Lesezeit: 9 Minuten

von Oliver

Geht es Euch auch so? Ihr seht eine Schachtelgrafik und das Spiel spricht Euch automatisch an? Ich nenne das „Cover gesteuert“. Blattwerk ist so ein Bei-Spiel. Die Grafik spricht sofort an und man hat Lust zu entdecken, was sich dahinter verbirgt. Der zweite Blick geht dann direkt zur Spiel-Kategorie „Familienspiel“. Der dritte Blick geht dann schließlich auf die Rückseite der Box, wo wir schon die ersten Details sehen, die uns über den Mechanismus spekulieren lassen. Ich denke, jeder weiß, was ich meine, denn so geht es uns doch oft, oder? Manchmal jedoch kann man sich irren oder man gerät auf eine völlig falsche Spur. „Blattwerk sieht aus wie ein Memory-Spiel“, war mein erster Gedanke, den ich aufgrund der oben genannten Punkte sofort assoziierte. Ein Irrtum, wie sich schnell herausstellte.

Kurz: einfaches bis mittleres Familienspiel. Kann zu Grübeleien verführen.

Name: Blattwerk

Für 1 bis 4 Personen, ab 10 Jahren

Autoren: Christian Heuser und Tim Hüwe

Grafik: Tina Kraus

Verlag: Abacusspiele

Spieldauer: ca. 30-45 Minuten

Platzbedarf: ca. 80 x 80 cm

Verlagstext

Überall huscht und krabbelt es im Wald! Nicht nur oben in den Bäumen, sondern auch unter den herabgefallenen Blättern gibt es viel zu entdecken! Setze deine Lupen gezielt ein und finde unter den Blättern möglichst viele passende Waldbewohner. Vielleicht fallen dir ja auch ein paar Früchte oder Pilze in die Hände. Nur mit der richtigen Taktik wirst du das Blattwerk meistern!

Quelle: www.abacusspiele.de

(Klicken zum Ausklappen)

Das Spiel

Vor uns liegt die Spielfläche, der „Waldboden“. Dort haben wir ein Raster aus bunten Herbstblättern, die verdeckt vor uns liegen. Die Größe des Rasters und die Anzahl unterschiedlicher Blätter hängt von der Spielerzahl ab. Jeder Spieler bekommt eine Blattart (Farbe). Oberhalb des Rasters liegt eine Leiste „Unterholz“, mit weiteren Blättern, die jedoch hier offen liegen. Das ist schon der gesamte Aufbau. Schnell erledigt, es kann losgehen.

Spielzug

Wer an der Reihe ist, hat mehrere Möglichkeiten. Die einfachste Möglichkeit ist, ein eigenes Blatt in der Auslage „Waldboden“ aufzudecken. Anschliessend muss man sich entscheiden, ob man auf dieses Blatt einen „Lupen“-Marker legt, oder sich dafür Pilzmarker aus dem allgemeinen Vorrat nimmt.

Lupen sind wichtig, denn sie sind der Bezug für die spätere Wertung. Alle Tierarten, die „in der Lupe“ sichtbar sind, geben an, welche angrenzenden Insekten später gewertet werden können. Es gibt dann je einen Punkt für jedes Tier auf vertikal oder horizontal angrenzenden Blättern ohne Lupe, egal wem diese gehören. Ausserdem bringt die Lupe Punkte, wenn durch sie die eigene Frucht (Spielersymbol) sichtbar ist.

Die beiden weiteren Zugmöglichkeiten sind das Austauschen eines verdeckten Blattes auf dem Waldboden, gegen ein offenes Blatt aus dem Unterholz. Handelt es sich dann beim ausgetauschten Blatt um ein eigenes, darf auch hier eine Lupe platziert werden. Auf diese Art können gezielt Blätter an die eigenen Lupen angelegt werden, um möglichst hohe Punktzahlen für eine Lupe zu erreichen.

Es kann aber auch ein verdecktes, fremdes Blatt mit der Auslage im Unterholz getauscht werden. Dies geht aber nur, wenn das fremde Blatt an ein eigenes, offenes Blatt angrenzt.

Sind alle Blätter auf dem Waldboden aufgedeckt, endet die Partie und es folgt die Schlusswertung.

Meine Erfahrungen und Eindrücke

Zunächst fühlte sich das Spiel in der ersten Partie nach einem einfachen, schlichten Sammeln von Symbolen an. Doch bereits nach wenigen Zügen wurde mir klar, dass hier mehr dahintersteckt. Man muss strategisch vorgehen. Man muss seine Mitspieler im Auge behalten und man muss von Zeit zu Zeit einen Zug machen, der zwar nicht viel bringt, aber einem Mitspieler die Chance auf hohe Punktzahlen verwehrt. Dazu kommt, dass jedem Spieler nur sieben Lupen zur Verfügung stehen und man immer wieder das Gefühl hat, dies seien zu wenige. Dabei vergisst man leicht, dass Tiersymbole nur dann Punkte bringen, wenn sie an einer eigenen Lupe anliegen und nicht, wenn sie in einer Lupe sichtbar sind. Es bringt also nichts, wenn man seine Lupe auf ein Blatt mit drei Insekten legt und nur wenige gleiche Insekten nachher an dieses Blatt angrenzen. Es sei denn, man gönnt niemandem dieses Blatt. Dann kann man so ein wertvolles Blatt blockieren.

Besonders interessant für die spätere Wertung sind auch die drei eigenen Symbole, die sich auf den eigenen Blättern befinden. Diese sollte man, wenn möglich mit einer Lupe abdecken, um später dafür Punkte zu bekommen. Schafft man es nicht, ein eigenes Symbol abzudecken und eine fremde Lupe liegt an, so gehen die Punkte für das Symbol an den Mitspieler.

Es sind also schon ein paar Dinge zu beachten, die dem Spiel eine Tiefe geben, die man so nicht erwartet hätte. Hierbei wird auch klar, warum das Spiel eine Altersempfehlung 10+ hat, wo es doch optisch ein 8+ erwarten lässt. Ja, es ist ein Familienspiel, aber es kann auf zwei Arten gespielt werden. Entweder als lockeres Spielchen aus dem Bauch heraus, oder eben als knallhartes, konfrontatives Spiel, bei dem oft Spielzüge zum Nachteil eines Mitspielers gemacht werden können.

Im Spiel zu zweit kommt noch eine weitere (weiße) Lupe für jeden Spieler hinzu. Diese weiße Lupe wird zusammen mit einer normalen Lupe ausgelegt und verdoppelt am Ende des Spiels die Wertung dieser Lupe.

Spielerzahl

Ich habe das Spiel, obwohl möglich, nicht solo gespielt. Der Grund dafür ist einfach: Ich mag keine Solo-Spiele und ich mag keine Solo-Varianten. Für mich sind Spiele immer Gesellschaftsspiele und für ein Gesellschaftsspiel braucht es mindestens einen Mitspieler.

Die Partie zu zweit war entgegen meinen Erwartungen nicht sehr überzeugend. Es war ein schnelles hin und her, mehr nicht. Der Funke ist absolut nicht übergesprungen, sodass ich schon nach einer Partie gesagt habe: „Das war’s – brauche ich nicht!“

Die Partien zu dritt waren schon deutlich besser. Hier ist mehr los auf dem Waldboden, man muss auf zwei Mitspieler achten, Taktik bekommt eine angenehme Tiefe, ohne dass etwas unberechenbar wirkt. Drei Personen sind auf jeden Fall eine gute Besetzung für Blattwerk.

Zu viert spielt sich Blattwerk ähnlich wie zu dritt. Angenehme Tiefe, schöne Konfrontation. Viele taktische Möglichkeiten. Somit zusammen mit der Partie zu dritt, die beste Besetzung.

Glücksfaktor

Ja, den gibt es, und er ist gerade zu Beginn einer Partie sehr hoch. Wenn alle Blätter noch verdeckt liegen und man mit der offenen Auslage nichts anfangen kann, dann braucht man doch sehr viel Glück. Je mehr Blätter aber offen liegen, desto mehr nimmt der Glücksfaktor ab und der taktische Anspruch steigt. Gegen Ende wird dies besonders deutlich, wenn man verstärkt offene Blätter aus dem Unterholz in die eigentliche Spielfläche legt (tauscht).

Spielregeln

Noch schnell ein Blick auf die Spielregeln. Diese sind verständlich und gut strukturiert. Will man etwas nachlesen, findet man es sofort. Es gab keine Passagen, die ich mehrfach lesen musste, um sie zu verstehen. Auch hier trifft Familienspiel als Einordnung voll zu.

Kritikpunkte

Die Spielregeln für die Partie zu zweit war und ist mir unklar. Es wird nicht eindeutig geschrieben, ob die Blätter im Unterholz offen oder verdeckt liegen. Interpretiert haben wir: verdeckt. Ob das jedoch wirklich Sinn ergibt, weiß ich nicht. Offen, so wie bei den anderen Besetzungen wäre grundsätzlich logischer.

Negativ aufgefallen ist mir sonst in meinen Spielrunden nichts. Außer vielleicht noch ein kleiner Punkt beim sonst guten Spielmaterial. Die Ringe (Lupen) sind sehr dünn und schmal. Es besteht die Gefahr, dass sich diese knicken beim Herausdrücken aus den Stanzbögen. Mir ist das zweimal passiert. Aber eine echte Kritik ist das nicht, vielmehr eine Anmerkung.

Für wen?

Familien, die gerne abstrakt puzzeln und dabei ein optisch ansprechendes Spiel wollen, sollten sich Blattwerk auf jeden Fall einmal anschauen. Wer dagegen wenig mit abstraktem Punktesammeln anfangen kann oder sich bereits an einem höheren Glücksfaktor zu Spielbeginn stört, wird mit Blattwerk vermutlich weniger Freude haben.

Fazit

Was zunächst optisch ein Memory-Spiel erwarten lässt, entpuppt sich als schönes Taktikspiel, das viel Spielraum für Experimente und spontane Taktikänderungen bietet. Optisch sehr ansprechend gestaltet und mit gutem Regelwerk, ist es als generationenübergreifendes Familienspiel geeignet. Ideal also für den Weihnachtsbaum.

Euch ist eine Meinung nicht genug?

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Schaut doch mal bei den lieben Kollegen vom Beeple-Netzwerk nach. Vielleicht findet ihr unter www.beeple.de noch die eine oder andere Meinung zu diesem Spiel.

Alternativ könnt ihr immer gerne auch auf unserem und auf dem Discord-Server vom Beeple-Netzwerk nach weiteren Meinungen suchen.

© 14.10.2026 Abbildungen der Spiele und Regelauszüge ©Abacusspiele // Fotos: © Oliver Sack

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Dies ist keine Werbung, dies ist eine rein sachliche Meinungsäußerung zu einem Produkt.

Transparenzhinweis: Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Verlag kostenlos zur Verfügung gestellt. Es bestehen keinerlei Verpflichtungen hinsichtlich einer Veröffentlichung oder einer positiven Bewertung. Meine Rezension gibt ausschließlich meine persönliche und unabhängige Meinung wieder.


Der Einfachheit halber, verwende ich meist die maskuline Schreibweise in meinen Texten. Wenn ich von „Spieler“ schreibe, meine ich natürlich immer auch „Spielerinnen“ bzw. „Spieler m/w/d“


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