swindler titel

Lesezeit: 10 Minuten

Swindler wurde bereits Anfang 2021 schon angekündigt. Damals noch unter dem Titel „Beutelschneider“. Dieser ursprüngliche Titel konnte jedoch aus Urheberrechtsgründen nicht verwendet werden und so entschied man sich kurzer Hand für die englische Übersetzung.

Swindler spielt im frühen 19. Jahrhundert in London. Wir sind arme Schlucker und versuchen uns mit kleinen Gaunereien über Wasser zu halten. Als Opfer haben wir uns dafür die „reichen Säcken“ der Stadt ausgesucht. Ihnen wollen wir Geld und allerlei wertvolle Dinge klauen, um diese bei einem Hehler zu Geld zu machen.

Frage mich nur, ob ich es gut finden soll, wenn „reiche Säcke“ bestohlen werden sollen? – OK, Glück gehabt, bin ja nicht reich.

swindler-box

Name: Swindler

für 2-4 Personen, ab 10 Jahren

Autor: Matthias Cramer, 2022

Grafik: Lisa Forsch

Genre: Can’t Stop

Verlag: Edition Spielwiese

Vertrieb: Pegasus

Spieldauer: 45-60 Minuten

Platzbedarf: ca. 60x60cm

Verlagstext

Reiche Säcke bevölkern das viktorianische London. Doch die Spielenden gehören nicht zu ihnen. Nein, vielmehr sind sie Beutelschneider*innen, die die reichen Säcke um ihren Schmuck, ihr Geld und ihre Haustürschlüssel erleichtern wollen … Sie werden das alles schon nicht vermissen.

Bei Swindler geht es den „reichen Säcken“ an den Kragen bzw. Geldbeutel. Dabei ziehen die Spielenden Schätze aus verschiedenen Stoffsäcken. Die Beute verkaufen sie entweder direkt an Hehler oder sie nutzen sie, um lukrative Aufträge zu erfüllen, um zum Meisterdieb bzw. zur Meisterdiebin zu werden. Doch Achtung: Manch feiner Schnösel ist aufmerksamer, als gedacht. Eine falsche Bewegung und die ganze schöne Beute ist futsch!

Quelle: Pegasus

Glossar

Can’t Stop – oder auch „Push your Luck“ ist ein Mechanismus mit Zufallselement, der immer wieder aufs Neue ausgeführt wird. Dabei muss der Spielende jedes Mal entscheiden, ob er aufhört und das bisher Gewonnene behält oder erneut sein Glück auf die Probe stellt, um im Falle eines Misserfolgs alles zu verlieren. Dabei wird Habgier manchmal bestraft, ein anderes Mal belohnt. Glückskinder wissen, was ich meine. Berühmtestes Spiel mit Can’t-Stop-Mechanismus ist sicherlich Sid Jacksons „Can’t Stop“, nachdem dieser Mechanismus auch benannt wurde.

Der Spielablauf bei Swindler

Das schnelle Familienspiel ist ruckzuck aufgebaut und es kann schnell zur Sache gehen.

Wenn ich an der Reihe bin, spiele ich 5 Phasen teils freiwillig, teils verpflichtend durch. Anschließend kommt der nächste Mitswindler an die Reihe und so weiter, bis das Spielende meist völlig überraschend einschlägt.

Phase 1

swindler auftraege„Auftrag reservieren“ Ich schaue mir die vier offen ausliegenden Aufträge an, ob ich keinen, einen, oder maximal drei davon annehme und diese dann in der laufenden oder einer späteren Runde erledigen möchte. Es gibt Aufträge, für die ich zwei Schlüssel abgeben muss oder auch nur eine Münze oder diverse andere Schmuckstücke. Ich entscheide mich für einen Auftrag. Das sollte genug sein für die erste Runde. Ich muss jetzt also: „ziehe 3 verschiedene Beuteplättchen hintereinander.“ Bringt mir immerhin gleich 5 Punkte, wenn ich es schaffe. Die anderen Aufträge sind mir zum jetzigen Zeitpunkt noch zu riskant. Die schaue ich mir später dann an, wenn ich mal ein paar Beutestücke eingesammelt habe, sofern diese Aufträge dann noch verfügbar sind. So bleibt es also bei diesem einen Auftrag. Gut, gehen wir’s an.

Phase 2

swindler-saecke„Reiche Säcke bestehlen“ Jetzt wähle ich einen der fünf Stoffsäcke, bei dem ich glaube (hoffe), dass genügend brauchbare Dinge darin enthalten sind. Denn ziehe ich viele verschiedene Beutestücke daraus, darf ich alle behalten und kann meinen Auftrag erledigen. Na dann los. Ich ziehe einen blauen Schlüssel. Dann eine Münze, dann ein Schmuckstück. Eigentlich könnte ich jetzt aufhören, denn ich hab ja die Bedingung für meinen Auftrag erfüllt. Aber warum sollte ich kneifen, jetzt, wo ich eine Glückssträhne hab? Eben! Also noch ein Griff in den Beutel und es ist … Ein Schädel! Mist! Alles weg. Ich hab’s versemmelt. Can’t Stop ist schon grausam zu mir. Macht fast gar nichts. Denn mein reservierter Auftrag bleibt erhalten, solange ihn mir keiner wegschnappt. Nächstes Mal einfach nicht ganz so gierig oder doch wieder volles Risiko?

Phase 3

„Aufträge erfüllen und/oder Diebesgut an die Hehler verkaufen“. Das wäre jetzt in der Tat interessant gewesen. Ich hätte ja den Auftrag erledigt und hätte die Waren gleich noch gegen Punkte an die Hehler abgeben können. Hätte ich mal… ja, hätte, hätte, keine Perlenkette.

Phase 4

„Hehlerplättchen und Aufträge auffüllen“. Weiter mit „hätte, hätte“, hätte ich jetzt Aufträge und/oder Hehlerplättchen erfüllt, so würden diese jetzt aufgefüllt werden. Dabei kann es passieren, dass eine Polizeirazzia bei den Auftragskarten aufgedeckt wird. In diesem Falle würde sofort das Spiel unterbrochen werden und alle Swindler müssten je nach Umfang der aktuellen Beute wieder Beutestücke abgeben. Hat ein Swindler zu diesem Zeitpunkt noch zu viele Steckbriefmarker vor sich liegen, muss er sogar in den Kerker und eine Runde aussetzen. Die Krux dabei, Steckbriefe, die man beim Erfüllen besonders lukrativer Aufträge bekommt, wird man nicht mehr los. Es gilt also genau abzuwägen, ob man sich diese Steckbriefe zulegen möchte. Noch ein starkes Glücks- und Zockerelement.

Phase 5

swindler komplizen„Komplize anheuern“. Diese Phase kann ich auch ausführen, wenn ich zuvor kein Glück hatte. Für eine Münze, soweit vorhanden, kann ich mir jetzt eine Komplizenkarte kaufen und so einen Mitstreiter verpflichten. Diese netten Charakterkarten sind ein schönes interaktives Element im Spiel. Je nach Komplize kann ich so auch mal meinen Mitswindlern Beute abluchsen, zwingen, weiter aus einem Sack zu ziehen oder auch mal den Sack zu wechseln. Da ich jetzt gerade zwei Münzen besitze, ziehe ich natürlich auch zwei Komplizenkarten. Oh schön, eine „Meuchlerin“. Mit ihr kann ich gegen mich gespielte Komplizenkarten abwehren. Und einen „Naseweis“. Cool, hier kann ich auf ein Versagen eines Mitswindlers wetten, wenn dieser beim Can’t Stop einen Schädel zieht, gewinne ich eine weitere Münze. Zack! Direkt in der nächsten Runde eingesetzt und abkassiert.

Unsere Eindrücke

Das Spiel ist gewollt, sehr glückslastig und beruht auf einem Can’t Stop (Push Your Luck) Mechanismus.

swindler-spielszeneWir ziehen Beuteplättchen aus verschiedenen Stoffsäckchen. Die eventuelle Beute verkaufen wir entweder direkt an Hehler oder nutzen sie, um lukrative Aufträge zu erfüllen, um so zum Meisterdieb bzw. zur Meisterdiebin zu werden. Doch Achtung: Manch feiner Schnösel ist aufmerksamer als gedacht. Eine falsche Bewegung einmal zu viel riskiert und die ganze schöne Beute ist futsch! Gut, wenn man in diesem Moment einen guten Komplizen an der Hand hat. Diese können immer wieder für überraschende Wendungen im Spiel sorgen und machen das Spiel interaktiv, unberechenbar und sehr unterhaltsam.

Das Spielmaterial ist zwar etwas dunkel designet, aber richtig gut geworden. Sehr stimmungsvoll und vor allem bei den Komplizen auch sehr thematisch. Einzig die Stoffsäckchen haben ein kleines Manko. Nicht immer sieht man auf Anhieb, an welcher Seite die Öffnung ist. Es gab immer wieder Situationen bei uns am Tisch, wo im Eifer des Gefechtes ein Säckchen an der falschen Seite geschnappt wurde und die dann unten liegende Öffnung den Inhalt sagen wir mal schlagartig auf dem Tisch präsentierte. Es gilt also aufzupassen, an welcher Seite sich die Öffnung der Säckchen befindet. Aber wie gesagt, das ist nur ein kleiner Schönheitsfehler.

Die Spielregeln sind supereinfach und fast logisch. Aber eben nur fast! Leider gab es bei uns in den ersten Partien immer wieder Diskussionen zu ein paar Aufgabenkarten, die wir oder ich einfach nicht nachvollziehen konnten.

Die Auftragskarten

swindler startauftraegeLeider gibt es im Spiel 4 Auftragskarten, die nicht eindeutig in den Regeln erklärt werden. Es handelt sich hierbei um die Karten

–        Ziehe 1 Münze aus einem beliebigen Sack.

–        Ziehe 2 identische Beuteplättchen hintereinander.

–        Ziehe 3 verschiedene Beuteplättchen hintereinander.

–        Ziehe 3 Beuteplättchen (keine Schädel) hintereinander.

Wir haben hier viel gerätselt und diskutiert in unserer ersten Partie. Geholfen hat uns schlussendlich und kurzfristig der Lars vom Edition Spielwiese Social Media Team. Herzlichen Dank noch einmal dafür.

„Ziehen“ heißt ziehen, soweit so klar. Obwohl wir uns beim Erfüllen von Aufträgen in Phase 3 „Aktionen“ befinden, bezieht sich das „Ziehen“ auf das Resultat (den Erfolg) in Phase 2 „Reichen Sack bestehlen“. „Ziehe“ heißt also „Du hast in Phase 2 erfolgreich gezogen, und zwar …“.

Wir wählen also in Phase 2 einen der Säcke aus und beginnen zu ziehen. Ein Plättchen nach dem anderen, solange wir wollen beziehungsweise bis uns ein Schädel begegnet. Man verliert dann sofort alle Plättchen der entsprechenden Farbe und vor allem der in Phase 1 reservierte Auftrag kann in Phase 3 nicht mehr erfüllt werden.

Im Detail bedeutet dies:

Ziehe 1 Münze aus einem beliebigen Sack.
Die Aufgabe ist erfüllt, sobald man in Phase 2 erfolgreich eine Münze gezogen hat. Wurde in Phase 2 nach der Münze noch ein Schädel gezogen, kann die Aufgabe ist nicht mehr erfüllt werden.

Ziehe 2 identische Beuteplättchen hintereinander.
Auch hier gilt, wurde in Phase 2 erfolgreich gezogen, ist die Aufgabe in Phase 3 erfüllt.
Spieler zieht in Phase 2: A-B-C-C-D-A (Aufgabe in Phase 3 erfüllt)
Spieler zieht in Phase 2: A-A-C-D-C-C (Aufgabe in Phase 3 erfüllt)
Spieler zieht in Phase 2: A-B-B-Schädel (Aufgabe nicht erfüllt!)
Die Aufgabe in Phase 3 ist also erfüllt, sobald hintereinander 2 identische Plättchen während Phase 2 gezogen wurden und der Spieler das Ziehen beendete, bevor ein Schädel auftauchte.

Ziehe 3 verschiedene Beuteplättchen hintereinander.
Analog zu „2 identische“
Spieler zieht: A-A-B-C-E (Aufgabe erfüllt)
Spieler zieht: A-B-C-Schädel (Aufgabe nicht erfüllt)

Ziehe 3 Beuteplättchen (keine Schädel) hintereinander.
Spieler zieht: A-A-C-E (Aufgabe nach C erfüllt)
Spieler zieht: D-B-C (Aufgabe nach C erfüllt)
Spieler zieht: A-B-C-Schädel (Aufgabe nicht erfüllt)

Weiterhin gilt, wurde das Ziehen in Phase 2 freiwillig beendet, bevor die reservierte Aufgabe erfüllt wurde, dann gilt die Aufgabe in Phase 3 natürlich auch als nicht erfüllt und der Reservierungsmarker bleibt auf der Aufgabenkarte liegen.

Fazit

Swindler ist ein unterhaltsames, schnell gespieltes Familienspiel mit hohem Ärgerfaktor aufgrund der Interaktionsmöglichkeiten durch und mit den Komplizen. Swindler macht in jeder Besetzung Spaß, obwohl wir es zu zweit jetzt nicht so gut finden. Schön auch die praktisch nicht vorhandene Downtime, denn irgendwie ist man entweder selbst am Zug oder beobachtet die Mitstreitenden genau. Vielleicht kann man ja mit seinen Komplizen eingreifen und ist dann, auch wenn man nicht an der reihe ist, wieder mittendrin statt nur dabei. Ideal also für die schnelle Runde als Aufwärmer oder als etwas ausgedehnten Absacker.

Euch ist eine Meinung nicht genug?

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Schaut doch mal bei den lieben Kollegen vom Beeple-Netzwerk nach. Vielleicht findet ihr unter www.beeple.de noch die eine oder andere Meinung zu diesem Spiel.

Alternativ könnt ihr immer gerne auch auf unserem und auf dem Discord-Server vom Beeple-Netzwerk nach weiteren Meinungen suchen.

© 23.10.2022 Oliver Sack – Abbildungen der Spiele und Regelauszüge ©Edition Spielwiese / Pegasus – Fotos: © Oliver Sack

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