Titelbild Dice Carmers
Lesezeit: 5 Minuten

Rajas of the Ganges – The Dice Charmers. Wieder einmal eine Würfel-Adaption zu einem Brettspiel. Wieder ist es ein Roll &  – Write Spiel. Nachdem das Brettspiel Rajas of the Ganges 2016 von Inka und Markus Brand ja schon ziemlich gut war und ist, waren unsere Erwartungen an das Würfelspiel natürlich hoch. Kann es gelingen, die Mechanik und die Atmosphäre des Brettspiels wirklich auf eine Handvoll Würfel zu reduzieren? Ja, kann es. Zumindest in der Kombination mit einem Wertungsblatt. Grundsätzlich jedoch ist es eher selten der Fall, dass eine Würfelspieladaption das Flair und den Kernmechanismus eines Brettspiels einfangen und abbilden kann. Zuletzt gelungen ist dies meiner Meinung nach bei Rüdiger Dorns Istanbul. Doch das Istanbul Würfelspiel ist kein Roll & Write – aber gut gelungen ist es allemal. Also auf gehts die Würfel beschwören. (Dice charmers = Würfelbeschwörer)

dice charmers box

Name: Rajas of the Ganges – The dice charmers

für 2-5 Spieler, ab 12 Jahren

Autoren: Inka und Markus Brand

Illustration: Dennis Lohausen

Verlag: Hutter Trade (Huch)

Spieldauer: ca 45 Minuten

Platzbedarf: ca. 40x40cm pro Spieler

Verlagstext

In der Roll & Write – Version von Rajas of the Ganges versuchen die Spieler, mit Hilfe von 8 Symbolwürfeln ihre Provinz auszubauen, Waren zu sammeln und auf dem Markt zu verkaufen, einflussreiche Persönlichkeiten im Palast für sich zu gewinnen und auf dem Ganges flussauf- und -abzuschippern. Indisches Flair, Würfelglück und Brettspiel Charakter vereinen sich in diesem taktischen Gesellschaftsspiel. Es ist für 2 bis 5 Spieler ab 12 Jahren konzipiert. Wie im Originalspiel gewinnt diesen Wettlauf um Reichtum und Ruhm derjenige, dem es zuerst gelingt, den Anschluss zwischen Ruhmespunkten und Geld auf den beiden gegenläufigen Leisten zu schaffen.

Quelle: Hutter-Trade

Brettspiel

Wer das Brettspiel nicht kennt, der kann gerne unsere Besprechung dazu hier nachlesen.

Rajas of the Ganges

Spieleindrücke und Erfahrungen

Bevor ich jetzt hier zu unseren Erfahrungen und Eindrücken komme, muss ich ganz deutlich sagen, dass wir das Brettspiel von 2017 gerne spielen und nur ein „Mit-Würfler“ das Brettspiel bisher nicht gespielt hat. Wir sind demnach mit Rajas of the Ganges vertraut und waren entsprechend gespannt, wie sich die Roll & Write-Umsetzung spielen lässt und ob sich das Feeling des Brettspiels auch hier einfangen lässt.

Rajas dice blockLos ging es direkt beim Auspacken. Ein Blick auf die Spielblöcke reichte aus, um zu sagen, ja, das kommt uns bekannt vor. Die vier Hauptbereiche Palast, Fluss, Markt und Provinz wirkten sofort vertraut. Auch die beiden entgegenlaufenden Kramerleisten für Geld und Ruhmespunkte erkennt jeder, der auch das Brettspiel kennt, sofort. Somit fiel uns auch der Einstieg in die erste Partie sehr leicht. Als Mechanismus dienen auch wieder Würfel. Die 48 Würfel aus dem Brettspiel wurden dazu für die Adaption durch 8 Würfel ersetzt, die den Rundenablauf bestimmen. Jeder der vier Bereiche wird von zwei Würfel bedient. Der Rest ist vertraut beziehungsweise schnell verstanden. Würfeln, Würfel wählen, Aktion einzeichnen, Geld und/oder Ruhmespunkte sammeln, eventuelle Bonusaktion einheimsen, nächste Runde… bis zum Spielende.

Hauptunterschied ist eigentlich die Geldleiste. Während beim Brettspiel für gewisse Aktionen der Geldmarker auch mal rückwärts gezogen werden muss, geht es beim Würfelspiel immer nur vorwärts. Geld ausgeben muss man nicht, nur einnehmen. (Wünsche ich mir im realen Leben auch. Nur mal so für eine Woche, das wäre voll OK)

Der Spielablauf im Schnelldurchlauf

Spielszene Rajas diceEine Runde ist schnell gespielt. Der Startspieler wirft alle 8 Würfel und sucht sich einen davon aus. Den zweiten Würfel derselben Farbe nimmt er anschließend aus dem Spiel. Die Farbe des gewählten Würfels gibt dann den Bereich vor, in dem man seine Aktion durchführen möchte und das Symbol auf dem Würfel definiert die Aktion im Detail. Also im Provinzfeld Straßen einzeichnen, den Fluss entlangfahren, den Markt nutzen oder den Palast besuchen. Anschließend wählten die Mitspieler der Reihe nach einen der verbliebenen Würfel und führen Ihrerseits die passende Aktion durch. Haben alle Spieler einen Würfel genommen, endet die Runde. Der Startspieler wechselt, wirft alle Würfel und wählt aus.

Spielzeit und Spielende bei Rajas of the Ganges - dice charmers

Wie auch beim Brettspiel endet das Roll & Write auch nach der Runde, in der sich Geldleiste und Ruhmespunkte kreuzen (begegnen). Dies im richtigen Moment geschehen zu lassen, um eine möglichst große Überschneidung zu erzielen, ist die große Herausforderung im Spiel. Da wünscht man sich schon mal, die Würfel beschwören zu können, wie es der Spieltitel „dice charmers“ suggeriert. Doch das geht leider nicht. Es bleibt einem also nichts anderes übrig, als zu versuchen, mit dem Würfelglück im Rücken alle Aktionen so durchzuführen, um das maximale Ergebnis (Überschneidung) zu erreichen. Dies kann dann zu einem Unentschieden, einem knappen Sieg oder auch mal zu einer Demütigung des Gegners führen. Meine höchste Niederlage in einer Partie zu zweit lag bei 11,5 zu 2 Punkten. Das war ärgerlich. Eine höhere Differenz hatten wir bisher nie. (Wer weiß was mir noch blüht!)

Die dice charmers zu zweit

In einer Partie zu zweit ändert sich eigentlich nichts Grundlegendes. Einziger Unterschied ist, dass jeder Spieler zwei Würfel pro Runde nutzen kann. Der Rest beliebt gleich. Reizvoller als das Spiel mit drei bis fünf Spieler ist die Duellvariante aber auf jeden Fall.

Kleiner Aufreger

Rajas Elefant DiceWas ein wenig stört, ist die Elefantenfigur, welche zum „parken“ eines Würfels verwendet wird. Dieser ist nett und hübsch, aber sonst eher unnötig. OK, er soll an den Startspielerelefant im Brettspiel erinnern, nur warum? Die Parallelen zum großen Bruder sind ja schon unübersehbar. Aber das schlimmste daran ist, dass dieser Elefant beim Würfelspiel vor dem einpacken jedes Mal zerlegt werden muss, weil er zusammengebaut nicht in die Schachtel passt. Das ist ärgerlich aber auch Jammern auf hohem Niveau. Sorry.

Fazit zu Rajas of the Ganges - The dice charmers

Das Roll & Write schafft es, das Spielgefühl des Brettspiels einzufangen. Wer das Brettspiel kennt, findet sich hier auch schnell zurecht. Das Spiel schafft es immer wieder, aufs Neue zu motivieren und man versucht besser zu sein als zuletzt und testet immer wieder neue Wege. Allerdings führt das gerade in der zweiten Spielhälfte schnell zu Grübelorgien. Soll ich hier? Da bekomme ich 3 Punkte, dort 2 aber noch 2 Geld zusätzlich … Oder lieber hier und den Bonus nutzen? Ich könnte aber auch hier … und das … oder doch …. nein, warte …. – Das kann schnell nerven und das Spiel unnötig in die Länge ziehen. So ein Roll & Write ist eigentlich ein schnelles Spiel, von daher immer schön aus dem Bauch heraus. Aber ja, man will ja das Optimum – verständlich.

© 30.12.2020 Oliver Sack

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Abbildungen der Spiele und Regelauszüge ©huch / Fotos: © Oliver Sack
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Der Einfachheit halber, verwende ich die maskuline Schreibweise in meinen Texten. Wenn ich von „Spieler“ schreibe, meine ich natürlich immer auch „Spielerinnen“ bzw. „Spieler m/w/d“