Speedy Roll Titel
Lesezeit: 5 Minuten

Mit Speedy Roll (im Original „Hedgehog Roll“, erschienen bei Lifestyle Boardgames Ltd ) haben wir in diesem Jahr ein „echtes“ Kinderspiel des Jahres. Das bedeutet für uns, dass Kinder tatsächlich Speedy Roll alleine spielen können. Das war beim Vorgänger unserer Meinung nach nämlich nicht der Fall. Aber wir wollen hier nicht über die Entscheidungen anderer meckern, da auf beiden Seiten individuelle Meinungen vorherrschen und auch immer der persönliche Geschmack eine Rolle spielt. Bleiben wir also beim aktuellen Preisträger des Titels „Kinderspiel des Jahres 2020“. Dieser ging zu recht an Speedy Roll. Tolle, erfrischend neue Mechanik, gepaart mit eingängigen Regeln und einer etwas anderen Auslegung der natürlichen Fakten.

speedy-roll-box

Name: Speedy Roll

Für 1-4 Spieler, ab 4 Jahren

Autor: Urtis Sulinskas

Grafik: Irina Pechenkina

Verlag: Piatnik

Spieldauer: ca. 20 Minuten

Platzbedarf: ca. 100 x 100 cm

Auszeichnungen:
Kinderspiel des Jahres 2020

Verlagstext

SpeedyRoll-AufbauUnter dem dichten Blätterdach des Waldes beeilen sich die Igel zurück in ihr gemütliches Heim. Rollt den fusseligen Igel über den Waldboden und sammelt geschickt Äpfel, Blätter und Pilze ein, sodass ihr am Weg nach Hause möglichst weit vorankommt.

Vor jedem Spiel könnt ihr den Waldweg beliebig zusammensetzen und wählen, wie ihr spielen möchtet: Kompetitiv, also ein Wettrennen gegeneinander, bei dem der schnellste gewinnt oder kooperativ, wobei ihr alle gemeinsam gegen den schlauen Fuchs gewinnen wollt.

Quelle: www.piatnik.com, 8/2020

Unsere Eindrücke zu Speedy Roll

Speedy Roll SetupBiologisch zwar nicht ganz korrekt, aber egal, was sofort auffällt, sind die tolle grafische Gestaltung und der Mini-Tennisball. (Memo an Petra: nein, es ist kein Fußball im Spiel, es ist ein Fusselball) Von den vielen Spielplanteilen kommen je nach Variante andere Teile zum Einsatz. Denn, Speedy Roll kann man sowohl kooperativ als auch kompetitiv spielen. Das ist besonders für Kinder eine tolle Sache. Kann ein Kind nur schwer verlieren, kann zur Vermeidung eines Familiendramas mit Mama und Papa im Team gespielt werden. Verliert dann doch das Team, ist es für die Kleinen ein weitaus kleineres Drama. Ansonsten ist natürlich die kompetitive Variante das, was Kindern Spaß macht.

Das Wettrennen in der kompetitiven Variante ist gleichzeitig auch eine Flucht vor dem Fuchs. Denn wenn der Fuchs einen Igel erwischt, ist für diesen Spieler das Spiel zu Ende. Hier unterscheiden sich die beiden Varianten auch absolut nicht. Erwischt der Fuchs dein oder einen Igel, ist’s vorbei.

Der grundsätzlichen Ablauf und die damit verbundenen taktischen Möglichkeiten wurden von den Kindern mit denen wir es gespielt, beziehungsweise den Kindern die wir beobachteten, schnell und gut umgesetzt. Schnell wurde auch erkannt, dass es auch mal sinnvoll sein kann, nicht den kürzesten Weg zu nehmen. Denn, ein Igel kann nur die Felder betreten, wenn der Spieler mit dem Igel-Ball die entsprechenden (Klett-)Marker aufgesammelt hat. Doch Vorsicht, zielt man mit dem Ball zu genau, kann es sein, dass man mehr als 5 Teile aufsammelt und damit gar nicht laufen darf, während der Fuchs immer läuft. Da kann es dann schon mal eng werden.

Was uns auch gut gefallen hat, sind die vielen Möglichkeiten, das Spiel in seinem Schwierigkeitsgrad zu variieren. Die verschiedenen Speilplanteile können unterschiedlich kombiniert werde, was kurze oder lange Strecken erlaubt. Der Fuchs seinerseits kann von verschiedenen Feldern starten, was wiederum den Vorsprung der Igel vergrößert oder verkleinert. So ist das Spiel immer gut an die mitspielenden Kinder anpassbar.

Natürlich haben wir genau dies auch in unserer reinen Erwachsenenrunde probiert. Es ist schließlich ein Kinderspiel. Also haben wir uns für den schwersten Parcours und den geringsten Vorsprung vor dem Fuchs entschieden für unsere kooperative Runde. Der Spielverlauf war sofort jedem der vier Mitspieler klar. Und das Ergebnis … reden wir nicht drüber. Nicht jedes Kinderspiel ist ein Kinderspiel! Gut das uns keine Kinder zugeschaut haben, das wäre schon arg peinlich gewesen.

Materialqualität

Das Material scheint von guter Qualität zu sein. Einzig um die Klett-Marker machen wir uns etwas Sorgen. Diese verformen sich doch recht schnell, sind dabei für den Ball aber immer noch „greifbar“. Und wie lange der Ball seine Flusen behält, bleibt abzuwarten. Bisher sind uns hier keine Mängel aufgefallen.

Allerdings haben wir von einem befreundeten Händler aus der Schweiz gehört, dass sich dort die Klett-Teile auflösen. Das trat bei 3 Exemplaren auf, die er an eine Bücherei mit Ludothek geliefert hat und wurde auch umgehend vom Verlag ersetzt. Dazu muss man auch beachten, dass die Spiele dort deutlich mehr bespielt werden als Exemplare in der Familie.

Das biologische Paradoxon

SpeedyRoll-AufbauWie war das jetzt mit der eingangs erwähnten „einer etwas anderen Auslegung der natürlichen Fakten.“? – Nun, halten wir mal ganz nüchtern fest: Der Igel lebt eigentlich nicht im Wald und dort im Wald wachsen in der Regel auch keine Äpfel. Außerdem ernährt sich der Igel vorwiegend von Insekten. Aber das sind wirklich nur unwesentliche Details, die aber schon dem einen oder anderen auffallen, will man doch dem Nachwuchs auch Wissen über die heimische Flora und Fauna näherbringen. Daher wäre ein Setting auf der Wiese (Wie auf den Spielplänen auch gezeichnet) mit entsprechendem Nahrungsangebot, aus unserer Sicht, besser gewesen.

Aber wie gesagt, das ist wirklich „jammern auf hohem Niveau“, aber wir haben sonst nichts zu kritisieren gefunden 😉

Fazit

Speedy Roll FazitSpeedy Roll ist ein richtig tolles Kinderspiel mit einem hohen Aufforderungscharakter. In alle Runden, die wir gespeilt oder beobachtet haben, kamen die Kinder sehr schnell, sehr gut zurecht, sodass sie nach kurzer Zeit bereits alleine, ohne Erwachsene, spielen konnten. Gerade das „alleine“ ist es, was wir von einem Kinderspiel erwarten und das ist hier sehr gut möglich.

Beide Varianten, kooperativ und kompetitiv machen Spaß. Einziger wirklich erkannter „Mangel“ im Spiel und jetzt zitiere ich einen Jungen (5 Jahre) aus dem Kindergarten: „Ich will aber den Fuchs spielen, warum geht das nicht?“ – Ja, auch Spielregeln können ungerecht sein. Da er dann aber eine Runde gewinnen konnte (kooperativ), war seine Kritik verflogen.

Bleibt also schlussendlich festzuhalten, dass wir hier mit Speedy Roll ein richtig gutes Kinderspiel haben, das auch zu recht den Preis „Kinderspiel des Jahres 2020“ bekommen hat.

© 13.08.2020 Oliver Sack

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Abbildungen der Spiele und Regelauszüge ©Piatnik / Fotos: © Oliver Sack
Dies ist keine Werbung, dies ist eine rein sachliche Meinungsäußerung zu einem Produkt.


Der Einfachheit halber, verwende ich die maskuline Schreibweise in meinen Texten. Wenn ich von „Spieler“ schreibe, meine ich natürlich immer auch „Spielerinnen“ bzw. „Spieler m/w/d“ – um hier mal politisch korrekt zu bleiben, bevor jemand aus einem Loch kriecht und meckert. Das gilt übrigens auch für Grammatik und Rechtschreibung.