Lesezeit: 9 Minuten
von Oliver
6 Jahre Entwicklung brauchte es laut Verlag bis zur Veröffentlichung. 6 Jahre harte Arbeit, viel testen und anpassen. Was dabei herausgekommen ist, kann sich sehen lassen. Ein klassischer Boss Fighter implementiert als analoges Spiel mit digitaler Unterstützung. Eine App hilft, komplexe Situationen und Konstellationen beim Kämpfen zu verwalten und anzuleiten. Einzig die Verwaltung der eigenen Lebenspunkte bleibt Handarbeit mit Schummel-Risiko. Dennoch, Boss Fighters QR zeigt, wie eine Symbiose aus analogem und digitalem Spielspaß funktionieren kann.
Name: Boss Fighters QR
Für 1 bis 4 Personen, ab 10 Jahren
Autoren: Michael Palm, Lukas Zach
Illustrationen: Bartłomiej Kordowski, KRASS KOLLEKTIV (Artur Fast, Timo Mimus, Maximilian Jasionowski)
Verlag: Pegasusspiele
Spieldauer: 40-60 Minuten
Platzbedarf: ca. 80×80 cm
App erforderlich!
Verlagstext
Boss Fighters QR verbindet die klassischen Elemente eines Kartenspiels mit einer App zu einem einzigartigen Spielerlebnis. Die Spielenden treten gemeinsam gegen zehn einzigartige Bosse mit individuellen Stärken und Fähigkeiten an, die taktisch auf die Aktionen der Spielenden reagieren. Dank der Scan & Play Mechanik erfasst die App physische Karten über einen QR-Code auf der Rückseite in Sekundenschnelle und reagiert in Echtzeit auf die Spielzüge – für ein nahtloses Zusammenspiel von strategischem Deckbuilding mit dynamischen Bosskämpfen.
Zu Beginn der Kampagne wählen die Spielenden jeweils ein Heldendeck – Troll, Halbling, Zwerg oder Elfe – und kombinieren dieses frei mit einer von vier verfügbaren Klassen: Krieger, Magier, Schurke oder Druide. Die App leitet die Spielgruppe dann durch das Spiel und von Boss zu Boss. Mit jedem Boss erwartet die Spielenden auch eine neue Herausforderung, denn jeder Boss hat eigene Taktiken und Angriffe, die die Heldengruppe im Kampf herausfinden und dann bekämpfen muss. Ist die Gruppe erfolgreich, erhält sie Beutekarten, die in drei geheimen Beuteboxen versteckt sind. Mit diesen können sie ihre Decks verbessern, neue Fähigkeiten freischalten und alte Karten ersetzen.
Jeder Boss in Boss Fighters QR kann in vier unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden gespielt werden – von „Neulinge (für Familien)“ bis „Wahnsinnige (für Experten)“.
Quelle: Pegasusspiele, November 2025
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Das Spiel
Wir haben mit Boss Fighters QR einen klassischen Boss Monster Mechanismus. Die Spielenden (wir Helden) versuchen durch Ausspielen von Karten einem Monster so viel Schaden hinzuzufügen, bis es erledigt ist. Runde um Runde wird versucht, mit unterschiedlichen Waffen Schadenspunkte zu vergeben und den eigenen Helden vor Angriffen des Monsters zu schützen, denn nach jeder Angriffsrunde schlägt die Kreatur zurück. Erbarmungslos!
Vor Spielbeginn entscheidet sich jede Person für einen Helden und einer dazugehörigen Klasse. Für beides gibt es ein separates Deck aus individuellen Karten mit Waffen, Aktionen oder Schutzfunktionen. Zusätzlich bestimmt die Kombination aus Held und Klasse auch die Anzahl der eigenen Handkarten und Lebenspunkte. Reihum werden dann insgesamt mindestens drei Karten ausgespielt und ausgewertet.
Um die komplexe Auswertung eines Kampfes mit unterschiedlichen Effekten und Reaktionen gut zu verwalten, hilft eine App, die in unseren Runden fehlerfrei funktioniert hat. Die App leitet uns auch durch das komplette Spiel. Sie weiß genau wer an der Reihe ist oder wer gerade Sonder- und Zusatzkationen spielen darf.
Jede Karte, die wir ausspielen, wird über die Frontkamera des Smartphones/Tabletts gehalten und der QR-Code auf der Rückseite der Karte wird gescannt. Die App erkennt dann die Karte und führt die Entsprechende Aktion aus. Dies ist meist ein Angriff, der der Kreatur also Schaden hinzufügt. Welcher Held unter Umständen Schaden erleidet oder von einer Reaktion der Kreatur betroffen ist, regelt ebenfalls die App und teilt das auch den Spielenden mit. Dies gilt auch für Zusatzmaterial wie zum Beispiel Heiltränke. Auch diese haben auf der Rückseite der entsprechenden Marker einen QR-Code.
Einzig die eigenen Lebenspunkte werden nicht von der App verwaltet. Sie müssen wie gewohnt mithilfe von Lebenspunktezähler verwaltet werden.
Meine Eindrücke (spolierfrei)
Boss Fighters QR macht Spass! Alles funktionierte bei unserer Kennenlernpartie problemlos und wir haben nach unserem ersten Erfolg gleich noch weitere Kreaturen herausgefordert. Mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Da die Gegner stärker werden und immer wieder neue Eigenschaften und Fähigkeiten mitbringen, wird man mitunter kräftig verprügelt. Es gilt dann, hinter das Geheimnis des Gegners zu kommen, um beim nächsten Versuch besser dazustehen.
Ich werde es sicher noch öfters spielen, denn obwohl es von einer App abhängig ist und das ständige Präsentieren des Spielmaterials über die Frontkamera des Tabletts auch mal nervig erscheint. Ganz ohne App wäre das Spiel jedoch nicht spielbar. Zu gross wäre der Aufwand alle Aktionen und Reaktionen zu verwalten und auszuwerten. Ganz zu schweigen die Zeit, die man dafür benötigen würde.
Grundsätzlich bin ich zwar kein Freund von App im Spiel, schliesslich sollen und wollen wir beim analogen Spielen auf multimediale Reizüberflutung verzichten, aber ab und an ist das ganz OK.
Ich dachte zuerst, ich sei zu alt für das Spiel, musste aber bereits zu Beginn der ersten Partie sagen: „cool! Ich will mehr!“. Wir hatten zu viert viel Spass. Emotionen waren am Tisch, wenn es mal wieder Kloppe vom Boss gab, genauso, wie wenn wir dem Boss mal so richtig eine Breitseite präsentieren konnten. (Würde ich nicht gerade diesen Bericht schreiben, würde ich wahrscheinlich eine Runde spielen, oder auch zwei, oder drei.)
Wiederspielreiz
Das Spiel ist so gemacht, dass es absolut nicht einfach ist hier erfolgreich zu kämpfen. Aktuell stehen 4 Charaktere mit individuellen Fähigkeiten sowie 8 Fraktionen zur Auswahl, die auch beliebig kombiniert werden können und das ist (Achtung Spoiler): wichtig!
Gute Absprache untereinander über Strategie und Einsatz von Waffen sind der Schlüssel zum Erfolg und es macht Spaß, das alles auszuprobieren. Auch bei der Schwierigkeit gibt es eine gewisse Variabilität. Vier Schwierigkeitsstufen sorgen für neue Herausforderungen, selbst wenn man seinen Gegner bereits kennt.
Für wen?
Geeignet ist das Spiel für alle, die Konfrontationen dieser Art mögen. Ich denke, dass ganz besonders Teenager hier voll auf ihre Kosten kommen und das Smartphone/Tablett auch mal sinnvoller verwenden als immer nur irgendwelche Tik-Tok oder Social-Media Inhalte zu konsumieren.
Wie geht es weiter?
Sollte man eines Tages alle Gegner auf unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen besiegt haben, winken weitere Updates zur App. So soll zum Beispiel in absehbarer Zeit ein finaler Boss hinzugefügt werden, der dann alle Erfahrung der Heldengruppe auf die Probe stellen soll. Ach wird die App in regelmäßigen Abständen aktualisiert, um Verbesserungen zu implementieren. So ist es derzeit noch möglich, mehr Heiltränke als erlaubt einzusetzen, was jedoch zeitnah bereits korrigiert werden soll.
Kritikpunkte
Die Lebenspunkte-Räder der Helden müssen mit Vorsicht bedient werden. Sehr schnell können sich diese verdrehen, wenn sie im Eifer des Gefechts beiseitegelegt werden.
Möchte man das Spiel komplett zurücksetzen, ist dies sehr mühsam. Zwar liegt dem Spiel ein Übersichtsblatt bei, aber das ist nicht sehr praktikabel.
Es wäre doch sicherlich einfach gewesen, die Karten zu nummerieren.
So könnten zum Beispiel die Heldenkarten mit A01 … A07, B01 … B07 usw. sowie die Klassenkarten und die Karten in den einzelnen Boxen ebenfalls mit einer Buchstaben-Zahlen-Kombination versehen werden. Das würde das Zurücksetzen stark vereinfachen und auch die Trennkarten wieder an die richtigen Stellen bringen.
Fazit zu Boss Fighters QR
Eine App im analogen Spiel kann eine sinnvolle Ergänzung und Unterstützung sein. Der hohe Aufforderungscharakter und der Umstand, dass viele Kämpfe knapp ausgehen, erhöhen den Wiederspielreiz.
Zwar ist die Animation der Gegner auf dem Bildschirm (noch) sehr spartanisch, aber eigentlich geht es ja nur um die eigenen Handkarten und die Lebenspunkte der Kreatur, sowie dem Erhalt der eigenen Kampfeskraft.
Unterm Strich bleibt ein sehr unterhaltsames Spiel, dass nicht nur Brettspieler in seinen Bann zieht, sondern sicher auch etwas für die ganze Familie ist.
Euch ist eine Meinung nicht genug?
Schaut doch mal bei den lieben Kollegen vom Beeple-Netzwerk nach. Vielleicht findet ihr unter www.beeple.de noch die eine oder andere Meinung zu diesem Spiel.
Alternativ könnt ihr immer gerne auch auf unserem und auf dem Discord-Server vom Beeple-Netzwerk nach weiteren Meinungen suchen.
© 19.12.2025 Abbildungen der Spiele und Regelauszüge ©Pegasusspiele // Fotos: © Oliver Sack
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