ganz schön clever

Würfelspiele, bei denen man in irgendeiner Form das Ergebnis auf einem Blatt notiert, so genannte „Roll & Write Spiele“, kennt jeder von uns. Garantiert hat auch jeder schon einmal „Kniffel“ (1972) oder „Yatzee“ (1956) gespielt, oder? Klar!

Somit sind „Roll & Write Spiele“ eigentlich auch nichts Neues. Doch seit „Qwixx“ 2012 (Steffen Benndorf, NSV Verlag) erleben diese Art Würfelspiele einen regelrechten Boom. Immer wieder kommen gute Vertreter dieses Genres auf den Markt. Zuletzt war dies 2016 „noch mal!“ (Markus & Inka Brand, Schmidtspiele). Jetzt kommt mit „ganz schön clever“ wieder ein „Roll & Write Spiel“ aus dem Hause Schmidtspiele auf unsere Tische und das hat es ganz schön in sich. Der österreichische Molekularbiologe und Spiele-Autor Wolfgang Warsch lässt hier unsere Rübe richtig schön qualmen. Es ist das wohl kniffeligste Würfelspiel der letzten Jahre.

Eckdaten

Name: Ganz schön clever
Autor: Wolfgang Warsch
Grafik: Leon Schiffer
Verlag: Schmidtspiele
Für wen: 1 bis 4 Spieler, ab 8 Jahren
Spieldauer: ca 30 Minuten
Platzbedarf: ca. 50x50cm

Verlagstext

Ganz schön clever wollen hier die Würfel gewählt werden. Denn geschickt eingesetzt können diese zu trickreichen Kettenzügen führen. Der gewählte Würfel wird dann im farblich passenden Bereich eingetragen und sorgt dann für entsprechende Siegpunkte. Doch ist es auch nicht unwichtig, was ungenützt liegen bleibt. Denn jeder Würfel, der eine kleinere Augenzahl aufweist als der gewählte, muss den Mitspielern auf dem Silbertablett serviert werden … Bei diesem schönen Würfelspiel sind alle Spieler in „NOCH MAL!“-Manier immer am Spielgeschehen beteiligt. Da muss keiner lange warten!

Quelle: PM, Schmidtspiele, März 2018

 

Das Spiel

Ganz schön cleverNeben einem obligatorischen Block mit vier kleinen Stiften, liegen dem Spiel lediglich 6 Würfel bei. Je einer in weiß, gelb, blau, grün, orange und lila. Mehr braucht es auch gar nicht, um uns zur Verzweiflung zu bringen.

Schauen wir uns mal ganz grob den Spielablauf an, ohne gleich bis ins letzte Detail zu gehen. Wer an der Reihe ist (aktiver Spieler), wirft alle Würfel und wählt anschließend einen davon aus, der im farblich passenden Feld auf dem Wertungsblatt eingetragen wird. Von den restlichen Würfel dürfen nun alle, deren Augenzahl gleich oder höher als der zuletzt gewählte sind, noch mal geworfen werden. Dann wird wieder ein Würfel gewählt, abgetragen und beiseite gelegt. Hat man jetzt noch Würfel übrig (gleiche oder höhere Augenzahl), macht man alles zum dritten und letzten Mal. (Aller guten Dinge sind bekanntlich drei.) Im Idealfall hat man so drei Würfel gewählt und gewertet. Aus den beiseite gelegten Würfel dürfen sich die anderen Spieler jetzt je einen dieser Würfel aussuchen und für ihre Zwecke nutzen. Anschließend wechselt die Rolle des aktiven Spielers. War jeder Spieler ein Mal der aktive Spieler, ist eine Runde beendet und es folgt die nächste Runde. Je nach Spielerzahl ist nach 4, 5 oder 6 Runden, wenn jeder zwischen 33 und 39 Eintragungen gemacht hat, Schluss und es gewinnt der Spieler mit …. den meisten Punkten. (Update: für Ergebnisse über 300 Punkte sollten es dann schon rund 45 Eintragungen sein – nicht einfach)

Das klingt jetzt zwar einfach und wenig spektakulär, aber die Krux liegt hier im Detail, genauer gesagt auf dem Wertungsblock.

Der Wertungsblock

Im oberen, grauen Bereich werden die Runden und die Boni (neu würfeln und zusätzlichen Würfel wählen, usw.) abgetragen.

Im gelben Bereich darf nur der gelbe (oder der weiße als Joker) Würfel verwendet werden. Je nachdem, welche Augenzahl der gelbe Würfel zeigt, wird das Feld der entsprechenden Zahl abgekreuzt. Hat man irgendwann währen des Spiels eine waagerechte oder die diagonale Reihe voll, gibt‘s einen hilfreichen Bonus.

Ganz schön cleverDiese Boni sind immer nach demselben Muster gestrickt. So bringt die oberste gelbe Reihe zum Beispiel ein zusätzliches Kreuz im blauen Bereich. Eine „4“ im orangenen Bereich bekommt man bei Komplettierung der zweiten Reihe. Für die dritte Reihe gibt‘s analog zur ersten, ein Kreuz im grünen Bereich, und so weiter.

Der rote Fuchs und die Zahlen unter den senkrechten Reihen kommen erst bei Spielende in die Wertung.

Der blaue Bereich funktioniert ähnlich. Jedoch muss hier, wählt man den blauen Würfel, immer der Wert des weißen Würfels dazu addiert werden. Dabei spielt es keine Rolle, wo sich dieser befindet. Auch hier winken während des Spiels nützliche Boni beim Füllen einer waagerechten oder senkrechten Reihe.

Die grüne, orangene und lila Reihe werden jeweils von links nach rechts gefüllt und lösen dadurch ebenfalls diverse Boni aus. Grüne Felder zeigen an, welche Augenzahl der grüne Würfel mindestens aufweisen muss, um ein Kreuz setzen zu dürfen. Bei orange hingegen ist jeder Wert möglich. In der lila Reihe muss jede Augenzahl höher als die zuletzt eingetragene sein. Ausnahme, die „6“. Nach einer „6“ darf eine beliebige Zahl eingetragen werden. Das darf durchaus gleich wieder eine „6“ sein.

Nach vier, fünf oder sechs Runden (je nach Spielerzahl) wird abgerechnet. Dazu werden die in den einzelnen Farben erreichten Punktzahlen auf dem Wertungsblatt eingetragen und addiert. Zusätzlich wird noch die niedrigste Einzelwertung mit der Anzahl erreichter Fuchs-Boni multipliziert und ebenfalls zur Summe der farbigen Felder hinzuaddiert. Sieger ist der Spieler mit der höchsten Gesamtpunktzahl.

Fazit

Ganz schön cleverAuch wenn es anfangs recht kompliziert aussieht, so kommt man doch bereits in der ersten Partie recht schnell dahinter, wie der Hase läuft. Ab der zweiten Partie jagt man dann immer wieder seine persönliche Bestmarke, was mit der Zeit immer schwerer wird. Als besonders hilfreich und wichtig haben sich die Boni herausgestellt. Wer diese clever kombiniert und im richtigen Moment auslöst, der kann mit den dadurch möglichen Boni-Kettenreaktionen richtig dick Punkte einfahren.

Welche Taktik oder Strategie zum Erfolg führt, bleibt offen. Bei uns hat es sich herauskristallisiert, dass das Füllen des gelben und blauen Bereichs nicht zu unterschätzen ist. Der Rest füllt sich dank der Boni dann immer auch ein Stück weit von alleine.

Ins Abseits manövrieren hingegen kann man sich ganz schnell, wenn man einmal nur zwei anstatt drei Würfel nutzt. Der Verlust eines einzigen Würfels kann sich ganz fatal auf das Punktekonto auswirken.

Alles in Allem hat uns, gerade auch zu zweit, das Spiel sehr gut gefallen. Meist wurden auch mindestens zwei Partien gespielt. Es ist sehr kurzweilig und bietet immer wieder neue Herausforderungen, seine persönlich beste Leistung zu steigern.

Anmerkung

„Ganz schön clever“ wurde zum „Kennerspiel des Jahres 2018“ nominiert, was wir allerdings nicht ganz nachvollziehen können. Zugegeben, das Spiel ist wirklich gut, aber ein Kennerspielniveau sehen wir hier nicht, sorry.

Bei der Altersangabe sehen wir es wie die Jury. Ab 8 Jahren ist hart! Daher würden auch wir eher zu 10+ tendieren.

© 15.07.18 Oliver Sack
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Abbildungen der Spiele und Regelauszüge © Schmidtspiele / Fotos: Oliver Sack


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