Queen Games pressetag 2018

Vergangenen Sonntag lud der Troisdorfer Verlag Queen Games, Medienvertreter zu sich ein, um die kommenden Herbstneuheiten zu präsentieren. Die 4,5 Stunden Anfahrt hatten wir zum Glück bereits am Samstag bewältigt, so dass wir völlig entspannt nur 15 Minuten vom Hotel bis zum Veranstaltungsort benötigten. Als Schwabe lernte ich dann vor Ort zunächst, dass der Verlagssitz in „Troosdoorf“ ist. Gut das die Veranstaltung in Bonn war, das kann ich korrekter aussprechen. Aber egal, tut ja nichts zur Sache.

Nach einem zweiten Frühstück und der offiziellen Begrüßung durch den Queen Games Presse-Admiral Ulrich Fonrobert, ging es direkt mit den ersten Spielrunden los. Insgesamt 8 Tische wurden für die rund 30 Medienvertreter vorbereitet, so dass alle Neuheiten mehrfach bereitlagen. An dieser Stelle auch gleich der Hinweis zu den Fotos: es handelte sich bei allen Spielen um Handmuster/Prototypen!

Top informierte Erklärer und Redakteure führten an den einzelnen Tischen in die Spiele ein. Da blieb wirklich keine Frage unbeantwortet.

Hier jetzt unsere ersten Eindrücke der neuen Spiele.

Runde 1

skylandsUnser Tisch startete mit SKYLANDS von Shun & Aya Taguchi. Ein taktisches Familienspiel für 2-4 Spieler, ab 8 Jahren. Die Cover-Grafik hat mich etwas an eine Mischung aus Wizard und Avatar erinnert, mit seinen grünen Elfen, Drachen und fliegenden Inseln. Im Spiel geht es darum, sein eigenes Spieltableau mit Landschaftskärtchen zu füllen und dabei Inseln aus vier verschiedenen Landschaftstypen zu bilden. Gesteuert wird das Ganze über 4 Aktionen, die neben dem aktiven Spieler, der die Aktion auswählt, auch immer jeder andere Spieler ausführen darf. Der aktive Spieler hat zudem immer einen Bonus/Vorteil gegenüber seinen Mitspielern.

Gespielt werden kann SKYLANDS in einer Einsteiger-Variante oder einer Experten-Variante. Da die Einsteigervariante hauptsächlich den Spielablauf verinnerlichen und erklären soll, haben wir damit auch begonnen. Die 4 Aktionen sind im übrigen bei beiden Aktionen, gleich. Gewählt wird eine Aktion durch versetzen der eigenen Spielfigur (=Aktionsmarker) auf eines der 4 Aktionsfelder in der Tischmitte. Die einfachste und meist auch erste Aktion die ein Spieler ausführt ist das „Entdecken“ diese Aktion bringt neue Landschaftsplättchen ins Spiel, die sich die Spieler nehmen und auf ihr Tableau einbauen können. Der Aktive Spieler bekommt als Bonus sogar zwei Plättchen. Bei der zweiten Aktion „Bewohner einsetzen“ darf ein Spieler eine fertige, abgeschlossene Insel mit Spielfiguren aus dem Vorrat belegen. Es gibt insgesamt vier Landschaftstypen und 3 Arten „Bewohner“ dazu. Jeder Landschaftstyp hat dabei eine andere Funktion. Auch hier hat der aktive, der auslösende Spieler einen Vorteil. Er darf (soweit möglich) zwei Inseln füllen.

Die dritte Aktion erlaubt es, zusätzliche Sonderplättchen mit Sonder-/Zusatzfunktionen in sein Inselreich einzubauen. Diese Sonderplättchen werden aus einem Vorrat (16 Plättchen) gewählt und müssen mit einer bestimmten Anzahl und Kombination aus lila und grünen Bewohner-Figuren bezahlt werden. Anschließend können auch die Sonderplättchen auf dem Spielertableau verbaut werden und bringen Bonus-Aktionen. Die letzte Aktionsmöglichkeit „Energie umwandeln“ bringt direkt Punkte. Soweit vorhanden können hier blaue Bewohner von Kristall-Inseln in Städte bewegt werden, wo diese Energie erzeugen, sprich Punkte einfahren.

skylandsDas ist eigentlich schon alles, aber recht schnell haben wir bemerkt, dass die Sache ganz schön tricky sein kann. Es genügt nicht, sich selbst einen Plan zurecht zu legen, man muss auch seine Mitspieler im Auge behalten, denn jede Aktion, die ich wähle, dürfen meine Mitspieler (abgeschwächt) ebenfalls ausführen. Da ist es manchmal schon hilfreich zu sehen, das die Anderen eventuell die Aktion gar nicht ausführen können. Dann hat man wirklich einen großen Vorteil. Dazu kommt, dass das Spielende sehr überraschend eintreffen kann.

Nach Ende der ersten Einsteiger-Partie haben wir gleich die Kenner-Variante gespielt. Hier bleiben die Aktionen wie bei der Einsteiger-Variante, allerdings kommen andere Sonderkärtchen mit teils komplexeren Funktionen ins Spiel. Sonst ändert sich eigentlich nichts.

Uns hat SKYLANDS nach diesen zwei Partien gut gefallen und wir freuen uns schon auf ein paar mehr Partien. Da waren wir uns schnell und absolut, einig. Interessant war auch zu sehen, wie bei jeden von uns die Lernkurve steil nach oben ging. Dies lag zum einen sicher am einfachen Zugang und den klar definierten Aktionen, zum anderen aber auch daran, dass man sehr schnell aus Fehlern lernt und diese wieder ausbügeln kann. Ebenfalls überrascht waren wir vom unterschiedlichen Verlauf der beiden Runden. Durch die Sonderkarten der Kenner-Variante, die entweder einmalig und sofort, dauerhaft oder bei Spielende/Wertung einen Bonus bringen, spielt man auch gleich völlig anders. Da dem Spiel mehr als die für eine Partie benötigten Sonderkarten beiliegen, ist hier sicher genug Variabilität und Abwechslung geboten. Im Gegensatz zum Einsteiger-Spiel, kam das Spielende in der Kenner-Variante nicht mehr so überraschend. Wie gesagt, wir freuen uns auf hoffentlich bald weitere Partien.

Runde 2

bastilleWeiter ging es mit BASTILLE von Christoph Behre, einem Kennerspiel für 2-4 Spieler, ab 12 Jahren. (Memo an Vloggerkollegen: man spricht es [bastii] aus, und nicht [bastillee] – ist französisch) Thematisch ist es im Paris des späten 18. Jahrhunderts angesiedelt, kurz vor der Französischen Revolution. Kurz vor der Revolution bedeutet, wir versuchen durch unseren Einfluss möglichst die richtigen Personen der verschiedenen Stände auf unsere Seite zu bringen, um am Ende die meisten Punkte zu ergattern. Dazu benötigt man neben Bauern und Soldaten auch den Klerus und (noch) den Adel. Letztere waren später ja bekanntlich eher etwas kopflos unterwegs.

Jeder Spieler beginnt mit einem geheimen Auftrag den es zu erfüllen gilt, und drei Einflußmarker unterschiedlicher Wertigkeit (1-1-2). Diese werden in der Planungsphase reihum, auf den sieben Aktionsfelder eingesetzt. Der Wert des eingesetzten Markers und dessen Position auf einem Aktionsfeld entscheiden über die Ausschüttung oder Reihenfolge im weiteren Spielverlauf. Haben also alle Spieler ihre drei Einflußmarker eingesetzt, folgt Phase 2, die Auswertung der Marker. Hier kann jetzt, je nach Aktionsfeld verschiedene Aktionen durchgeführt werden. Angefangen bei Einkommen über Aufwertung der Einflußmarker bis hin zu „Rekrutierung“ von Personen und neuen Aufgabenkarten ist sehr viel möglich. Das Problem dabei ist „nur“, dass man gerne vier oder fünf Aktionen machen möchte, aber nur drei machen kann. Oder, die Aktion die man geplant hat, ist von einem anderen Spieler schon belegt. Ich liebe solche Dilemmata-Spiele. Das heißt, bereits in der vorangegangenen Planungsphase werden die Weichen für den weiteren Rundenverlauf, gestellt. Einen möglichen, zu hohen Glücksanteil bei der Aktion „Aufgabenkarte ziehen“, ist man geschickt aus dem Weg gegangen. Neue Aufgabenkarten werden nämlich nicht einfach nur blind gezogen, nein, man darf aus dem ganzen Talon der Auftragskarten auswählen. Alleine das macht schon einen gewissen Überblick und Planungssicherheit notwendig.

bastilleAm Ende einer Runde, also immer nachdem jeder Spieler drei Aktionen geplant und durchgeführt hat, kommt eine Rundenwertung. Dies ist meist eine Mehrheitenwertung und bringt zusätzliche Boni. Nach vier Runden gibt es eine Zwischenwertung und nach der achten Runde eine Endwertung, bei beiden Wertungen spielen wiederum Mehrheiten eine Rolle.

BASTILLE hat uns ebenfalls gut gefallen. Die Grafiken sind super thematisch und die Optionen im Spiel sind richtig fein und gut verzweigt. Es ist deutlich anspruchsvoller als „SKYLANDS“, daher auch kein Otto-Normalverbraucher-Familienspiel. Es ist schon ein bisschen mehr. Aber so clever und thematisch es auch ist, es hat einen, ganz kleinen Haken. Spielt man mit Punkte-Optimier-Fanatiker, kann sich die letzte Runde mega in die Länge ziehen! Dabei verbockt man es nicht in der letzten Runde, sondern vorher schon. Und wie bei „SKYLANDS“, freuen wir uns auch hier auf weitere Partien, besonders zu zweit.

Mittagspause

Nach 3 Partien war es jetzt Zeit für eine Pause. Verlagsinhaber Rajive Gupta präsentierte indische Hausmannskost. Selten hab ich so leckere asiatische Sachen gegessen. An dieser Stelle nochmals ein dickes Lob an Chef und Koch.

Jetzt gab es auch Zeit für Plausch, Fachgespräche und Meinungsaustausch mit den Kollegen und Verlagsvertretern vor Ort.

Runde 3

expedition luxorFür mich stand jetzt „EXPEDITION LUXOR“ von Rüdiger Dorn, für 2-4 Spieler, ab 8 Jahren, auf dem Programm. Einer Neuauflage von und mit neuem Thema zu „Raubritter“ (2005).

Eigentlich handelt es sich hier um ein abstraktes Lege-Spiel mit aufgesetztem Thema. Warum man aber ausgerechnet „Luxor“ in den Titel gepackt hat, erschließt sich uns nicht so recht, denn es suggeriert doch irgendwo Parallelen zum erfolgreichen Brettspiel „Luxor“ (2018), die nicht vorhanden sind. Schade.

Auch konnte mich „Expedition Luxor“, persönlich, nicht abholen. Es war zwar nett, ist aber nicht ganz mein Geschmack, obwohl ich grundsätzlich abstrakte Spiele durchaus mag. Irgendwie ist der Funke hier nicht übergesprungen. Vielleicht muss ich noch ein paar Partien spielen, was ich sicher auch noch machen werde. Wer weiß, vielleicht funkt es dennoch.

Runde 4

franchiseEbenfalls als Neuauflage kommt „FRANCHISE“ von Christward Conrad, für 2-5 Spieler, ab 12 Jahren. 20 Jahre nach „Pfeffersäcke“ (Goldsieber) wird das Mehrheitenspiel mit leichten Abwandlungen/Änderungen auf den Markt kommen.

Hier hat mir ganz besonders die Covergrafik gefallen. Im Stile der 60er Jahre, einfach herrlich. Der Spielplan allerdings, lies mich erschaudern! Die unterschiedlich dicken und pastellbunten Verbindungslinien zwischen den Städten wirken extrem unruhig und verwirrend. Wie eine Portion unterschiedlicher Nudeln, lieblos auf den Teller geklatscht. Nein, nicht mein Fall. Petra, die am Nebentisch ebenfalls „Franchise“ spielte, äußerte sich ähnlich.

Das Spiel selbst, hat aber nichts vom alten Reiz der „Pfeffersäcke“ verloren. Der Kampf um Mehrheiten auf dem Plan macht Spaß und ist kurzweilig. Es ist aber in jedem Fall kein Familienspiel, denn obwohl die Regeln recht einfach sind, benötigt es doch sehr viel Spiel-Routine und Planung/Taktik, will man hier erfolgreich sein. Einfach nur drauf los spielen funktioniert definitiv nicht.

Die Merlin-Erweiterung

Merlin ErweiterungFür die Erweiterung zu Merlin (Stefan Feld, 2017) fehlte mir leider die Zeit, da unsere Partie „Franchise“ doch etwas länger ging. Allerdings konnte sich Petra die Erweiterung in der Zwischenzeit näher anschauen.

Durch die Erweiterung kommen ein paar interessante Mechanismen und zusätzliche Aktionen ins Spiel, die sich sehr interessant anhören. Zum einen kommt eine weitere, neutrale Figur ins Spiel. Artus. Er bekommt ein eigenes Aktionsrondell in der Mitte des Spielplans, dort wo wir im Grundspiel unsere Würfel abgelegt haben. Bewegt wird Artus über einen zusätzlichen, schwarzen Würfel. Sein Bewegungsmuster entspricht dem von Merlin, also im- oder gegen den Uhrzeigersinn. Über Artus kommen auch Pikten ins Spiel, die den Spielablauf verändern können, je nachdem wie viel man von ihnen bei Rundenende hat und welche Sofort-Boni sie mitbringen. Eine ebenfalls neue Aktion, die sehr stark ist, ist das sofortige und kostenlose ausspielen von Aufgabenkarten. Diese können also direkt in Punkte umgewandelt werden. Außerdem werden mit der Erweiterung zwei vorhandene Flaggen stammt Funktionen, durch neue ersetzt, die ein zusätzliches Manipulieren der Würfel ermöglichen.

Alles in allem scheint die Erweiterung eine runde Sache zu sein und wir sind sehr gespannt und ungeduldig, diese auszuprobieren. Als bekennende Merlin-Fans für uns schon heute ein Must-Have zu Essen 2018.

Fazit

Ein langer Tag neigte sich langsam zum Ende für die meisten Besucher und das Queen-Team. Für uns hieß es nach einem kurzen Small-Talk mit Queen-Chef Rajive Gupta erst einmal noch rund 425km Rückreise zu bewältigen. Da fast alles glatt lief, waren wir überrascht, bereits nach 4 Stunden zu Hause zu sein. Müde, zufrieden und gesund. Einen Teil der Rückreise haben wir aber auch damit verbracht, uns über das erlebte und erspielte auszutauschen und um festzustellen, das wir die selben Spiele interessant fanden.

Wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal recht herzlich für die Einladung und den toll organisierten Tag in Bonn-Beuel bedanken. Danke für die Organisation und für die tolle Verpflegung und Betreuung. Wir sehen uns in Essen auf der SPIEL.

 


(c) 17.09.2018 – Oliver Sack