Lesezeit: 8 Minuten
von Oliver
Wer hat nicht schon einmal die Montagsmaler, Stille Post oder Pictionary gespielt, bei dem man Begriffe zeichnen und erraten muss? Ja, ist jetzt nicht gerade das was jedem gefällt, aber denken wir mal zurück an die 1970er. Von 1974 bis 1996 lief die Schnellratesendung Montagsmaler im deutschen Fernsehen sehr erfolgreich. Dabei war das Prinzip gar nicht neu. 1969 startete der Vorgänger „Punkt, Punkt, Komma, Strich“ auf den Empfangsgeräten. Lang, lang ist’s her und ich erinnere mich noch gut an die Abende, an denen wir Kinder mit der Oma gemeinsam mitgeraten haben. „Hund, Katze, Maus!“ – ging immer. Heute würde man mit diesem Konzept niemanden mehr so richtig vom Sofa locken. Aber die Grundidee des Spiels gibt es bis heute, nur eben als Grundidee. Mutabo (2017) und Reiss aus (2025), sind nur zwei Beispiele dafür, was sich aus der Grundidee machen lässt. Ultraviolett greift diese Systeme auf und setzt noch eins obendrauf.
Name: Ultraviolett
Für 2 bis 4 (6) Personen, ab 12 Jahren
Autorin: Angela Vögtli
Illustrationen: gloenn.com
Verlag: Kampfhummel Spiele
Vertrieb: Kampfhummel Spiele
Spielzeit: 30-60 Minuten
Komplexität: Einfaches Party- und Familienspiel
Platzbedarf: ca. 80 x 120 cm
Verlagstext
Humor statt Talent
Endlich ein wahnsinnig lustiges Mal-Rate-Partyspiel, bei dem man kein Zeichentalent benötigt. Der einzigartige Spielmechanismus erfordert neben Humor und Kreativität auch taktisches Geschick. Zugegeben, einen Stift solltest du mit deinen Wurstfingern halten können, sonst wird das nichts. Aber wenn du diese Minimalanforderung erfüllst, solltest sogar du den einen oder anderen Punkt gewinnen.
ULTRAVIOLETT hebt sich von der Masse der Gesellschaftsspiele ab und zeichnet sich durch einen sehr hohen Wiederspielwert aus. Jeder Satz besteht aus vier Satzfragmenten. Mit den 75 Karten je Kategorie entstehen daraus mehrere Millionen Kombinationsmöglichkeiten. Von «Ein Monster raucht einen schlafenden Flamingo» bis zu «Eine Nonne leckt einen lustigen Vulkan». Viel Spaß beim Malen und Raten!
Quelle: Kampfhummel Spiele GmbH, Januar 2026
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Das Spiel
Auf dem zentralen Spielplan liegen in vier farblich markierten Reihen je sechs Karten aus. Jede Karte zeigt einen Begriff. Zu Beginn einer Runde würfelt jede Person geheim hinter ihrem Sichtschirm mit vier Würfel. Die erwürfelte Kombination ergibt nun einen Satz, der aus den Karten der Auslage gebildet werden kann.
Um das zu verdeutlichen, gehen wir das mal mit der deutschen Grammatik an. Ganz nach dem Motto „Subjekt, Prädikat, Objekt“. Die Karten der ersten Reihe beinhalten das Subjekt. Die zweite Reihe das Prädikat, die dritte ein Adjektiv und die vierte Reihe das Objekt. Keine Angst, es sind keine weiteren Grammatikkenntnisse erforderlich. (Hinweis an Adepten: ja, aus der dritten und vierten Reihe bildet sich ein Akkusativobjekt!).
Beispiel: „Ein Geist würzt einen schleimigen Backstein.“
Diesen Satz gilt es jetzt zu zeichnen, damit er später von den anderen erkannt und erraten wird, denn das gibt Punkte. (Die anderen Mitspielenden zeichnen natürlich einen anderen Satz.)
Anschliessend werden reihum die Zeichnungen präsentiert und es wird versucht, die passende Würfel/Wort-Kombination der anderen zu erraten. Dafür gibt es Punkte für Künstler und Ratende.
So weit, so gut und nicht neu.
Der Clou an der Sache sind die Zeichenstifte. Hierbei handelt es sich um sogenannte „Zauberstifte“, die mit „unsichtbarer“ Tinte gefüllt sind. Man sieht also nicht, was man zeichnet, während man zeichnet. Erst bei der Präsentation wird mithilfe von Schwarzlicht das Kunstwerk sichtbar. Und nicht nur das – alle kleinen Fehler und Pannen, die sich beim Zeichnen zwangsläufig eingestellt haben, werden sichtbar.
Meine Erfahrungen und Eindrücke
Ich mag Spiele wie „Meisterwerke“ (ehem. „Identik“) und „Mutabo“, weil bei diesen Spielen mein nicht vorhandenes Talent zu zeichnen nicht so wichtig ist. Ich bin kein Künstler – zumindest nicht im klassischen Sinn. Oder besser: mein Kunstverständnis ist anders, niemand versteht mich.
Und genau da passt Ultraviolett wie die Faust aufs Auge. Es ist völlig unwichtig, ob man gut zeichnen kann, oder nicht. Die Tatsache, dass man nicht sieht, was man zeichnet, macht es für talentierte Künstler ebenso schwer, wie für die Laien. Und manchmal sind es auch nur Details wie zum Beispiel ein kleiner Kreis über dem „Mondgesicht“, der einen Heiligenschein symbolisiert, die den Ausschlag geben. Hinzu kommen dann noch die lustigen Situationen, die unweigerlich zu Emotionen und Situationskomik im Spiel führen, wenn aus einem Schokokuss ein Geist und aus einer Wolke ein Gebüsch wird.
Mein persönliches Highlight bisher war der Versuch einen Clown zu zeichnen. Klar, kann man problemlos machen, auch mit wenig Talent, aber man sieht ja zunächst nicht was man zeichnet. Ich habe also zunächst ein Gesicht mit Mund, Augen und großer runder Nase gezeichnet. Danach direkt andere Details des Bildes, als mir kurz vor knapp eingefallen ist, dass ich die Lockenhaare des Clowns vergessen hatte. Also schnell noch ein paar Kringel-Locken über den Kopf gemalt. Doch wo war der Kopf auf meinem Papier? Ach, ungefähr hier.
Pech für mich waren dann die anderen Begriffe in der Auslage, die für meinen Würfelwurf irrelevant waren. Und so wurde im Schwarzlicht aus den Locken des Clowns etwas, das wie eine Wolke aussah und deutlich oberhalb des Kopfes lag. Und da bei den Begriffen unter anderem auch „Regen“ und „Kojak“ vorhanden war, könnt ihr euch den Rest denken.
Was ich damit versuche rüber zu bringen, sind die Emotionen, der Spaß den das Spiel mit sich bringt. Die Punktewertung gerät dabei völlig in den Hintergrund und wurde in meinen Runden nicht selten ganz vergessen.
Persönlicher Tipp
Das Grundspiel ist für bis zu vier Personen ausgelegt. Es gibt aber auch eine Erweiterung mit Zusatzmaterial (Würfel, Stifte, Lampen, usw.) um das Spiel mit bis zu sechs Personen zu spielen. Diese kleine Erweiterung sollte man auf jeden Fall gleich mitnehmen, den mit vier bis sechs Personen spielt sich Ultraviolett am besten.
Für wen?
Alle die Lust an Party- und Zeichenspiele haben, sind hier gut aufgehoben. Der Clou mit den Zauberstiften und der UV-Lampe machen Ultraviolett zu einem tollen Zeichenspiel mit dem gewissen Extra.
Kritikpunkte
Ich persönlich wüsste nicht, was mich an dem Spiel stört. Regeln, Material, Ablauf. Alles passt. Einzig die Haltbarkeit der Stifte könnte zum Problem werden. Aber selbst wenn, es gibt diese „Zauberstifte“ ganz normal im Handel und ein Stück Papier findet sich sicher auch bei Bedarf.
Fazit
Ultraviolett ist kein klassisches Zeichenspiel, sondern ein sehr unterhaltsames Spielvergnügen. Der Kniff mit den unsichtbaren Stiften sorgt dafür, dass Talent nebensächlich wird und neben Kreativität auch Humor und Situationskomik in den Vordergrund rücken. Wer ein unkompliziertes Partyspiel sucht, bei dem Lachen wichtiger ist als Gewinnen, findet hier einen echten Highlight-Titel mit hohem Wiederspielreiz.
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Schaut doch mal bei den lieben Kollegen vom Beeple-Netzwerk nach. Vielleicht findet ihr unter www.beeple.de noch die eine oder andere Meinung zu diesem Spiel.
Alternativ könnt ihr immer gerne auch auf unserem und auf dem Discord-Server vom Beeple-Netzwerk nach weiteren Meinungen suchen.
© 05.02.2026 Abbildungen der Spiele und Regelauszüge ©Kampfhummel Spiele // Fotos: © Oliver Sack
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Der Einfachheit halber, verwende ich meist die maskuline Schreibweise in meinen Texten. Wenn ich von „Spieler“ schreibe, meine ich natürlich immer auch „Spielerinnen“ bzw. „Spieler m/w/d“
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