Titelbild Cantaloop 1
Lesezeit: 4 Minuten

Mit Cantaloop von Lookout Games kommt ein weiterer Verlag und reiht sich ein in die Liste der Point’n’Click Adaptionen für den heimischen Spieltisch. Dabei schwimmt man nicht einfach so auf der Welle mit, sondern hebt sich auf seine Art auch ab. Diesmal wurde bei Cantaloop nicht nur das Point’n’Click System angewendet, sondern gleich noch mit Abenteuer-Büchern kombiniert. Das Ganze noch gepaart mit einem eigenen Code- und Zahlensystem und fertig ist ein neues, anderes Spielerlebnis. Ob sich das System am Markt behaupten wird, bleibt abzuwarten. Potenzial steckt auf jeden Fall drin.

Cantaloop Cover

Titel: Cantaloop

Untertitel: Buch 1 – Einbruch in den Knast

Für 1-4 Point- und Clickende, ab 16 Jahren

Autor: Friedemann Findeisen

Illustration: Kerstin Buzelan & Johannes Lott

Verlag: Lookout Games

Vertrieb: ASS

Spieldauer: 5-7 Stunden (!)

kann problemlos unterbrochen werden

 

Platzbedarf: ca. 100x100cm

Verlagstext

Im ersten Teil der Cantaloop-Trilogie verkörperst du den Kleinkriminellen Oz „Hook“ Carpenter, der soeben aus dem Exil zurückgekehrt ist und sich nun an dem Mann rächen will, der ihn hintergangen hat. Doch das ist leichter gesagt, als getan: denn alleine kommst du gegen den mächtigsten Ganoven der Stadt nicht weit. Also suchst du dir ein Team von Leuten, mit deren einzigartigen Fähigkeiten dein Unterfangen einen Hauch einer Chance hat …

Erkunde 20 wunderschön illustrierte Schauplätze, unterhalte dich mit Charakteren und löse knifflige Rätsel, um deine Crew zusammenzustellen in diesem Buch, das „Point’n’Click“-Spielen nachempfunden ist. Suche und sammle Gegenstände, die du an den einzelnen Orten clever einsetzen oder gar kombinieren musst, um weiterzukommen.

Quelle: www.lookout-games.de

Cantaloop - Spielsystem/-Ablauf

Codekarte CantaloopDer Einstieg und der Start ins Spiel sind supereinfach. Das Buch bietet einen Prolog zur Einstimmung in die Geschichte sowie eine einfache und ausführliche Einführung in das Material und die Spielregeln. Alles Weitere lernt man automatisch beim Spielen. Texte zu den Orten und Aufgaben der Geschichte stehen entweder im Buch, direkt neben dem Bild der aktuellen Szene oder auf einem Beiblatt.

Um den Spielfortschritt festzuhalten, wird zudem auf einer separaten Karte dokumentiert, welche Errungenschaften, Entdeckungen oder Fortschritte gemacht wurden. Clever gelöst durch ein 9×9 Raster A, B, C,… und 1, 2, 3,… (fast wie bei Schiffe versenken).

Unsere Eindrücke zu Cantaloop

(spoilerfrei)

Wie immer bei Abenteuerspielen mit einer fertigen Story, in der man sich bewegt, so haben wir auch nur eine einzige Partie als Grundlage für unsere gesammelten Eindrücke.

Die Einführung und Einleitung ins Spiel ging superflott und mit sehr wenig Vorbereitung konnten wir direkt starten. Das Buch leitet dabei nicht nur durch die Story, sondern auch gut durch die Regeln. Ist man dann in einem Szenario bietendes Bild alle Informationen zum derzeitigen Ort und gleichzeitig eine Liste mit Codes und Texten, die zu dieser Szenegehören. Mittels einer Code-Karte werden dann Text-Codes Identifizierung können bequem mithilfe der roten Folie nachgelesen werden. Das gilt auch für alle Gegenstände, die man hat. Kombiniert man diese, wird ebenfalls ein Code generiert, der dann in deiner „Inventarliste“ wiederum die Texte bereitstellt. Auch diese Texte werden dann mit der roten Folie gelesen.

 

Spielmaterial Cantaloop

Immer wieder kommt man auch mit Personen ins Gespräch, was hier ganz gut über einen Dialog gelöst wurde. Diese Dialoge werden dann mal mit, mal ohne rote Folie gelesen. Ganz stimmungsvoll wurde es, wenn man die Dialoge abwechselnd liest. Allerdings kommt hier jetzt unser erster Kritikpunkt. Die Dialoge sind teilweise zu lang und das lesen wird fast schon zur Last. Manche Dialoge sind auch unnötig die Länge gezogen und wirken gezwungen lustig. Das war nicht unser Geschmack.

Neben den Dialogen an sich haben uns auch manche Rätsel gestört, die man ohne Hilfe nur lösen kann, wenn man ein bestimmtes Buch gelesen oder einen bestimmten Film gesehen hat. So hatten wir zum Beispiel einmal die Situation, dass wir trotz der Lösung etwas ratlos waren und sich der Sinn erst nach dem Spiel durch Internetrecherche klären lies. Das war unbefriedigend.

Aber die Hilfefunktionen an sich ist sehr gut umgesetzt. Die Lösung wird nicht sofort präsentiert, man wird in zwei Lösungs-Stufen darauf gebracht. So kann man auch mal einen Knoten im Hirn lösen durch einen kleinen Tipp.

cantaloop red folieDas Handling mit der roten Folie war grundsätzlich nicht das Problem und ersetzt gut eine App, die die Texte dann vorliest. Wie gesagt, es ist viel Leseaufwand und gestört haben uns lediglich die teils unnötig in die Länge gezogenen Dialoge.

Den Fortschritt im Spiel hält man auf einer Karte fest. Dies hilft zum Beispiel bei der Hilfefunktion oder bei der Text- / Codeauswahl, wenn man einen Ort wiederholt untersucht oder mit etwas interagiert. Bei der Auflösung eines Codes wird dann zum Beispiel gefragt, ob man auf der Kontrollkarte bereits bestimmte Felder angekreuzt hat. So „weiß“ das Spiel immer, wo wir sind, unabhängig vom Ort. Das ist wirklich innovativ gelöst.

Enttäuscht wurden wir eigentlich nur vom Ende der Geschichte. Nicht weil wir 6 Stunden gebraucht hatten, sondern vielmehr, dass wir uns unvollständig fühlten. Die Geschichte Warnlicht zu Ende. Auch wenn uns von vorne herein klar war, dass es sich um den ersten von drei Teilen handelt, wurde doch zu Beginn suggeriert, die Aufgabe wäre eine andere und das Spiel endet nicht nach gefühlt der Hälfte der Story. Das war schade. Jetzt sind wir einerseits gespannt, wie es weitergeht, anderseits ringen wir mit uns, ob wir uns noch einmal ein oder gar zwei lang gezogene Abenteuer antun wollen. Ich wäre bereit, meine Frau hat bereits abgelehnt.

Hätte dieses Abenteuer nur rund zwei Stunden gedauert, würde dies sicher anders aussehen.

Aber das System an sich, welches hier verwendet wird (ohne App) gefällt uns sehr. Wenngleich wir uns zusätzlich noch ein paar „versteckte Dinge“ in den Bildern gewünscht hätten.

© 20.05.2021 Oliver Sack – Abbildungen der Spiele und Regelauszüge ©Lookout Games / Fotos: © Oliver Sack

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Der Einfachheit halber, verwende ich meist die maskuline Schreibweise in meinen Texten. Wenn ich von „Spieler“ schreibe, meine ich natürlich immer auch „Spielerinnen“ bzw. „Spieler m/w/d“