Juicy Fruits Titel
Lesezeit: 7 Minuten

Juicy Fruits war eigentlich ein Spiel, bei dem nicht Früchte, sondern Roboter die Hauptrolle spielten. Doch die Erfahrung der Köpfe hinter Deep Print Games haben das Thema familientauglich und ansprechend angepasst. Neben dem Anbau und der Ernte exotischer Früchte können diese als Zahlungsmittel für Investitionen, zum Handeln oder für die Weiterverarbeitung zu Säften verwendet werden. – Multi-Use-Fruits quasi. – Immer mit dem Ziel zu punkten. Als Motor des Spiels dient ein Mechanismus, der ein wenig an Schiebepuzzles erinnert und manchmal recht tricky sein kann. Nur bei der Interaktion und dem Spiel zu zweit bleiben dann doch ein paar Fragezeichen übrig.

juicy fruits box

Name: Juicy Fruits

Für 1 bis 4 Personen, ab 8 Jahren

Autor: Christian Stöhr

Illustrationen: Annika Heller

Verlag: Deep Print Games

Vertrieb: Pegasus Spiele

Spieldauer: ca. 30-50 Minuten

Platzbedarf: ca. 100x100cm zu viert

Verlagstext

Bei Juicy Fruits züchten die Spieler schmackhafte Früchte auf ihrem eigenen kleinen Inselparadies. Ihr Ziel ist es dabei, mehr Punkte als die anderen zu machen, indem sie Schiffe mit Obst beliefern und touristische Gewerbe auf ihrer Insel ansiedeln.

Clevere Planung und gutes Timing sind wichtig, da das Beliefern von Schiffen zwar wertvollen Platz schafft, aber den Mitspielern auch die Chance gibt, die besten Gewerbe wegzuschnappen. In jeder Runde verschieben die Spieler bei Juicy Fruits ein Ernteplättchen und erhalten so viele Früchte einer Sorte, wie sie es freie Felder weit geschoben haben. Danach können sie eines der ankernden Schiffe beliefern oder ein Gewerbeplättchen erwerben. Später im Spiel können auch diese verschoben werden, um ihre Sonderfunktion zu aktivieren.

Das ebenfalls enthaltene Modul „Saftfarbik“ bietet zusätzliche Varianz für erfahrene Spieler.

Quelle: Deep Print Games

Spiel und -ablauf

Jeder Spieler bekommt ein eigenes Spieltableau, welches eine quadratische Insel mit 5×5 Spielfeldern zeigt. Die vier Strände sind mit jeweils mit drei Booten besetzt, die Eckfelder sind zunächst leer. Auf dem in der Mitte verbliebenen 3×3 Raster liegt auf jedem zweiten Feld ein Obstkorb mit je einer der fünf Früchte (Banane, Orange, Limette, Granatapfel und Mangostane)

Anmerkung: Ja, auch wir mussten erst einmal googeln, was eine Mangostane ist. Klingt jedenfalls so schon mal sehr exotisch und lecker, wenn man dem Internet glauben darf.

Von den zwei der drei möglichen Aktionen kann man zu Beginn in seinem Zug zunächst nur eine anwenden:

Früchte sammeln.

Hierzu schiebt man ein Obst-Plättchen auf seinem Tableau orthogonal auf ein freies Feld und bekommt pro Feld Zugweite das entsprechende Obst aus dem Vorrat. Nun ist der nächste Spieler an der Reihe. Reihum wird also zunächst einmal ein Vorrat an Früchten angelegt, bis man sich zusätzlich noch die zweite oder später alternativ die dritte Aktion leisten kann. Wir haben dann die Wahl zwischen Boote beliefern oder Gewerbeplättchen kaufen und bauen.

Boote beliefern

Kann man die auf einem Boot abgebildeten Früchte vorweisen, gibt man diese ab, entfernt das Boot und bekommt dessen Punkte sofort gutgeschrieben. Jetzt ist zudem auch ein weiterer Platz im Schieberaster frei, was die Ernte erhöhen kann und Bauplatz schafft für Gewerbeplättchen.

Gewerbeplättchen bauen

Diese Aktion ist schon etwas teurer. Hier darf man sich jetzt genügend Frucht-Kapital vorausgesetzt, auf dem Immobilienmarkt bedienen. Es liegen dort in Abhängigkeit von der Spielerzahl bis zu 20 verschiedene Gewerbeplättchen aus. Wer sich eines dieser Plättchen kaufen möchte, zahlt die Kosten dafür, nimmt das Plättchen und platziert es auf seinem freien Raster. Zur Auswahl stehen Plättchen, die Punkte einbringen bei der Schlusswertung, Vorteile beim Ertrag oder zusätzliche Möglichkeiten durch Schieben zu punkten. Letzteres sind die Eisdielen, die im Spiel zusätzlich während der Schiebephase beliefert werden können.

Doch egal welches Plättchen man nimmt und bei sich platziert, es schränkt den Platz im Raster für zukünftige Schiebebewegungen ein. Das gilt besonders für die großen Plättchen, die zwei oder vier Felder belegen und nicht mehr verschoben werden können. Wer diese zugegeben lukrative Plättchen baut, der bekommt zwar Punkte, sperrt sich aber unter Umständen selbst ein.

Spielende triggern

Bei jedem Kauf eines Gewerbeplättchens wird ein „Bauzertifikat“ fällig. Dieses wird auf einer Countdown-Leiste markiert. Landet der Marker bei Null, was je nach Spieleranzahl unterschiedlich lange dauert, wird die laufende Runde noch zu Ende gespielt und anschließend erfolgt die kurze Schlusswertung. Es ist also sehr wichtig, diesen Countdown immer im Auge zu behalten, weil auch andere Spieler hier ein zu frühes Spielende provozieren können, was meist nicht in die eigenen Pläne passt.

Saft-Erweiterung bei Juicy Fruits

JF SafterweiterungBei der Saft-Erweiterung kommt eine vierte Aktionsmöglichkeit hinzu, bei der wir Früchte in Punkte umwandeln können. Hier werden jetzt bis zu zwei eigene Marker entlang eines „Fließbandes“ bewegt. Jede Bewegung kostet Früchte und bringt immer wieder zusätzliche Punkte. Gleichzeitig wird das Sammeln und Horten von Früchten etwas ausgebremst. Man kann quasi in jedem Zug etwaige „Restposten“ aus der Fruchternte nochmals ausgeben, wenn diese sonst im Moment für nichts zu gebrauchen sind.

Unsere Eindrücke

Juicy Fruits ist sehr zugänglich und hat leicht verständliche Regeln. Ruck-Zuck ist man im Spiel drin. Das ist besonders für die Zielgruppe (Familien) sehr angenehm. Aber auch Gelegenheitsspieler kommen hier auf ihre Kosten. Allerdings bietet das Spiel relativ wenig Interaktion. Die einzelnen Spielzüge werden gerade im ersten Drittel der Partie mehr abgearbeitet als gespielt. Zu gering sind die Möglichkeiten zu gering die Ernte zu Beginn der Partie.

Der Schiebepuzzle-Mechanismus führt auch dazu, dass man sich gezwungener Maßen mit Logik und Planung auseinandersetzen muss, will man möglichst ertragreich agieren. Juicy Fruits hat dabei einen ganz besonderen Kniff. Um möglichst viel Platz zum Schieben zu erhalten, versucht man so schnell wie möglich die Boote an den vier Stränden zu beliefern, um deren Platz als weiteren Schiebeplatz zu erhalten. Doch was macht der Spieler auf der Jagd nach Punkten? Er baut den gewonnenen Platz mit neuen Schiebeplättchen oder Gewerbeplättchen wieder dicht! Ein Teufelskreis? OK, die Gewerbeplättchen bringen lukrative Punkte und so eine Eisdiele kann schnell zu einer Punktemaschine mutieren, aber es nimmt uns eben wieder den Platz weg, den wir ein paar Züge zuvor mühsam freigeräumt haben. Hier den richtigen Moment, den richtigen Zeitpunkt zu finden, ist der Schlüssel zum Sieg und das ist nicht ganz einfach, da man immer auch seine Mitspieler im Blick haben sollte, bevor man unverhofft vom Spielende überrumpelt wird.

Das Spiel zu zweit konnte uns nicht wirklich überzeugen. Alles wirkte hektisch und reduzierte sich auf einen schnellen Schlagabtausch, der recht schnell auch dröge wirkte. Obwohl das Spiel zu 90 % keine Interaktion hat, macht es zu dritt oder zu viert doch deutlich mehr Spaß und wirkt weniger hektisch.

JF StrandplättchenAufgefallen sind uns noch drei ganz besondere Situationen im Spiel. Erstens, bei der Verteilung der Boote zu Beginn des Spiels kann es passieren, dass ein Spieler vergleichsweise viele teuere 8er Boote bekommt, andere eher viele 1er, und 2er. Obwohl ja aus zwei getrennten Beutel die Boote gezogen werden. (Ein Beutel beinhaltet die 1er, 2er und 4er, der andere 4er, 6er und 8er.) Dies bewirkt ein leichtes Ungleichgewicht, denn es ist einfacher, schnell kleine Boote zu beliefern und dadurch Platz am Strand zu schaffen, was höhere Ernten bedeutet. Die 8er bringen zwar mehr Punkte, aber es ist schwerer diese zügig zu beliefern um den Platz zu bekommen am Strand. Hier wäre uns eine gleichmäßigere Verteilung lieber.

Zweitens das Gewerbeplättchen „4 Punkte pro leerem Strand“. Im Zusammenspiel mit vielen kleinen Booten ist dieses Plättchen relativ einfach zu erfüllen. Die dritte starke Möglichkeit zu punkten sind die Eisdielen. Wer hier geschickt plant, kann Ruck-Zuck bis zu 48 Punkte in einem Zug machen, was ungefähr 30-40 % des Endergebnisses ausmachen kann. Allerdings muss man hierfür auch recht lange Früchte sammeln. In der Kombination „leerer Strand“ und „Eisdiele“ ist der Sieg dann so gut wie sicher. Allerdings darf man hier eines nicht vergessen. Von den 24 Gewerbeplättchen sind nie alle im Spiel. Es kann also auch sein, das o.g. Plättchen in einer Partie gar nicht zur Verfügung stehen.

Noch ein Wort zur Saft-Erweiterung. Die braucht man jetzt nicht wirklich, denn sie zieht das Spiel nur in die Länge, ohne wirklichen Mehrwert. Ja, es kommt eine weitere Aktionsmöglichkeit hinzu. Ja, es gibt extra Punkte zu ergattern. Nein, es macht das Spiel nicht interessanter, nur eben länger.

Solo-Variante bei Juicy Fruits

Im Spiel inkludiert ist ebenfalls eine Solo-Variante oder wenn man es ganz genau nimmt sogar vier Solo-Varianten mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Da ich ja nicht der Solo-Spiele-Fan bin, hat es mich absolut nicht gereizt, dies Variante(n) zu testen. Für mich sind Gesellschaftsspiele eben etwas, was man in Gesellschaft und nicht alleine spielt.

Aber ich kenne Leute, die gerne solo spielen.

Schaut doch mal bei den lieben Kollegen vom Beeple-Netzwerk vorbei.

Fazit

Juicy Fruits ist kein Spiel, das Vielspieler begeistern wird. Soll es auch gar nicht. Zielgruppe sind ganz klar Familien und Gelegenheitsspieler. Unter dieser Betrachtung macht Deep Print Games alles richtig. Schneller Einstieg, einfache und eingängige Regeln, angenehme Spielzeit. Dazu noch schönes Material und das ansprechende Thema, alles lädt ein zu einer Partie Juicy Fruits.

Bleibt noch die Frage: „Taktisch spielen“ oder doch einfach nur „aus dem Bauch heraus“? Egal, aber früher oder später entwickelt man eine Taktik alleine aus der Erfahrung und der notwendigen Logik, sodass man von ganz alleine anfängt, taktisch und planerisch zu spielen. Nicht zuletzt, wenn man eine der beiden Punktemaschinen für sich entdeckt hat.

© 24.08.2021 Oliver Sack – Abbildungen der Spiele und Regelauszüge ©Pegasus / Deep Print Games / Fotos: © Oliver Sack

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Der Einfachheit halber, verwende ich meist die maskuline Schreibweise in meinen Texten. Wenn ich von „Spieler“ schreibe, meine ich natürlich immer auch „Spielerinnen“ bzw. „Spieler m/w/d“