4 1-2 Minuten Titelb

Bei den aktuellen Kartenspielen 2018/2019 scheinen sich zwei Trends zu bilden. Zum einen sollen die Kartenspiele klein, kurz und knackig sein, zum anderen gerne auch kooperativ. Zu letzterem gehören u.a. „Tippi Toppi“ von Schmidtspiele und „4 ½ Minuten“ von Moses, welches wir uns jetzt mal näher anschauen wollen. Übrigens finden sich die beiden genannten auch auf unserer persönlichen Top10 (>>> Link) für den Sommer 2019.

Eckdaten

Name: 4 ½ Minuten

Für 2-6 Spieler, ab 8 Jahren

Autor: Joachim Reif

Grafik: Oliver Freudenreich

Verlag: Moses

Spieldauer: ca. 15 Minuten (3x 270 Sekunden)

Platzbedarf: gering

viereinhalbminuten

Verlagstext zu 4 ½ Minuten

Schwingt die Hufe! – Zusammen 95 Karten und nur 4 ½ Minuten spielen? Wie soll das gehen? Um diesen Wettlauf gegen die Zeit zu gewinnen, müssen die Spieler gut zusammenarbeiten. Nur wer die Nerven und den Überblick behält, kann seine Karten clever ausspielen und den Mitspielern so die passenden Vorlagen geben. Einfache Regeln und ein rasanter Spielablauf garantiert!

Quelle: www.moses-verlag.de

Wir und 4 ½ Minuten

Muss ich das Spiel erklären, sage ich häufig nur „Das ist fast wie Mau-Mau, nur kooperativ und schnell!“. Damit hat man eigentlich das wesentliche schon gesagt. Also kann es direkt losgehen, nachdem jeder vier Karten verdeckt vor sich liegen hat. Schnell noch einen Countdown-Timer einstellen und schon kann es losgehen.

Wer den von Moses angebotenen Timer (QR-Code auf Schachtel) mit Musik und Halbzeitansage nicht zur Hand hat, kann alternativ auch den Timer von „5 Minute Dungeon“ verwenden. Diesem muss man zwar 30 Sekunden Vorsprung geben, aber auch er sagt zwischendurch immer wieder die noch verbleibende Zeit an. Außerdem ist dieser eine gute Alternative, falls einem nach ein paar Runden die Musik vom ZDF-Fernsehgarten-Swing-Quintett aus dem Jahr 1983 auf den Keks geht. (Ich musste bei der Musik immer auch an die gute alte Knoff-Hoff-Show denken.)

Es geht los

4 1-2 Minuten KartenWir spielen zu dritt. Mama, Papa, Sohnemann – ein eingespieltes Team. 3…2…1… los! Die Karten werden aufgedeckt und die erste Karte landet in der Tischmitte. Ablagestapel No.1 ist eröffnet. Ich lege schnell eine blaue 5 auf die blaue 3. Nächster! Der Ablagestapel füllt sich. Karte um Karte fliegt auf den Stapel. Nun ich wieder… Mist … hab keine passende Karte. Weder Zahl noch Farbe kann ich bedienen. Mein Sohn fordert bereits lautstark Eile. Ich hab Puls. OK, ich eröffne einen weiteren Ablagestapel, denn ein zweiter Ablagestapel ist regelkonform.

Weiter … geht nicht! Mein nachfolgender Mitspieler kann nicht ablegen! Ich habe nicht richtig geschaut, welche Karten er vor sich liegen hat. Ich hätte eine andere Karte ausspielen müssen und können. Wieder Mist. Mein Sohn so: „War klar, einfach mal ein bisschen aufpassen!“ – „Schnauze!“ Mein Puls steigt weiter, meine Augen wandern von Auslage zu Auslage. Bloß nichts übersehen.

Alles klar …

Langsam kommt ein gewisser Flow in unsere Runde. Dann, die nächste Sonderkarte. Ein Ablagestapel wird gesperrt. Er kann erst dann wieder bedient werden, wenn auf dem anderen Ablagestapel drei Karten gespielt wurden. Ich bin dran, könnte die dritte Karte legen und den Stapel wieder freigeben. Doch ich kann nicht! Diesmal hat Sohnemann gepennt. „Einmal mit Profis ….“ – „Schnauze!“. Es bleibt mir also nichts anderes übrig, als meine gesamte Auslage beiseite zu schieben, was uns am Ende dann pro Karte zwei Minuspunkte einbringen wird. Während meine Frau immerhin wieder Karten ablegen kann um den gesperrten Ablagestapel freizuschalten, ziehe ich vier neue Karten in meine Auslage. Eine „+2-Karte“ von Junior erhöht die Auswahl in meiner Auslage noch zusätzlich. Richtungswechsel! Jetzt geht es nicht mehr nur gegen die Uhr, sondern auch noch gegen deren Sinn. Ich bin wieder dran.

Es sieht gut aus

4 1-2 Minuten SzeneKarte um Karte landet so auf einem der beiden Ablagestapel und die Zeit verrinnt, während glücklicher Weise auch der Nachziehstapel immer kleiner wird. Aus, Aus, Aus, die letzte Karte landet auf einem der beiden Ablagestapel. „Wie viel Zeit ist über?“ – „52 Sekunden!“ alles gut gelaufen? Irrtum, unsere beiseite gelegten Karten ergeben in Summe satte 48 Minuspunkte. Sehr schlecht! Das muss besser gehen. Wir müssen und können uns bestimmt mehr Zeit lassen beim ablegen und zuvor genau die Auslage der Mitspieler analysieren.

Gesagt, getan. Doch wieder kann einer nicht legen, weil ich wieder in Hektik verfallen bin und nicht gesehen habe, dass ich einen Joker hätte legen können, sollen, müssen. „Einfach nur kurz schauen, Papa, ist das so schwer? Einer pennt immer … Du!“ – Gedanken zu Hausarrest, Handyverbot und Essensentzug überkommen mich leise. „Schnauze! Die Zeit drängt!“ Wieder schaffen wir es alle Karten abzulegen und wieder ist noch Zeit auf der Uhr. Doch die Abrechnung wird ebenfalls auf’s neue ernüchternd. -36 Punkte, aber immerhin etwas besser.

Das Finale

Runde 3 von 3 läuft ähnlich. Nur lassen wir uns jetzt wirklich mehr Zeit. Immer schön die Auslage der Mitspieler beachten und versuchen, so clever wie möglich zu legen. Resultat, die Zeit verrinnt zu schnell. Sie läuft ab. Noch 15 Karten sind übrig. Aber immerhin keine Karten beiseite gelegt, alles zählt nur einfach. Wir werden besser, was Sohnemann nicht glauben will. Er resümiert: „Alles läuft prima, bis Papa am Zug ist…“ – „Schn… ab ins Bett und Licht aus!“

Spielerzahl und Spieldauer

In unseren Runden haben wir bemerkt, dass die Zeit zu dritt meist locker ausreicht, also genügend Zeit bleibt, sich die Auslage seiner beiden Mitspieler genauer anzuschauen. Mit steigender Spielerzahl wird jedoch die Zeit knapper! Ja, es sind immer 4 ½ Minuten, aber irgendwie werden diese mit steigender Spielerzahl kürzer. Den Spielspaß trübt das nicht, im Gegenteil.

Was uns bei 4 ½ Minuten fehlt

Zeit! … Oder ehrlich gesagt, eigentlich fast gar nichts. Nur zwei Kleinigkeiten. In der Spielregel fehlt der Hinweis, welcher Spieler an der Reihe ist, nachdem eine „+2-Karte“ gespielt wurde. Wir haben immer den Spieler, der zwei Karten aufziehen muss übersprungen. Er darf also nicht sofort ablegen. Dann fehlt uns, subjektiv, ein kleines Wort im Spieltitel. Wenn es nach uns ginge, würde das Spiel „Nur 4 ½ Minuten“ heißen. Denn obwohl in Partien zu dritt, wie bereits erwähnt, die Zeit meist locker ausgereicht hat, wurde es mit vier und fünf Spieler meist knapp, sehr knapp.

Lob am Rande

4 1-2 Minuten BanderolePositiv aufgefallen ist uns vor der ersten Partie die Verpackung. Zwar ist die ganze Box wie so üblich in Folie eingeschweißt, aber beide Kartenstapel sind es nicht. Die Karten werden einfach mit einer Papierbanderole zusammengehalten. Ganz ohne Plastik. Dafür gibt es von uns einen zusätzlichen „Daumen hoch“. – Reduzierung von Verpackungsmüll kann so einfach sein.

© 14.07.2019 Oliver Sack

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Abbildungen der Spiele und Regelauszüge ©Moses / Fotos: © Oliver Sack
Dies ist keine Werbung, dies ist eine rein sachliche Meinungsäußerung zu einem Produkt.


Der Einfachheit halber, verwende ich die maskuline Schreibweise in meinen Texten. Wenn ich von „Spieler“ schreibe, meine ich natürlich immer auch „Spielerinnen“ bzw. „Spieler m/w/d“ – um hier mal politisch korrekt zu bleiben, bevor jemand aus einem Loch kriecht und meckert.

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