Titelbild Humboldt

Humboldt‘s Great Voyage – bei diesem Titel denkt man unweigerlich an Abenteuer, Reisen und Entdeckungen. Wie schon Marco Polo, so war auch Alexander von Humboldt gerne und viel auf Reisen. Zwar nicht ganz aus denselben Gründen, dennoch waren die Reisen geprägt vom Unbekannten. Grund genug also, hohe Erwartungen an ein Spiel mit diesem Thema und Namensgeber, zu haben. Da muss sich doch viel herausholen zu lassen. Schließlich fällt der Erscheinungstermin 2019 auch noch auf das Humboldt-Jahr. Und Stoff für viel Spieltiefe hat Humboldt auf seinen Reisen gesammelt. Man muss den Stoff nur noch umsetzen.

humboldt boxcover

Name: Humboldt‘s Great Voyage

Für 2-4 Spieler, ab 10 Jahren

Autoren: Remo Conzadori, Nestore Mangone

Grafik: Dennis Lohausen

Verlag: Huch

Spieldauer: ca 45 Minuten

Platzbedarf: ca. 80x70cm

Verlagstext

humboldt's aufbauDer Spielplan von Humboldt’s Great Voyage orientiert sich an der historischen Reiseroute Humboldts und fasst einzelne Abschnitte farblich zusammen. In der Spielvorbereitung werden auf jedem Ort Wissenssteine ausgelegt. Jeder Spieler erhält Schiffskarten, um Fundstücke nach bestimmten Vorgaben zu sammeln und zu verschiffen.

In seinem Zug zieht der aktive Spieler Wissenssteine, deren Farben vorgeben, in welchem Bereich des Spielplans er seine Reise beginnen darf. Der Spieler wählt einen farblich passenden Ort aus, nimmt alle Wissenssteine, die sich an diesem Ort befinden, und folgt in Pfeilrichtung den möglichen Reiserouten. An jedem bereisten Ort legt er einen Stein ab. Passt die Farbe des Steins zum Ort, wählt der Spieler ein Frachtplättchen in der entsprechenden Farbe. Jeweils im Zug der Mitspieler können zudem Kontaktpersonen gewonnen werden, die entweder im Spiel als ortskundige Helfer eingesetzt werden oder am Ende punkten.

Wer seine Reise am erfolgreichsten geplant und durchgeführt hat, wird schließlich mit den gefragtesten Fundstücken und den wertvollsten Freundschaften triumphieren. Thematisch ist das Spiel durch zahlreiche Begebenheiten von Humboldts großer Reise inspiriert, die auch noch im Jubiläumsjahr zum 250. Geburtstag des berühmten Naturforschers nichts an Faszination eingebüßt haben.

Quelle: PM Huch, 2019

Hintergrund und (un)nützes Wissen

Das Leben, die Reisen und Forschungsergebnisse von Friedrich Wilhelm Heinrich Alexander von Humboldt (* 14. September 1769 in Berlin; † 6. Mai 1859) sind sehr interessant. Nach Alexander von Humboldt wurden zahlreiche Arten benannt, außerdem geografische Objekte, Orte, Schulen und Institutionen, wissenschaftliche Auszeichnungen und anderes. 1969 wurde ermittelt, dass nach keinem anderen Menschen mehr Orte benannt wurden. (Quelle: Wikipedia)

Es lohnt sich, mal ein bisschen dazu zu recherchieren. Ein kleiner Vorgeschmack liefert auch das Regelheft. Am Ende gibt es eine kurze Zusammenfassung von Humboldts Lebensweg.

Zwei Städtenamen des Spielplans möchte ich noch kurz hervorheben. Das ist zum einen Santa Cruz. Städte, die diesen Namen gibt es sehr viele auf der Welt. Auf fast jedem Kontinent findet sich mindestens ein Santa Cruz. Dazu kommen noch unzählige Regionen, Bezirke, Flüsse und so weiter. Das Santa Cruz, welches Humboldt besucht hat, dürfte auf den Kapverdischen Inseln liegen, vermute ich. Wahrscheinlich hat er aber auch mehrere Santa Cruz gesehen.

Die zweite Stadt, die wir auf dem Spielplan finden, ist Angostura. Angostura ist eine Stadt? War da nicht etwas anderes? Richtig! Angostura ist ein bekannter Cocktailbitter, zur Aromatisierung von Spirituosen und Cocktails, wie z. B. Mojito.

Die Stadt Angostura, in Neu-Grenada (heute Venezuela), wurde 1764 gegründet und bekam 1846 seinen heutigen Namen Ciudad Bolivar. (Benannt nach dem Freiheitskämpfer Simon Bolivar, 1783-1830)

Ursprüngliches Thema des Spiels

Kleiner Fun Fact am Rande: Das original Setting des Spiels war in Indien. Es ging darum, das Eisenbahn-Streckennetz dort auszubauen. Humboldt als Thema und Namensgeber war eine Idee der Redaktion von Huch.

Quelle: Huch Verlag, Januar 2020

Eindrücke zu Humboldt's Great Voyage

Puh, es ist wirklich schwer, jetzt etwas Positives zu sagen. Humboldt’s Great Voyage ist schon eher abstrakt und sehr statisch. Ein atmosphärisches Spielgefühl wollte sich bei uns partout nicht einstellen.

Spielszene humboldt's great voyageMan markiert seine Route, ausgehend von einem mehr oder weniger zufälligen Startpunkt, die Mitspieler dürfen sich an den Holzplättchen bedienen und dann darf ich mir Pappmarker nehmen. Das war mein Zug. So richtig viel Vorbereitung braucht man für seinen Zug auf Grund des hohen Glücksanteils auch nicht. So werden die einzelnen Runden mehr oder weniger heruntergespielt. Emotionslos. Schade.

Ebenfalls konnte ich keinen meiner Mitspieler aus der ersten Partie zu einer weiteren überzeugen. Auch die Mitspieler der zweiten und dritten Partie fühlten sich bedient. Ich war der einzige, der mehrere Partien gespielt oder angeleitet hat und das Ergebnis, war immer dasselbe. Eine Partie hat meinen Mitspielern gereicht.

Dabei wurde immer wieder auch bemängelt, warum die Pfeile zwischen den Orten meist nur in eine Richtung gehen. Das dies an die Reiserouten Humboldts erinnern soll wurde dabei als unnötig bezeichnet.

Immer wieder kam aber auch der Vergleich zu ‚Marco Polo‘, bei dem das Spiel um den reisenden Venezianer immer besser abschnitt.

Mein Fazit zu Humboldt‘s Great Voyage

humboldts spielplanIch war ehrlich gesagt enttäuscht! Mir fehlten absolut ein Spannungsbogen und deutlich mehr thematische Spieltiefe. Ich hatte nie das Gefühl, etwas zu „entdecken“. Weder Kulturen, noch Tiere, noch etwas anderes. Ich war lediglich damit beschäftigt, möglichst farblich passende Holzmarker auf den Orten zu verteilen, um bunte Pappmarker mit Bildchen zu bekommen. Nebenbei sammelte ich noch, wenn sich die Gelegenheit bot, weitere Pappmarker um aus ihnen Sets zu bilden. Schade. Das Thema würde doch sicher einiges an Spieltiefe und Spannung ermöglichen. So ist es ein dahinplätscherndes abstraktes Lauf- und Sammelspiel, auf das jedes x-beliebige Thema passt. Da war echt mehr drin. Das sahen auch fast alle Mitspieler so. Aber vielleicht ist das nur mein und unser Empfinden und andere mögen es. So sei es, Geschmäcker sind bekanntlich verschieden.

© 17.01.2020 Oliver Sack

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Abbildungen der Spiele und Regelauszüge ©Huch / Hutter Trade / Fotos: © Oliver Sack
Dies ist keine Werbung, dies ist eine rein sachliche Meinungsäußerung zu einem Produkt.


Der Einfachheit halber, verwende ich die maskuline Schreibweise in meinen Texten. Wenn ich von „Spieler“ schreibe, meine ich natürlich immer auch „Spielerinnen“ bzw. „Spieler m/w/d“ – um hier mal politisch korrekt zu bleiben, bevor jemand aus einem Loch kriecht und meckert. Das gilt übrigens auch für Grammatik und Rechtschreibung.

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