Get On Board Titel

Lesezeit: 8 Minuten

Get on Board – ein neues Flip&Write, bei dem wir mehr benötigen als nur Karten, Stift und Wertungsblock. Get on Board schafft es vielmehr, die Interaktion stärker in den Vordergrund zu stellen, damit nicht mehr jeder vor sich hin spielen muss. Es gilt also besonders gut aufzupassen, während man seine Buslinien quer durch Manhattan oder London plant. Der zentrale Spielplan in der Tischmitte ergänzt das reine Aufdecken von Karten, um so zu einer guten Wertung und einer hohen Punktzahl zu kommen. Blickfang ist aber ganz klar die Illustration. Retro – im 70er-Jahre Look. Aber nicht nur deshalb einen Blick wert, denn es hat auch viel Optimierungspotenzial wie andere abstrakte Roll&Write beziehungsweise Flip&Write Spiele und lädt ein, sich ständig zu verbessern auf der Jagd nach noch mehr Punkten.

Get On Board Box

Name: Get on Board

Für 2-5 Spieler, ab 8 Jahren

Autor: Sashi

Illustration: Monsieur Z.

Verlag: Iello

Vertrieb: Huch!

Spieldauer: ca. 20-30 Minuten

Platzbedarf: ca. 70x70cm

Verlagstext

Wir brechen auf nach London und New York, um die besten Busrouten zu planen! Optimiere deine Strecken, um deine Fahrgäste effizient zu transportieren und lass deine Gegner im Stau stehen. Um zu spielen, drehst du einfach eine neue Karte um und ziehst deine ideale Route. Erfülle deine Ziele und sammle Punkte in diesem urbanen Strategiespiel, das sowohl bei Familie und Freunden gut ankommen wird.

Quelle: hutter-trade.com

Glossar

Roll&Write : Spiele, bei denen gewürfelt wird und das Würfelergebnis auf einem Wertungsblatt eingetragen wird. Bekannter Vertreter dieses Genres: „Ganz schön clever“

Flip&Write : Spiele, meist ohne Würfel, bei denen Karten aufgedeckt und gemäß dieser Karte Eintragungen auf einem Wertungsbogen gemacht werden. Beispiel: „Trails of Tucana“

Spielablauf bei Get on Board

Wie bei vielen Flip&Write, ist der Spielablauf an sich sehr simpel. Wir decken eine allgemeingültige Karte auf, führen die Anweisung durch und notieren etwas auf unserem Wertungsblock. Nach einer bestimmten Anzahl von Runden ist Schluss und wir berechnen unsere Punkte. So weit, so gut. Soweit auch verständlich.

Get On Board Szene 1Allerdings hat der Autor uns hier noch eine weitere Hürde eingebaut. Den zentralen Spielplan. Dieser zeigt je nach Spielerzahl stilisiert den Stadtplan von Manhattan (New York) oder London. Auf diesem Spielplan legen wir unsere Buslinien aus, was zunächst unter anderem an Zug um Zug oder Trans Europa erinnert, mit dem einen Unterschied, dass sich hier jetzt keine eigenen Linien kreuzen dürfen! Das kennen wir bestimmt schon alle vom alten PC-Spielchen „Snakes“. Wir versuchen also immer schön unsere Linie zu erweitern und dabei viele im Idealfall benötigte Orte auf dem Spielplan zu erreichen. Und das läuft folgendermaßen ab.

Ablauf

Zu Beginn einer Runde bekommt jeder Spieler einen Startpunkt zugelost und erhält eine Aufgabenkarte. Diese Aufgabenkarte zeigt drei Orte, die wir versuchen zu verbinden, um am Ende zusätzliche Punkte zu erhalten. Gespielt wird über 12 Runden und in jeder Runde wird eine Busticket-Karte aufgedeckt. Diese Karte gibt vor, welche Art von Streckenabschnitt (das können ein bis drei Streckenmarker sein), gebaut werden darf. Diese Streckenform ist bei jedem Spieler eine andere und wird durch den eigenen Wertungsbogen vorgegeben.

Get On Board WertungIn der ersten Runde setzt dann jeder Spieler reihum seine Streckenmarker an seinen Ausgangspunkt und verbindet so die ersten Orte seiner Strecke. Alle diese Orte, die jetzt mit dem Ausgangspunkt verbunden wurden, werden sofort auf dem Wertungsbogen eingetragen. Die weiteren Runden folgen demselben Schema. Karte aufdecken, Strecke auslegen, Orte in Wertungsbogen übertragen. Manchmal kann es vorkommen, dass durch das Eintragen von Orten zusätzliche Boni ausgelöst werden. Dies können Punkte für die Endwertung sein oder weitere Ankreuz-Optionen auf dem Wertungsblatt.

Strafen

Bei all den Möglichkeiten, die man beim Auslegen von Strecken hat, kann es immer wieder vorkommen, dass man seine Strecke gar nicht wie vorgegeben anlegen möchte oder kann. Dann darf modifiziert werden, was allerdings Minuspunkte mit sich bringt. Apropos Minuspunkte, die bekommt man auch, wenn man sich auf einer viel befahrenen Straße bewegt oder die gewählte Strecke von einem Mitspieler bereits belegt ist.

Spielende

Am Ende der zwölften Runde ist endgültig Schluss. Das ist dann meist auch die Runde, in der man sich noch zwei weitere Runden wünscht, aber das ist ein anderes, ein persönliches Problem. Jetzt noch kurz die Pluspunkte addieren und mit den Minuspunkten verrechnen, fertig.

Anmerkungen zu Regelwerk und Spielablauf

Die Spielregeln sind, sagen wir mal, verbesserungswürdig! Wir als Vielspieler und Regel-Routiniers haben uns in der ersten Runde wirklich sehr schwergetan. Wir hatten zum Einen am Ende der zwölf Runden viel zu wenig Eintragungen auf unseren Wertungsblöcken und zum anderen auch sehr wenig Punkte insgesamt. Weit weg von den Beispielen im Regelwerk. Das lag aber nicht daran, dass wir taktisch falsch gespielt hatten, nein. Es lag vielmehr daran, dass die Regeln hier für uns nicht klar waren. Uns fehlte der eindeutige Hinweis, dass jeder erreichte Ort eingetragen werden soll und nicht nur der zuletzt erreichte beim Auslegen einer Teilstrecke entsprechend dem aktuellen Ticket.

Dazu kam noch die Verwirrung, dass unsere Startkarten (Manhattan) zufällig eine der drei Karten waren, die sich nicht mit dem Spielplan decken. Das jetzt zwar nicht so schlimm, jedoch etwas unschön. Wir hoffen, dass hier der Verlag nochmals nachbessert.

Unsere Erfahrungen und Eindrücke

Get On Board Szene 2Der zentrale Spielplan und die damit verbundene Interaktion machen Spaß. Es ist einfach einen Tick mehr als herkömmliche Flip&Write. Das führt auch dazu, dass es für einem selbst gar nicht so wichtig ist, was ein Mitspieler auf seinem Wertungsblatt notiert. Es ist viel wichtiger und interessanter, was die Mitspieler auf dem Spielplan machen, denn das hat Auswirkungen auf meine Entscheidungen und Streckenplanung. Hinzu kommt, dass je mehr Mitspieler beteiligt sind, es auch unvermeidbarer wird, sich Minuspunkte zu holen. Ist es zum Beispiel bei zwei Spieler auf dem Manhattan-Plan noch relativ einfach, sich aus dem Weg zu gehen, wird es zu dritt schon verdammt eng. Wenn man dann noch durch Staustrecken (schwarze Straßen) fahren muss, auf denen bereits die Mitspieler Strecken liegen haben, wirds auch mal richtig teuer. Doch will man seine Ziele erreichen, muss man von Zeit zu Zeit in diesen sauren Apfel beißen.

Fazit zu Get on Board

Hat man die Einstiegshürde, die Regeln gemeistert, haben wir hier ein Flip&Write Spiel, das erfrischend anders ist und wirklich Spaß macht. Relativ schnell kommt man rein ins Spiel und erkennt die Tücken in der Streckenplanung. Am Ende der (nur) zwölf Runden überkommt einem dann der Gedanke, es besser machen zu können. Das ist der Auslöser zu einer weiteren Partie, denn zwei oder drei Partien hintereinander sind überhaupt nicht langweilig und sehr abwechslungsreich. Ob die Folgepartien dann ein besseres Ergebnis bringen? Abwarten. Meist verstrickt man sich doch sehr in seinen Vorhaben, es besser machen zu können in dem Glauben, man hätte aus der Partie zuvor etwas gelernt.

Persönlich freue ich mich auf weitere Partien und bin mal gespannt, ob Iello weitere Spielpläne mit weiteren Städten und Kniffen auf den Markt bringt. Doch das ist sicher abhängig vom Erfolg und den kann keiner voraussagen.

Gedanken zur Illustration

Die Grafik erinnerte mich sofort beim ersten Anblick an den Werbestil der 1960er/70er-Jahre und daher begann ich zu recherchieren. Fündig geworden bin ich zufällig auch in der großen Online-Enzyklopädie „Wikipedia“ und bei BGG. Die Grafiken sehen tatsächlich aus, als könnten sie aus der Feder des tschechischen Malers Miroslav Šašek (1916-1980) stammen. Das Bild links zeigt einen Ausschnitt aus seinem Buch „This is London“ aus dem Jahre 1959. Vielleicht eine schöne Hommage des Illustrators Monsieur Z an Miroslav Šašek. Das ist aber reine Mutmaßung meinerseits.

Get On Board Illustration

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Alternativ könnt ihr immer gerne auch auf unserem und auf dem Discord-Server vom Beeple-Netzwerk nach weiteren Meinungen suchen.

© 27.07.2022 Oliver Sack – Abbildungen der Spiele und Regelauszüge ©Huch / Hutter-Trade / Iello / Fotos: © Oliver Sack

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Der Einfachheit halber, verwende ich meist die maskuline Schreibweise in meinen Texten. Wenn ich von „Spieler“ schreibe, meine ich natürlich immer auch „Spielerinnen“ bzw. „Spieler m/w/d“


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