Lookout

Zu Gast bei Hanno Girke, Lookout-Spiele

Ein kleines, verträumtes Örtchen in Rheinland-Pfalz, zwischen Mainz und Bad Kreuznach. Inmitten grüner Weinberge, bei sonnigen 33°C im Schatten. Und mitten drin, die Adresse von Lookout.

Wer hier ein Bürogebäude oder eine Gewerbeimmobilie vermutet, sucht vergebens. Eine unscheinbare Tür, eine Klingel und zwei Briefkästen. Auf einem steht „Lookout“, ich bin richtig.

Hanno Girke, Verlagsinhaber öffnet und führt mich in den Innenhof. Schattig und damit sehr angenehm. Um mich herum weit und breit keine Redaktionsräume oder ähnliches zu sehen. Homeoffice – heißt des Rätsels Lösung. Alle arbeiten von zu Hause aus, verteilt von Nord nach Süd. „Dank Skype, Mail und Co, ist das alles kein Problem“, so Hanno. Nur ein kleines Handlager gibt mir das Gefühl, bei einem Spieleverlag zu sein.

Gemütlich am Edelstahl-Gartentisch sitzend, präsentiert mir Hanno dann die aktuellen Spiele und Titel die noch 2018 auf den Markt kommen werden. Zwischenzeitlich beginnt die Sonne, die Tischkante aufzuheizen.

Als erstes schaue ich mir das neue „Patchwork-Express“ an. Dies ist seit kurzem auch schon im Handel erhältlich. Eigentlich ist es das Patchwork, das wir kennen. Jedoch sind die Legeteile größer, die Spielfläche mit seinem 7×7 Raster kleiner als beim Original. Auch von den Regeln her ist es etwas einfacher gestrickt. Zielgruppe des neuen Patchwork sind die jüngeren und älteren Generationen. Mehr Haptik, ansprechende Farbgebung. Auch der Zahlenraum bei den Punkten ist kleiner, was besonders Kinder freuen dürfte. Statt Endergebnisse von 48:37, gibt es jetzt überschaubare 12:9 Scorings. Ein Grund, warum dieser Ableger auf den Markt kam, ist sicherlich Autor Uwe Rosenberg. Er ist Projektpate des Sozialprojekts „Spielecafé der Generationen“ in 84347 Pfarrkirchen (www.jungundaltspielt.de). Ein tolles Projekt!

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Dann darf ich einen Blick auf den finalen Prototyp der 2. Isle of Skye Erweiterung „Druiden“ werfen. Isle of Skye Spieler, die besonders gerne bauen, werden hier voll auf ihre Kosten kommen. Neben neuen Landschaftsplättchen kommen u.a. ein Markt, auf dem zusätzlich Plättchen gekauft werden können und neue Aktionen ins Spiel. So kann zum Beispiel auch ein eigenes, zum Verkauf angebotenes Plättchen gekauft werden.

Die Isle of Sky Erweiterung soll noch im August in den Handel kommen.

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Zwischenzeitlich hat die Sonne 20% der Tischfläche erwärmt. Wir rücken weiter in den Schatten.

Im Herbst erscheint dann ein neues Spiel vom Australischen Autor Phill Walker-Harding. Von ihm stammen die erfolgreichen Spiele „Imhotep“ (Kosmos), „Cacao“ (Abacusspiele) und natürlich nicht zu vergessen, „Bärenpark“ (Lookout Spiele)

Bei „Hexenhaus“ (Arbeitstitel: Gingerbread House) wird der Spieß herumgedreht. Bei dem Spiel für 2-4 Spieler, ab 10 Jahren, schlüpfen wir nicht in die Rolle von Hänsel und Gretel, im Gegenteil. Die Zeiten haben sich geändert. Die Hexen sind es leid, dass dauernd irgendein Märchen-Protagonist durch den Wald streift und die Häuser der Hexen anknabbert. Unsere Aufgabe ist es, all die Störenfriede zu „beseitigen“ und das eigene Knusperhaus zu beschützen. Auf ein Spieltableau mit einem 3×3 Raster legen wir eine Art Dominosteine ab, um dadurch bestimmte Ressourcen abzugreifen. Mit diesen können wir dann einen der vielen bekannten Märchen-Charaktere anlocken und „einsperren“. Diese Gefangenen lassen sich dann gegen Siegpunktkarten (Aufträge) im späteren Spielverlauf, eintauschen. Das Besondere an diesem Spiel sind die Charakter-Karten. Hier finden wir alles, was wir bei den Gebr. Grimm und anderen schon einmal gehört oder gelesen anhaben. Quasi das who-is-who der Märchen-Prominenz. Dabei sind die europäischen Märchengestalten zwar in der Überzahl, aber Autor und Redaktion haben darauf geachtet, dass z.B. auch die U.S.A. und Australien auf ihre Kosten kommen.

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Bereits der Prototyp lässt ein schickes, solides Familienspiel vermuten, was auch genau so geplant ist. Im Handel wird man das Spiel noch in diesem Herbst, also rechtzeitig vor Weihnachten finden.
Wer noch etwas mehr zum Spiel erfahren möchte, dem empfehle ich einen Besuch bei meinen Beeple-Kollegen von Cliquenabend.de. Smuker hat sich das Spiel auch schon angeschaut.

(Link: http://www.cliquenabend.de/news/867800-Hexenhaus-Lookout-Spiele-Herner.html)

 

Die „große Essen-Neuheit“ wird dann „Neom – Erbaue die Stadt der Zukunft“ sein. Ein Städtebauspiel mit Drafting-Mechanismus. Kreativer Kopf dahinter ist Paul Sottosanti. Er dürfte besonders den Magic-Spielern bekannt sein. Als Spiele-Autor für Brettspiele trat er bisher nicht in Erscheinung. Frischer Wind und neue Ideen also.

Bei „Neom“ legen wir quadratische Plättchen, erhalten Rohstoffe, bekommen Punkte und/oder Geld. Alles in allem klingt nicht neu und kommt mir wie ein Cocktail aus 7-WONDERS, Carcassonne und Quadropolis vor. Geschüttelt und gerührt. Dabei war die Veröffentlichung von Quadropolis 2016 letzlich auch der Grund, warum „Neom“ erst in diesem Herbst auf den Markt kommt. Man wollte nicht direkt damit verglichen werden. Zu Unrecht, „Neom“ ist anders in seinem Ablauf und dem Mechanismus. Den verzögerten Start liess man aber nicht unnütz verstreichen. Man nutzte die Zeit, um via Online-Portal das Spiel und seine Komponenten immer und immer wieder zu testen und zu verfeinern und um Fehler auszumerzen.

Lookout Spiel

Mittlerweile hat die Sonne über 50% der Tischfläche voll im Griff und schuf eine Wohlfühltemperatur für Spiegeleier. Mit der Spielevorstellung waren wir Gott sei Dank durch, denn das Berühren der Tischfläche wurde unangenehm.

 

Ich möchte mich bei Hanno Girke von Lookout nochmals recht herzlich bedanken, dass er sich die Zeit genommen hat, mir die Spiele vorzustellen. Die gewährten Einblicke waren sehr interessant. Ich persönlich freue mich auf „Neom“ und „Hexenhaus“ – in Essen wissen wir mehr.

Bis dahin, spielt schön … Lookout hat tolle Spiele.

29.07.2018 (c) Oliver Sack, spielevater.de

Fotos: (c) Oliver Sack, mit freundlicher Genehmigung von Lookout-Spiele.