Lesezeit: 7 Minuten

von Oliver

Ein Dabbawalla (oder Dabbawallah) ist ein Dienstleister in Indien, vornehmlich in Mumbai, der im Laufe des Vormittags Lunchboxen zu Hause oder im Restaurant abholt und sie pünktlich zur Mittagszeit am Arbeitsplatz zustellt. Dabei kann sich der Auftraggeber sicher sein, dass dies auch zu 99,9 % pünktlich und zuverlässig geschieht. Da staunt auch die DB. Ein wirklich geniales System aus Kurieren zu Fuß, mit dem Fahrrad und dem Zug. Dank einer ausgeklügelten Codierung der Essensbehälter geht nichts schief. Kurze Wege, Knoten- und Sammelpunkte, alles passt. Dieses perfekte System kommt jetzt bei Queen Games als Familienspiel in den Handel. Wir haben uns Dabbawalla angeschaut, wie viel Perfektionismus vom Original darin steckt und wie das Feeling auf den Tisch gebracht wird. Können auch wir Perfektionismus?

Dabba Walla Box

Name: Dabba Walla

Für 2 bis 4 Dabbawalahs, ab 8 Jahren

Autoren: Patricia Limberger, Felix Leder

Grafik: Patricia Limberger

Verlag: Queen Games

Vertrieb: Huch!

Spieldauer: 45 Minuten

Platzbedarf: ca. 70x90cm

Verlagstext

Tauche ein in die pulsierenden Straßen Mumbais und schlüpfe in die Rolle eines Dabba Walla. In diesem faszinierenden Spiel begleitest du die berühmten indischen Lunchbox-Lieferanten auf ihrer täglichen Tour durch die Megacity, um hausgemachtes Essen von den Küchen direkt in die Büros hungriger Angestellter zu bringen. Deine Mission ist es, die farbenfrohen und geschmackvoll gefüllten Dabbas – die traditionellen indischen Lunchboxen – pünktlich und zuverlässig an ihr Ziel zu liefern. Dabei ist strategisches Planen und schnelles Handeln gefragt!

Quelle: Queen Games

Das Spiel

Dabba Walla Phase 1Das Spiel ist in zwei Phasen unterteilt. Phase Eins ist die Abholphase. Hier wählen wir Karten mit Polyomino Abbildungen in vier unterschiedlichen Farben und diversen Größen vom Spielplan aus, nehmen diese auf die Hand und wählen anschließend eine Karte von der Hand, die wir ausspielen. Diese Karte gibt an, welches Polyomino wir nehmen dürfen, um es auf unserem Spieltableau platzieren zu können. Die Fläche, die unser Tableau dabei zeigt, ist variabel. Vier verschiedene Flächen stehen zur Auswahl. Mit jedem Teil, das wir nehmen, wachsen die Fläche und die Anzahl an Etagen auf dem Tableau nimmt ebenfalls zu. Am Ende dieser Phase hat nun jeder ein mehr oder weniger perfekt gefülltes Tableau und einen Stapel ausgespielter Karten. Diese Karten werden in der kommenden Wertung (Phase zwei) wichtig.

Am Ende der Phase Eins der Abholphase, wenn jeder 15 Plättchen genommen und eingepuzzlet hat, folgt Phase 2. Die Lieferphase. Jetzt bauen wir unser Tableau Ebene für Ebene von oben nach unten ab. Dazu werden pro zu wertender Ebene von allen Mitspielenden die Karten ausgespielt, die in Phase eins den eigenen Ablagestapel gebildet haben. Jeder legt verdeckt eine seiner Karten aus. Dann werden diese aufgedeckt. Jede Karte gibt an, welche Farbe in der laufenden Ebenen-Wertung punktet. Vier Punkte gibt es maximal und Null im schlechtesten Fall. Hat man in der Lieferphase noch Aktionsplättchen für die Wertung erhalten, können diese jetzt ebenfalls gespielt werden, um die Punktevergabe zu beeinflussen. Nachdem so alle Ebenen Stück für Stück gewertet wurden, endet das Spiel.

Unsere Erfahrungen und Eindrücke

Gespannt war ich auf das Spiel auch, weil vor einiger Zeit ein Bericht über die Dabba Wallas in Mumbai auf Galileo gesendet wurde. Das ausgeklügelte System mit seiner hohen Zuverlässigkeit hat mich begeistert. Ein ebenfalls ausgeklügeltes System finden wir im Spiel bereits bei der Schachtel Sortierung, dem Inlay und dem Aufbau des Spiels. Schachtel öffnen, Spielplan auf den Tisch und kleine Papp-Boxen (Sortierboxen) mit dem Spielmaterial neben dem Spielplan platzieren. Dazu noch ein Stapel Karten und schon ist Dabba Walla aufgebaut. Sehr cool. Was dann in der ersten Hälfte des Spiels folgt, ist eigentlich nichts Neues. Wir nehmen uns eine Karte vom Spielplan, ergänzen damit unsere Kartenhand und wählen anschließend eine Handkarte aus und spielen diese. Das auf der gespielten Karte abgebildete Polyomino („Tetris-Teil“) nehmen wir uns aus den Sortierboxen und puzzeln es auf unser Spielertableau. Schicht für Schicht, Runde für Runde. So weit, so unspektakulär.

Jede Karte hat neben der Abbildung eines Polyominos auch noch ein Symbol für die abschließende Punktewertung. Dies wird meist übersehen beziehungsweise in dieser Phase des Spiels gerne auch für weniger wichtig erachtet. Ein fataler Fehler, wie sich später herausstellen kann. Denn mit jeder gespielten Karte nehmen und bauen wir nicht nur unsere Polyominos, sondern legen auch die Grundlage für die spätere Wertung, wenn unser Tableau wiederum Schicht für Schicht abgetragen wird, um dafür Punkte zu erhalten. Dazu gleich mehr.

Sobald der Nachziehstapel leer ist, folgt die Wertung. Und jetzt wirds clever! Der Spielplan wird zunächst abgeräumt, verbliebene Karten aufgeräumt, dann wird der Spielplan auf die Rückseite gedreht. Jetzt haben wir eine schöne große Kramer-Leiste und in der Mitte vier Wertungsleisten, eine für jeder der vier Farben der Polyominos. Beginnend bei der Person, die die höchste Ebene auf ihrem Spielertableau gelegt hat, wird gewertet. Alle Mitspielenden, die in ein und derselben Ebene gebaut haben, können jetzt Punkte bekommen. Dazu spielen alle je eine Karte verdeckt aus, auch die Mitspielenden, die selbst keine Teile in der aktuellen Ebene verbaut haben. Haben alle eine Karte gewählt, wird aufgedeckt. Jede Karte zeigt nun an, welcher Punktemarker der passenden Farbe auf der Wertungsleiste bewegt wird. Null bis vier Punkte sind hier maximal pro Farbe möglich. Jetzt kann es durchaus passieren, dass Minuspunkte oder einfach nur Null Punkte für eine Farbe ausgespielt werden. Das ist gemein, aber regelkonform. Anschließend bekommt jede Person für die aktuell gewertete Ebene auf ihrem Tableau die angezeigten Punkte pro Farbe und pro Quadrat auf ihren Polyominos.

Ebene für Ebene werden jetzt die Tableaus abgebaut und entsprechend gewertet. Am Ende gewinnt, wie so oft, wer die meisten Punkte gesammelt hat.

Was anfänglich ausschaut wie ein einfaches Sammel- und Legespiel, entpuppt sich spätesten in der Wertungsphase als Hirnverzwirbler. Vielleicht noch nicht in den ersten paar Partien, aber mit zunehmender Routine wird es immer kniffeliger, denn es ist wichtig, nicht nur Karten in Phase eins zu wählen aufgrund des Polyominos, welches man gerne hätte, sonder es gilt immer auch die Punkte-Angabe für die Wertungsrunde auf diesen Karten im Auge zu behalten. Es bringt nämlich relativ wenig, zwei Ebenen komplett mit grünen Teilen zu belegen und bei der Wertung dann keine Punkte-Trigger für diese Farbe auf der Hand zu haben. Wenn das die Mitspielenden spitz kriegen, darf man sich auch nicht wundern, wenn nur Nuller oder oder eben keine grüne Punktekarte für die entsprechenden Ebenen auf den Tisch kommen.

Fazit

Dabba Walla ist ein schönes Knobelspiel mit puzzeln und taktischen Elementen, um das optimale Ergebnis zu erzielen. Zugegeben, der Perfektionismus der echten Dabba Wallas bleibt unerreicht. Aber das ist auch gut so, denn so kann man immer wieder aufs Neue versuchen, noch mehr Punkte durch vielleicht noch clevereres Bauen zu erreichen.

Nah dran an der Perfektion ist aber das Organisieren des Spielmaterials. Die kleinen Pappschuber samt Deckel passen exakt in die Spielschachtel und helfen bei einem schnellen und reibungslosen Aufbau. Dafür gibt es einen extra Punkt von uns. Auch wenn es vor der ersten Partie eine fummelige Fleißarbeit ist, diese Boxen zusammenzubauen.

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Alternativ könnt ihr immer gerne auch auf unserem und auf dem Discord-Server vom Beeple-Netzwerk nach weiteren Meinungen suchen.

© 07.07.2024 Oliver Sack – Abbildungen der Spiele und Regelauszüge ©Queen Games / Fotos: © Oliver Sack

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