Pegasus Pressetag 2017 & mehr

gepostet von Oliver am 09.10.2017 | 20:43:20 Uhr | bisher 0 Kommentare

Am 06. Oktober 2017 war es wieder soweit. Mitten in der heißen Phase der Vorfreude zur Messe SPIEL in Essen (Ende Oktober) waren wir auf Tour, um den ersten „heißen Scheiß“ zu begutachten. Der Verlag Pegasus bat zum dritten Mal die Presse ins hessische Friedberg zur Präsentation der Herbstneuheiten 2017. Bereits im Vorfeld dieser Veranstaltung, hatten wir die Möglichkeit, uns für einzelne Spielrunden über den Tag verteilt anzumelden. Die einzelnen Runden waren dabei thematisch abgegrenzt und wir waren gespannt, ob unsere Wahl auch unseren Erwartungen entsprechen würde. Wann wir allerdings in welchem Raum welches Spiel zu sehen bekommen sollten, mussten wir zunächst an einer großen Tabelle selbst herausfinden und in unseren persönlichen „Laufzettel“ eintragen. Schwer war diese Aufgabe nicht zu lösen, aber gegenüber dem Vorjahr eine starke Verbesserung der Organisation, die auch sehr viel Zeit sparte.
 
Nach einer kurzen Begrüßung und Vorstellungsrunde durch PR Manager Peter Berneiser, ging es auch gleich richtig los. Erwartet wurden wir neben dem Redaktions- und Marketing-Team unter anderem von Andrea Ahlers vom neuen Pegasus-Partner ‚Plan B Games‘ (die auch kürzlich Eggertspiele übernommen haben) sowie Philipp El Alaoui von ‚Eggertspiele‘. Ebenfalls persönlich vor Ort waren Michael Schmitt und Julian Steindorfer von der ‚Edition Spielwiese‘ sowie Celine Casel und Matthieu Lanvin vom Partner ‚Blue Orange Games‘ (bekannt durch „Kingdomino“). Aber auch unter den Medienvertreter gab es einige bekannte Gesichter aus der Brettspiel-Szene. Unter anderem folgten Tom Felber (Vorsitzender der Jury Spiel des Jahres) und Tom Wernek (Spielexperte und Buchautor) der Einladung nach Friedberg. Persönlich freuten wir uns auch, unsere Blogger-Kollegen vom BEEPLE-Netzwerk und weiteren Blogger, Youtuber und Podcaster zu treffen. Die zahlreichen Gespräche und Fachsimpeleien zwischen den Spielrunden rund um Karten, Würfel, Brett & Co machten deutlich, hier treffen sich Experten.
 
Für die ganz Eiligen unter unseren Lesern, haben wir hier die Direkt-Links zu den Spielen, die wir uns angeschaut haben:
Fuchs du hast das Huhn gestohlen
Dr. Microbe
Grimaffen
Queendomino
Azul
Heaven & Ale
Reworld
Noria
Loot Island
Indian Summer
Istanbul – Das Würfelspiel
Kofferpacken extrem
 
 
Wie schon im Vorjahr, waren die neuen Kinderspiele unser erster Spiele-Block. Endlich durften wir ran ans Brett. Und das war gleich etwas, wo man als Spieler schon etwas neidisch werden kann. Wir spielten folgende Kinderspiele auf/an einem wunderschönen Spieltisch der Firma ‚Geeknson‘.
 

Fuchs du hast das Huhn gestohlen (Inka & Markus Brand) – ab 5 Jahren, für 2-4 Spieler

Das Hühnerhaus ist in Aufruhr: Ein Fuchs hat eine der Hennen gefangen und ist mit ihr im Fuchsbau verschwunden. Das können die Hühner nicht auf sich sitzen lassen! Die Spieler wetteifern darum, den Übeltäter zu finden indem sie die meisten Verdächtigen einsammeln. Dazu müssen sie mithilfe eines Schlüssels an einer Kette versuchen, die 16 Türen des Fuchsbaus zu öffnen - und das unter Zeitdruck. Hinter den Türen finden die Spieler einen Verdächtigen sowie fiese Fallen oder hilfreiche Tierfreunde. Während die Tierfreunde durch Hinweise am Ende den Täter bestimmen, machen es die Fallen schwieriger, die nächsten Türen zu öffnen. Sobald alle Tierfreunde gefunden wurden, endet das Spiel. Wer jetzt den Verdächtigen hat, der zu allen Hinweisen der Tierfreunde passt, gewinnt. Durch eine doppelseitige Zeitleiste kann der Schwierigkeitsgrad für ältere Kinder und Erwachsene angepasst werden. (Quelle: Pegasus Spiele)
 
Ein lustiges Kinderspiel, bei dem auch wir sehr viel Spaß hatten. Vor allem, wenn es galt, auf einem Bein stehend die Kette mit dem Schlüssel in die kleinen Öffnungen zu bugsieren. Die Mischung aus Glückselementen, Geschicklichkeit, Zeitdruck und schöner grafischer Gestaltung machen den hohen Aufforderungscharakter bei diesem Spiel aus. Und das bei einer kindgerechten Spieldauer von rund 15 Minuten.
 

Dr. Microbe (Blue Orange Games, Roberto Fraga) – ab 8 Jahren, für 2-4 Spieler

Eigentlich ein Familienspiel, aber sicher auch mit jüngeren, ab ca. 6 Jahren spielbar. Das Ganze ist ein, für Erwachsene fummeliges Spiel, bei dem neben Geschicklichkeit und Schnelligkeit auch schnelles Auffassungsvermögen abverlangt wird.
 
In der Tischmitte (lieber Matthias, die Tischmitte ist die Mitte des Tisches, sodass der Abstand zu jedem Mitspieler GLEICH ist. Nur mal so am Rande.) Also, in der Tischmitte wird eine Schale mit vielen kleinen bunten Mikroben bereitgestellt. Dazwischen ein lila Monster-Virus. Jeder Spieler „bewaffnet“ sich mit einer Pinzette und bekommt ein eigenes Schälchen, welches in vier Fächer unterteilt ist. Jetzt wird eine Karte aufgedeckt, und jeder Spieler muss zunächst seine Schale so bestücken, wie es auf dieser Karte abgebildet ist. Anschließend müssen mit der Pinzette so schnell wie möglich die restlichen, freien Fächer ebenfalls mit Mikroben gefüllt werden. Dabei dürfen am Ende, wenn die Schale komplett befüllt ist, nur eine Farbe doppelt vorkommen und nur je eine Sorte Mikrobe vorhanden sein. Wer das am schnellsten hinbekommt, der ist Sieger der Runde. Schwerer wird das simultane Herumgestochere durch den großen lila Virus. Dieser kann optional verwendet werden. Sobald ein Spieler diesen Virus mit seiner Pinzette in der Schale eines Mitspielers platziert, so muss dieser zuerst den Virus in die Schale seines linken Nachbarn legen, bevor er sich wieder um die Bestückung seiner Schale kümmern kann. Dadurch kommt etwas Interaktion ins Spiel, um den vermeintlich führenden Spieler ein klein bisschen ausbremsen zu können.
 

Grimaffen (Reiner Knizia) – für 2 bis 6 Spieler, ab 4 Jahren

Das letzte Kinderspiel das uns vorgestellt wurde, brachte zugleich auch den größten Spaß in unsere Runde. ‚Grimaffen‘ ist eigentlich nichts anderes, als das bekannte „Ich packe meinen Koffer….“, das sicher jeder von uns schon einmal gespielt hat. Auch muss man hier anmerken, dass es durchaus auch in Erwachsenen-Runden, als Partyspiel, absolut geeignet ist. Doch was ist hier anders? Wer an der Reihe ist, würfelt mit einem Farbwürfel die Kategorie aus, aus der die erste Aufgabe stammt. Es gibt fünf verschiedene Aufgaben-Typen: Geräusch, Handbewegung, Grimasse, Tierstimme und Armbewegung. Der aktive Spieler würfelt also und macht, was auf seinem Aufgabenkärtchen steht. Anschließend kommt der nächste Spieler, würfelt, wiederholt alles was seine Mitspieler zuvor gemacht haben, und ergänzt die Reihe dann durch seine Aufgabe. So geht es dann reihum, die Reihe wird immer länger, bis ein Spieler einen Fehler macht. Wer etwas falsch gemacht hat scheidet aus der laufenden Runde aus und wer am Ende übrig bleibt, der gewinnt das Spiel ‚Grimaffen‘.
 
Wir haben Tränen gelacht! Es hat wirklich sehr, sehr viel Spaß gemacht. Ich sag nur „Faust – Weiß nicht – Daumen – Möpmöp – Töröö – Peng – ZuLaut – verschränkte Arme – Gebet – Victory – Määh – Zahnarzt – Hand Kopf – Zunge – Raute…“ Wirklich ein wahnsinniger Spaß.

 
Nachdem wir dann durch die Kinderspiele quasi auf „Betriebstemperatur“ waren, ging es auch schon weiter zu den ersten Familienspielen an diesem Tag. Die erste Stunde war wie im Flug vergangen. Im Spielzimmer mit den beiden neuen Familienspielen „Queendomino“ und „Azul“ gab es dort noch den Hingucker des Tages. Ein übergroßes ‚Pummeleinhorn‘ wollte erst einmal geknuddelt werden, was ich mir nicht nehmen ließ. Gott, bin ich kindisch – aber egal, musste sein.

Queendomino (Bruno Cathala, Blue Orange Games) – für 2-4 Spieler, ab 8 Jahren

Mit ‚Queendomino‘ wird das Spiel des Jahres 2017 ‚Kingdomino‘ jetzt erweitert beziehungsweise ergänzt. Das Spiel kann mit seinem Vorgänger kombiniert oder auch selbständig gespielt werden. Neu bei ‚Queendomino‘ sind der siebte Landschaftstyp „Baugrundstücke“, die Gebäude, Türme, Drachen, Ritter und Geld. Diese Elemente machen ‚Queendomino‘ ein gutes Stück taktischer aber auf keinen Fall komplizierter. Wer ‚Kingdomino‘ kennt und mag, der wird sehr schnell den Weg in das Königreich ihrer Majestät, der Königin, finden. Neu bei ‚Queendomino‘ ist auch ein „Kärtchenturm“, aus dem die Kärtchen mit den Landschaften herausgezogen werden. Dieser Turm ist sehr praktisch und macht das Säckchen überflüssig. Ich hatte das Glück, das alle Mitspieler in meiner Kennenlernrunde ebenfalls ‚Kingdomino‘ kannten und mochten, sodass die Einführung in ‚Queendomino‘ sehr schnell ging. Das gab uns die Möglichkeit, das Spiel komplett durchzuspielen und nicht nur anzuspielen. Durch den neuen Landschaftstyp „Baugrundstücke“ kommen Gebäude ins Spiel, die, so man sie sich leisten kann, weitere Vorteile im Spiel und/oder bei Spielende, in Form von Siegpunkten, mit sich bringen. Wer zu wenig Geld hat, der kann durch Einsetzen von Ritter, Steuern eintreiben, umso weitere Gebäude kaufen zu können. Dabei bringt jeder eingesetzte Ritter Geld in Abhängigkeit von der Größe der Landschaft in dem Moment, in dem er eingesetzt wurde. Ganz klar sind die Gebäude eines der zentralen Elemente und der Schlüssel zum Sieg. Um die Abrechnung bei Spielende zu erleichtern, denn es sind nun einige Dinge die gewertet werden, liegt dem Spiel ein Wertungsblock bei. So wird bei der Endabrechnung nichts vergessen.
 

Azul (Michael Kiesling, Plan B Games) – für 2 bis 4 Spieler, ab 8 Jahren

Zweifellos unser Highlight an diesem Tag! Aber nicht nur bei uns, ‚Azul‘ wurde von vielen Kollegen positiv bewertet und gelobt. Kommt hier ein zukünftiger Preisträger? – Das wäre sehr viel Spekulation, warten wir es ab.
 
‚Azul‘ ist in erster Linie ein abstraktes Legespiel, bei dem wir bunte Kacheln „an die Wand“ bringen müssen und das möglichst effektiv und punkteträchtig. Das Problem dabei ist nur, dass die anderen Mitspieler dasselbe versuchen, und dass wir nicht immer die Kacheln bekommen, die wir wollen. Man muss also Kompromisse machen und seine Spielzüge gut planen. Wer am Ende diese Aufgabe am besten gelöst hat, der gewinnt.
 
Das tolle an diesem Spiel ist nicht nur das Material, nein, auch der sehr schnelle Einstieg ins Spiel machen ‚Azul‘ zu einem kurzweiligen und spannenden Wettstreit. In jeder Runde wählen die Spieler ein Vierer-Set Kacheln aus der Auslage und legen eine Sorte davon auf ihrem Tableau ab. Der Rest kommt in die Tischmitte. Reihum versuchen wir so, unser Tableau auf der linken Seite zu füllen. Dort gibt es 5 Zeilen, die jeweils für 1 bis 5 Spielsteine (sortenrein) Platz bieten. Spätestens wenn alle Vierer-Sets abgeräumt sind, kann sich der Spieler, der an der Reihe ist, auch in der Tischmitte bedienen. Dort muss er dann aber immer alle Steine einer Sorte nehmen, auch wenn er auf seinen Lagerplätzen gar nicht alle Steine unterbringen kann. Überzählige Steine muss er dann auf einer Malus-Leiste ablegen. Für diese verliert er am Rundenende Punkte. Sobald alle Steine aus der Tischmitte verteilt sind, kommt es zur Rundenwertung. Jetzt wird aus jeder vollständig gefüllten Reihe links, genau 1 Stein auf das Mosaikfeld rechts auf dem Tableau verschoben. Der Rest wird entsorgt. Punkte gibt es dabei für jeden Stein, der senkrecht oder waagerecht an den zuletzt platzierten Stein angrenzt. Sobald es einem Spieler dabei gelingt, eine ganze Reihe (5 Steine) zu füllen, endet das Spiel und es kommt zu einer kurzen Schlusswertung.
 
Wie schon eingangs erwähnt, ‚Azul‘ war unser Highlight. Tolles Material, tolles Spiel. Genau so muss ein kurzweiliges Familienspiel sein. Wir sind gespannt auf weitere Partien und auf unsere erste Partie zu zweit, denn das funktioniert sicher auch ohne Probleme sehr gut. ‚Azul‘ soll zu der SPIEL’17 auf den deutschen Markt kommen. Unbedingt vormerken!

 
Nach einer gemütlichen Mittagspause, in der wir von Pegasus gut versorgt wurden, ging es dann frisch gestärkt an die etwas härteren Brocken des Tages. Auf dem Programm standen jetzt die Kenner- und Experten-Spiele. Gut das es davor eine deftige Stärkung gab. Angefangen haben wir mit den beiden neuen Kennerspielen „Heaven & Ale“ und „Reworld“, beide aus dem Hause Eggertspiele. Danach ging es zu dem Expertenspiel „Noria“ von der Edition Spielwiese, bevor noch einmal mit „Loot Island“ von What’s Your Game und „Indian Summer“, ebenfalls von der Edition Spielwiese wieder zwei Kennerspiele auf dem Plan standen.
 

Heaven & Ale (Michael Kiesling und Andreas Schmitt, Eggertspiele) – für 2-4 Spieler, ab 12 Jahren

Gut gebraut ist halb gewonnen, das dachten sich schon die mittelalterlichen Mönche, die mit großer Sorgfalt in den Klosterbrauereien aus unterschiedlichen Zutaten „flüssiges Brot“ herstellten. Jetzt ist auch das neue Autorenduo aus Michael Kiesling und Andreas Schmidt auf Hopfen und Malz gekommen. Runde um Runde gilt es in ‚Heaven & Ale‘ auf dem Markt zum richtigen Moment Rohstoffplättchen einzusammeln – und damit den Mitspielern ein Schnippchen zu schlagen – oder Wertungen auszulösen. Gleichermaßen müssen die Spieler aber auch ihren Klostergarten mit Rohstoffen und genügend Mönchen ausstatten, damit die Produktion volle Fahrt aufnehmen kann. Denn im Braukeller wartet bereits der Braumeister, um jedes Fass einzeln zu veredeln. (Quelle: Pegasus Spiele)
 

Leider reichte hier die Zeit nicht aus, das Spiel komplett oder etwas länger zu Spielen. Da es sich hier um ein Kennerspiel handelt, war auch die Einführung/Regelerklärung etwas länger, sodass es uns am Ende nur zu einem „Anspielen“ gereicht hat. Daher lässt sich nicht viel über ‚Heaven & Ale‘ sagen, aber es hat auf jeden Fall Lust gemacht auf mehr. Wir werden uns nach Erscheinen des Spiels wohl noch einmal damit befassen und können nach einer komplett gespielten Partie dann hoffentlich schon einen ersten Eindruck berichten. Der kurze Einblick hat auf jeden Fall schon mal Lust gemacht auf mehr. (Bilder sind von Prototyp-Material)
 

Reworld (Wolfgang Kramer und Michael Kiesling, Eggertspiele) – für 2 bis 4 Spieler, ab 12 Jahren

Wie auch bei ‚Heaven & Ale‘ stand von ‚Reworld‘ ein Prototyp zur Verfügung, bei dem wir allerdings nach einer kurzen Einführung gleich 4 von 5 möglichen Runden sowie der Schlusswertung spielen konnten. Genug also, sich ein Bild vom Spiel zu machen. Worum geht es? Wir sind Planer der Besiedelung eines extraterrestrischen Planeten. Da die Erde unmittelbar vor der Unbewohnbarkeit steht, drängt die Zeit und wir müssen schnell den neuen Planeten bewohnbar machen. Nur ein einziges Mal können wir mit unserem Transportschiff zu diesem Planeten fliegen, um dort alles Notwendige in die Wege zu leiten um die Bevölkerung von der Erde dorthin zu bringen. Das bedeutet, wir müssen unter anderem den Planeten terraformen, Siedlungen errichten und die Kommunikation aufbauen. Um all dies vor Ort machen zu können, müssen wir das dazu benötigte Material in unser Transportschiff packen und an der neuen Heimat wieder entladen. Und genau hier ist die Krux im Spiel. Denn beim Beladen heißt es „first in, last out“. Das bedeutet, alles was wir zuletzt in unsere fünf Laderäume gepackt haben, wird auch zuerst wieder ausgeladen. Wer also nicht aufpasst und zuerst einen Terraformer, Siedlungsmodul und später ein Transport-Rover in einen Laderaum packt, der wird vor Ort feststellen, dass er einen Fehler gemacht hat. Denn alles was ich beim Ausladen nicht sofort nutzen kann, verschwindet in den Tiefen des Weltraums. Um ein Gebiet zu terraformen muss folglich der Terraformer zuerst entladen werden, bevor eine Siedlung gebaut werden kann. Oder anders, packe ich den Transport Rover zuerst ein und fülle dann den Laderaum mit Siedlungsmodulen, so muss ich später alle Siedlungsmodule entsorgen, um an den Transport Rover im Laderaum zu kommen.

Es ist also wichtig, sich beim Beladen des Schiffes genau zu überlegen, in welcher Reihenfolge man seine Laderäume bestückt. Hinzu kommt noch, das durch den Karten-Mechanismus es manchmal gar nicht so einfach ist, das Packstück, welches man gerne hätte, auch wirklich bekommt und einladen kann. Am Ende dieses taktischen Spiels gibt es dann noch eine Schlusswertung, bei der einige Sonderpunkte zusätzlich verteilt werden.

Wie gesagt, wir konnten ‚Reworld‘ gegenüber ‚Heaven & Ale‘ etwas intensiver anspielen, so dass wir uns hier einen besseren Eindruck verschaffen konnten. Wer Spiele dieser Art mag, bei denen Planung sehr wichtig ist, der sollte sich bei Gelegenheit ‚Reworld‘ einmal anschauen. Das Spiel ist, was die Regeln betrifft, nicht kompliziert, bietet aber sehr viel Spieltiefe und taktische Möglichkeiten. (Bilder sind von Prototyp-Material)

 
Nach einer kurzen Kaffee-Pause ging es dann mit einem, für mich brutalen Hammer weiter. Mein Auffassungsvermögen war genau jetzt auf dem Tagestiefpunkt angekommen und es war schwer mich jetzt auf das was kommen sollte, einzustimmen. Das Expertenspiel ‚Noria‘, Erstlingswerk von Sophia Wagner, ist ein komplexes Strategiespiel das es in sich hat.
 

Noria (Sophia Wagner) – für 2 bis 4 Spieler, ab 12 Jahren

Obwohl „nur“ ein Prototyp da war, konnte man schon gut sehen, was da auf uns Spieler zukommen wird. Sehr schönes Material, viel Spieltiefe, viele Taktische Möglichkeiten. Allerdings war es tatsächlich so, dass ich bereits bei der Regelerklärung, die im Übrigen sehr gut war, ins Schwitzen gekommen bin. Es geht bei ‚Noria‘ also um politischen Einfluss, den ich erreichen möchte aber nicht habe. Um meinen Einfluss im Rat Norias zu erhöhen, steht mir eine Reihe unterschiedlicher Aktionen zur Verfügung. Ressourcen-Management, Langzeitplanung, Taktik, Interaktion, all das sind Kernmechanismen die es zu beherrschen gilt. Gesteuert wird das Ganze durch ein Dreifach-Aktions-Rad, welches jeder Spieler vor sich hat. Zu Beginn ist dieses Rad nur teilweise belegt. Um im Spiel voran zu kommen, muss also dieses Rad optimiert werden. Doch das kostet Geld (Ressourcen). Man muss also alleine mit den zu Verfügung stehenden Start-Aktionen eine Art Aktions-Maschine auf seinem Rad errichten, um später im Spiel davon profitieren zu können. Es sind eine ganze Reihe kleiner Elemente im Spiel, die wie filigrane Zahnrädchen in einem Uhrwerk aufeinander abgestimmt sind. Da es auf Grund der begrenzten Zeit nur möglich war, das Spiel anzuspielen möchte ich mir kein Urteil darüber bilden. Obwohl ich während der angespielten Partie langsam auftaute, so war es mir für einen ersten Eindruck noch zu wenig. Eines ist aber klar, ich sammelte genügend Eindrücke um zu sagen „JA“, ich will es mir noch einmal genauer anschauen.

 
Zum Abschluss der organisierten Spielrunden, hieß es für uns noch einmal „auf zu den Kennerspielen“, bevor das Abendprogramm mit einem gemeinsamen Abendessen eingeläutet wurde.
 

Loot Island (Aaron Haag, What’s Your Game) – für 2 bis 5 Spieler, ab 10 Jahren

Im Jahre 1620 fiel ein schrecklicher Fluch auf eine wunderschöne, unschuldige Insel im Indischen Ozean. Schnell verbreitete sich die Kunde, dass der finstere Zauber all jene verflucht, die sich an den Schätzen der Insel vergreifen und gar diejenigen heimsucht, die sich ihrer Küste auch nur nähern. Gewitzte Piraten kamen schnell auf die Idee, auf der Insel ihre Beute zu verstecken, denn einmal dort vergraben, machte es der Flucht fast unmöglich, das Diebesgut (erneut) zu stehlen. (Quelle: Pegasus Spiele)

Für Kenner ist der Verlag „What’s Your Game“ kein Unbekannter. Meist präsentiert und dieser Verlag ein Schwergewicht in Sachen Kenner- oder Expertenspiel. Diesmal jedoch fällt zunächst die Schachtel auf, die kleiner als erwartet daherkommt. Darin eine Menge Karten, ein Spieltableau, mehrere Holzwürfel, Chips und ein Holz-Schiff. Der Spielmechanismus erinnert etwas an „Keltis“, hat aber nur den Kartenmechanismus gemeinsam. Um Punkte zu bekommen, müssen Schätze gefunden und gehoben werden. Am Ende gibt es dann Punkte für verschiedene Kombinationen von Schatzkarten. Das ist im Wesentlichen schon alles, was man wissen muss. Rund um das zentrale Tableau stehen 8 Anlegeplätze zur Verfügung. Für den Schiffsmarker in jeder Ecke einer, also insgesamt vier. Sobald ein Spieler eine Reihe Karten an einen Platz legt oder weitere Karten anlegt, wird der Anlegeplatz mit einem von drei persönlichen Farbchips markiert. So werden reihum Karten angelegt, bis alle Spieler passen. Nun werden die beiden Kartenreihen ausgewertet, die sich unmittelbar beim Schiff befinden. Entsprechend der Anzahl Mitspieler und eventueller Bonuskarten, die in einer Kartenreihe liegen, werden dann Schatzkarten aufgedeckt. Der Spieler, der zuerst einen seiner Marker am Anlegeplatz abgelegt hat, beginnt. Er wählt eine Schatzkarte aus, nimmt sie zu sich und der nächste macht dasselbe. Das geht reihum, bis alle Schatzkarten verteilt sind. Dabei kann es durchaus passieren, dass ein Spieler mehr als eine Karte bekommt, oder gar leer ausgeht. Anschließend werden die Karten abgelegt und eine neue Runde beginnt. Um die ganze Sache noch mit einem Handicap zu erschweren, kommen immer wieder „Fluchsteine“ ins Spiel. Diese kann man zwar wieder loswerden, aber bis zu einem gewissen Punkt kann man sie auch getrost sammeln. Erst wenn am Ende einer Runde mehr als, ich glaube es waren 13, „Fluchsteine“ vor einem liegen, wird’s kritisch.

Alles in Allem ein nettes kleines Zockerspielchen mit feinen taktischen Möglichkeiten durch zusätzliche Interaktionsmöglichkeiten.
 

Indian Summer (Uwe Rosenberg, Edition Spielwiese) für 1 bis 4 Spieler, ab 10 Jahren

Das letzte Spiel vor dem Abendessen hat uns nochmal recht gut gefallen. ‚Indian Summer‘ soll ein Nachfolger des Erfolgstitel ‚Cottage Garden‘ sein. Das kann ich jedoch nicht bestätigen, da ich ‚Cottage Garden‘ bisher nicht gespielt habe. Ja, das gibt es tatsächlich. Auch ich hab nicht jedes Spiel gespielt.

Bei ‚Indian Summer‘ muss ein Waldstück, bestehend aus 8x9 Felder mit Legeplättchen formschlüssig belegt werden. Das Spielfeld ist dabei zusätzlich unterteilt in 6 kleinere Felder. Somit sind es 2 Reihen à 3 Felder mit je 3x4 Legeplätzen. Die Teile die dazu zur Verfügung stehen haben die bekannten Formen aus Spielen wie „Ubongo“, „Cottage Garden“ oder „Patchwork“, mit einem kleinen Unterschied: Alle Teile haben genau 1 Loch. Bin ich an der Reihe, lege ich eines meiner Plättchen auf mein Tableau, und versuche dabei, das teil so zu legen, dass durch das Loch im Teil, eines der Symbole auf meinem Tableau sichtbar bleibt. Ist dies der Fall, wird auf das Loch ein Marker gelegt, der dasselbe Symbol zeigt. Diese Marker bringen zusätzliche Vorteile im Spiel, aber erst wenn man diese hat. Um diese Marker, die man bei sich gelegt hat zu bekommen, muss man versuchen, das komplette 3x4-Feld zu belegen. Gelingt das, bekommt man die Marker und kann sie fortan nutzen. Dadurch können zum Beispiel weitere Legeteile genommen oder gar geklaut werden oder einzelne Felder auf dem Tableau bedeckt werden. Das ist insofern wichtig, da das kleinste Legeteil immer drei Felder überdeckt. Und wer „unsauber“ legt, der hat Lücken und diese wollen geschlossen werden. Gewonnen hat der Spieler, der als Erster sein Tableau komplett, ohne Lücke, belegt hat. Keine Punktewertung, keine Sonderwertung, Nichts. Das ist angenehm, genauso wie der schnelle Einstieg ins Spiel und die kurze Spieldauer. Eben wieder ein tolles Familienspiel mit etwas taktischem Anspruch.
 

Das war bis hierhin dann der offizielle Teil des Pressetages. Jetzt ging es zum gemütlichen Teil, dem Abendessen mit anschließenden freien Spielen. Angefangen haben wir dort dann mit einem alten Bekannten. ‚Istanbul‘, allerdings im neuen Gewand, dem ‚Istanbul – Würfelspiel‘, welches auch im Herbst auf den Markt kommen wird. Da wir es im Laufe des Tages nicht spielen konnten, nutzen wir die Gelegenheit, es doch noch kennenzulernen.
 

Istanbul – das Würfelspiel (Rüdiger Dorn) – für 2 bis 4 Spieler, ab 8 Jahren

Ganz wie dem großen Bruder ‚Istanbul‘ geht es auch beim Würfelspiel darum, als Erster fünf Rubine zu sammeln. Dabei ist es dem Autor Rüdiger Dorn hervorragend gelungen, das ganze Spiel auf das Wesentliche zu reduzieren. Um Rubine zu bekommen, müssen Waren gesammelt werden, die dann gegen die begehrten Edelsteine eingetauscht werden können. Diese Waren bekommt man durch Würfeln oder durch Moschee-Plättchen, beziehungsweise durch Basar-Karten. Eben ganz wie beim großen Bruder. Eine weitere Möglichkeit, Rubine zu bekommen ist natürlich wieder deren Kauf. Das dazu benötigte Geld erhält man ebenfalls durch würfeln. Ein ganz wichtiges Element von ‚Istanbul‘ finden wir auch hier, beim Würfelspiel, wieder. Der erste Rubin ist günstig, dann werden sie immer teurer – ganz wie beim Original. Eine gut strukturierte Aktionsübersicht zeigt, welche Aktionen gemacht werden können, um Waren in Waren, Geld oder Rubine zu tauschen. ‚Istanbul – Das Würfelspiel‘ ist eine tolle Umsetzung, die richtig Spaß macht. Das Spiel kommt ebenfalls zur Messe SPIEL auf den Markt.
 

Zum krönenden Abschluss des Pressetages, der wirklich sehr gut organisiert war, stand jetzt noch eine Partie ‚Captain Sonar‘ auf dem Programm. Hier spielten zwei Blogger-Teams gegeneinander und es hat mal wieder richtig Spaß gemacht. Vor allem die überdimensionalen Spiel-Tableaus machten richtig Laune. Und als der Wechsel von rundenbasiert zu Echtzeit kam, ging es erst so richtig los. Am Ende war auch ich Crew-Mitglied als erster Offizier unter unserem siegreichen Kapitän. Unsere Gegner hatten nie wirklich eine Chance. Aber das war eigentlich Nebensache. Wir hatten Spaß, in beiden U-Boten, und das ist es, was wirklich zählt. Gemeinsam Spaß zu haben bei einem schönen Hobby, welches uns alle verbindet.

Danke auch noch einmal an dieser Stelle an das ganze Team von Pegasus, das uns wirklich einen wunderschönen und verspielten Tag geboten hat. Danke.
 
Wer jetzt denkt, das war schon alles, den muss ich leider enttäuschen oder beruhigen. Es ging noch weiter. Für das Team von Pegasus stand nämlich am Samstag und Sonntag noch der Supporter-Tag auf dem Programm. Das ist traditionell der Tag, an dem die Spiele-Erklärer auf die SPIEL vorbereitet werden. Sie dürfen jetzt endlich auch die neuen Spiele kennenlernen, um sich auf ihren Job auf der Messe vorzubereiten. Gleichzeitig nutzten eine Hand voll verwegener Spiele-Blogger die Gelegenheit und machten am Samstagvormittag im Hause Pegasus noch eine Talk-Runde rund um das Thema Spielen. Julia vom Youtube-Kanal „Spiel doch mal!“ versammelte vier bekannte Blogger um sich und sie plauderten über interessante Themen rund ums Spiel. Was dabei herauskam ist sehenswert. Hier geht’s zum BEEPLE-TALK-2017. Viel Spaß.


Für uns ging es nach dem Talk noch eine Runde weiter. Wir waren zu Gast bei Spiele-Autor Arve D. Fühler und konnten dort unter anderem sein neues Spiel „Kofferpacken extrem“, welches auch bei Pegasus jetzt auf den Markt kommt, anschauen und spielen.
 

Kofferpacken extrem (Arve D. Fühler) – für 2 bis 6 Spieler, ab 8 Jahren.

Wie auch das oben beschriebene Spiel ‚Grimaffen‘, ist ‚Kofferpacken extrem‘ eine Variante vom altbekannten „Ich packe meinen Koffer….“. Aber was für eine Variante! Es läuft zwar bei Pegasus unter „Familienspiel“, ist aber unserer Ansicht nach ein astreines „Partyspiel“. Der einfache, bekannte Grundmechanismus wurde hier so klasse verfeinert, dass es richtig Spaß macht zu spielen. Wir hatten Tränen in den Augen und Schmerzen im Bauch, vor lauter Lachen und guter Laune. Es war der Wahnsinn! Doch der Reihe nach. Man muss bei diesem Spiel eigentlich auch nicht viel erklären. Es kommen 6 Buchstabenkarten auf den Tisch und 36 Objekt-Karten (Karten mit unterschiedlichen Piktogrammen). Und schon kann es losgehen. Wer an der Reihe ist, muss sich 2 Karten aussuchen und damit ein Koffer-Wort bilden. Eine der ausgewählten Karte steht dabei für eine Eigenschaft (Adjektiv), die zum Piktogramm passt, die andere Karte steht für den Gegenstand (Substantiv). So wird zum Beispiel aus „Feuer“ und „Haus“ eine „brennendes Gebäude“. Dies ist aber doch noch zu einfach. Deshalb kommen jetzt die Buchstabenkarten ins Spiel. Unter den sechs ausliegenden Buchstaben wählt der aktive Spieler für sich eine aus. Das dann gebildete Koffer-Wort muss mindestens einmal diesen Anfangsbuchstaben haben. Besser noch beide Wörter (Adjektiv und Substantiv) beginnen mit diesem Buchstaben, denn das bringt auch mehr Punkte. Bleiben wir beim Beispiel mit „Feuer“ und „Haus“, packen wir noch ein „H“ dazu und kommen so zu „heiße Hütte“, was später dann volle Punkte beschert. So geht es dann reihum und es ist Phantasie gefragt und verlangt. Es muss dabei auch nicht immer korrekt zugehen, es darf ruhig alles etwas flexibel gehandhabt werden. Denn es geht auch hier eigentlich „nur“ um den Spielspaß. Aber der ist garantiert! Denn wenn es heißt „Ich packe meinen Koffer und nehme mit: ein spitzen Schlips, einen hellen Helikopter, ein nässenden Nessel-Sessel, einen quäkenden Quark-Käse, eine bimmelnde Brotdose, eine faule Flasche, einen orthogonalen Oberlippenbart, ein …… ich hab‘s vergessen ….“ dann bleibt wirklich kein Auge trocken. Und wenn es dann doch einmal nicht ganz korrekt ist, egal, es ist nur ein Spiel. Der Spaß steht im Vordergrund – so muss es sein.

 
So, das war unser Rückblick auf den Pegasus-Pressetag 2017. Wer noch ein bisschen mehr davon sehen, hören oder lesen will, der kann ja mal bei unseren Kollegen vom Blogger-Netzwerk BEEPLE.DE vorbeischauen. Dort gibt es unter anderem auch bewegte Bilder.
Wir hoffen, unser Rückblick war nicht zu lang und nicht zu langweilig. Wir freuen uns, wenn ihr uns Feedback senden würdet, egal ob als Kommentar, via Twitter/Facebook, per Mail oder persönlich.


Bis demnächst, spielt was Schönes ….
euer Spielevater Oli
 


© Oliver Sack 2017 – Fotos: Oliver Sack – alle Rechte vorbehalten.
Abbildung der Spiele/Spielmaterialien und Regelauszüge © Pegasusspiele

 


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