First Class (Helmut Ohley, 2016)

First Class wird im Januar 2017 mit dem Beeple Award aufgrund seines herausragenden Spielspaß ausgezeichnet.Dieses ist der erste Award den das Blogger-Netzwerk BEEPLE vergeben hat.

Die Begründung und weitere Details können auf Beeple nachgelesen werden.

für 2-4 Spieler, ab 10 Jahren
Autor: Helmut Ohley
Illustration: Michael Menzel
Verlag: Hans im Glück
Vertrieb: Schmidt Spiele
Dauer: ca. 60-90 Minuten
Platzbedarf ca 145 x 90cm


Verlags-Beschreibung

Mit Volldampf in die „First Class“: Wen macht der legendäre Orient-Express reich und wer bleibt auf der Strecke?

Der legendäre Luxuszug „Orient-Express“ verband erstmals 1883 Paris mit Konstantinopel und gilt immer noch als Inbegriff der Bahnreisekultur. In „First Class“ spielen wir ehrgeizige Firmengründer und direkte Konkurrenten von Georges Nagelmackers, dem Gründer und Initiator des „Orient Express“. Es geht aber auch um den ganz großen Reibach: Die Spieler sind als Geschäftsleute unterwegs und versuchen, jeweils zwei Züge möglichst luxuriös auszustaffieren, um berühmte Passagiere und zahlende Gäste anzuziehen. Auch ein gut ausgebautes, technisch einwandfreies Streckennetz wirkt sich positiv auf die Bilanz aus. Nostalgie und Bahnromantik haben im harten Business keinen Platz, finden sich dafür aber in der charmanten grafischen Gestaltung und dem Spielmaterial wieder. Bitte alles Einsteigen, sonst ist der lukrative Zug abgefahren!

Abwechslung bei der Fahrt im Orient-Express bringen fünf verschiedene Varianten (Module) von „First Class“. Zwei davon werden zu Beginn des Spiels ausgewählt und legen den Schwerpunkt des Spiels fest. Je nach gewählter Variante sind Aufträge zu erledigen: beispielsweise einen Zug mit zusätzlichen Waggons erweitern oder einfache Waggons in luxuriösere „upgraden“. Der historische Orient-Express als König der Züge war oft auch ein Zug der Könige: Kein Wunder, dass bei „First Class“ Berühmtheiten mit von der Partie sind und den Wert eines Waggons in die Höhe treiben.

Vermutlich gab es nur in Agatha Christies „Mord im Orient-Express“ ein schweres Verbrechen. Der echte Nobelzug ist vor solchem Unglück verschont geblieben. Bei „First Class“ wiederum schmuggelt sich gelegentlich ein Bösewicht an Bord. Ob er entdeckt wird, hängt von seinem Geschick und dem Spürsinn der Mitspieler ab, denn Beweise lassen sich vernichten oder anderen unterschieben.

Bei „First Class“ steigen selbstverständlich auch normale Reisende zu, die Gepäck mit an Bord bringen und für Umsatz sorgen. Und wie im richtigen Bahnbetrieb, vertraut der Orient-Express auf zuverlässige Mechaniker, die für die Sicherheit der Züge verantwortlich sind. Läuft alles wie geschmiert, kommen die Passagiere sicher zum Zielbahnhof und die Kasse des jeweiligen Betreibers klingelt.

Dauerte die Fahrt im ersten Orient-Express noch über achtzig Stunden, ist bei „First Class“ schon nach sechs Spielrunden Schluss. Gewertet wird während und am Ende des Spiels, sodass sich der Gewinner – der Spieler mit den meisten Punkten auf der Zählleiste – oft erst auf den letzten Metern der Reise abzeichnet.


Quelle: PM Schmidtspiele / Hans im Glück, 2016


Was der Pragmatiker wissen möchte

Klasse Spiel! unbedingt ausprobieren!


Unser Spielgefühl

„First Class“ hat mich von der ersten Partie an absolut überzeugt. Schönes, hochwertiges Material, schöne Illustrationen und eine sehr gut ausgearbeitete Spielregel sind mit ein Grund für meine Begeisterung. Aber auch die Spielmechanik und das Thema überzeugen. Nichts wirkt aufgesetzt oder ‚gekünstelt‘ und der Spielspaß ist wie der Wiederspielreiz sehr hoch. Aufgrund des eingängigen Ablaufs und der eindeutigen Symbolik das Spieles, ist es möglich, alleine durch Zuschauen den Spielablauf zu verstehen. Es ist fast keine Erklärung notwendig, um mit „First Class“ erfahrenen Mitspielern zu spielen. Wer regelmäßig spielt, dem wird es sehr leicht fallen, rein nur durch Beobachtung der Aktionen seiner Mitspieler, sich schnell zurechtzufinden. Das habe ich bei Spielen dieser Klasse selten erlebt, zeigt aber auch, das komplexe Spiele nicht automatisch auch schwere Spiele sein müssen. So kann, wer sonst wenig spielt, den Einstieg in „First Class“ problemlos ganz alleine wagen, wenn er sich nicht von der ausführlichen Spielregel (16 Seiten) abschrecken lässt. Jetzt höre ich schon die ersten Leser jammern: 16 Seiten! So viel? Und dann kommt ja noch das Beiblatt mit 8 Seiten hinzu! – Aber das ist wirklich nicht viel und auch nichts, wovor man Angst haben muss. Die Spielregeln sind schlicht weg ‚nur‘ super ausführlich geschrieben und mit zahlreichen Beispielen versehen. Der Spieleinstieg geht wirklich schnell. Er geht sogar so schnell, das man außer in der allerersten Partie die Spielregeln fast nicht mehr in die Hand nehmen muss. Alles läuft wie geschmiert und logisch ab.

Im Spiel selbst, wird man zu Beginn, sprich in der ersten von drei Runden, recht wenig oder gar keine Punkte bekommen. Man fragt sich dann auch, ob nach dem ersten Spieldrittel überhaupt noch etwas gehen kann in Sachen Sieg. Ein Blick auf die möglichen 12-er Waggons und die bereitliegende 10 Lokomotive lassen den Glauben an ein erfolgreiches Spielende schnell schwinden. Aber das täuscht. Das Spiel nimmt wie ein echter Zug immer mehr Fahrt auf. Während man in der Ersten Runde (2 Durchgänge a 3 Aktionskarten) den Grundstock für seine Taktik legt, werden bereits zu Beginn der zweiten Runde die ersten Punkte eingefahren. Spätestens nach der zweiten Runde, wenn man erkennt, dass während der Rundenwertung eine Fülle von Kettenreaktionen ausgelöst werden kann, wird man merken, wo der Hase läuft – Pardon, wo der Zug hinfährt. Denn es sind genau diese Kettenreaktionen in den Wertungsrunden die das Punktekarusell so richtig im Schwung bringen und ungeahnte Punktequellen erschließen. Das gilt auch für die dritte Wertungsrunde, in der man noch einmal richtig Gas geben kann, um dann bei der Schlusswertung das optimale Ergebnis einzufahren.

Doch bei all den Möglichkeiten, die man selbst hat, sollte man niemals seine Mitspieler aus den Augen lassen. Nicht selten verfolgt er oder sie ähnliche Ziele. Da kann es schon das eine oder andere mal vorkommen, das einem bestimmte Karten vor der Nase weggeschnappt werden, oder die Kartenreihe in der Auslage, in der meine begehrte Karte liegt, komplett abgeräumt wird, bevor ich selbst wieder am Zug bin.

Welche Strategie oder Taktik die Beste ist, vermag ich nicht einzuschätzen. Ich habe schon probiert, mich nur auf die Waggons zu konzentrieren oder der Zugstrecke den Vorzug zu geben. Beides führte nicht ganz zum Erfolg. So das ich sagen kann, eine gute Mischung scheint das beste Rezept zu sein. Das ist aber auch abhängig von den Modulen, mit denen man spielt. Ich persönlich fühle mich ausreichend versorgt mit den Modulen A und B. Die mag ich am liebsten. Die anderen Module sind eine nette Abwechslung. Aber das ist Geschmackssache, das muss jeder selbst für sich herausfinden. Apropos Geschmackssache, auch wenn das Modul C, „Wer ist der Mörder“ thematisch im Spiel angeblich nicht fehlen darf, ist es bei mir (persönlich) durchgefallen. Ich kann mich einfach nicht damit abfinden, das ich Runde um Runde, Punkte sammeln soll, damit ich dann, wenn ich zu viele Beweise gegen mich habe, ALLE Punkte und somit das Spiel verlieren soll – nein danke! Aber das ist wie gesagt, reine Geschmackssache. Ich habe auch mit Leuten gespielt, denen gerade das Modul C sehr viel Spaß macht.


Die richtige Spielrunde

„First Class“ spielt sich zu zweit, zu dritt und zu viert absolut flüssig und spannend. Es gibt keine Unterschiede (außer im Platzbedarf). Bei der Spieldauer kann man sich dann auch ruhig auf die Verlagsangaben mit 20 Minuten pro Spieler verlassen. Ähnlich verhält es sich mit der Altersangabe, ab 10 Jahren ist absolut realistisch.


Fazit

Unterm Strich lässt sich aber sagen, das Autor und Verlag hier großartige Arbeit geleistet haben und mit „First Class“ ein wirklich herausragendes Spiel geschaffen haben. Ich bin mir sicher, das es nicht nur eine Auszeichnung für „First Class“ 2017 geben wird. Es sind nämlich genau Spiele dieser Art, die der Markt braucht. Einerseits komplex und taktisch, anderseits mit sehr niedriger Einstiegshürde für den Gelegenheitsspieler.
In diesem Sinne: Vorsicht am Bahnsteig ….

P.S.: ich finde nicht das „First Class“ wie „Russian Railroads“ ist. Es ist ähnlich, und beide Spiele sind sehr gut. Einzig die Einstiegshürde ist es, die man vergleichen könnte. Diese ist bei „Russian Railroads“ etwas höher.


Stimmen aus meinen Spielrunden:

Jutta: Tolles Material, angenehme Spielzeit, ohne eine Minute Langweile.  Spannung bis zum Ende, da man erst durch die Spielende-Karten feststellt, wer gewonnen hat.
 


© 03.01.17 Oliver Sack
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Abbildungen der Spiele und Regelauszüge © Hans im Glück / Schmidtspiele / Fotos: Oliver Sack