestaltung der Spielschachtel, sondern und vor allem, weil uns Autor Klaus-Jürgen Wrede noch vor der Veröffentlichung neugierig darauf gemacht hat.

Zuerst aufgefallen ist uns, dass es keine Wiesen im gewohnten Sinne gibt. Aufgefallen deshalb, weil wir auch immer wieder, wenn wir Carcassonne (Grundspiel) erklären, die Erfahrung gemacht haben, dass es bei der Wiesen-Wertung zu Verwirrungen kommen kann. Warum das so ist, das haben wir noch nicht herausgefunden. Der Zweite, wesentliche Unterschied ist, das wir unsere „Männle“ (schwäbische Meeples) jetzt bewegen können. Wir können sie auf den Wegen (=Straßen) „wandern“ lassen. Und genau diese beiden, gravierenden Unterschiede zum Original haben uns letztendlich neugierig gemacht auf das, was uns hier erwarten könnte.

Als Carcassonne-Profil waren uns die Regeln schnell klar und wir konnten schnell und ohne Probleme mit unserer ersten Partie starten. Klar, das wir sofort versuchten, Wege zu bauen, um das „Wandern“ zu probieren. Zwar etwas ungewohnt, aber ganz schön raffiniert. Schnell mussten wir feststellen, dass man tunlichst darauf achten sollte, das die Mitspieler nicht zu viel diese neue Funktion nutzen können. Daher wurde einem Spieler, der zu viel auf Wanderschaft war, eingebremst, indem ihm einfach der Weg abgeschlossen wurde. OK, der Mitspieler bekommt Punkte für den fertigen Weg, aber lässt man ihn gewähren, bekommt er durch seine Wanderungen unterm Strich noch mehr Punkte. Böse Zungen am Tisch in unserer Premierenrunde bezeichneten solch Viel-Wandernde-Spielfiguren sogar liebevoll als „Wanderhuren“! Ganz schön böse, gut das keine Kinder am Tisch waren.

Das Bauen von Städten (hier Äcker) unterscheidet sich nur geringfügig vom Original. Einzig die Belohnung beim Abschliessen eines Ackers ist anders. Während es beim Original Zusatzpunkte für aufgedruckte Wappen in den Stadtteilen gibt, bekommen wir hier Ernte-Chips, die wir bis zum Spielende sammeln, um sie dann als 5-er-Sets oder einzeln, werten lassen zu können. Sind beim Abschluss eines Ackers mehrere Spieler beteiligt, werden die Chips aufgeteilt.

Was uns jetzt noch fehlt gegenüber dem Original, sind die Klöster. Diese gibt es hier nicht. Aber, so etwas Ähnliches. „Ställe“ heißen die Klöster hier, und diese sind nicht auf den Kärtchen, sondern in Form von Spielfiguren je zweifach bei jedem Spieler im Vorrat. Setzt ein Spieler in seinem Spielzug einen Stall auf ein soeben gelegtes Plättchen, so muss dieses dort bis zum Spielende stehen bleiben. Dafür bekommt man aber am Schluss, pro Tier auf den umliegenden acht Plättchen und pro Tier auf dem Plättchen, auf dem der Stall steht, je 1 Punkt. Somit stellen die Ställe eine Mischung aus Wiese und Kloster dar.

Alles in allem verliefen unsere ersten Partien absolut rund, ohne dabei den Eindruck zu vermitteln, es sein nur ein Abklatsch. Im Gegenteil. Die Mischung macht’s! Somit hat es uns auch nicht gewundert, das es Carcassonne-Neulingen und Routiniers gleichermaßen gefallen hat.


Fazit:

Um das Spiel jemandem zu erklären, der Carcassonne bereits kennt, würden wir sagen, dass hier ungefähr 80% Carcassonne-Original drin stecken, und der Rest ist neu. Dabei sind die 20% aber nicht einfach nur neu und aufgesetzt, sondern schön durchdacht und ausgeklügelt. Durch das, unserer Meinung „entschärfen“ der Wiesenwertung, lässt sich das Spiel besonders gut erklären. Das dürfte besonders für Carcassonne-Neulinge interessant sein. Darum bezeichnen wir es bei unseren Veranstaltungen gerne auch als „Einsteiger“-Variante.

Über Regeln und Material zu sprechen erübrigt sich völlig, da beides in gewohnt guter Qualität sind, und somit keinen Grund zur Kritik geben. Einzig vielleicht bei der Schlusswertung die Wertung der gesammelten Erntechips. Dies ist unserer Meinung nach etwas kompliziert geschrieben. Einfach ausgedrückt: Für einen Satz aus 5 verschiedenen Chips gibt es 10 Punkte, für übrige Chips, die kein Set mehr ergeben, gibt’s je 1 Punkt. Warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht.

Unterm Strich ist „Carcassonne – Über Stock und Stein“ eine schöne Variante die Spaß und Spannung bietet. Das Spiel wirkt nicht abgedroschen und kann sicher wieder neue Fans für die Carcassonne-Familie gewinnen. Die neuen Elemente machen es auch für eingefleischte Fans interessant. Uns hat es gut gefallen, und aus unseren Spielrunden haben wir größtenteils nur positive Kommentare gehört.


Anmerkung:

In der Pressemitteilung haben wir Folgendes gelesen:

Ganz nebenbei wird auch Wissen vermittelt: „Mit dieser Sonder-Edition von Carcassonne bringen wir das Thema Ernährung spielerisch auf den Tisch. Ich freue mich, dass wir zusammen mit dem Hans im Glück Verlag ein Spiel entwickeln konnten, das sich mit einer vielseitigen und gesunden Ernährung beschäftigt und bei dem der Spaß nicht zu kurz kommt“, unterstreicht Ministerin Melanie Huml, Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege.


Liebe Frau Ministerin, RESPEKT! Was Sie hier alles im und hinter dem Spiel sehen ist beeindruckend. OK, das mit dem Spielspaß stimmt. Die einzige Ernährung, die hier bei uns auf den Tisch kommt, heißt: Toffifee. In diesem Sinne: weiterspielen ….


Wertung

Spielspaß 2,5
Material 1,5
Regeln 1,5

Über unseren Wertungsschlüssel


© 27.11.15 Oliver Sack
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Vielen Dank an Schmidtspiele/Hans im Glück, für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.
Abbildungen der Spiele und Regelauszüge © Schmidtspiele/Hans im Glück / Fotos: Oliver Sack


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