La Cosa Nostra (Johannes Sich, 2014)

La Cosa Nostrafür 3 bis 5 Spieler, ab 16 Jahren
Autor: Johannes Sich
Grafik: Johannes Sich
Verlag: Hard Boiled Games
Spieldauer: 60-120 Minuten


Verlags-Beschreibung

Jeder Spieler übernimmt die Rolle eines Mafiabosses und befehligt einige Gangster. Mit den Gangstern lassen sich Aktionen ausführen, vom Zigarettenschmuggel bis zum Mordanschlag.
Für die meisten Jobs benötigt man bestimmte Unternehmen. Wenn man nicht selbst über diese verfügt, muss man mit seinen Mitspielern Deals aushandeln.
 
Mit jeder Runde werden die Möglichkeiten vielfältiger, die Jobs lukrativer, die Angriffe brutaler. Dadurch wird Zusammenarbeit attraktiver und Verrat immer verlockender. Denn am Ende gewinnt nur einer – und das ist derjenige, der das meiste Geld beiseitegeschafft hat.


Quelle: www.lacosanostra-kartenspiel.de, 5/2015


Was der Pragmatiker wissen möchte

Gemeines und hinterlistiges Kartenspiel mit sehr viel Ärgerpotential.


Randinformation

La Cosa Nostra wurde im Frühling 2014 durch eine Crowdfunding-Kampagne finanziert. Es ist mit einer Endsumme von über 20.000 € das bis dato erfolgreichste Brettspiel-Projekt auf der deutschen Plattform Startnext. Mehr Informationen zu der Kampagne findet ihr auf der Startnext-Seite und dem dazugehörigen Projekt-Blog. Dort erfahrt ihr eine Menge über die Entstehung des Spiels und die Geschichte des Projekts.

Quelle: www.lacosanostra-kartenspiel.de


Über das Spiel

Im Wesentlichen erinnert „La Cosa Nostra“ an ein Deckbauspiel. Jeder Spieler hat einige Startkarten, bestehend aus Handkarten (Aufträge) und Kartenauslage (Gangster und „Geschäftsleute“). Während die Handkarten zu Beginn jeder Runde verteilt und ergänzt werden, muss jeder Spieler seine Kartenauslage selbst erweitern. Im Kern also nichts Neues.

Zu Beginn jeder Runde müssen die Spieler der Reihe nach Aufträge aus der Hand an ihre Gangster zur Durchführung verteilen. Das ist die Planungsphase. In dieser Planungsphase entscheidet jeder für sich, wie er die Runde bestreiten will.

Anschließend werden die Aufträge der Gangster ebenfalls der Reihe nach aufgedeckt und ausgeführt. Dies können entweder Kaufaufträge sein, um die eigene Auslage zu erweitern, oder Aktionskarten. Letztere bieten die Möglichkeit, seinen Mitspielern böses zu tun oder Geld zu beschaffen.

Damit sind wir beim wichtigsten Element im Spiel, Geld. Zu Beginn (natürlich) zu wenig, ist es unsere Aufgabe, so viel Geld als möglich zu verdienen. Geld braucht man auch, um seine Kartenauslage zu erweitern, denn nur so kann noch mehr Geld beschafft werden. Apropos „beschaffen“, unser Geld verdienen wir durch die Erfüllung meist illegaler Aufträge, die wir mit Hilfe zwielichtiger Handlanger zu erfüllen versuchen. Im Spiel heißen diese Handlanger „Geschäftsmänner“, was vor dem Mafia-Hintergrund natürlich seine zweifelhafte Berechtigung hat. Nun ist es aber meist so, das man selbst zwar einen lukrativen Auftrag auf der Hand hat, diesen aber nur dann von einem eigenen Gangster durchführen lassen kann, wenn man bestimmte Voraussetzungen erfüllt. Voraussetzungen können Firmen und/oder bestimmte Geschäftsmänner sein. Hat man die benötigten Karten in seiner Auslage, gut, man kann den Auftrag durchführen, um damit Geld zu verdienen. Fehlt allerdings die eine oder andere Bedingung, so bleibt einem nichts anderes übrig, als sich Hilfe von Mitspielern zu suchen. Diese Form der Interaktion ist durchaus erwünscht und unabdingbar für das Spiel und das eigene Ziel. Brauche ich zum Beispiel einen „Beamten“, den ich selbst nicht habe, so kann ich mir dessen Dienste „ausleihen“. Wie solche Deals ablaufen können, steht jedem Spieler völlig frei. Man kann seine Karten gegen Geld zur Verfügung stellen, per Vorkasse oder zahlbar nach Auftrag. Wie gesagt, alles ist möglich, nichts muss, alles kann! Natürlich stellt mitunter eine kleine Erpressung eine weitere Möglichkeit eines Deals dar, aber man sollte dabei beachten, dass sich der eine oder andere nicht erpressen lässt und eventuell eine Konter-Aktion gegen die eigene Auslage startet. Je nach Spielrunde kann dies vom „einfachen“ Verprügeln, Sabotieren oder Abwerben bis hin zu einer Autobombe reichen. Das Repertoire an Gemeinheiten ist im Spiel enthalten, potenziert sich aber mit den perfiden Gedanken der Mitspieler. Nichts muss, alles kann. Das ist der Punkt, wo sich „La Cosa Nostra“ von anderen Deckbauspielen unterscheidet. Denn „La Cosa Nostra“ kann nicht nur gemein sein, es IST gemein. Wer es versucht, ohne Gemeinheiten zu spielen, wird sehr schnell zum Spielball zwischen den Fronten der Mitspieler und kommt garantiert voll unter die Räder.

Vergessen zu erwähnen habe ich jetzt nur noch die Würfel. Sie werden teilweise benötigt, um über Erfolg oder Misserfolg zu entscheiden, lassen sich aber durch „Ereigniskarten“ gelegentlich auch anpassen/manipulieren.


Unser Spielgefühl

„La Cosa Nostra“ ist bei uns in der Familie und der Testgruppe sofort sehr gut angekommen. Es ist einfach einmal etwas anderes. Allerdings macht es nur Spaß, wenn man wirklich gegeneinander und nicht für-einander spielt. „La Cosa Nostra“ lebt von der Interaktion, der Gemeinheit und Niedertracht eines jeden Mitspielers. Provokation, Rache und Hinterlist sind existenziell für den Erfolg im Spiel. Dazu gehört auch einmal, ein gegebenes Versprechen zu brechen und Deals platzen zu lassen. Jeder ist sich selbst der Nächste.
 

Allerdings sollte man nie die möglichen Konsequenzen außer Acht lassen, wenn man einem Mitspieler schaden zufügt. Meist kommt die Retourkutsche schneller und härter, als man denkt.

Wer kommunikative Karten- und/oder Deckbauspiele mag, der sollte einmal „La Cosa Nostra“ ausprobieren. Zwar ist es aufgrund der Thematik sicher nicht jedermanns Sache, aber einen Blick ist’s wert.


Persönliche Erfahrung

Ich liebe meine Familie und ich vertraue meiner Frau und meinem Sohn. Aber bei „La Cosa Nostra“ habe ich eine neue Seite kennengelernt: Im Spiel - vertraue niemandem!
Aber wie gesagt, wir hatten alle Spaß. Gemeinsam.


Memo an meine Frau:

Du schuldest mir noch die versprochenen 6.000$ ! Ich bin nachtragend, wenn es sein muss.
 
Weitere Infos zum Spiel auf: www.lacosanostra-kartenspiel.de


Wertung

Spielspaß 1,5
Material 1,5
Regeln 2,0

Über unseren Wertungsschlüssel


© 02.06.15 Oliver Sack
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Vielen Dank an HardBoiledGames & Johannes Sich, für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.
Abbildungen der Spiele und Regelauszüge © HardBoiledGames & Johannes Sich / Foto unten: Oliver Sack