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Die weiße Burg – Am Hof des Daimyo. Ein fast schon episch klingender Titel für ein Spiel, das nur 3 Runden mit je 3 Aktionen bietet. Ja, das sind gerade einmal 9 Aktionen, die man zur Verfügung hat, um bei diesem Kennerspiel Punkte zu machen. Klingt sehr wenig, ist es auch. Aber man muss bei den Aktionen etwas genauer hinschauen. Denn das Spiel lebt davon, sich eine gute Maschinerie zu bauen, um so Kettenzüge zu kreieren, um mehr als nur eine Aktion pro Spielzug zu haben. So werden aus den maximal 9 Aktionen jetzt mindestens 9 Aktionen. Aber selbst wenn man das Kind jetzt „Spielzug“ anstelle von „Aktion“ nennt, sind es immer noch nur neun! Also ist gute Übersicht ein Auge für mögliche Kettenzüge und die Bereitschaft, eine Strategie auch mal zu ändern erforderlich, um hier bestehen zu können. Eine schöne Herausforderung, die das Spiel zu einem Kennerspiel-Leckerbissen macht.

Die weiße Burg Box

Name: Die weiße Burg

Für 1-4 Personen, ab 12 Jahren

Verlag: Devir / Kosmos

Autoren: Sheila Santos, Israel Cendrero

Grafik: Joan Guardiet

Spieldauer: 50-70 Minuten

Platzbedarf: ca. 80x100cm

Verlagstext

Japan, 1761: Fürst Daimyo ist ein wichtiger Berater des mächtigen Shogunats. Wer kann die Gunst des Fürsten für sich gewinnen? Ein bis vier Spielerinnen und Spieler ab 12 Jahren schlüpfen in die Rolle der auf Burg Himeji lebenden Familien. In neun schön verzahnten Spielzügen suchen sie die passenden Würfel aus und setzen ihre Ressourcen geschickt ein. Gelingt es ihnen, eigene Familienmitglieder in einflussreiche Positionen zu bringen? Um ihren Sieg zu erringen bewegen sie sich auf Übungsplätzen, in Gärten und in der Burg. Ein stimmungsvolles Kennerspiel mit neun Spielrunden – inklusive Solo-Spielvariante.

Quelle: www.kosmos.de

So spielt man die weiße Burg

Hier zunächst einmal ein grober Überblick über das Spiel:

weisse burg spielplanJede Person hat ein eigenes Spielertableau, auf dem der Vorrat an Meeples in drei unterschiedlichen Kategorien stehen, Rohstoffe verwaltet und Aktionen ausgelöst werden. In der Tischmitte der große Spielplan. Dieser ist in drei Bereiche (Truppen-Übungsplatz, Burg, Gärten) unterteilt und bietet ebenfalls eine Vielzahl von Aktionsmöglichkeiten.

Das Spiel beruht auf einem Würfeleinsetz-Mechanismus. Bei jedem Spielzug wählt man dabei einen der ausliegenden Würfel aus und platziert in auf dem Spielplan, um eine Aktion durchzuführen und bestenfalls mehrere Anschluss-Aktionen zu starten.

Teilweise sind die Aktionen abhängig von der Farbe des eingesetzten Würfels, aber immer abhängig von der Augenzahl. Ein Würfel-Einsetzfeld gibt vor, welche Augenzahl dort platziert werden muss. Überzählige Augen werden vergütet, fehlende können gegen Abgabe von Münzen, so man welche hat, ersetzt werden. Manchmal löst das Einsetzen eines Würfels auch das Einsetzen einer Spielfigur vom Spielertableau auf den entsprechenden Bereich auf dem Spielbrett aus. So eingesetzte Spielfiguren bleiben bis zum Spielende dort liegen und generieren Punkte bei Spielende. Clever eingesetzte Figuren triggern sich dabei gegenseitig, was noch mehr Punkte verspricht.

Hohe Augenzahlen beim Einsetzen der Würfel ermöglichen auch eine große Auswahl an Aktionen und eventuell auch den Nachschub an Münzen. Geringe Augenzahlen hingegen schränken die Aktionsmöglichkeiten ein und kosten gerne auch mal Münzen. Um das Nehmen und Einsetzen kleiner Augenzahlen dennoch lukrativ zu gestalten, wird beim Nehmen und Einsetzen einer kleinen Augenzahl zusätzlich eine Boni-Ausschüttung in Form von Punkte, Münzen oder Ressourcen getriggert. Somit kann eine kleine Augenzahl durchaus auch einmal Retter in der Not oder taktisches Mittel sein.

Unsere Eindrücke

Zunächst einmal müssen wir an dieser Stelle die Spielregeln erwähnen. Was uns hier präsentiert wird, ist kein Glanzstück einer erfahrenen Redaktion. Das muss man einmal ganz deutlich sagen. Zu viele Fragen bleiben in den ersten Partien offen und Antworten müssen sich mühsam erarbeitet werden. Da hilft auch die kleine Spielerhilfen-Karte nicht. Im Gegenteil. Wer diese kleine „Spielerhilfe“ versteht, hat das Spiel zuvor schon verstanden. Das Regelwerk liest sich statisch und starr. Eng geschrieben, wenig Beispiele und lediglich eine Auflistung der einzelnen Aktionen. Zusammenhanglos und nicht leicht nachzuvollziehen. Das geht im Hause Kosmos eigentlich besser.

weisse burg spielertableauAber genug gemeckert. Kommen wir zum eigentlichen Spiel das, wenn man es verstanden hat, ganz schön kniffelig ist. Gespielt habe ich es bisher zu zweit, zu dritt und zu viert. Allerdings würde ich es in der Viererrunde nicht so oft spielen wollen. Die Downtime ist mir einfach zu hoch. Es zieht sich zu sehr. Die enthaltene Solo-Variante habe ich gar nicht gespielt, da ich traditionell keinen Gefallen an Solo-Varianten habe, auch wenn ein Spiel noch so gut ist.

Die Kombination aus Würfel-Einsetz und Worker-Placement Mechanismus gefällt mir gut. Man ist immer auf der Suche nach der bestmöglichen Kombination, um möglichst lange Kettenzüge zu generieren. Jedoch spielt dabei der Zufall eine große Rolle. Zu Beginn des Spiels werden Würfelmarker und Aktionskarten offen ausgelegt und die Aktionsmöglichkeiten zu definieren. Dabei kann es vorkommen, dass die ausliegenden Kombinationen relativ wenig Kombinationsmöglichkeiten bieten und somit keine Kettenzüge zulassen. Dies spiegelt sich dann bei Spielende an der Punkteleiste wieder. Wenig Kettenzüge bringen unterm Strich nur etwa 30-40 Punkte, während viele Kettenzüge durchaus einmal die 80 Punkte Marke reißen können.

Beispiele für Kettenzüge

weisse Burg brueckeIch nehme mir einen roten Würfel mit einer „5“ und setze diesen in der Burg ein. Dadurch bekomme ich gleich zwei Aktionen. Neben Ressourcen bietet sich mir auch die Möglichkeit, einen Krieger aus meinem Vorrat auf den Truppenübungsplatz zu stellen. Da ich für diese Aktion genügend Ressourcen habe, tue ich das auch. Der so platzierte Meeple triggert wiederum zwei Boni. Ich bekomme drei Ressourcen meiner Wahl und darf einen weiteren Meeple von meinem Tableau auf den Spielplan bringen. Diesmal ist es ein Gärtner, den ich platzieren darf. Auch dafür habe ich die erforderlichen Ressourcen und kann ihn einsetzen. Dieser eingesetzte Gärtner bringt mir jetzt am Rundenende bestenfalls einen weiteren Bonus, aber bei Spielende gleich 7 Punkte.

Zugegeben, so läuft es nicht immer. Oft hat man nicht die erforderlichen Ressourcen oder aber die ausliegenden Kombinationen aus Würfelplättchen und Aktionskarten lassen keine Kettenzüge zu. Da kann es dann durchaus auch einmal lukrativ sein, einen Würfel mit kleiner Augenzahl zu nehmen, dafür den Bonus einzustecken und auf das Brunnenfeld zu setzen. Dieses Feld ist immer und für jeden frei zugänglich, bring Ressourcen und etwas Münznachschub. So kann man sich für den nächsten Spielzug vorbereiten.

Es gibt aber auch ganz kurze Spielzüge, die man eigentlich vermeiden sollte. Denn es bringt keinen großen Vorteil, einen Würfel einzusetzen, der lediglich 2 Punkte auf der Siegpunktleiste bringt und sonst gar nichts. Da ist das Brunnenfeld immer noch lukrativer.

Weiße Burg vs. Rote Kathedrale

Ein Vergleich dieser beiden Spiele wird derzeit sehr häufig gemacht. Nur was will man hier vergleichen? Beide Spiele nutzen einen Würfel-Einsetzmechanismus und beide Spiele stammen aus derselben Autoren-Feder. Das war es meiner Meinung nach aber auch schon. Alles andere ist anders. Einzig die eigene Präferenz macht noch einen Unterschied. Bei uns zu Hause bin ich es, der die Weiße Burg bevorzugt, während meine Frau lieber die Rote Kathedrale auf den Tisch holt. Geschmäcker sind eben verschieden und mir machen beide Spiele Spaß.

Fazit

Zu zweit und zu dritt gefällt mir die weiße Burg sehr gut. Ich mag das Suchen und Knobeln für lukrative Kettenzüge, um aus meinen 9 Spielzügen möglichst 15 oder mehr Aktionen herauszuholen. Zwar wird der erste Eindruck durch die nicht ganz so optimalen Spielregeln etwas getrübt, aber wer dran bleibt und sich durchbeißt, wird mit einem schönen, feinverzahnten Spielerlebnis belohnt.

Euch ist eine Meinung nicht genug?

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Schaut doch mal bei den lieben Kollegen vom Beeple-Netzwerk nach. Vielleicht findet ihr unter www.beeple.de noch die eine oder andere Meinung zu diesem Spiel.

Alternativ könnt ihr immer gerne auch auf unserem und auf dem Discord-Server vom Beeple-Netzwerk nach weiteren Meinungen suchen.

© 23.01.2024 Oliver Sack – Abbildungen der Spiele und Regelauszüge ©Kosmos / Fotos: © Oliver Sack

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Der Einfachheit halber, verwende ich meist die maskuline Schreibweise in meinen Texten. Wenn ich von „Spieler“ schreibe, meine ich natürlich immer auch „Spielerinnen“ bzw. „Spieler m/w/d“


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