Crew Titel quer

Angesichts der schieren Masse an Spielen, die jedes Jahr auf den Markt kommen, verliert man problemlos den Überblick. Also hat man Ausschau nach Innovationen oder auffälligen Spielen, will man etwas Abseits des Üblichen. Und hier kommt jetzt Kosmos und bringt mit Die Crew – Reist gemeinsam zum 9. Planeten ein Stichspiel – Aha. Mit Karten – ok. Soweit also rein gar nichts Besonderes. Aber, Kosmos hat auch ein kleines, kooperatives Spiel im Herbst 2019. Auch das scheint alles andere als innovativ zu sein. Das besondere ist jetzt, dass hier nur ein Spiel gemeint ist. Die Crew, ein kooperatives Stichspiel. Klingt etwas abwegig, aber das trifft auch auf Lachs mit Sauerkraut zu. Man muss es aber einfach mal probieren, man weiß ja vorher nie, wie es mundet. Und so landete Die Crew auch auf unserem Tisch. Wieder und wieder und wieder …

Eckdaten

Name: Die Crew – Reist gemeinsam zum 9. Planeten

Für 2-4 Spieler, ab 10 Jahren

Autor: Thomas Sing

Grafik: Marco Armbruster

Verlag: Kosmos

Spieldauer: ab 5 Minuten, ganz nach Belieben

Platzbedarf: gering

Crew Box

Verlagstext

Im kooperativen Kartenspiel Die Crew begeben sich die Spieler als Astronauten auf ein ungewisses Weltraum-Abenteuer. Was hat es mit den Gerüchten um den unbekannten Planeten auf sich? Ihre ereignisreiche Reise durchs All erstreckt sich über 50 spannende Missionen. Doch dieses Spiel kann nur bezwungen werden, indem gemeinsam die individuellen Aufgaben jedes Spielers erfüllt werden. Um die abwechslungsreichen Herausforderungen meistern zu können, ist Kommunikation im Team unerlässlich. Doch das ist im Weltraum schwieriger als gedacht.

Quelle: Kosmos

Das Spiel

Wie ein Stichspiel funktioniert, brauche ich an dieser Stelle wohl nicht mehr erklären. Gleiches gilt für den Kooperativen Charakter. Auch wie das funktioniert, weiß bestimmt jeder, der sich schon einmal gemeinsam mit Freunden einer Aufgabe gewidmet hat. Bleibt noch der Kampagnenmodus. Auch dieser ist nichts Schlimmes.

Worum geht es also bei Die Crew? Wir spielen gemeinsam ein Stichspiel, bei dem wir Runde um Runde versuchen, Aufgaben (Missionen) zu erfüllen. Gelingt uns dies, sind wir eine Runde weiter. Scheitern wir, fangen wir dieselbe Mission von vorne an. 50 Aufgaben oder „Missionen“ (Level) gilt es zu bewältigen, bevor wir den ultimativen Ruhmesstatus erreichen.

Crew Hand missionUm ins Spiel und den ungewohnten Mechanismus zu finden, fangen die Missionen recht einfach und vor allem lösbar an. Zum Beispiel gilt es, um eine Aufgabe erfolgreich zu absolvieren, einen Stich mit einer bestimmten Karte zu machen. Später dann zwei oder drei vordefinierte Stiche. Welche Stiche das sind, und welche Karten in einem gewonnenen Stich liegen müssen, wird zufällig bestimmt. Dazu liegt dem Spiel ein zweiter, kleinerer, identischer Satz Karten bei, aus diesem die Aufgabenkarten gezogen werden. Der Rest ist Kooperation.

Wer Stichspiele kennt, weiß, wie schwer es ist, viele Stiche zu machen, wenn man dies zuvor auch noch ansagen muss. Hier ist es etwas anders. Es ist egal, wer wie viele Stiche macht, Hauptsache der richtige Spieler bekommt mit seinem Stich die erforderliche Karte. Egal wie. So muss man also versuchen, anderen Spielern gezielt Karten zuzuschieben.

Klingt einfach, da man aber über die eigene Kartenhand nicht reden darf, kann es mit der Zeit, also mit höherem Aufgaben-Niveau, ganz schön kniffelig werden. Besonders dann, wenn zu den Aufgaben auch noch weitere Bedingungen wie Reihenfolge, Sprechverbote oder ähnliches hinzukommen.

Aber bis ungefähr zur Mission 10 ist alles noch recht easy machbar. Erst dann nimmt das Spiel so richtig Fahrt auf. Dann haben erfahrene Stichspiel-Fans vielleicht sogar leichte Vorteile, wenn sie wissen, welche Karten gespielt, beziehungsweise noch im Spiel sind. Da Die Crew aber kooperativ gespielt wird, profitieren alle von solchen Mitspielern.

Unsere Erfahrungen mit „Die Crew“

Wir hätten es nie für möglich gehalten, dass uns ein Stichspiel derart begeistern kann. Der kooperative Charakter macht wirklich das besondere Spielerlebnis aus, was es von anderen guten Stichspielen unterscheidet. Nichts gegen Skat, Schafkopf, Wizard und so weiter, das was Kosmos uns hier präsentiert, ist wirklich klasse und absolut fesselnd.

crew missionObwohl wir uns am Anfang noch etwas schwer taten, so konnten wir uns in den unterschiedlichen Gruppen doch immer während der ersten fünf Level aufeinander einschwingen und lösten die Aufgaben meist im ersten oder zweiten Anlauf. OK, wir spielen auch gerne Wizard, da hat man schon ein Gefühl für Stiche. Aber es ist doch nicht ganz so einfach, dafür zu sorgen, dass jemand einen ganz bestimmten Stich macht und dabei eine ganz bestimmte Karte gewinnt. Hier taten sich tatsächlich die Spieler leichter, die sonst eher keine Stichspiele spielen. Denn mal ehrlich, wenn ich als Stichspiel-Fan ein Stichspiel mache, will ich doch nur eins. Stiche machen – und zwar möglichst alle! Und genau von diesem Wunschdenken muss man sich bei Die Crew loslösen, auch wenn’s schwerfällt.

Es kann allerdings passieren, dass bei den Missionen, Karten (Aufgaben) aufgedeckt werden, bei denen schon von vorne herein klar ist, dass es nicht funktionieren wird. Das kommt gelegentlich vor, ist aber nicht so schlimm. Das ist der Glücksfaktor bei Die Crew.

Was hingegen aber sehr wohl, sehr gut funktioniert hat, war das Spiel in einer reinen Wizard-Profi-Runde. Hier konnte es auch sofort begeistern und es wurde Level um Level gezockt, ohne dass Langeweile aufkam.

Spielerzahl

Laut Schachtelinformationen ist das Spiel für 3-5 Spieler gedacht. Dennoch findet sich eine Zusatzregel für das Spiel zu zweit. Da dort direkt von einem Dummy-Spieler, also quasi dem dritten Mann, die Rede ist, habe ich mir diese Variante erst gar nicht angeschaut. Nach den ersten Runden war mir auch klar, warum. Ich mag keine Sonder-Zweier-Regeln und der Spaß mit 3-5 Spieler reicht mir völlig aus.

Auffällig war (und ist), dass Die Crew zu dritt und zu viert deutlich einfacher zu bewältigen ist. Wir haben in unseren Partien zu fünft meist mehrere Versuche gebraucht, eine Mission erfolgreich zu beenden. Auch unsere Mitspieler, die bereits zu dritt und zu viert gespielt haben, bestätigten dies. Zu fünft ist es echt schwer. Aber der Spielspaß in allen Besetzungen ist groß und alle wollen/wollten mehr.

Was stört an „Die Crew“

Die Kartenqualität könnte besser sein. Sie sind zwar elastisch und gut mischbar, aber sie verschleißen doch recht schnell. Das hat auch Kosmos zwischenzeitlich bemerkt und kündigt hier Verbesserungen für kommende Auflagen an.

Update vom 09.12.2019

Stellungnahme vom Kosmos-Verlag:

„Das kritische Feedback zur Papierqualität  von Die Crew hat uns etwas überrascht, weil wir einen vielfach bewährten Papierstandard verwendet haben. In vielen Spielerunden scheint Die Crew  aber so  häufig und intensiv gespielt zu werden, dass es deutlich früher als gewöhnlich zu Verschleißerscheinungen kommen kann. Damit der Spielspaß noch länger hält, werden wir  ab der zweiten Auflage auf noch stabilere Karten mit Leinenprägung  setzen. So stellen wir die Qualität des Spielmaterials auch bei sehr häufigem Einsatz sicher.“

 

Ein weiterer Punkt der mir aufgefallen ist, ist die Spielregel. Sie ist schon recht umfangreich, auch wenn man die Missionen nicht berücksichtigt. Alles wird bis ins kleinste Detail erklärt und ich hatte nicht das Gefühl, etwas sei nicht klar. Allerdings denke ich, dass Wenig- und Gelegenheitsspieler oder Familien durch den Regelumfang abgeschreckt sein könnten. Zu unrecht!

Anspielungen

crew handBei der Gestaltung der Karten gaben sich Grafiker und Verlag etwas ganz besonderes einfallen lassen. Die Illustrationen der Karten sind gespickt mit viele kleinen Hinweisen und Anspielungen. Es macht Spaß, diese zu suchen. Hier nur ein paar (weil zu offensichtliche) Beispiele:

Karte 2 ist eine Anspielung auf den Roman von Douglas Adams „Per Anhalter durch die Galaxis“ und zeigt neben Handtuch und Marvin auch eine „42“.

Auf Karte 3 spielen 2 Roboter „Schere, Stein, Papier“.

Karte 6 erinnert an das Fresko „Die Erschaffung Adams“ von Michelangelo aus der Sixtinischen Kapelle.

Karte 7, der Astronaut mit dem Vulkan-Gruß hat den Namen des Autors auf dem Raumanzug.

Legt man die Karten 1-9 jeder Farbe zusammen, ergibt sich ein Weltraum-Panoramabild.

Wie ``Die Crew`` das Netz noch bewegt

An viele Stellen, nicht nur in den sozialen Medien, wird und wurde über den „korrekten“ Titel des Spiels diskutiert und philosophiert. Heißt es jetzt „Die Crew reist gemeinsam zum 9. Planeten.“ oder doch „Die Crew – Reist gemeinsam zum 9. Planeten.“. Ehrlich gesagt, ist es doch egal! Fakt ist, der Titel des Spiels lautet „Die Crew“ und der Untertitel „Reist gemeinsam zum 9. Planeten“. Da aber das Thema ohnehin nur aufgesetzt wurde auf das Spiel und ein Weltraum-Feeling gar nicht aufkommt, verstehe ich die Diskussionen schon zweimal nicht. Wäre es ein Steinzeitthema oder gar etwas rein abstraktes, in Farbe und in bunt, wäre es auch wieder nicht recht gewesen. Aber klar, wenn sonst nichts unklar ist am Spiel, nimmt man sich eben den Namen vor. Ohje! (Meine Meinung)

Unser Fazit zu „Die Crew“

Das erste Spiel von Autor Thomas Sing beim Stuttgarter Verlag Kosmos, ist eine Kombination aus Stichspiel und kooperativem Spiel. Damit hat er ein wirklich ganz besonderes Spiel unter all den Neuheiten 2019 geschaffen. Die Crew ist eine herausragende und innovative Spielidee. Meine Mitspieler und ich sind begeistert. Auch wenn wir bislang nur knapp zwei Drittel der insgesamt 50 Aufgaben durch haben, so können wir jetzt schon sagen, dass wir hier völlig überzeugt sind und das Spiel auch guten Gewissens weiterempfehlen werden.

Andere Meinungen

Die lieben Bretterwisser haben sich in Ihrem Podcast vom 26.11.2019 auch mit Die Crew auseinandergesetzt. Diesen Podcast kann ich nur empfehlen. LINK ZUM PODCAST

Ausserdem findet ihr einige Meinungen auch beim Bloggernetzwerk BEEPLE

© 06.12.2019 Oliver Sack

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Abbildungen der Spiele und Regelauszüge ©Kosmos / Fotos: © Oliver Sack
Dies ist keine Werbung, dies ist eine rein sachliche Meinungsäußerung zu einem Produkt.


Der Einfachheit halber, verwende ich die maskuline Schreibweise in meinen Texten. Wenn ich von „Spieler“ schreibe, meine ich natürlich immer auch „Spielerinnen“ bzw. „Spieler m/w/d“ – um hier mal politisch korrekt zu bleiben, bevor jemand aus einem Loch kriecht und meckert. Das gilt übrigens auch für Grammatik und Rechtschreibung.

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