Tal der Wikinger Titel

Tal der Wikinger, ein Kinderspiel aus dem Hause HABA, was unschwer an der gelben Box zu erkennen ist. Die Kinderspiele-Experten aus Bad Rodach haben zusammen mit dem Autorenpaar Wilfried und Marie Fort ein Spiel mit Action, Glück und Taktik geschaffen. Was 2017 beim „Festival International des Jeux“ im französischen Cannes noch als Prototyp gezeigt wurde, fand schnell den Weg nach Bad Rodach. Dort wurde weiter daran gefeilt und getüftelt. Der Lohn für diese Arbeit bekam das Spiel bereits im Jahr der Veröffentlichung, als es im Sommer 2019 mit dem Kritiker-Preis „Kinderspiel des Jahres 2019“ ausgezeichnet wurde. Seit 2001 gibt es diesen begehrten Kinderspiele-Preis mit dem blauen Pöppel und für HABA ist der fünfte Titel. Kein anderer Verlag war hier bisher erfolgreicher.

Eckdaten

Name: Tal der Wikinger

Für 2-4 Spieler, ab 6 Jahren

Autoren: Wilfried und Marie Fort

Grafik: Maximilian Meinzold

Verlag: HABA

Spieldauer: 20 Minuten

Platzbedarf: ca 90x90cm

 

Kinderspiel des Jahres 2019

Tal der Wikinger KSdJ2019 Box

Verlagstext

Wenn im Tal der Wikinger das alljährliche Fässerkegeln stattfindet, müssen die Spieler Mut, Geschick und vor allem Risikofreude beweisen, um mit der Kugel die richtigen Fässer umzuwerfen und möglichst viele Goldmünzen zu sammeln. Das spannende Taktik- und Geschicklichkeitsspiel Tal der Wikinger von HABA sorgt mit beeindruckendem XXL-Spielplan, 3D-Wikingerschiffen und 24 Goldmünzen für eine tolle Spielatmosphäre und spannenden Spielspaß bis zur letzten Sekunde. Wer zu viel wagt und ins Wasser plumpst, geht komplett leer aus. Wer es aber schafft, durch geschicktes Kegeln seine Wikinger gut auf dem Steg zu positionieren und die meisten Goldmünzen zu erbeuten, gewinnt das Spiel.

Quelle: www.haba.de

Anmerkung vorweg

Von der Produktbeschreibung sollte man sich nicht verwirren lassen. Auch wenn dort steht „XXL-Spielplan“ besteht kein Grund zur Sorge. Das Spiel passt problemlos auf jeden normalen Tisch in Küche, Ess- oder Wohnzimmer.

Das Spiel

Tal der Wkinger SpielszeneDer große Spielplan zeigt einen großen Platz sowie am Rand einen Steg, auf dem später die Wikinger entlanglaufen. Da immer mit dem gesamten Material gespielt wird, werden in der Mitte des Spielplans alle vier Fässer platziert. Jeder Spieler bekommt eines der Wikingerschiffe und den passenden Marker, der neben dem ersten Feld des Stegs platziert wird. Bei weniger als vier Spieler, wird das nicht benötigte Material jedoch nicht beiseite gelegt. Die nicht benötigten Schiffe stehen neben dem Spielplan, die Marker kommen zu den anderen, neben den Steg. Das heißt, egal in welcher Besetzung, gespielt wird Tal der Wikinger immer mit dem kompletten Spielmaterial. Bevor es dann losgeht, werden die Aktionsfelder, welche später die Belohnungen anzeigen, noch zufällig bestückt. Dann geht’s los.

Der größte Teil des Spielbretts wird benötigt, um die Fässer zu platzieren und um zu „kegeln“. Jedes Fass hat eine andere Farbe, passend zu den vier Spielerfarben. In den Ecken des Planes sind die Startfelder, wo die große Kugel platziert werden kann. Mit Hilfe eines „Schubsers“ darf der aktive Spieler nun die Kugel in Bewegung bringen. Er versucht dabei, möglichst gezielt, genau die Fässer umzuwerfen, dessen farblich passende(n) Wikinger-Marker er auf dem Steg bewegen möchte. Fallen eins oder mehrere Fässer um, darf der aktive Spieler jetzt alle farblich passenden Wikinger-Marker je 1 Feld auf dem Steg vorwärts bewegen. Dabei achtet er natürlich darauf, wann welcher Marker bewegt wird, um das Beste aus der Situation zu machen. Natürlich wird versucht, den eigenen Marker möglichst lukrativ zu platzieren und einen Mitspieler vom Steg zu schubsen. Fällt Wein Wikinger vom Steg, geht es mit der nächsten Runde weiter. Dazu werden die umgefallenen Fässer wieder aufgestellt und der nächste Spieler ist an der Reihe und darf die Kugel schubsen.

Irgendwann fällt ein Wikinger Marker am Ende des Stegs ins Wasser! Jetzt wird sofort gewertet. Dabei erhalten die Spieler, deren Marker noch auf dem Steg stehen, Goldmünzen. Wer vom Steg gefallen ist, bekommt nichts und fängt wieder vorne am Steg an. Wie viel Goldmünzen ein Spieler bekommt, hängt von seiner Position auf dem Steg ab. Je nachdem, wo er steht, bekommt er entweder bis zu vier Münzen aus dem Vorrat oder darf bei einem oder allen Mitspielern Münzen aus deren Schiff klauen.

Das Spiel endet, wenn keine Münzen mehr im Vorrat zu holen sind. Gewonnen hat dann, wer hätte es gedacht, der Spieler mit den meisten Münzen.

Unsere Eindrücke zu Tal der Wikinger

Das rollen der Kugel ist das zentrale und manchmal auch emotionalste Element im Spiel. Zwar versucht man immer, die Fässer gezielt zu treffen, aber das gelingt meist nicht so wie gewollt. Dann gilt es, mit der Situation klar zu kommen. Bedeutet, das Beste aus dem Resultat zu machen. Und genau hier beginnt jetzt die Problematik. Jetzt muss nämlich taktiert werden und das ist nicht einfach. Klar kann man jetzt einfach ohne groß zu planen, die entsprechenden Marker auf dem Steg vorwärts ziehen und schauen was passiert. Doch ist das der Sinn des Spiels? Soll es aus dem Bauch heraus gespielt werden und somit völlig beliebig und zufällig enden? Wohl eher nicht.

TdW StegWir stellten uns daher immer wieder die Frage, können Kinder mit den strategischen und taktischen Möglichkeiten auf der Steg-Leiste etwas anfangen? Können sie erkennen, welche Entscheidung für sie lukrativ ist? Es kommt auf das Kind an und darauf, wie fit es ist bei solchen Spielen. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt wohl noch nicht genug Erfahrungen und junge Spielpartner. Um all das für uns noch besser einschätzen zu können, haben wir uns kurzerhand erneut bei den Nachbarn die Kinder „ausgeliehen“ beziehungsweise das Spiel dort zur Verfügung gestellt, mit der Bitte um Feedback. Die Mädels sind 5 1/2 und 7 Jahre alt und spielten mit ihren Eltern einige Runden Tal der Wikinger.

Es war wie vermutet. Auch dort taten sich die Kids schwer, die taktischen Möglichkeiten zu erkennen und umzusetzen. Sie spielten mehr oder weniger „planlos“ und schauten was passiert. Nur durch tatkräftige Unterstützung der Eltern spielten sie taktisch. Nun kann man natürlich sagen, es ist ein Kinderspiel. Ja, aber das würde für uns auch bedeuten, dass Kinder auch alleine spielen können. Aber genau hier sehen wir das nicht und haben da unsere Bedenken. HABA macht hier eine Altersempfehlung mit „ab 6 Jahren“, aber wir meinen, dass das zu niedrig angesetzt ist. Eine Einstufung als Familienspiel, also ab 8 Jahren, wäre passender. Allerdings dürfte dann etwas zu wenig am Spiel dran sein. Wir bleiben gespalten.

Fazit

Ob also 6-jährige wirklich schon die taktischen Entscheidungen treffen können, im Bezug auf den Steg und die Position der einzelnen Wikinger-Marker dort, bezweifeln wir nach wie vor. OK, manch ein Kind mit 6 Jahren ist fit, aber andere sind es eben auch nicht. Noch mal, wir finden das Spielelement mit dem Steg zwar grundsätzlich super, halten es aber für die Zielgruppe des Spiels eher für ungeeignet.

© 10.04.2020 Oliver Sack

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Abbildungen der Spiele und Regelauszüge ©HABA / Fotos: © Oliver Sack
Dies ist keine Werbung, dies ist eine rein sachliche Meinungsäußerung zu einem Produkt.


Der Einfachheit halber, verwende ich die maskuline Schreibweise in meinen Texten. Wenn ich von „Spieler“ schreibe, meine ich natürlich immer auch „Spielerinnen“ bzw. „Spieler m/w/d“ – um hier mal politisch korrekt zu bleiben, bevor jemand aus einem Loch kriecht und meckert. Das gilt übrigens auch für Grammatik und Rechtschreibung.

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