Hadara Titel

Aus dem Hause Hans im Glück kommen jedes Jahr neben Carcassonne-Ableger, deren Erweiterungen und/oder Varianten, meist nicht viele Spiele auf dem Markt. Mir kommt es so vor, als ob dort Klasse vor Masse steht, was ich ja grundsätzlich gut finde. (Sollte manch anderer auch mal versuchen). Meist kommt im Frühjahr ein (vermeintlich) etwas seichtere Spiel und im Herbst dann ein Klopper. Manchmal kommen auch zwei komplexere Spiele in einem Jahr. Fakt ist, die Spiele sind immer einen Blick wert, auch wenn der Verlag die Messlatte in der Vergangenheit selbst recht hoch gelegt hat. Ob 2019 die Frühjahrsneuheit „Hadara“ diese Höhe packen kann, oder dies erst der kommenden Herbstneuheit gelingen wird, bleibt abzuwarten.

Eckdaten

Name: Hadara
Für 2-5 Spieler, ab 10 Jahren
Autor: Benjamin Schwer
Grafik: Dominik Mayer
Verlag: Hans im Glück
Vertrieb: Asmodee
Spieldauer: ca 45-60 Minuten
Platzbedarf: ca 90x90cm

Hadara Box

Verlagstext

„Hadara“ entführt dich in die Welt der Kulturen und Länder dieser Erde. Über 3 Epochen hinweg erlebst du die Verwandlung deiner neuen Welt von einer kleinen Siedlung zu einer Hochkultur.

Du willst diese Welt mit Personen besiedeln, die dabei aus verschiedenen Kulturkreisen, Kontinenten aber auch Zeitaltern stammen.

Um deiner Welt zu viel Ruhm und Ehre zu verhelfen, solltest du die Personen und Errungenschaften geschickt aussuchen. Dabei solltest du aber die Landwirtschaft, die Kultur und die militärische Macht nicht außer Acht lassen, sonst kann es passieren, dass einer deiner Mitkonkurrenten größer und erfolgreicher wird. Wem gelingt es zuerst, eine neue blühende Hochkultur zu erschaffen?

Quelle: www.hans-im-glueck.de, Mai 2019

Hadara in aller Kürze

zentrales Element, das RondellAuf dem zentralen Tableau liegen fünf Stapel mit Karten für die unterschiedlichen Bereiche (Geld, Militär, Kultur, Spezielles und Ernährung). Wer an der Reihe ist, nimmt von dem Ihm durch den Startspieler zugeteilten Stapel genau zwei Karten. Von diesen zwei Karten darf dann eine einzige „gebaut“ werden. Dazu muss der Preis der Karte bezahlt werden, wobei eventuell bereits vorhandene Karten derselben Farbe angerechnet werden, was den Kartenpreis bis auf Null senken kann. Die zweite Karte kommt neben dem Zugstapel auf eine offene Ablage.

Kann oder will man die eine Karte nicht „bauen“, kann diese alternativ auch verkauft werden. Das ist dann auch eine der wenigen Möglichkeiten, außerhalb der Einkommensphase an Geld zu kommen (Memo an mich: nicht vergessen!). Die gekaufte Karte wird dann dem entsprechenden Bereich zugeteilt und am eigenen Tableau angelegt. Eventuell werden noch Marker der einzelnen Leisten (Zivilisationsbereiche) verschoben. Was und wie viel, gibt die gekaufte Karte vor. Lila Karten geben zudem noch dauerhafte Vorteile, die teils recht stark sind. Sobald alle verdeckten Karten am Rondell vergeben sind, endet Phase A.

Zwischenphasen

Bevor es jetzt weiter geht, werden noch drei Zwischenschritte abgehandelt. Hier bekommt man zuerst einmal sein Einkommen gemäß der gelben Leiste. Danach kann man gemäß der roten Leiste (Militär) ein Kolonie-Kärtchen nehmen, das neben Punkte bei Spielende auch noch Schritte auf den Ressourcen-Leisten bringt. Aber nur, wenn man die Kolonie-Plättchen aktiviert, was wiederum Geld kostet. Nach der roten Leiste, wird noch die blaue Leiste (Kultur) ausgewertet. Je nach Wert der blauen Leiste können beim „Büste meißeln“ wiederum Schritte oder Punkte gesammelt werden. Die grüne Leiste wird am Ende der Phase A nicht berücksichtigt.

Zweite Phase einer Epoche

Spielszene TableauDann folgt Phase B, bei der jetzt die offen abgelegten Karten frei, reihum, gekauft und angelegt oder auch wieder verkauft werden dürfen. Sind alle Karten weg, kommt es wieder zur Auswertung der Leisten und ihrer Effekte. Neben gelb, rot und blau, wird jetzt auch die grüne Leiste (Ernährung) ausgewertet.

Der Wert der grünen Leiste muss dabei höher sein, als die Anzahl der am eigenen Tableau angelegten Karten. Reicht der Wert nicht, verliert man entsprechend Karten und die damit verbundenen, bereits gezogenen Schritte der entsprechenden Karte/Leiste. Abschließend kann man jetzt noch goldene und/oder silberne Siegel kaufen, welche am Spielende noch einmal für extra Punkte sorgen können. Allerdings sind diese Siegel recht teuer. Nach diesem Zwischenschritt endet die Epoche.

Für die zweite Epoche kommen jetzt neue, teurere Karten ins Spiel und es werden wieder die beiden Phasen samt Auswertungen durchgespielt. Nach der dritten Epoche folgt eine Schlusswertung, unterstützt durch einen Wertungsblock. Am Ende gewinnt wie immer der Spieler mit den meisten Punkten.

Stolpersteine bei Hadara

Qual der WahlDas Hauptproblem für die Spieler sind die ganzen Dilemmata auf die man unweigerlich stößt, denen man auch nicht ausweichen kann. Alles ist voneinander abhängig. Kein Bereich kommt ohne den anderen aus. Zu wenig Nahrung bedeutet, ich muss gekaufte Karten (Personen) abwerfen. Besitze ich von einer Gruppe (Farbe) zu wenig Personen (Karten), wird sich das rächen, denn die Karten werden in Epoche 2 und 3 jeweils teurer. Hab ich viele Karten (Personen) bereits gekauft, kann ich günstig weitere Karten derselben Farbe kaufen, sofern ich Geld habe.

Eine Entscheidung jagt die Nächste und immer wieder hapert es an den Finanzen. Das ist das, was das Spiel zum Kennerspiel macht. Alles ist fein verzahnt. Die Entscheidungen die man treffen muss bringen die Spieltiefe. Die Kartenvielfalt die Varianz. Und das alles mit klaren, kurzen Regeln.

Unsere Eindrücke von Hadara

Der erste Eindruck war WOW! Viel Material, toll illustrierte Karten, Marker, Spielertableaus, zentrales Tableau. Aber, ein recht übersichtliches Regelwerk. Obwohl es zunächst recht kompliziert aussah und im Übrigen definitiv Kenner-Nivau besitzt, ist es doch sehr zugänglich. Super schnell war klar, was, wie, wo zu tun ist. Die Symbolik ist super logisch und der Großteil des eigenen Spielzugs ist sofort klar, selbsterklärend und intuitiv. Lediglich die Spielphase, in der man sein Einkommen bekommt, kam für mich anfangs eher ungelegen oder zur falschen Zeit. Mein Problem.

Hadara WertungThema

Laut Verlag ist „Hadara“ ein Zivilisationsspiel, bei dem wir über 3 Runden (=Epochen) versuchen, unsere Kultur, punkteträchtig voranzubringen. Gesteuert wird das Ganze über Karten. Fünf Kartenarten für fünf verschiedene Bereiche unserer Kultur stehen zur Verfügung. Das besondere daran ist der Kartenmechanismus, dem Kernelement das alles steuert. (Erinnert entfernt an 7 Wonders). Aber! Obwohl die Karten super illustriert sind, geht leider das Thema völlig unter. Niemand spricht von Kulturen oder Epochen. Man pusht und optimiert vielmehr über drei Runden hinweg seine Farbreihen und Kartenauslage.

Das klingt jetzt zugegeben etwas emotionslos, soll aber nicht heißen, dass das Spiel mittelmäßig oder gar schlecht ist. Noch mal, mir gefällt „Hadara“ wirklich sehr gut, hat eben für mich nur einen Kratzer im Lack, was wiederum subjektives Empfinden und Geschmackssache ist. Klar, in einer Liga mit „Russian Railroads“ oder auch „Marco Polo“ kann „Hadara“ nicht mithalten. Will es aber auch nicht, es ist ein solides Kennerspiel mit der Einstiegshürde eines Familienspiels. Oder ein gehobenes Familienspiel, ganz nach Gusto.

Zu starke Karten

starke lila KarteDie Karten der einzelnen Epochen wirken recht ausgeglichen und einigermaßen gleich stark. Einzig eine Karte des lila Stapels (Spezialkarten) der zweiten Epoche halten wir für sehr stark, ja sogar für zu stark. Bei unseren ersten Partien ist uns das nicht aufgefallen, aber später kommt man schnell dahinter, dass diese Karte seinem Besitzer einen sehr großen Vorteil verschafft. Es handelt sich um eine, zudem noch recht günstige Karte, die die Kosten für goldene und silberne Siegel ab der zweiten Epoche deutlich verringert. (Siehe Bild) Daher sortieren wir diese Karte immer aus – sie ist einfach zu stark.

Unsere Mitspieler über Hadara

Sandra:

Mein Ersteindruck zu „Hadara“, rein nach meiner ersten Partie. „Hadara“ ist ein schönes Spiel mit einfachen Regeln, aber verzwickten Entscheidungen. Welche Karten oder Siegel sollen gekauft werden und wann? Durch den ständigen Geldmangel, gerade am Anfang ist die richtige Strategie noch schwer zu finden. Aber genau dies macht den Wiederspielreiz aus. Gerne mal wieder. Vielleicht wirft man dann auch mal einen Blick zu seinen Mitspielern, was die so benötigen, um vielleicht ihnen, die eine oder andere Karte wegzuschnappen.

Esther:

Mir hat es soweit gefallen. Ist etwas schwierig zu sagen nach dem ersten Versuch. Ich weiß nicht genau, ob man beim mehrmaligen Spielen mit einer Strategie besondere Vorteile erreichen kann oder ob es auch dann noch ausgeglichen ist… Aber es ist sehr einfach, dafür dass es voll spannend ist und immer wieder neu. Dass es um „Epochen“, „Kulturen“ und „verschiedene Personen“ geht, habe ich in meiner ersten Partie gar nicht wahrgenommen.

© 09.05.2019 Oliver Sack

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Abbildungen der Spiele und Regelauszüge ©Hans im Glück / Fotos: Oliver Sack
Dies ist keine Werbung, dies ist eine rein sachliche Meinungsäußerung zu einem Produkt.


Der Einfachheit halber, verwende ich die maskuline Schreibweise in meinen Texten. Wenn ich von „Spieler“ schreibe, meine ich natürlich immer auch „Spielerinnen“ bzw. „Spieler m/w/d“ – um hier mal politisch korrekt zu bleiben, bevor jemand aus einem Loch kriecht und meckert.

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