My City Knizia Titel

My City – die Frühjahrsneuheit von Reiner Knizia aus dem Hause Kosmos, sollte uns eigentlich im Rahmen des Blogbistro Mitte März beim und vom Verlag vorgestellt werden. Doch die Corona-Krise hat diese Pläne zu Nichte gemacht und das Treffen unter dem Hashtag #kosmosbb20 musste leider ausfallen. Kurzerhand haben die Verantwortlichen dann einfach die Spiele verschickt und wir konnten so unser privates Blogbistro mit My City veranstalten. Zu dritt war es zwar lange nicht so schön wie das Treffen hätte werden können, aber wir hatten dennoch Spaß. Dafür einen dicken Dank an Kosmos, uns dennoch einen verspielten Samstag zu bereiten.

Eckdaten

Name: My City

Für 2-4 Spieler, ab 10 Jahren

Autor: Reiner Knizia

Grafik: Michael Menzel

Verlag: Kosmos

Spieldauer: ca. 30 Minuten pro Spiel/Szenario

Platzbedarf: ca 80x100cm (zu viert)

Kosmos My City Box

Alles Spoilerfrei!

Wir haben versucht, bei Bilder und Spielbeschreibung, nichts zu verraten und nicht zu viele Details zu zeigen. Auf den Bildern ist daher ausschließlich Material aus Spiel 1 zu sehen.

Verlagstext zu My City

Eine Stadt bauen, weiterentwickeln und zugleich auf Zeitreise gehen: Das Legespiel My City sorgt von Spiel zu Spiel für spannende Wendungen. Während der einzelnen Partien kommen immer wieder neue Regeln und Spielmaterialien für die zwei bis vier Spieler hinzu, bis nach 24 Spielen die abwechslungsreiche Geschichte einer Stadt erzählt wurde. Das Brettspiel startet mit einfachen Regeln, die einen schnellen Einstieg ermöglichen. Ein Spiel ist beendet? Dann werden Sticker, die sich in den acht verschlossenen Umschlägen befinden, auf den Plan geklebt. So entwickelt sich der Spielplan immer weiter. In den nächsten Partien warten weitere Anforderungen und Spielmaterialien, die das Spiel voranbringen und immer wieder für Überraschungen sorgen!

Quelle: www.kosmos.de

My City - Das Spiel

Das grundsätzliche Spielprinzip dürfte eigentlich hinlänglich bekannt sein. Wir haben ein Spielertableau mit einem Raster. Auf diesem Raster platzieren wir unsere Polyominos. Das kennen wir ja schon von Spielen wie „Ubongo“ (Kosmos), „Patchwork“ (Lookout) oder zuletzt auch von „Der Kartograph“ (Pegasus), um nur mal drei zu nennen. Letzteres hat auch eine weitere Gemeinsamkeit, denn das zu platzierende Teil wird durch eine zufällig aufgedeckte Karte bestimmt. Alles in allem also ein „Flip and Place“ mit dem Ziel, das Raster möglichst vollständig zu bedecken.

My City Kosmos KniziaÜbrigens ist das nicht das erste Spiel, in dem Reiner Knizia sich mit Polyominos beschäftigt hat. 2009 erschien bei Ravensburger seine Tetris-Adaption „Fits“. Das Spiel hatte einen ähnlichen Grundmechanismus.

Das interessante bei My City ist jetzt, dass die Polyominos und die Aufgabenkarten mit einem Legacy-Mechanismus kombiniert wurden. Das Spiel wurde in acht Kapitel mit je drei Szenarien unterteilt, die immer aufeinander aufbauen. Von Runde zu Runde kommen neue Regeln und weitere Elemente ins Spiel. Das Spielertableau verändert sich und das Spielmaterial wird aufgestockt. Gleichzeitig nimmt auch die eigene Erfahrung zu, sodass man aus eigenen Fehlern lernen kann um es in Folgeszenarien besser zu machen – oder, um andere, neue Fehler zu begehen.

Am eine eines Szenarios erfolgt immer eine Punktewertung. Bei diese Wertung bekommen der Sieger einer Runde ein dauerhaftes Handicap und der „Verlierer“ einen dauerhaften Vorteil. Letzteres kann auch als taktisches Element genutzt werden, indem man bewusst versucht, einmal eine Runde nicht zu gewinnen um den entschädigenden Vorteil fortan zu nutzen. Aber das ist schon eine sehr gewagte, eher hypothetische Strategie.

Erster Eindruck nach 3 von 8 Kapitel

Der Spieler wächst quasi mit seinen Aufgaben und Herausforderungen. Das führt allerdings auch dazu, dass My City komplexer und anspruchsvoller wird. Ist es bis Ende von Kapitel 2 (Spiel 6) noch auf einem schönen Familienspiel-Niveau, zieht es in Kapitel 3 schon deutlich an. Langsam wird klar, warum hier die Altersempfehlung mit 10+ angegeben wird.

My City Spiel 1Wer jedoch Interaktion erwartet, der wird enttäuscht sein. Da alle Spieler dasselbe Material zur Verfügung haben (meistens jedenfalls), baut jeder vor und für sich hin. Dafür ist es aber auch interessant zu beobachten, wie jeder Spieler seine Stadt entwickelt. Unterschiedliche Ansätze und unterschiedliche Strategien führen zu unterschiedlichen Resultaten und somit zu höherer oder niedrigerer Punktzahl am Ende eines Szenarios. Diese Punktzahl bestimmt dann letztendlich, wer Boni oder Handicap bekommt für die weiteren Szenarien.

Emotional hat My City einiges zu bieten. Es gab sogar Situationen, wo zu Beginn eines Spiels, beim platzieren des ersten Teils (!) bereits gejammert wurde. Sprüche wie „Das blöde Teil ist falsch rum!“, „Ich hab an der falschen Stelle angefangen“ oder „Hättest du besser die Karten gemischt, wären die Teile jetzt nicht so doof!“ gab es immer wieder. Auch Autor Reiner Knizia bekam gelegentlich dabei sein Fett weg. „Warum hat der Herr Knizia das Teil so lang gemacht? Das passt doch nirgendwo hin! Völlig falsch konzipiert!“ (Anmerkung: zu diesem Zeitpunkt lagen erst 2 Teile auf dem Tableau – Sorry Schatz!)

Apropos Zitate, in der allgemeinen Spielregel findet sich folgender Eintrag: „… Jeder Spieler nimmt sein auf der Baukarte abgebildetes Gebäude und legt es auf seinen Spielplan. Dabei gibt es keine Wartezeiten. Alle Spieler legen ihr Gebäude gleichzeitig…“

 

Wie das im Spiel bei uns tatsächlich funktionierte, muss man sich ungefähr so vorstellen:

Spieler A „Ok, bin so weit! Nächste Karte?“

Spieler B „Ähm, warte, gleich … japp, kannst aufdecken“

Spieler C „Nein! Halt! Muss noch hier, … nein… gleich… oder? Besser hier. Ok, hab‘s!“

Spieler B „Stopp! Ich Dreh doch noch hier .. Ok, hab‘s auch“

Zugegeben, so verlief nicht jeder Spielzug, aber es kam so oder so ähnlich schon des Öfteren vor. Sogar beim aller ersten Teil auf dem noch leeren Spielplan!

Erstes Fazit zu My City

Wir haben My City zu dritt gespielt. Da sich das Spiel, das Material von Runde zu Runde verändert, werden wir auch die restlichen Kapitel (4 bis 8) in dieser Besetzung spielen.

Blogbistro Kosmos 2020Als besonders fies haben sich Runden entpuppt, bei denen zu Beginn viele kleine Teile platziert werden mussten, während die größeren, ungeschickten Teile erst gegen Ende einer Partie zur Verfügung standen. Gut, dass dieser Umstand immer alle Spieler gleichermaßen traf.

My City hat uns auf jeden Fall so weit Spaß gemacht. Die sich ständig ändernden Regeln und Ausgangssituationen hielten den Spannungsbogen hoch. Man freute sich am Ende einer Runde auf die folgende und auf das, was kam. Das Einzige was wir nach Kapitel 3 zu bemängeln hatten, war das Schriftfeld für den Namen der Stadt. Das hätte man etwas größer machen können und ggf. hätte man auch 4 Stifte dem Spiel beilegen können. Das Verwenden von Kugelschreiber hat hier eher etwas von Gravieren als von Schreiben. Wir empfehlen daher Non-Permanent Marker mit 0,5-0,7mm.

Übrigens, unser Spielstand nach den drei ersten Kapiteln war ein ausgeglichenes 9 zu 9 zu 9. Es blieb also spannend.

Eindruck nach den 8 Kapiteln

Leider konnten wir in unserer Besetzung vorerst nicht weiterspielen. Die Kontaktsperren und Ausgangsbeschränkungen in der Corona-Krise machten ein Treffen und Spielen bis auf weiteres nicht möglich. Sobald wir hoffentlich alle alles gut überstanden haben, gibt es hier zu My City ein Update mit den Erfahrungen der Kapitel 4 bis 8.

Das „ewige Spiel“

My City Ewiges SpielDiese immer spielbare Variante habe ich ausprobiert, nachdem ich mit meinen Mitspielern bis Kapitel 3, Spiel 9, gekommen bin. Zunächst in einer Runde zu dritt, dann zu zweit. In der Dreier-Runde kannte ein Spieler My City bislang nicht. Ihm war der Einstieg aber schnell klar und er konnte sofort und problemlos mitspielen. Die dazu notwendigen Erklärungen waren nach wenigen Minuten absolviert. Das Niveau dieser Variante liegt ungefähr bei Spiel 9 oder 10.

Allerdings fehlte mir hier etwas. Irgendwie fühlte sich alles eher repetitiv an. Es fehlte mir persönlich die Spannung am Ende einer Partie auf das, was kommen könnte. Die Spannung und der Spielspaß, den bislang die Legacy-Variante erzeugte, fehlten mir komplett. Irgendwie fühlten sich die „ewigen“ Partien nach einer Solo-Puzzle-Beschäftigung mit Highscore-Jagd an.

Ich werde also eher nicht mehr all zu oft diese Variante spielen. Allerdings war die Vorfreude auf die weiteren Legacy-Runden direkt im Anschluss an das „ewige Spiel“, ungebrochen.

Vorläufiges Fazit zum „ewigen Spiel“

Die Variante „ewiges Spiel“ ist im Nachhinein betrachtet eher gewöhnlich, als innovativ. Karte aufdecken, zugehöriges Teil auf dem Plan einpuzzeln, nächste Karte und wieder dieselbe Prozedur. Am Ende Punkte zählen, Sieger ermitteln, fertig. Nichts was mich und uns hier vom Hocker hauen kann.

Das Legacy Spiel hingegen, konnte uns von der ersten Runde an fesseln. Man war bemüht, möglichst hoch zu punkten. Man war gespannt auf die nächste Regeländerung. Man beobachtete den Fortschritt der Mitspieler. Kurz, es war jederzeit spannend und abwechslungsreich, obwohl sich die Regeln, gerade in den ersten drei Kapiteln, nicht viel veränderten.

© 24.03.2020 Oliver Sack

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Abbildungen der Spiele und Regelauszüge ©Kosmos / Fotos: © Oliver Sack
Dies ist keine Werbung, dies ist eine rein sachliche Meinungsäußerung zu einem Produkt.


Der Einfachheit halber, verwende ich die maskuline Schreibweise in meinen Texten. Wenn ich von „Spieler“ schreibe, meine ich natürlich immer auch „Spielerinnen“ bzw. „Spieler m/w/d“ – um hier mal politisch korrekt zu bleiben, bevor jemand aus einem Loch kriecht und meckert. Das gilt übrigens auch für Grammatik und Rechtschreibung.

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