Lesezeit: 9 Minuten
von Oliver
Wir befinden uns in der nordamerikanischen Wildnis der Rocky Mountains. Unsere Aufgabe ist es, das dortige Ökosystem zu schützen, die Artenvielfalt zu erhalten und für Ausgewogenheit zu sorgen. Das machen wir durch Aufforstung und ansiedeln unterschiedlichster Tiere wie dem majestätischen Weißkopfseeadler oder anderer Tiere. Durch clevere Kombinationen ergattern wir uns zusätzliche Punkte bei den Wertungen. Klingt nach einem Deja-Vu? – Richtig, das Spiel begegnete uns bereits 2021 unter dem Titel „Baumkronen“ als taktischen Zweier-Spiel bei Kosmos. Damals war noch der tropische Regenwald mit seiner Flora und Fauna Schauplatz des Spiels.
Name: Waldland – Immergrün und Artenreich
Für 1 bis 4 Personen
Autor: Tim Eisner
Illustrationen: Vincent Dutrait
Verlag: Piatnik
Spielzeit: ca. 90 Minuten
Komplexität: gehobenes Familienspiel
Platzbedarf: ca. 120x90cm (zu viert)
Verlagstext
Im gemäßigten Regenwald an der nordamerikanischen Pazifikküste erheben sich die mächtigen Nadelbäume stolz in den Himmel. Die Waldlandschaft präsentiert sich in den unterschiedlichsten Schattierungen und beherbergt eine faszinierende Tier- und Pflanzenwelt mit Schwarzbär, Weißkopf-Seeadler und Mackenzie-Wolf. Dieses einzigartige und faszinierende Ökosystem ist Schauplatz von „Waldland“, einem Strategiespiel von Piatnik für versierte Spielerunden, die in ein detailreich gestaltetes Natursetting eintauchen möchten.
„Waldland“ erstreckt sich über drei Saisonen, in denen die Spielenden versuchen, ein gesundes und ausgewogenes Ökosystem zu errichten. Dabei können unterschiedliche Wege zum Sieg führen, sodass jede Runde auch ein neues Abenteuer bietet. Strategisches Handeln ist beim Durchforsten der Sammelplätze gefragt, um passende Waldkarten zu finden. Dank der spannenden Möglichkeit zum Drafting können Kartenstapel ausgewählt oder zum Weiterwachsen zurückgelegt werden. Mit dem anschließenden Auslegen der Waldkarten wächst das eigene Ökosystem: einige haben sofortige Auswirkungen, andere lassen Bäume wachsen oder kommen erst bei den Wertungen zur Geltung. Wenn genügend Nahrung vorhanden ist, können Tiere angelockt werden, deren besondere Fähigkeiten mit Bedacht zum Einsatz kommen sollten. Die Punkte für die Abrechnungen am Ende jeder Saison werden durch möglichst hohe Bäume, wertvolle Pflanzensets und die Vermehrung des Tierbestands sowie die vorhandenen Wetterkarten und die Abwehr von Bedrohungen erzielt.
Das komplexe Familienspiel „Waldland“ von Autor Tim Eisner (mit rund 90 Minuten Spieldauer) mit 3D-Aufbau und detailreichen, informativen Illustrationen erfordert strategischen Tiefgang und eignet sich für bis zu vier Spielende ab 12 Jahren. Wer lieber allein durch die Wildnis streift, kann in der Solo-Variante gegen den Einsamen Fuchs spielen und dabei tief in die besondere Atmosphäre im immergrünen und artenreichen „Waldland“ eintauchen.
Quelle: Piatnik, Dezember 2025
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Das Spiel
Das eigene Ökosystem entsteht auf und um unser Spielertableau. Dort werden Bäume „angesiedelt“, die wir wachsen lassen können, um dadurch Vorteils-Chips zu ergattern. Tierkarten angelockter Tiere werden neben dem Tableau gesammelt, um während der Partie eine möglichst lange Kette aus Tierkarten zu bilden. Zusätzlich sammeln wir Runde um Runde weitere Karten, um Sets zu bilden, die wir jedes Rundenende werten.
Die Karten, die wir dazu benötigen, liegen auf unterschiedlichen Plätzen auf dem Tisch („Sammelplätze“). Je ein Kartenstapel liegt zwischen benachbarten Spielenden, ein weiterer zentral in der Tischmitte. Wer an der Reihe ist, schaut sich zunächst die verdeckten Karten des links liegenden Stapels an und entscheidet, ob man sie nehmen will. Möchte man die Karten nicht, werden sie auf ihren Platz zurückgelegt und mit einer weiteren Karte vom Nachziehstapel ergänzt und man darf die Karten des zentralen Stapels anschauen. Auch hier dann wieder die Entscheidung nehmen oder liegenlassen und ergänzen. Das wiederholt sich anschließend auch beim dritten Kartenstapel, rechts vom aktiven Spieler, sofern auch die Karten vom zentralen Stapel nicht genommen wurden. Gefallen auch die Karten vom dritten Kartenstapel nicht, bleibt nur noch, eine Karte unbesehen vom Nachziehstapel zu nehmen und diese der eigenen Auslage hinzuzufügen.
In der Auslage entstehen so unterschiedliche Sets, die entweder am Rundenende Punkte bringen oder einen sofortigen Effekt haben. Einer dieser Effekte ist das Sammeln von Nahrung, die wiederum benötigt wird, um zu Beginn des eigenen Spielzugs unterschiedliche Tierkarten aus einer allgemeinen Auslage zu nehmen. Diese Tiere bringen dann ja nach Art und Typ wiederum sofortige Vorteile oder Punkte bei der Schlusswertung. Auch können diese zu einer „Kette“ zusammengelegt werden, die ebenfalls bei Spielende gewertet wird. Vorausgesetzt, die Symbole benachbarter Tierkarten passen zueinander.
Mehr Spielmechanik ist es nicht. Was bleibt, ist reines taktieren und riskieren. Nehme ich einen Stapel, in dem vielleicht eine unerwünschte Karte liegt, ich dafür aber andere Karten gut gebrauchen kann? Oder lege ich die Karten zurück und entscheide mich für den nächsten Stapel in der Hoffnung, dort nur gute Karten zu finden? „No risk, no fun“ denkt man sich häufig und wer nichts riskiert, der wird sich auch kein Vorteil herausspielen können.
Sind alle Karten des Nachziehstapels aufgebraucht, endet eine Runde mit einer kleinen Zwischenwertung. Nach drei Runden ist Schluss und es erfolgt zusätzlich zur Rundenwertung noch eine Schlusswertung, bei der die über drei Runden gesammelten Tierkarten gewertet werden („Kette“).
Meine Erfahrungen und Eindrücke
Zwar spielt sich Waldland recht schnell sehr flüssig, dennoch liegt man bei der Spielzeit eher im oberen Bereich der angegebenen 90 Minuten. Grund dafür ist der Auswahlmechanismus. Es vergeht sehr viel Zeit, bis man sich für einen der drei Kartenstapel entschieden hat. Nach jedem Stapel wird abgewogen, geschaut, geplant, riskiert. Das zieht sich und wird bei vier Personen stellenweise zu einer Downtime Geduldsprobe. Es zieht sich insbesondere in einer Partie zu viert.
Zu zweit unterscheidet sich Waldland bis auf das thematische Setting kaum vom Vorgänger „Baumkronen“ (Kosmos, 2021).
Im Allgemeinen ist das Spiel fordernd und macht Spaß. Man ist permanent damit beschäftigt, sich einen Plan zu machen beziehungsweise den gewählten Weg zu Ende zu gehen. Wann kommt das Tier, das mir fehlt, für meine Reihe? Kommt noch ein Waldbrand? Nehme ich einen Kartenstapel, obwohl unbrauchbare oder für mich negative Karten mit dabei sind? All das sind Fragen, die einem durch den Kopf gehen und ein feinfühliges Abwägen erfordern. Und genau das ist es, was hier Spaß macht. Dieses permanente Hin und Her, dieses Abwägen und Optimieren.
Waldland macht meiner Meinung nach nichts falsch und ist, was es sein will. Ein mittleres bis gehobenes Familienspiel mit taktischem Anspruch. Mir persönlich fehlt allerdings der gewisse Kick. Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll, aber es ist das Gefühl, etwas würde fehlen. Ein Gefühl, dass ich damals schon bei „Baumkronen“ hatte. Ja, ich würde es wieder mitspielen, aber ob ich es proaktiv auf den Tisch bringen würde? Ich weiß es nicht.
Spielmaterial
Stabile Papp-Marker, Holz-Marker, große Karten. Stehen gegen Ende einer Partie einige Bäume auf dem eigenen Tableau, wirkt dies schon sehr ansprechend durch die steckbaren 3D-Bäume, die in unterschiedlicher Größe auf dem Plan stehen.
Die Symbolik auf den Karten ist eindeutig und eingängig.
Einzig die Farbgebung ist etwas, was mich nicht ganz gefällt. Ja, die Illustrationen sind gelungen, aber ich finde die Farben zu grell und grundsätzlich alles etwas zu dunkel (Tiere). Kunstkritik auf tiefem Niveau, aber so wirkt es auf mich.
Für wen?
Familien, die ein solides Spiel mit ansprechendem Thema und mittlerem strategischen Anspruch suchen und nicht alles bis ins kleinste Detail durchplanen wollen.
Da ich grundsätzlich keine Solo-Spiele spiele, habe ich die Solo-Variante nur zur Kenntnis genommen aber nicht gespielt.
Ähnliche Spiele
Waldland ist die überarbeitete Neuauflage des Zweier-Spiels „Baumkronen“, erschienen 2021 bei Kosmos. Neben dem thematischen Wechsel von subtropischem zu gemäßigtem Regenwald wurde das Spiel jetzt für 2 bis 4 Personen konzipiert und bekam eine Solo-Variante.
Fazit
Aus einem reinen Spiel für Zwei in einer Neuauflage ein Spiel für 2 bis 4 Spieler und ein Solo-Spiel zu machen, ist nicht verkehrt. Leichte Regeländerungen oder Anpassungen waren dadurch unvermeidbar, sind aber gelungen. Entstanden ist kein „WOW“-Spiel, sondern etwas ganz Solides. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
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Schaut doch mal bei den lieben Kollegen vom Beeple-Netzwerk nach. Vielleicht findet ihr unter www.beeple.de noch die eine oder andere Meinung zu diesem Spiel.
Alternativ könnt ihr immer gerne auch auf unserem und auf dem Discord-Server vom Beeple-Netzwerk nach weiteren Meinungen suchen.
© 18.01.2026 Abbildungen der Spiele und Regelauszüge ©Piatnik // Fotos: © Oliver Sack
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