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Lesezeit: 9 Minuten

von Oliver

Dass bei Brettspielen mehrere Mechaniken neu kombiniert werden, um ein neues Spiel zu entwickeln, ist nicht unüblich. Ein bekanntes Spielethema mit einer anderen Mechanik zu kombinieren ist da schon seltener. Zwei erfolgreiche Spiele komplett zu kombinieren ist hingegen sehr selten. Und genau das haben die Verlage Hans im Glück und Ravensburger jetzt getan. Die Idee war, die beiden Klassiker „Carcassonne“ (2001) und „Das verrückte Labyrinth“ (1986) zu kombinieren und dabei die beiden Autoren mit ins Boot zu nehmen, um alles zu einem neuen Spiel zu kombinieren. Was mit einer Schnapsidee bei den beiden Verlagen 2025 begann, ist nun im Handel. Und das, was dabei herausgekommen ist, überrascht mich nicht sonderlich. Die beiden Mechaniken passen wie die Faust aufs Auge. Es ist zu 100 % gelungen.

Kurz gesagt: ein kurzweiliges, spannendes und cooles Spiel – nicht nur für die Familie.

Carcassonne Labyrinth Box

Name: Carcassonne Labyrinth

Für 1 – 4 Personen, ab 8 Jahren

Autoren: Max J. Kobbert, Klaus-Jürgen Wrede

Illustrationen: Marcel Gröber

Verlagskooperation: Ravensburger und Hans im Glück

Spieldauer: ca. 30 Minuten

Platzbedarf: ca. 80x60cm

Komplexität: Logik- und Legespiel mit mittlerem Anspruch

Verlagstext

Was passiert, wenn das verrückte Labyrinth auf Carcassonne trifft?

Mit Carcassonne Labyrinth verschmelzen zwei der beliebtesten Familienspiele aller Zeiten zu einem völlig neuen Spielerlebnis. Schiebe das Labyrinth, finde verborgene Schätze und erweitere gleichzeitig deine eigene Landschaft mit Straßen, Städten und wertvollen Plättchen. Dabei entsteht weit mehr als eine Kombination bekannter Spielmechaniken: Carcassonne Labyrinth spielt sich wie ein eigenständiges Spiel, das das Beste aus beiden Welten vereint. Jede Entscheidung verändert das Spielfeld und eröffnet neue Wege zum Sieg. Für alle, die das verrückte Labyrinth lieben, Carcassonne-Fans sind oder einfach auf der Suche nach einem abwechslungsreichen Familienspiel für den nächsten Spieleabend sind.

Quelle: Ravensburger.de, September 2026

(Klicken zum Ausklappen)

Das Spiel

ccs laby labyDer Spielaufbau ist wie beim verrückten Labyrinth. In der Tischmitte liegt das Spieltableau mit einem 5×5-Raster. In der Mitte befindet sich das Startfeld, auf dem unsere Meeple stehen, und aussen verteilt, die acht „Schätze“ (Symbole), die wir einsammeln wollen. Die Plättchen, die im Labyrinth liegen, kommen uns ebenfalls bekannt vor. Diese stammen quasi aus Carcassonne. Damit geht es auch gleich weiter. Wie beim bekannten Legespiel starten wir auch hier mit einem Startplättchen. Dieses persönliche Startplättchen liegt vor jedem Spieler und bildet den Ausgangspunkt unserer Carcassonne-Landschaft, die wir bauen möchten. Zusätzlich bekommt jeder Spieler eine „Krone“ und einen Satz aus acht verdeckten Plättchen, von denen man sich eines ansehen darf. Das darauf abgebildete Symbol gilt es später zu finden (Schatzsuche). Abschliessend kommen noch zehn Carcassonne-Plättchen pro Person verdeckt auf den allgemeinen Plättchenstapel.

Los geht’s

Wer am Zug ist, zieht eines der verdeckten Plättchen aus dem allgemeinen Vorrat und schiebt dieses in das Labyrinth. Das Plättchen, welches auf der Gegenseite herausgeschoben wird, legen wir vorerst zur Seite. Nun versuchen wir mit unserer Spielfigur irgendwie über die Wege im Labyrinth von unserem Standort zum gesuchten Schatz zu ziehen. Gelingt das, decken wir das persönliche Plättchen ebenfalls auf und erhalten einen Schatz-Marker. Zum Ende des Spielzugs werden jetzt beide Plättchen an das eigene Startplättchen angelegt. Ziel ist es, wie bei Carcassonne, Städte und Strassen zu bauen und abzuschliessen.

Zwischenwertung

Jedes Mal, wenn es uns gelingt, in der eigenen Auslage eine Stadt zu schliessen, auf der Wappen abgebildet sind, bekommen wir einen Wappen-Marker aus dem allgemeinen Vorrat und sammeln diese zusammen mit unseren gesammelten Schatz-Markern. Dasselbe gilt für abgeschlossene Strassen, auf denen Wappen abgebildet sind.

Schlusswertung

ccs laby finaleNach (nur) zehn Runden endet die Partie. Jeder Spieler stapelt alle Plättchen seiner Auslage und darauf stapelt er alle Marker. Zuoberst wird nun die eigene Spielfigur gestellt. Dabei gilt folgende Regel: Wer die Anforderung der aktuellen Zielkarte erfüllt hat, nimmt statt seiner Spielfigur die Krone in seiner Farbe und stellt diese auf seinen Plättchen-Marker-Turm. Wer jetzt den höchsten Turm von allen hat, gewinnt.

Aufgaben

In jeder Partie liegen eine Zielkarte sowie mehrere Aufgabenkarten aus. Die Zielkarte gibt vor, wer am Ende der Partie seine Krone anstelle seiner Spielfigur auf den Stapel stellen darf. Dies kann zum Beispiel die Person sein, die die meisten Wappen-Marker gesammelt hat. Die Aufgabenkarten geben an, welche Bedingung man erfüllen muss, um gegebenenfalls zusätzliche Wappenmarker zu bekommen. Zum Beispiel für eine Stadt aus genau drei Plättchen oder eine Strasse aus genau vier Plättchen.

Welche und wie viele Aufgabenkarten ausliegen, ist beliebig. Es liegen genügend Aufgabenkarten bei, um hier Abwechslung zu erreichen.

 

Meine Eindrücke

Vorab: Für diese Rezension habe ich Carcassonne Labyrinth mehrfach in unterschiedlichen Besetzungen zu zweit, zu dritt und zu viert gespielt. Die Solo-Variante habe ich bewusst nicht gespielt, da ich kein Freund von Solo-Varianten bin.

Sensationell! Die beiden Spiele wurden richtig gut kombiniert. Hier ist ein Knobelspiel entstanden, das sehr gut aus dem Bauch heraus gespielt werden kann und dank der einfachen Abwicklung der Schlusswertung absolut familientauglich ist. Man kann das Carcassonne Labyrinth aber auch gut taktisch spielen, mit Fokus auf maximalen Ertrag und dabei noch versuchen, seine Mitspieler zu blockieren, indem man Plättchen nicht einfach so ins Labyrinth schiebt, sondern immer nur auf den eigenen Vorteil achtet. Klar, manchmal geht das auch schief. Das merkt man spätestens dann, wenn man merkt, dass einem zum Beispiel der Rückweg versperrt ist oder das neue persönliche Auftragsplättchen nicht sofort erreicht werden kann, weil man sich selbst blockiert hat.

Besonders reizvoll und herausfordernd wird Carcassonne Labyrinth mit den Auftragskarten, während die empfohlenen Start-Aufträge noch relativ gut zu meistern sind, bringen andere Karten schon die eine oder andere Herausforderung mit, wenn es zum Beispiel heisst: „bekomme Zusatzpunkte (Wappen) nur für Städte der Grösse 4“, oder Ähnliches. Auch die Bedingung für das Verwenden der Krone am Ende ist nicht immer abhängig von der Anzahl gesammelter Wappen.

ccs laby auslagePersönlich mag ich diese Art von Denksport sehr. Es macht Spass, sich einen Weg zu suchen, wenn der offensichtlich kürzeste Weg nicht funktioniert. Versuche ich es direkt zu erreichen oder mache ich einen Zwischenstopp und wenn ja, wo? Oder bleibe ich lieber an Ort und Stelle stehen und warte mal ab, wie sich das Spielfeld verändert, bis ich wieder an der Reihe bin? All diese Fragen stelle ich mir, wenn ich versuche, effektiv Wappen und Schätze zu sammeln. Eine Möglichkeit ist dabei nicht zu unterschätzen. Ich kann auch auf einem Randplättchen stehen oder stehen bleiben, um aus dem Spielfeld geschoben zu werden. In diesem Fall wird meine Figur auf der Gegenseite wieder eingesetzt und es ergeben sich völlig neue Wege und Möglichkeiten. Nicht immer, aber es ist eine interessante Alternative. Allerdings besteht hier auch immer die Möglichkeit, dass man von seinen lieben Mitspielern herausgeschoben wird. Dann ist es schon mal ärgerlich, aber es ist schliesslich kein kooperatives Spiel. Da muss man durch. (Memo: Danke, Schatz!)

Überhaupt sind es auch die Emotionen am Tisch, die einen Teil des Spielspaßes ausmachen. Freude, Schadenfreude und ein bisschen Frust und Ärger liegen sehr nah beieinander und es ist ein ständiges Auf und Ab der Gefühle, egal ob man am Zug ist oder nicht. Das ist, wie ich finde, gar nicht so einfach in ein Spiel zu transportieren, trägt am Ende aber viel zum positiven Spielgefühl bei.

Gespielt habe ich, wie eingangs erwähnt, in unterschiedlichen Besetzungen. Dabei waren das Spielgefühl und der Spielspass immer gleich. Zu zweit läuft es etwas planbarer, da weniger unvorhersehbare „Schiebereien“ stattfinden. Das ist im Gegensatz dazu bei vier Spielern logischerweise anders, dennoch wird es nicht zu chaotisch. Bevorzugen würde ich aber immer die Partie zu dritt.

 

Kritikpunkte

Zu kritisieren gibt es nur wenig. Das Spiel ist ansprechend gestaltet, die Regeln klar und verständlich formuliert. Das Einzige, was mich und auch Mitspieler gestört hat, ist die Kartenqualität. Statt normaler Spielkarten werden die Karten auf einem Stanzbogen geliefert und haben eine für Spielkarten ungewöhnliche Haptik und ein ungewöhnliches Format. Apropos Format: Ich bin kein Freund von Karten-Sleeves, aber hier würde ich gerne welche verwenden. Ärgerlich nur, dass es die passende Größe so nicht gibt. Hier hätte sich Ravensburger als Produzent doch einfach am Lorcana-Format orientieren können. Aber wie gesagt, das ist nur eine Kleinigkeit.

 

Für wen?

ccs laby schatzWie schon erwähnt, eignet sich Carcassonne Labyrinth für alle ab 8 Jahren. Die Familie, die lockere Unterhaltung sucht, findet hier ein kurzweiliges, schnell erlerntes Spiel, das in seiner Grundmechanik intuitiv gespielt werden kann. Vielspielern bietet das Spiel viel Abwechslung und Anspruch durch wechselnde Aufgabenkarten, die immer wieder neu kombiniert werden können, um so immer wieder vor neuen Aufgaben zu stehen. In beiden Fällen punktet auch die Spieldauer, die bei mir meist dafür gesorgt hat, gleich noch einmal eine Partie zu spielen. Es muss doch besser gehen, oder doch nicht? Egal, es war einen Versuch wert und es hat Spaß gemacht. Noch eine Runde?

 

Fazit

In erster Linie ist Carcassonne Labyrinth genau das, was es sein will: ein ansprechendes und zugängliches Familienspiel. Die beiden Klassiker waren ja auch prädestiniert für eine Fusion und die ist voll gelungen. Ich mag es sehr und es wird in nächster Zeit sicher immer wieder auf den Tisch kommen. Die Abwechslung, die Emotionen, der Knobelspaß – ein Gesamtpaket, das mir gut gefällt.

Euch ist eine Meinung nicht genug?

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Schaut doch mal bei den lieben Kollegen vom Beeple-Netzwerk nach. Vielleicht findet ihr unter www.beeple.de noch die eine oder andere Meinung zu diesem Spiel.

Alternativ könnt ihr immer gerne auch auf unserem und auf dem Discord-Server vom Beeple-Netzwerk nach weiteren Meinungen suchen.

© 06.09.2026 Abbildungen der Spiele und Regelauszüge ©Hans im Glück / Ravensburger // Fotos: © Oliver Sack

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Dies ist keine Werbung, dies ist eine rein sachliche Meinungsäußerung zu einem Produkt.
Transparenz-Hinweis: Wir bekommen keine Bezahlung für unsere Meinung zu diesem Spiel! Soweit nicht anders angegeben, wurden wir durch ein Rezensionsexemplar unterstützt.


Der Einfachheit halber, verwende ich meist die maskuline Schreibweise in meinen Texten. Wenn ich von „Spieler“ schreibe, meine ich natürlich immer auch „Spielerinnen“ bzw. „Spieler m/w/d“


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