Lesezeit: 8 Minuten
von Oliver
Ein Brettspiel für eine Person: Bügeln! OK, ein schlechter, sehr schlechter Witz. Aber ein prima Übergang zu Bügeleisen, was auf Englisch bekanntlich „Flatiron“ heißt und das ist wiederum der Name eines sehr bekannten Gebäudes in Manhattan, New York. Wow, das war wohl der subtilste Einstieg in eine meiner Rezensionen. Wir sprechen also über ein Spiel, dessen Thema der Bau des Flatiron Building in Midtown Manhattan ist. Direkt an der Kreuzung 5th Avenue, Broadway und 23rd Street entstand 1902 dieses markante Hochhaus, das in seiner Form, von oben gesehen, an ein altes Bügeleisen erinnert und eigentlich Fuller Building heißt.
Name: Flatiron
Für 1-2 Personen, ab 10 Jahren
Autoren: Israel Cendrero, Sheila Santos
Illustrationen: Weberson Santiago
Verlag: Ludonova (2024)
Deutsche Ausgabe: Pegasus (2025)
Spieldauer: 40-60 Minuten
Platzbedarf: ca. 80x80cm
Verlagstext
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In Flatiron schlüpfen zwei Spielende in die Rolle von Baufirmen, die sich am Bau des ikonischen Gebäudes beteiligen und versuchen, dabei möglichst viele Siegpunkte zu erzielen. Abwechselnd führen sie Züge aus, indem sie ihre Spielfigur um das Gebäude bewegen und anschliessend eine Aktion der umliegenden Strassen oder der City Hall ausführen. Das bedeutet, dass sie entweder die Aktionen der gewählten Strasse auf ihrem Firmenplan abhandeln, neue Karten kaufen oder sich zwei 2 Dollar nehmen dürfen. Ausserdem können sie auch jederzeit die City Hall besuchen und dort Karten kaufen, die am Spielende wertvolle Punkte einbringen können. Über bestimmte Aktionen wächst das Gebäude währenddessen nach und nach in die Höhe und sobald das Dach gebaut wurde, folgt die Schlusswertung. Wer konnte sich beim Bau am besten verwirklichen und gewinnt das Duell?
Quelle: www.pegasus.de, Juni 2025
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Das Spiel
Wir bauen gemeinsam fünf Etagen des legendären Gebäudes. Jede Etage steht auf drei Säulen. Jede Säule und jede Ebene, die wir bauen, bringen Punkte. Punkte wiederum können uns zwischendurch zusätzliche Boni einbringen.
Was wir bauen dürfen, entscheiden wir Runde für Runde selbst, indem wir uns auf unserem Spielertableau (=Firma) für eine von vier Spalten entscheiden. Es gibt Spalten, mit deren Hilfe wir neben dem Erwerb von Säulen auch unsere Kasse aufbessern, ein oder zwei Säulen platzieren oder eine neue Etage errichten können. Zusätzlich können wir vom Hauptspielplan Karten erwerben, die wir unseren vier Spalten hinzufügen können, um die Anzahl der Aktionen pro Spielzug zu erhöhen.
Aber hier wartet bereits das erste Dilemma auf uns. Jede Karte, die wir unserem Tableau, unserer Firma hinzufügen, bringt uns zusätzlich Ruf-Punkte (Symbol: Daumen hoch oder runter) ein. Diese können positiv oder negativ sein. Während des Spiels ist dies noch egal, aber am Ende des Spiels gibt es Punktabzug für Spalten mit negativer Ruf Bilanz und Bonus-Punkte für positive Spalten. Da wir durch die Karten zusätzliche Aktionen bekommen, die wir auch dringend benötigen und wollen, gilt es abzuwägen, ob man sich positive oder negative Ruf-Punkte einhandeln möchte. Wer hier gut plant, kann dafür sorgen, dass die Ruf-Bilanz immer ausgeglichen oder bestenfalls positiv bleibt. Am Ende wird man jedoch feststellen, dass man die eine oder andere Spalte entgegen jeder Planung dann doch negativ abgeschlossen hat.
Um an die Karten zu kommen oder um eine Spalte auf dem Spielertableau zu aktivieren, müssen wir unsere Spielfigur auf eine der vier Strassen-Felder auf dem Hauptspielplan platzieren. Dort platziert, hat man jetzt die Wahl, entweder eine Karte von dort zu kaufen, um diese passend einer der vier Spalten des eigenen Tableaus hinzuzufügen, oder um die Spalte des Tableaus, welche der gewählten Strasse entspricht, zu aktivieren. Alternativ dazu kann man seine Spielfigur auch zur City Hall (dem Rathaus) bewegen, um dort Aktionen wie „Dollars nehmen“ oder Karten für die Schlusswertung zu erwerben. Letztere werden ebenfalls einer der vier Spalten auf dem Tableau hinzugefügt und bringen ebenfalls positiven oder negativen Ruf mit.
Damit man sich nun aber keine langen Aktionsreihen in den Spalten zulegen kann, ist die Anzahl der Karten pro Spalte, die man oben oder unten hinzufügen kann, auf nur drei Karten begrenzt. Nicht selten ein weiteres Dilemma in der Planung.
Meine Erfahrungen und Eindrücke
Flatiron spielt sich sehr flüssig, auch wenn gelegentlich etwas Downtime mit im Spiel ist, auf der Suche nach einer guten Aktion. Aber von permanenter „Analyse Paralyse“ kann hier nicht die Rede sein. Die Spielregeln selbst sind lückenlos und gut strukturiert und wenn man etwas sucht, ist es schnell zu finden. Was allerdings in meinen ersten Runden immer wieder der Fall war, war das „Auslassen“ von kleinen Regeldetails. So wurde zum Beispiel in einer Partie vergessen, dass beim Vollenden einer Etage die obersten Karten der Kartenstapel ausgetauscht werden. In einer anderen Partie wurde das Verteilen der Zeitungs-Boni schlicht unterschlagen, sodass nur der aktive Spieler einen Bonus bekam. Diese Fehler sind allerdings nicht durch Spiel oder Regelwerk zu erklären, sondern schlicht auf die eigene Unaufmerksamkeit. Oder besser gesagt, beim intensiven Planen des eigenen Zuges diese Details übersehen.
Apropos Details. Es gibt so einige Dinge, die man im Auge behalten muss. Wann baut man eine Säule, wann zwei und wann wartet man lieber einmal ab, was der Gegenspieler tut. Timing ist wichtig und manchmal gelingt es auch, den Mitspieler in eine Situation oder eine Entscheidung hineinzuzwingen. Dann hat man kurzzeitig einen Vorteil. Gelingt es allerdings, diesen kleinen Vorteil öfters für sich zu entscheiden, kann das durchaus Spiel entscheidend sein.
Etwas mühsam in den ersten Partien ist die Symbolik auf den Karten und Etagen-Plättchen. Um nicht immer wieder die Bedeutung nachlesen zu müssen, braucht es ein paar Partien, obwohl bei näherer Betrachtung vieles logisch erscheint. Aber auch hier kommt es manchmal aufs Detail an.
Eine erfolgversprechende Strategie konnte ich bislang nicht finden. Es scheint alles sehr ausgewogen zu sein und meist sind die einzigen Vorteile auf vermeintliche Fehler des Gegners zurückzuführen. Sobald sich die Fehler jedoch ausgleichen, wird es ein Schlagabtausch, bei dem am Ende nur eine sehr geringe Punktedifferenz zu erwarten ist. Verpasst man allerdings im richtigen Moment nachzuziehen, ist ein Vorsprung fast nicht mehr einholbar. Da hilft auch die Schlusswertung nur bedingt.
Apropos Schlusswertung, die Sache mit dem „Ruf“ einer Kartenspalte hat mir besonders gut gefallen. Gute Karten bringen negativen Ruf, weniger interessante Karten bringen positiven Ruf. Dies zwingt einem zu einer ausgewogenen Mischung. Ebenfalls gefällt der Zeitungsjunge, der dem aktiven Spieler zwei Vorteilplättchen beschert, von denen er eines behält und das andere dem Gegner geben muss, sehr gut. Auch, wenn das Abgeben von Plättchen, wenn man zwei gute gezogen hat, manchmal schon ein wenig weh tut.
Spielmaterial
Das Spiel besticht durch eine sehr gute Materialqualität. Stabile Papp-Marker, gutes Kartenmaterial und Holzmarker. Die drei Spielfiguren aus Holz haben allerdings leichte Schwächen. Sie fallen sehr leicht um. Das hätte man etwas besser machen können.
Für wen?
Trotz thematischer Umsetzung ist Flatiron eher für Taktiker und Strategen, weniger für Freunde thematischer Spiele geeignet. Das Thema wird recht schnell in den Hintergrund gedrängt und verliert an Bedeutung, da die Mechanik im Vordergrund steht.
Ähnliche Spiele
Sucht man bei bekannten Zweierspielen nach Vergleichen, so gibt es einige die ein ähnliches Spielgefühl vermitteln. Flatiron ist hier absolut im Durchschnitt. Jedoch kann man es, mit Spielen wie Targi oder Catan Duell (beide Kosmos), nicht vergleichen. Diese spielen in puncto Mechanik, Strategie und Spieltiefe in einer anderen Liga!
Fazit
Mit Flatiron liegt ein gutes, solides Zweierspiel auf dem Tisch, das durch die kurze Spieldauer von circa 30 Minuten zu einer sofortigen Revanche einlädt. Gut ausgewogene Mechanik bei überschaubaren Regeln dienen dem Spielspaß. Die meist knappen Ausgänge verhindern frühen Frust und Kapitulation, da immer das Gefühl bleibt, die Partie drehen zu können. Auch dann, wenn es eigentlich schon ausweglos erscheint.
Flatiron, ein fluffiges, strategisches Spiel für Zwei, das einen Blick wert ist.
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Alternativ könnt ihr immer gerne auch auf unserem und auf dem Discord-Server vom Beeple-Netzwerk nach weiteren Meinungen suchen.
© 10.07.2025 Abbildungen der Spiele und Regelauszüge ©Pegasus // Fotos: © Oliver Sack
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