Titelbild Frisiert 2F

Lesezeit: 7 Minuten

Frisiert … hat doch bestimmt der eine oder andere früher seine Herkules, Zündapp, Puch oder ähnlichen Flitzer? Ich verrate nichts. Muss ja auch kein Zweirad sein, man kann ja zum Beispiel auch die Motoren eines Hausbootes bei der Abschlussfahrt frisieren, damit der Kahn flotter läuft. Das hab ich zumindest mal von einem Freund (Hust, hust), gehört. Aber das ist eine andere Geschichte, der war wirklich viel zu langsam. Hier, beim Brettspiel Frisiert! Geht es um etwas anderes. Hier wird auch nichts frisiert, sondern nur gefahren. Die Arbeit hat sich quasi schon jemand gemacht. Wir Spieler schlüpfen also nicht in die Rolle der Moped-Bastler und auch nicht in die Rolle der Moped-Fahrer. Nein, wir machen es ganz schlau. Wir wetten auf den Ausgang eines Rennens mit frisierten Kleinkrafträdern.

Frisiert 2F Box

Name: Frisiert!

Für 2-6 Spieler, ab 10 Jahren

Autor: Friedemann Friese

Illustrationen: Zwei-Takt „Maura” Kalusky

Verlag: 2F-Spiele

Spieldauer: ca. 30 Minuten

Platzbedarf: ca. 50×50 cm

Verlagstext

Die verrückten Mopedfahrer*innen starten gleich das Rennen mit ihren frisierten Mopeds! Mangels Mut und einer guten Krankenversicherung nehmen weder deine Freunde noch du am Rennen teil. Stattdessen feuert ihr die Mopeds an und wettet auf den Rennausgang.

Während die sechs Mopeds dreimal um die Rennstrecke rasen und dabei versuchen, nicht hinter den anderen Mopeds oder an Engpässen stehen zu bleiben, betrachtet ihr Runde für Runde die Situation und wettet auf eure favorisierten Mopeds. Wer kommt auf den 1., 2. und 3. Platz?

Nach drei spannenden Runden um die Rennstrecke endet das Rennen, sobald die ersten drei Mopeds die Ziellinie überquert haben. Habt ihr die besten Rennkarten gesammelt, um Frisiert! zu gewinnen?

Quelle: 2F-Spiele

Das Spiel

Der Duft von Zweitakt-Kraftstoff liegt in der Luft. Sechs flotte Flitzer stehen an der Startlinie und warten auf den Countdown. Warten darauf, dass es losgeht. Dann das Startsignal. Mit unüberhörbarer Langsamkeit setzt sich das Feld in Bewegung. Runde um Runde wechselt die Führung mal mehr, mal weniger überraschend, bis nach drei Runden der Sieger feststeht. Wer jetzt auf die drei Erstplatzierten richtig getippt hat, der gewinnt das Spiel. Doch der Reihe nach.

Frisiert! BewegungskartenBewegt werden die Mopeds immer durch ausspielen von Bewegungskarten. Diese erlauben eine Bewegung der Figuren von ein bis drei Felder. Ganze 14 Bewegungskarten stehen dabei pro Moped zur Verfügung, unabhängig von der Zahl der Mitspieler. Denn, wie schon erwähnt, wetten die Spieler „nur“ auf den Rennausgang der sechs Flitzer.

Der Haken bei der Sache sind aber genau diese Bewegungskarten. Wer an der Reihe ist, nimmt sich den Nachziehstapel und zieht, je nach Zahl der Mitspieler nacheinander sechs bis neun Karten. Diese werden immer sofort aufgedeckt und zeigen, welches Moped sich wie weit vorwärts bewegt. Dabei kann es passieren, dass der Weg versperrt ist. In diesem Fall bleibt natürlich der Flitzer an Ort und Stelle stehen. Nachdem alle Karten und Mopeds gezogen sind, nimmt der aktive Spieler alle aufgedeckten Karten auf die Hand.

Jetzt wird gewettet. Der aktive Spieler nimmt sich eine der Karten, die er jetzt auf der Hand hat und legt sie verdeckt vor sich ab. Das ist seine Wette. Die Farbe der Karte entspricht also dem Fahrer, der wohl das Rennen macht und nach drei Runde ganz oben auf dem Podest steht. Die restlichen Karten werden an den nächsten Spieler gegeben und auch dieser sucht sich eine Karte, seinen Tipp heraus.

Nachdem alle Spieler so gewettet haben, wandern die übrigen Karten unter den Nachziehstapel und der Nächste wird aktiver Spieler. Er deckt Karten auf, zieht Mopeds und wettet.

Frisiert! SzeneSobald ein Moped die Ziellinie nach seiner dritten Runde passiert, endet das Spiel. Die drei Sieger stehen fest. Wer jetzt von den drei erst platzierten Karten verdeckt vor sich liegen hat, kann diese werten. Hier zählen aber nur die Karten und nicht der jeweils aufgedruckte Zahlenwert. Für Karten passend zum Sieger gibt es vier Punkte, für den zweiten drei und für den Drittplatzierten noch zwei Punkte je Karte in der passenden Farbe.

Unsere Eindrücke zu Frisiert!

Klar erinnert einiges zunächst an Camel Up (Eggertspiele, 2014), aber das täuscht dann doch. Der Wettmechanismus bei Frisiert! Ist wesentlich einfacher. Das Handicap bei diesem Spiel sind die Bewegungskarten. Sie dienen zum einen dazu, die Mopeds zu bewegen, zum anderen dazu, auf den Sieger zu wetten. Da immer mehr Karten ausgespielt werden als Spieler teilnehmen, wandern übrige Bewegungskarten nach dem Wetten unter den Nachziehstapel und können so erneut auftauchen und Mopeds bewegen. Aber Achtung! Wer jetzt aufgepasst hat, der hat bemerkt, dass eben die Karten, die man zum Wetten aus dem Spiel genommen hat, nicht mehr auftauchen. Das führt häufig dazu, dass ein Moped, welches zwei Runden lang in Führung lag, auf einmal keinen Zucker mehr macht und auf den letzten Metern dauernd überholt wird. Gemein? Nein!

Frisiert!Diesen Umstand kann man jedoch ein wenig taktisch nutzen, indem man sich genau überlegt, welche Karte mit welchem Wert man als Wettkarte vor sich ablegt und welche Karte weiterhin als Bewegungskarte im Spiel bleiben soll. Dumm nur, wenn der nachfolgende Spieler anders denkt.

Ein weiteres nicht berechenbares Handicap ist der schmale Rennkurs. Ein Moped, das hinter anderen Mopeds blockiert ist, bewegt sich nicht. Auch nicht, wenn mehrere Karten hintereinander dies bewirken würden. Schade oder Schicksal? Ein wenig Zufall muss ja sein. Das macht die Sache am Ende auch sehr unterhaltsam.

Überhaupt ist Frisiert! eher ein schnelles, lustiges und unterhaltsames Spiel. Aber es macht verdammt viel Spaß. Dabei haben unsere Runden gezeigt, dass der Spaß ab 5 Spieler erst so richtig zunimmt. Dann wird das Spiel nämlich fast nicht mehr kalkulierbar und endet in einem Renn-Chaos. Sehr zur Freude der Mitspielenden. Am Ende ist es dann auch fast egal, wer das Spiel gewinnt. Zu groß ist der Spaß vor allem in der dritten und letzten Rennrunde, wenn Dinge passieren, die man nicht für möglich gehalten hat. Nicht selten gewinnt ein Moped, dass eben nicht von Beginn an zu den Führenden auf dem Rennkurs gezählt hat.

Fazit

Abschließend bleibt eigentlich nur zu sagen, dass wir bislang sehr viel Spaß und Gelächter bei Frisiert! hatten und das Spiel sicher immer wieder gerne als Aufwärmer oder Absacker auf den Tisch bringen.

Was wir aber auf jeden Fall noch explizit erwähnen müssen, ist die grafische Gestaltung. Die Mopeds sind liebevoll und authentisch gestaltet. Egal ob Kreidler, Herkules oder Nachbars Schwalbe, die Illustrationen sind super.

 

Wie würde ich mich entscheiden, wenn ich die Wahl zwischen Frisiert und Camel Up hätte?

Frisiert spielt sich flotter und ist einfacher zu erklären. Es gibt keine Zwischen- und Nebenwetten wie bei Camel Up. Frisiert ist dadurch geradliniger und zieht sich nicht. Unberechenbar sind sie beide.

Aber: beide haben ihren Reiz.

Bei Camel Up besteht zusätzlicher Reiz durch den Huckepack Faktor, was man auch als Handicap bezeichnen könnte, während es bei Frisiert das Blockieren durch Vorderleute ist.

© 21.01.2022 Oliver Sack – Abbildungen der Spiele und Regelauszüge ©2F Spiele / Fotos: © Oliver Sack

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Transparenz-Hinweis: Wir bekommen keine Bezahlung für unsere Meinung zu diesem Spiel!


Der Einfachheit halber, verwende ich meist die maskuline Schreibweise in meinen Texten. Wenn ich von „Spieler“ schreibe, meine ich natürlich immer auch „Spielerinnen“ bzw. „Spieler m/w/d“


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