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Es ist schon ein paar Tage her, seitdem Abacusspiele ein Familienspiel in der großen Box veröffentlicht hat. Das letzte, für mich bemerkenswerte Spiel in der großen Box, war „Valdora“ (Michael Schacht, 2009). Seither waren die Boxen meist kleiner, aber der Inhalt, sprich die Spiele, nicht minder interessant. Jetzt also mit TAJUTO, von Erfolgsautor Reiner Knizia, kommt wieder ein Familienspiel in der großen Box. Übrigens ist TAJUTO nicht das erste Spiel von Reiner Knizia, das bei Abacusspiele erscheint.

Eckdaten

Name: TAJUTO

Für 2-4 Spieler, ab 10 Jahren

Autor: Reiner Knizia

Grafik: Damien Colboc, Maxence Burgel

Verlag: Abacusspiele

Spieldauer: ca. 60 Minuten (zu zweit ca.30 Minuten)

Platzbedarf: ca. 70×90 cm

Tajuto Abacusspiele

Die Story

Um 532 erreichte der Buddhismus Japan und nahm seinen Platz neben dem vorherrschenden Shintoismus ein.

Der sagenumwobene Prinz Shotoku fand Gefallen an der neuen Religion und beauftragte buddhistische Mönche mit dem Bau eines Dorfes mit einem prachtvollen Garten, in dem acht Pagoden errichtet werden sollten.

Er verkündete, dass dieser Ort mit der Vollendung der vierten Pagode zu einem der bedeutsamsten Heiligtümer des Buddhismus werden würde. Denjenigen der Mönche, der bis dahin den höchsten Grad der Erleuchtung erreicht habe, werde er zum „Großen Wächter des heiligen Gartens der acht Pagoden“ und Hüter der Pilgerstätte ernennen.

Du bist einer dieser buddhistischen Mönche. Wirst du es schaffen die höchste Bewusstseinsebene zu erlangen, um dich dieses Titels als würdig zu erweisen?

Quelle: www.abacusspiele.de

Das Spielmaterial bei Tajuto

Diesmal möchte ich noch vor meinem Ersteindruck ein wenig über das Spielmaterial schreiben.

Die Pagodenteile sind stimmungsvoll gestaltet und zum Thema absolut passend. Auch passen die einzelnen Teile sehr gut aufeinander. Da wackelt nichts, da klemmt nichts. Und ja, sie sind aus Kunststoff, was vielleicht den einen oder anderen stört, aber wären es nur Holzscheiben, würde viel Spielgefühl verloren gehen.

OpfergabenAnders sieht es aus mit den „Opfergaben“, den kleinen Holzwürfel im Spiel. Diese sind aus Holz und passen ebenfalls exakt in die dafür vorgesehenen Mulden in den Pagodenteilen. Allerdings, und hier kommt der erhobene Zeigefinger, sind die roten und orangenen Holzwürfel sehr schlecht zu unterscheiden. Auch bei gutem Licht, sind die Farbtöne zu dicht beisammen.

Bei den Spielfiguren, welche ebenfalls aus Holz sind, stört mich eigentlich nur die Größe. Ich finde diese etwas fummelig und die Felder der zugehörigen Punkteleiste, ebenfalls etwas zu klein. Aber das ist wie gesagt mein persönlicher Eindruck von den Spielfiguren.

SaeckchenZu guter Letzt noch das Stoffsäckchen. Im Gegensatz zu vielen anderen Säckchen in anderen Spielen, ist das Säckchen bei Tajuto weder zu klein, noch zu schlecht vernäht. Hier passt wirklich alles – auch die Hand hinein.

Das Spiel

Wie es sich für ein Familienspiel gehört, ist der Spielablauf sehr übersichtlich. Neben den drei Grundaktionen, gibt es noch eine Nebenaktion, die fast schon logisch erscheint.

Ein Spielzug ist recht schnell durchgeführt, was im Umkehrschluss zu einer sehr geringen Downtime führt. (Zu zweit ist das Spieltempo daher fast schon zu hoch.) Die abschließende Wertung geht ebenfalls recht fix, ohne große Rechnerei und komplizierten Konstellationen.

Spielablauf und Aktionen bei Tajuto

Zu Begin beschränken sich die zur Auswahl stehenden Aktionen rein auf das Ziehen eines Pagodenteils aus dem Stoffbeutel. Mehr kann man gar nicht machen, da alles andere (Meditationsübung-)Punkte kostet und man von diesen anfangs schlicht für alles zu wenig hat. Also bleibt einem nichts anderes übrig, als den Griff ins Säckchen zu wagen. Dabei spielt, bezüglich der Farbe des Pagodenteils, Glück eine sehr große Rolle. Mann weiß nie, welche Farbe das gezogene Teil hat. Dagegen ist es auch vom Autor ausdrücklich erlaubt, die Größe des gewünschten Teils zu ertasten. So ist es fast schon logisch, dass man versucht, zu Beginn die untersten Pagodenteile zu suchen, welche anhand der Treppen recht schnell zu ertasten sind.

Tajuto 3Hat man also ein Teil gezogen, welches man sofort bauen kann, so darf man dies dann als Nebenaktion jederzeit tun. Das sollte man auch, denn jedes passen gebaute Teil bringt Meditationspunkte ein, die man für weitere Aktionen dringend benötigt. Pro Etage einer Pagode, gibt es dafür einen Meditationspunkt (MP). Passt ein Teil gerade nicht, weil Farbe und/oder Größe gerade nicht benötigt werden, legt man dieses Teil vor sich ab, in der Hoffnung, es später einsetzen zu können.

Die zweite Aktionsmöglichkeit, ist das Einsetzen eines Opfersteins. Dieser kann jederzeit auf ein bestehendes Pagodenteil gesetzt werden um zwei zusätzliche Punkte zu erhalten. Sofern gerade ein Platz dafür frei ist. Gelingt es dann sogar noch im selben Spielzug diesen Stein. Ist einem weiteren Pagodenteil zu überbauen, bekommt man noch einmal zwei Zusatzpunkte. Aber das kommt eher selten vor.

Dritte und letzte Aktionsmöglichkeit ist das Kaufen von diversen Plättchen. Und genau hier liegen jetzt der Haken und der größte Kritikpunkt. Alle Plättchen sind verhältnismäßig sehr teuer. So bleibt einem fast nichts anderes übrig, als Pagodenteile zu ziehen um Punkte zu hamstern. Und das über Runden! Wenn man dann noch kein Gefühl für die Teile entwickelt hat und noch Pech bei den Farben des gezogenen Teils, dann kann das Spiel schon recht frustrierend werden. Dies gilt besonders in der Anfangsphase. Nicht selten haben wir fünf und mehr Runden „verbraten“, um ein paar klägliche Punkte zu sammeln, um uns ein Vorteils- oder Weisheitsplättchen zu kaufen. Meist war dies dann noch ein sehr günstiges, egal was dessen Funktion war.

Werden die einzelnen Pagoden größer und größer, wird das mit dem Punkte sammeln etwas besser. Da man pro Etage seine Punkte bekommt und eventuell noch bei den Opfersteinen zwei zusätzliche Punkte abstauben kann, kommt man schon einmal in den Genuss, gleich 7 oder mehr Punkte einzuheimsen. Gelingt es einem dann, zwei oder drei Runden so zu punkten, kann man schon mal ein besseres Vorteilsplättchen oder Weisheitsplättchen kaufen. Letztere sind zwar wie beschrieben sehr teuer, aber sie bringen uns Erleuchtungs-Punkte. Und genau um diese Erleuchtungs-Punkte geht es am Ende. Somit ist deren Kauf auch vorteilhaft.

Unser Spielgefühl

tajuto PlaettchenWie schon beschrieben, läuft TAJUTO besonders am Anfang sehr träge und hart an der Frust-Grenze. Zur Mitte der Partie hin, wenn man sich ein kleines Punktepolster erarbeitet hat, wird’s deutlich besser. Zwar fällt man nach jedem Kauf auf der Punkteleiste wieder zurück, aber durch das Einbauen von Pagodenteilen kommen jetzt, wo die Pagoden schon etwas „gewachsen“ sind, mehr und schneller wieder Punkte aufs Konto.

Gegen Ende der Partie wird es dann noch richtig spannend. Da das Spiel sofort nach Vollendung der vierten Pagode zu Ende ist, steigt die Spannung mit jedem Teil das gezogen wird. Wer jetzt noch (Meditations-)Punkte hat, sollte diese schnellstens in Weisheitsplättchen investieren und so in Erleuchtungspunkte ummünzen. Das Ende des Spiels kommt, obwohl vorhersehbar, manch mal dann doch überraschend.

Tajuto zu zweit

Spielt man Auge in Auge, geht das ganze Spiel wesentlich flotter. Es ist hier dann auch nicht so schlimm, dass man gefühlt über Runden hinweg mühsam Punkte sammelt. Man hat seinen Gegner immer genau im Auge und kann auf seine Aktionen reagieren. Setzt mein Gegner Opfersteine ein, versuche ich sofort, diese zu überdecken, sodass er den Zwei-Punkte-Bonus nicht doppelt einfahren kann. Zugegeben, man kann die Größe fühlen, aber wenn man versucht die „Farbe zu fühlen“ steigen die Chancen. OK, das ist jetzt sehr utopisch, aber zieht man die richtige Größe in der richtigen Farbe, wird das Ego glücklich. Ich denke ihr wisst wie ich das meine.

Den offenen Schlagabtausch im Spiel zu zweit, kann man auch als Wettrennen bezeichnen. Denn hier gilt besonders, wer zuerst kommt, …

Tajuto SpielszeneDas einzige was etwas stört ist, dass von den Vorteilsplättchen je zwei Stück vorhanden sind. Zwar sind die Preise dafür unterschiedlich, aber unterm Strich bleibt für jeden eines übrig, währen in Partien zu dritt oder zu viert, ein Spieler auch mal leer ausgehen kann.

Eine Regelanpassung für das Zweierspiel wäre hier wünschenswert. Anders verhält es sich mit den Pagoden. Hier wirkt es sich positiv aus, dass insgesamt an acht Pagoden gebaut wird, so wie in der 3er und 4er Partie. Dies hat somit zur Folge, dass wesentlich mehr Punkte in kürzerer Zeit gemacht werden. Das gibt dem Spiel Antrieb. So ist es auch nicht verwunderlich, dass unsere Zweierpartien nur rund 30 Minuten gedauert haben.

Fazit

TajutoWas bleibt ist ein wirklich toller optischer Eindruck mit kleinen Mängeln (rot/orange). Ein nettes Familienspiel mit hohem Glücks- und Frustrisikofaktor. Der einfache Einstieg und die überschaubare Spieldauer machen es zu einem idealen Spiel für die ganze Familie, auch wenn es anfangs etwas langatmig ist.

Für das Spiel zu zweit bleibt festzuhalten, dass es mir wesentlich besser gefällt. Die Downtime geht gegen Null und das Ganze fühlt sich an, wie ein offener Schlagabtausch auf Speed.

© 09.10.2019 Oliver Sack

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Abbildungen der Spiele und Regelauszüge ©Abacusspiele / Fotos: © Yannick Sack, Oliver Sack
Dies ist keine Werbung, dies ist eine rein sachliche Meinungsäußerung zu einem Produkt.


Der Einfachheit halber, verwende ich die maskuline Schreibweise in meinen Texten. Wenn ich von „Spieler“ schreibe, meine ich natürlich immer auch „Spielerinnen“ bzw. „Spieler m/w/d“ – um hier mal politisch korrekt zu bleiben, bevor jemand aus einem Loch kriecht und meckert.

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