Azul Sintra Titel

Azul von Michael Kiesling wurde 2018, zu recht, mit vielen Preisen bedacht. Unter anderem gab es den „Beeple Award“, den „Deutscher Spielepreis“, den „As d’Or“ und den überaus begehrten Titel “Spiel des Jahres“. Letzterer ist zudem ein Garant für hohe Verkaufszahlen, worüber sich nicht nur Autor und Verlag freuen dürften. Wie so oft, bei erfolgreichen Spielen, war es auch nur eine Frage der Zeit, bis es eine Erweiterung geben würde. Doch im Fall von Azul ist das ein wenig anders. Es gab hier eher eine Variante als eine Erweiterung. Gleicher Grundmechanismus, andere taktische Finessen. Ob man diese Variante jetzt braucht oder nicht, oder ob man beide Spiele braucht, wird immer wieder kontrovers diskutiert. Auch bei uns blieben derartige Diskussionen nicht aus.

Eckdaten

Name: Azul – Die Buntglasfenster von Sintra

(aka: „Azul 2“)

Für 2 bis 4 Spieler, ab 8 Jahren

Autor: Michael Kiesling

Illustrationen: Chris Quilliams

Verlag: Plan B Games

Vertrieb: Pegasusspiele

Spieldauer: ca. 30-45 Minuten

Platzbedarf: ca 80x80cm zu zweit, zu viert ca. 120x80cm

Azul Sintra

Verlagstext

Nach Azul, dem Megaerfolg von Autor Michael Kiesling und Spiel des Jahres 2018, kommt nun: Azul – Die Buntglasfenster von Sintra. In diesem komplett eigenständigen Nachfolger müssen die Spieler mit Bedacht Glasscheiben zur Vervollständigung ihrer Fenster wählen, während sie gleichzeitig darauf Acht geben, diese nicht zu beschädigen oder Material zu verschwenden. Doppelseitige Fensterpaneele bieten den Spielern dynamische Spielertableaus, die nahezu endlos variabel sind.

Spieler können sich in Azul – Die Buntglasfenster von Sintra auf neue, einzigartige Illustrationen von Chris Quilliams und wunderschöne Komponenten freuen, inklusive durchsichtiger Steine als Glasstücke, doppelseitiger Spielertableaus und Fensterpaneele, eines Turms für die abgeworfenen Steine und vieler weiterer Elemente.

Quelle: Pegasusspiele, 2018

Das Spiel

AzulWie schon gesagt, ähnelt der Grundmechanismus (Auslage, Auswahl, Regeln zum Nehmen der Steine), dem bereits bekannten Azul. Deshalb möchte ich darauf jetzt auch nicht genauer eingehen.

Anmerkung: Wer Azul nicht kennt, kann dazu gerne unsere Besprechung <HIER> nachlesen.

Wir nehmen uns also wie gewohnt von einem runden Counter oder aus deren Mitte, alle Spielsteine (Glasbausteine) einer Farbe und verbauen sie auf unserem Spielertableau. Dieses Spielertableau besteht, anders als beim Vorgänger, aus mehreren Teilen. Einer Basis (Palast), die die beiden Spielvarianten (entscheidend bei der Schlusswertung) beinhaltet und mehreren Ablege-Streifen, die wie einzelne Spalten über der Basis-Platte angeordnet werden. Diese Streifen geben vor, mit welchen Glassteinen sie bestückt werden müssen. Hat man einen dieser Streifen voll, gibt’s Punkte und der Streifen wird gewendet. Wird er ein zweites Mal gefüllt, kommt er nach einer erneuten Punktevergabe sofort aus dem Spiel. Das ist der Teil des Spiels, der sich grundlegend von seinem Vorgänger unterscheidet und taktisches spielen ermöglicht.

Handicap

Der Haken an der Sache ist die eigene Spielfigur, der „Glaser“. Er gibt an, in welcher Spalte überhaupt Glassteine abgelegt werden dürfen. Dies kann die Spalte sein, an der er steht, oder in einer Spalte rechts davon. Setzt man seine Steine rechts von der Spielfigur ein, versetzt man diese zunächst dort hin. Alternativ kann man aber auch jederzeit, als vollwertiger Spielzug, seine Figur zurück zur ersten Spalte stellen. Dies ist auch etwas, das sich prima taktisch nutzen lässt. Denn, bevor ich irgendeinen Mist nehmen muss, setze ich lieber meine Spielfigur zurück. Blöd nur, wenn das dann alle machen! Dann kann es schon mal passieren, dass ein dickes Paket unbrauchbarer Steine zu einem kommt, was man eigentlich einem Mitspieler gegönnt hat. Dieser „Glasbruch“ wird dann ähnlich behandelt, wie überzählige Fliesen bei „Azul“ – sie geben sofort Minuspunkte. Manchmal kann es sich aber auch lohnen, Minuspunkte zu „sammeln“. Hier muss man einfach abwägen, denn das Startspielersteinchen kann, gerade in der zweiten Spielhälfte, ganz hilfreich sein. Denn, man hat bei Rundenbeginn einfach die beste Auswahl.

Spielende

Nach genau sieben Runden ist Schluss. Das ist absehbar und man kann sich darauf einstellen. Allerdings wünscht man sich meist noch eine achte Runde, denn man hat ja einen Plan. Pech. Je nachdem, ob man Variante A oder B gespielt hat, erfolgt noch eine kleine Schlusswertung, die nicht sehr kompliziert ist. Anschließend hat man noch Zeit zu diskutieren, zu jammern oder für eine Revanche. Dann kann man es gleich besser machen, denn aus Fehlern lernt man bekanntlich, oder

Spielgefühl & Erfahrungen

Was bei „Azul-2“ sofort ins Auge sticht, ist das Material. Zwar hätte man das Punkte-Tableau ruhig aus dickerer Pappe machen können, aber das ist nur ein kleiner, subjektiver Schönheitsfehler. Viel gravierender hingegen finde ich die Plastik-Würfel und die hässlichen Plastik-Spielerfiguren! Ja, ich bin ein Fan von Holzteilen, aber genau die hätten hier doch super toll gepasst.

AzulBei den Glassteinen hingegen, gibt es gar nichts zu meckern. Diese sind sehr gelungen, auch wenn sie zum Teil an Treppenhaus-Design in den Siebzigern und Sechzigern oder an Hals-Bonbons erinnern. (Wer kennt noch die blauen und gelben „Rachengold“?) Schaut man noch etwas genauer hin, so erkennt man auch unterschiedliche Muster in den Steinen. Je nach Farbe gut zu unterscheiden, hat man hier beim Verlag auch an die Problematik „Farbenblindheit“ gedacht, denn diese Muster sind auch auf den Spielertableaus und den runden „Tellern“ zu finden.

Doch jetzt zum eigentlichen Spiel. Wie schon eingangs erwähnt, ist die Art und Weise, wie ich Bausteine nehme/erhalte bei beiden Azul-Spielen gleich, mehr haben beide Spiele nicht gemein. Im Gegensatz zum Fliesenlegen, legen wir jetzt unsere Glasbausteine direkt an ihren finalen Platz. Da gibt es auch taktisch noch nicht so viel zu überlegen. Nachdenken und aufpassen muss man schon vorher. In welche Spalte möchte ich anlegen? Kann ich dort überhaupt anlegen? Wo steht meine Spielfigur? Bekomme ich eventuell zu viele Steine und damit Glasbruch? Fragen über Fragen, bei denen man sich über die Auswirkung für die Zwischenwertungen und Schlusswertung, noch gar keine Gedanken macht.

Was bleibt?

Auch „Azul – die Buntglasfenster von Sintra“ ist im Grunde ein abstraktes Legespiel mit aufgesetztem Thema und bewegt sich im Windschatten von „Azul“. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Braucht man beides?

Azul 1 2Ich persönlich spiele beide „Azuls“ gerne, wobei ich dann doch etwas mehr in Richtung „Buntglasfenster“ tendieren würde. Gefühlt ist das neue Azul zugänglicher und einfacher bei den Wertungen. Das konnte ich auch immer wieder auf unseren Veranstaltungen bei Wenig- und Gelegenheitsspieler, beobachten. Auch finde ich persönlich das Ur-Azul etwas strategischer und somit anspruchsvoller. Optisch gefällt mir das neue Azul besser. Aber das ist ja Geschmackssache.

Ob man jetzt beide Azul Spiele braucht, oder welches man sich zulegen soll, wenn man noch keines hat, ist schwer zu sagen. Es kommt immer auf den persönlichen Geschmack an. Will ich es etwas strategischer und taktischer, greife ich zum Ur-Azul. Will ich’s etwas zugänglicher und „einfacher“, nehme ich die Buntglasfenster.

Aber braucht man beides? Diese Frage kann ich nicht beantworten. Ich für mich weiß nur, dass beide Spiele gut sind und ihren Reiz haben und sicher beide im Fundus bleiben werden. Was andere aus meinem verspielten Umfeld dazu sagen, hab ich mal zusammengefasst.

Petra: „Ich finde die Buntglasfenster besser, weil weniger taktisch und somit zugänglicher. Hier kann ich auch besser „aus dem Bauch heraus“ spielen. Der Ablege-Mechanismus ist einfacher und nicht so anfällig für Spielfehler.“

Sandra L.: „Mein Herz schlägt für Azul. Hübsches Material, bessere Übersicht was gewertet wird und ich habe den Eindruck ich baue ein Mosaik auf. Da es super schnell erklärt ist und auch alle Wenigspieler gleich abgeholt hat, wird dieses Spiel meine Sammlung nicht verlassen. Die Buntglasfenster von Sintra ist viel taktischer. Glaser ziehen, baue ich erst hinten, um nachher Punkte mit abzugreifen, welche Spalten nehme ich zum bauen?…….  Da fehlt mir persönlich die Leichtigkeit.  Deshalb brauche ich nur Azul im Schrank. Azul 2 spiele ich jederzeit gerne mit.“

Jutta: „Man braucht nicht beide. Sind sich ähnlich. Aber auch wie beim 1, super schönes Material.“

Eine kleine Umfrage auf Twitter brachte zwar kein repräsentatives Ergebnis, aber ich möchte das, für mich überraschende, Ergebnis auch nicht vorenthalten.

Azul Umfrage

Fazit

Beide Spiele haben ihren Reiz und beide bleiben bei uns im Fundus. Obwohl die beiden recht ähnlich sind, bieten sie doch ein unterschiedliches Spielerlebnis. Geht man rein nach der Optik und dem Material, sehe ich einen kleinen Vorsprung bei den Buntglasfenstern. Ein drittes Azul bleibt uns hoffentlich erspart. Das wäre dann in der Tat einfach nur „too much“.

Solltet Ihr anderer Meinung sein, oder Euch das eine oder andere Azul besser gefällt, dann nutzt einfach unten die Kommentarfunktion.

© 29.01.19 Oliver Sack

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Abbildungen der Spiele und Regelauszüge © Plan B Games / Pegasusspiele / Fotos: Oliver Sack
Dies ist keine Werbung, dies ist eine rein sachliche Meinungsäußerung zu einem Produkt.


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