Titel Nebel CCS

Lesezeit: 10 Minuten

Carcassonne, die südfranzösische Stadt in Okzitanien (ehem. Languedoc-Roussillon) im Departement Aude wurde im 4. Jahrhundert gegründet. Im Jahre 1209 war Carcassonne Ziel von Papst Innozenz III. der den Albigenserkreuzzug gegen die Katharer initiierte. In der Folge war 800 Jahre lang so einiges in und um die Stadt geboten, bis 2000 ein neues Kapitel in den Geschichtsbüchern begonnen wurde. Denn im Jahre 2000 gelangte Carcassonne nach seiner Ernennung zum UNESCO-Weltkulturerbe 1997 erneut zu ungeahntem Ruhm. Klaus-Jürgen Wrede veröffentlichte damals sein Plättchen-Legespiel bei Hans im Glück. Ein Jahr später gewann Carcassonne dann den Titel „Spiel des Jahres“. Seither sind einige Varianten, Erweiterungen und Ableger auf den Markt gekommen. Einige sind nach kurzer Zeit verschwunden, andere heute noch oder wieder auf dem Markt. Eines hatten alle Spiele gemeinsam, sie waren kompetitiv. Das änderte sich erst jetzt, im Jahre 2022. Mit „Nebel über Carcassonne“ bringt Klaus-Jürgen Wrede Carcassonne als kooperatives Familienspiel auf unsere Tische.

Box Nebel über Carcassonne

Name: Nebel über Carcassonne

Für 2 bis 5 Personen, ab 8 Jahren

Autor: Klaus-Jürgen Wrede

Illustration: Marcel Gröber

Verlag: Hans im Glück

Spieldauer: 30-45 Minuten

Platzbedarf: ca. 60x60cm

Verlagstext

Dichter Nebel kriecht über die Felder und verschluckt ganz Carcassonne. Selbst die tapfersten Ritter zittern und ihre Rüstungen klappern, wenn sie die Erzählungen hören: „Der Nebel weckt die Seelen der Katharer. Und sie kommen, um Gerechtigkeit zu erfahren!“ Um wieder Frieden in Carcassonne herzustellen, müsst ihr gemeinsam die rastlosen Geister besänftigen.

Nebel über Carcassonne – das erste kooperative Spiel in der Welt von Carcassonne.

Quelle: www.hans-im-glueck.de

Das Spiel

Die Regeln und der Ablauf sind weitgehend identisch mit dem klassischen Carcassonne. Wir legen Plättchen passend an, setzen eventuell unsere Spielfiguren auf das soeben gelegte Plättchen und könnten abschließend noch eine Wertung auslösen. Aber das machen wir nicht mehr alleine gegen alle anderen Mitspielenden, sondern kooperativ. Wir versuchen gemeinsam in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen (Level 1-6) gegen das Spiel zu bestehen und eine bestimmte Punktzahl zu erreichen. Damit uns das aber nicht zu leicht gemacht wird, gibt es ein paar kleine Hürden. Zum einen sind wir gezwungen, je nach Level eine bestimmte Anzahl an Punkte mit einer bestimmten Anzahl an Plättchen zu erreichen. Dann und nur dann dürfen wir weiterspielen und bekommen weitere Plättchenstapel zum Nachziehen. Zum anderen ist da jetzt dieser Nebel und damit verbunden, Geister. Diese kleinen Schelme treiben permanent ihr Unwesen und immer wieder müssen wir uns jetzt mehr darum kümmern, Geister loszuwerden, anstelle Punkte für das gemeinsame Konto zu sammeln.

Nebel CCS SzeneDer Nebel

Auf rund 85-90 % der Plättchen sind Geister und Nebel abgebildet. Legen wir ein Plättchen auf dem Nebel und Geister zu sehen sind an, werden sofort je nach abgebildeter Anzahl Geister auf dieses Plättchen gelegt. Von diesen Geistern gibt es genau 15 Stück, und wenn der Vorrat an Geister aufgebraucht ist, haben wir sofort verloren. So sind wir permanent gezwungen, die Anzahl verfügbarer Geister im Auge zu behalten oder zu versuchen, Nebelfelder ähnlich wie Städte abzuschließen. Dann kommen die Geister im abgeschlossenen Nebelfeld zurück in den allgemeinen Vorrat, wo sie auf ihren nächsten Einsatz warten. Nachteil ist, durch das abschließen von Nebelfeldern wird keine Wertung ausgelöst, sondern nur Geister entfernt. So haben wir also mal wieder Plättchen „verbraucht“, keine Punkte bekommen und wertvolle Zeit verloren. Ein Dilemma.

In späteren Level wird das Geisterproblem noch größer, wenn über Friedhöfe noch mehr Geister auf das Spielfeld wandern und wir so noch mehr damit beschäftigt sind, diese loszuwerden. Eine echte Herausforderung, bei der man auch schon sehr früh scheitern kann oder es am Ende extrem knapp wird. Ein einzelner Geist kann ebenso über Sieg oder Niederlage entscheiden wie eine gute Wertung zum richtigen Zeitpunkt.

Punktevergabe bei Nebel über Carcassonne

Punkte gibt es wie gewohnt für abgeschlossene Städte und Straßen. So weit, so gut und sicherlich bekannt. Weggefallen ist bei „Nebel über Carcassonne“ jetzt die Wiesenwertung und die Wertung der Klöster. Es werden also nur noch die Straßen und Städte nach den üblichen Regeln gewertet. Neu ist hier bei der kooperativen Variante die Punkteverteilung für den Fall, dass man nicht alleine bei einer Wertung ist. Im Gegensatz zum großen Bruder werden in diesem Fall keine Punkte aufgeteilt, sondern ganz nach dem kooperativen Gedanken, verdoppelt, verdreifacht oder gar vervierfacht, wenn mehrere Spieler an einer Wertung beteiligt sind. Diese Änderung bringt unterm Strich wertvolle Punkte auf dem Weg zum Erfolg, verleitet aber auch zu einem riskanten Städtebau.

Neue Elemente

CCS Nebel PunkteNeu hinzukommen jetzt noch Schlösser und Friedhöfe. Die Schlösser werden ähnlich gewertet wie Klöster. Ist ein Plättchen mit Schloss komplett umgeben von anderen Plättchen, so bekommen wir für jedes dieser 9 Plättchen zwei Punkte, wenn auf dem entsprechenden Plättchen Nebel abgebildet ist. Diese Punkte bekommen wir automatisch, sobald das Schloss umbaut wurde, ohne dass dafür ein Meeple auf dem Schloss stehen muss. Bei den Friedhöfen sieht das schon anders aus. Solange diese nicht orthogonal von Plättchen umschlossen sind (also, links, rechts, oben und unten ein benachbartes Plättchen anliegt), bleiben die Friedhöfe aktiv. Ein aktiver Friedhof bekommt jedes Mal, wenn irgendwo ein Geist ins Spiel kommt, auch eines dieser kleinen Biester. Erst wenn ein Friedhof abgeschlossen wird, kommen alle Geister auf ihm in den allgemeinen Vorrat zurück. Klingt gut? Wäre es bestimmt, aber wenn ein Friedhof abgeschlossen wird, muss ein Meeple vom Spielplan dort „beerdigt“ werden.

Wir haben also eine Spielfigur weniger für den Rest des Spiels. Kleiner Trost, auch wenn mehrere Friedhöfe (es gibt insgesamt 5) ausliegen, wird immer nur einer mit Geistern belegt. Jedoch kann jeder ausliegende Friedhof umschlossen werden, was wiederum zu einer „Beerdigung“ führt, bevor auch nur ein Geist dort erscheint. Dilemma nach Dilemma. Ach ja, Punkte kann man mit einem Friedhof keine einfahren. Ein Friedhof macht also nur Ärger.

Unsere Erfahrungen und Eindrücke

Auch wenn das Spiel im Grunde sich nicht viel vom Ur-Carcassonne unterscheidet, so hat es doch mehr zu bieten, als es zunächst den Anschein hat. Als kundige Carcassonne-Spieler fiel es uns auch recht leicht, in die Regelunterschiede und Feinheiten gegenüber den bekannten Regeln einzutauchen. Recht schnell kam so ein guter Spielfluss zustande. Anders als bei manch anderem Carcassonne-Ableger.

Aber ebenso schnell kamen wir hier an unsere Grenzen. Denn das Regelwissen bringt rein gar nichts bei der vermeintlichen Übermacht an Nebel und Geister. Ruck-Zuck scheiterten wir schon in Level 1 und 2. Ob wir zu übermütig waren? Nein, man muss hier einfach umdenken. Es genügt eben nicht nur kooperativ auf eine Gesamtpunktzahl zu spielen, nein, man muss auch gemeinsam werten! Nur so kommt man zu ausreichend Punkte, um ein Level zu bestehen. Es ist nämlich schon ein Unterschied, ob jeder für sich mal hier und da eine kleine Stadt wertet, oder ob man gemeinsam an einer Stadt arbeitet, um die doppelte oder dreifache Punktzahl zu bekommen. Und immer wieder diese lästigen Geister.

Nebel über CarcassonneGeister, Geister, Geister

Die Idee, über diese Geister einen gewissen Druck auf das Team auszuüben, ist cool. Die Idee, nur 15 dieser Geister in das Spiel zu packen, ist hingegen weniger cool, aber das Problem gilt es schließlich zu lösen. Doch was tun, damit man von der Geisterschar nicht überrannt wird? Gerade in Verbindung mit den Friedhöfen gibt es hier nur eine Lösung: schnell hohe Punktwertungen generieren und immer wieder versuchen, Geister abzuwehren. Da es aber nicht immer leicht ist, Nebelgebiete abzuschließen, um Geister vom Spielplan zu entfernen, ist die Gruppe immer wieder gezwungen, kleine Wertungen (unter 6 Punkten) zu generieren und auf die Punkte zu verzichten. Dann können immerhin bis zu 3 Geister von einem Plättchen entfernt werden. Das verschafft etwas Zeit. Zeit, die man aber unter Umständen gar nicht hat, weil der Kartenstapel gnadenlos kleiner wird.

Handicaps

Wir schlitterten also immer wieder von einem Dilemma ins nächste. Hat man die Geister im Griff, fehlen wertvolle Punkte oder gehen die Plättchen im Vorrat aus. Glaubt man die Plättchen im Griff zu haben und kann immer wieder werten, kommen einem die Geister im ungünstigsten Moment wieder in die Quere. Hat man Geister und Plättchenstapel im Griff, reichen die Punkte nicht. Wie man es macht, ists falsch, – zumindest fühlt es sich manchmal so an. Doch dann gibt es auch wieder Partien, die einen zurücklassen mit dem Gefühl „Wo ist das Problem?“. Alles läuft, Fortuna war bei uns und das ist gut so. Ein zu häufiges, deutliches Scheitern würde den Spielreiz schmälern. Immer wieder mal knapp scheitern, mit dem Gefühl, es hätte klappen können, wenn nur …. 1 Geist mehr, ein Plättchen mehr oder spiegelverkehrt, oder, oder, oder … man kennt das.

Eins bleibt aber ganz offensichtlich. Bei all den taktischen Möglichkeiten ist das ganze Spiel sehr, sehr glückslastig. Wenn die Plättchen gut ins Spiel kommen, läuft alles problemlos. Ein Kinderspiel. Kommen die Plättchen nicht so, wie man es gerne hätte, wird man früher oder später scheitern. Denken wir dabei nur mal an die Tatsache, dass bis zu 3 Geister gleichzeitig ins Spiel kommen und mit Friedhof gar 4, dann kann man sich leicht ausrechnen, wie lange es dauert, bis die 15 Geister verbraucht sind. Dabei spielt es dann auch keine Rolle, ob man zu zweit, zu dritt oder zu fünft spielt.

Keine Lust auf kooperatives Carcassonne?

Kein Problem. “Nebel über Carcassonne“ kann problemlos als Erweiterung zum Grundspiel verwendet werden. Nebel, Geister, Schlösser und Friedhöfe können einzeln oder zusammen quasi als Module mit dem Grundspiel verwendet werden. Die entsprechenden Regeln liegen bei.

Ausprobiert haben wir diese Möglichkeit jedoch bisher nicht, da wir meist das Grundspiel ganz ohne Erweiterungen spielen oder eben jetzt die kooperative Variante.

Fazit

Wer eine neue Herausforderung im Carcassonne-Universum sucht und gerne auch Mal kooperativ zu Werke geht, der ist hier absolut gut aufgehoben. Zwar sind es nur 6 Level, aber diese haben es in sich und machen immer wieder Lust und Laune. Sowieso, wenn man knapp gescheitert ist, den wer hört schon gerne mit einer Niederlage auf zu spielen?

Euch ist eine Meinung nicht genug?

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Schaut doch mal bei den lieben Kollegen vom Beeple-Netzwerk nach. Vielleicht findet ihr unter www.beeple.de noch die eine oder andere Meinung zu diesem Spiel.

Alternativ könnt ihr immer gerne auch auf unserem und auf dem Discord-Server vom Beeple-Netzwerk nach weiteren Meinungen suchen.

© 18.11.2022 Oliver Sack – Abbildungen der Spiele und Regelauszüge ©Hans im Glück / Fotos: © Oliver Sack

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Der Einfachheit halber, verwende ich meist die maskuline Schreibweise in meinen Texten. Wenn ich von „Spieler“ schreibe, meine ich natürlich immer auch „Spielerinnen“ bzw. „Spieler m/w/d“


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